Hallo, Lahela!
Wenn mit dem „dunklen Netz“ nichts weiter gemeint ist als farbloses Gewebe, und es sich nur um eine Person handelt, so ist es wohl Arachne, die du suchst, wie Hannes es sagte. Er hat auch die Geschichte dieses Mädchen genannt.
Obwohl ein farbloses Spinnennetz, vom Tau benetzt und von der Morgensonne beschienen, eine Glanz besitzt, den kaum eine Juwelenschmuck übertrefen kann.
Sollte das „Dunkle“ – wie du auch andeutetest – aber etwas mit dem Schicksal zu tun haben und die Angabe „eine Person“ auch als kleine Gruppe verstanden werden können, so dürften Annjabusch und Mortes eher richtig liegen.
Um dir die Entscheidung zu erleichtern, habe ich zwei Lexika befragt.
_ Nornen (Nord. M.), Schicksalsgöttinnen: drei weise Jungfrauen von nie alternder Schönheit und nie wechselndem Ernst, Urd, Naranda und Skuld geheissen. Sie wohnen in einem Palast unter der Esche Ygdrasil, dem Lebensbaum, dessen Dauer sie dadurch erhalten, dass sie seine Wurzeln täglich mit dem Wasser aus den Udarquellen benetzen, damit er nicht verdorre, und mit dem in der Nähe liegenden weissen Lehm bestreuen, damit sie nicht faulen. Nach ewigen Gesetzen weben sie den Lauf der Dinge, die Schicksale der Könige, die Thaten der Helden, und wurden daher von den Bewohnern des Nordens hoch verehrt.
[Wörterbuch der Mythologie: Nornen, S. 1. Digitale Bibliothek Band 17: Wörterbuch der Mythologie, S. 5762 (vgl. WdM, S. 355)]
Parcen, griechisch Moeren * (Gr. u. röm. M.), Schicksalsgöttinnen, entweder Töchter der Nacht, oder Jupiters und der Themis. Die älteren Mythographen geben ihre Zahl nicht an; später werden deren drei genannt: Clotho, Lachesis, Atropos. Sie sind die ernsten Schicksalsgöttinnen, welche von der Geburt an das Leben des Sterblichen leiten, seine Dauer und seine Wechsel bestimmen, gegen deren Bestimmung sogar Jupiter nicht wirken kann, der selbst ihnen unterworfen ist.
[Wörterbuch der Mythologie: Parcen, S. 1. Digitale Bibliothek Band 17: Wörterbuch der Mythologie, S. 6046 (vgl. WdM, S. 368)]_
* An der Schreibung hier musst du dich nicht stören. Das Wörterbuch der Mythologie erschien 1836 erstmals und man hat in der digitalisierten Fassung die Schreibung beibehalten.
Parze war bei den Römern wohl zuerst nur eine einzelne Göttin der Geburt und ist dann, dem griechischen Vorbild entsprechend, dreigeteilt worden.
Auch bei den Moiren liegt der Verdacht nahe, dass sie ursprünglich eine sogar über den Göttern stehende numinose Schicksalsmacht war – so bei Homer – , die dann durch den Drang der Griechen alles in anthropomorphe (menschenähnliche) Gestalten zu bringen die Dreigestalt und die „sprechenden“ Namen erhielten – bei Hesiod. So steht es auch in der Britannica.
_ Greek Moira, plural Moirai, Latin Parca, plural Parcae
in Greek and Roman mythology, any of three goddesses who determined human destinies, and in particular the span of a person’s life and his allotment of misery and suffering. Homer speaks of Fate (moira) in the singular as an impersonal power and sometimes makes its functions interchangeable with those of the Olympian gods. From the time of the poet Hesiod (8th century BC) on, however, the Fates were personified as three very old women who spin the threads of human destiny. Their names were Clotho (Spinner), Lachesis (Allotter), and Atropos (Inflexible). Much later, some fanciful writers assigned different tasks to the three goddesses: Clotho spun the “thread” of human fate, Lachesis dispensed it, and Atropos cut the thread (thus determining the individual’s moment of death). The Romans identified the Parcae, originally personifications of childbirth, with the three Greek Fates. The Roman goddesses were named Nona, Decuma, and Morta._
Welche meintest du nun?
Gruß Fritz