Hallo,
Verkaufargument „Versorgungslücke“
Aus gegebenem Anlaß lasse ich mich gerade zum Thema Altersvorsorge beraten – nun ist man zwar nicht ganz dumm – aber die Materie ist ja voller Tücken.
Nun kann auch ein Versicherungsberater nicht alles vorhersehen – also gehen wir man von Daten und Fakten aus, die uns derzeit bekannt sind – denn Inflationsraten in 30 Jahren betreffen alle und niemand weiß, wie hoch die sind, genauso wie niemand die Politik für 30 Jahre vorhersagen kann oder die Wirtschaftsdaten. Also bleibt uns als Fakten nur der derzeitige Stand.
Nun gut – einige Versicherungsberater später fällt mir auf, daß – um den Vertrag schön hochzurechnen – die immer wieder angeführte Versorgungslücke künstlich hochgehalten wird.
Wie ich das meine – hier mein Beispiel (ich nehme mal glatte Zahlen, rein zur Vereinfachung der Erklärung ohne jeglichen bezug zum realen Einkommen oder der derzeitigen Versorgung): es wird grundsätzlich so gerechnet:
Nettoverdienst derzeit 2000 €
Renteninformation DRV 1000 €
Versorgungslücke also 1000 €
Um die zu füllen: irgendeine Anlageform, die sagen wir mal 500 € im Monat kostet.
(ab und an wird noch zwischen Netto und Brutto-Lücke unterschieden - im Grundsatz bleibt das aber gleich)
Das ist meiner Ansicht nach Verfälschung der Tatsachen:
Die Versorungslücke darf die Sparleistung nicht einbeziehen. Man muß ermitteln, was der Kunde derzeit wirklich „verbraucht“, denn der monatliche Überschuß (wozu auch das Geld zählt, das er für Altersvorsorge beiseite legen kann), darf in diese Rechnung nicht eingehen.
Wenn der Kunde aus dem Beispiel oben also nur 1200 € jeden Monat ausgibt und 800 € übrig behält, so hat er meiner Ansicht nach nur eine Versorgungslücke von 200 €, die es zu schließen gilt.
Aber mit dem Totschlag-Argument „Versorgungslücke“ werden überhöhte Verträge ausgerechnet.
Ich möchte das Thema Versorgungslücke hier nicht unter den Tisch kehren – die gibt es auf jeden Fall! Ich möchte auch nicht absprechen, daß eine etwas bessere Absicherung sicher besser ist, als eine Minimalabsicherung - aber hier geht es um grundsätzliches.
Ich möchte hier auch ausdrücklich nicht absprechen, daß auf jeden Fall über das gesetzliche Maß hinausgehende Absicherung nötig ist – aber ich möchte hier auch ansprechen, daß die Branche sich selbst mal wieder aus Gier auf den Abschluß und die dicke Provision in eine Richtung bewegt, die hochgradig unseriös in meinen Augen ist.
Wendy