Nach 500 Jahren: Wende im Mordfall Medici

Guten Morgen Geschichtsinteressierte!

Was haltet ihr denn davon? Kann man das so ohne weiteres glauben, oder will sich da ein US-Professor nur profilieren?

http://www.abendblatt.de/daten/2004/02/21/264885.html

Freu mich auf eine rege Diskussion :smile:

Beste Grüsse

Tibu

Hi,

ohne die Quelle zu kennen, lässt es sich natürlich schwer sagen, was sie wirklich hergibt. Grundsätzlich würde ich schon sagen, dass de Montefeltro der Auftraggeber gewesen sein könnte.
Was mir in dem ziemlich reißerischen Abendblatt-Artikel fehl, ist eine Beschreibung seines angeblichen „Masterplans“. Zwar wird behauptet, dass der Herzog eine groß angelegte Umwälzung der italienischen Machtverhältnisse beabsichtigte, aber was genau geschehen sollte, schreibt der Autor nicht. Es bleibt unklar, wie genau der Mord an den Medicis dazu führen sollte, dass der Herzog „noch am selben Abend einer der mächtigsten Männer Europas sein“ würde.

Gruß

Volker

Ich hab gerade nochmal nachgelesen. Dass Federico da Montefeltro zum Zeitpunkt des Attentats ein enger Freund der Medici gewesen ist, stimmt so nicht. Er war bereits 1774 zum Befehlshaber der päpstlichen Truppen ernannt worden und begann später im Attentats-Jahr 1478 einen Feldzug gegen Florenz. Insofern ist es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass er seine Finger in der Attentatsvorbereitung hatte. Aber er könnte genausogut als Mittelsmann für Papst Sixtus IV. gehandelt haben. Persönlich standen Lorenzo und Federico in freundschaftlichem Kontakt, weil beide große Förderer der Künste waren, aber das schloss im Italien dieser Zeit nicht aus, dass man Krieg gegeneinander führte oder Attentate plante.
Dafür, dass Lorenzo den Herzog später zum Befehlshaber der florentinischen Truppe machte habe ich keinen Beleg gefunden und dass lorenzo „Monate seines Lebens an der Seite des Mannes, der einen Mordanschlag auf ihn versucht hatte“, verbrachte, halte ich zumindest für fraglich. Der Krieg zwischen Florenz und dem Papst dauerte bis Ende 1779 und Federico da Montefeltro starb schon 1782.

Gruß

Volker