Nach der Abschaltung von 3 AKWs

Zum Jahresende wurden drei deutsche Atomkraftwerke abgeschaltet. Welche Anlagen, bzw welche Art von Kraftwerken haben nun die Versorgung übernommen ? Gibt es dazu Ausarbeitungen ?
Danke Udo Becker

Servus,

das wird hier ganz gut erklärt:

LG

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Ja, aber viele Leser werden hier

Vorerst gar nichts.

schon zu Lesen aufhören. Die für Udos Frage relevante Information steht aber ganz unten in 10/12:

Da stellt sich natürlich die Frage: Was passiert an Tagen mit weniger Windstrom, wenn auch die fossilen Kraftwerke abgeschaltet sind?

Ich habe einen Thriller gelesen.
Da stehts drin.

Deutschland ist energietechnisch alles andere als eine Insel, sondern vielmehr Teil des europäischen Verbundnetzes, in dem Strom gehandelt und verteilt wird. D.h. es ist nicht erst seit dem 01.01.2022 so, dass es ein mehrstufiges System gibt, in dem diverse mehr oder weniger kurzfristig verfügbare Kapazitäten angeboten und genutzt werden können. Aktuell wird gerne behauptet, dass wir hierüber momentan von französischer Kernkraft abhängig wären, von der andererseits dann aber auch wieder behauptet wird, dass diese aber gar nicht verfügbar wäre, weil die Franzosen alle mit Strom heizen und ihren Strom selber brauchen würde. Das zeigt aber das vollkommen fehlende Verständnis des Verbundnetzes. Z.B. pumpen wir im Moment der Erzeugung nicht benötigten Wind- und Solarstrom für den uns bislang auch noch Transportkapazitäten im eigenen Land fehlen seit letzten Jahr zum Teil über den Nordlink nach Norwegen, um damit dann da Speicherseen voll zu pumpen, aus denen wir dann bei eigenem Bedarf wieder Strom beziehen können. Das ist aber auch kein exaktes 1:1, sondern ebenfalls Teil des europaweiten Gesamtsystems, auch wenn es natürlich das eine dicke direkte Seekabel zwischen Deutschland und Norwegen gibt.

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Meine Bemerkung bezog sich auf die Zukunft, wenn in Deutschland die Kohlekraftwerke abgeschaltet sein werden. Indirekt bestätigst du ja, dass dann die Spitzen und Lücken über den Verbund und somit ggf auch mit Atomstrom abgedeckt werden.

Man darf wohl annehmen, dass bis 2038 noch das eine oder andere Windrad gebaut wird…

Nicht erst dann, sondern schon sehr lange existiert dieser Stromhandel. Das ist auch grundsätzlich kein Geheimnis. Dazu sind massenhaft Quellen problemlos öffentlich verfügbar. Deutschland tut grundsätzlich schon sehr viel dafür, nicht nur Produktions- sondern auch neue Transportkapazitäten von den Orten der Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen (die nicht mehr die sind, an denen bislang der Strom überwiegend erzeugt wurde) zu den Verbrauchern zu schaffen. Auch im Bereich Speicherung tut sich was. Ebenso im Bereich H2. Aber gerade bei der Windkraft stehen wir uns aktuell massiv selbst im Wege, und müssen dringend mehr tun, um künftig nicht verstärkt im Ausland aus Quellen zukaufen zu müssen, die wir im eigenen Land nicht mehr haben wollen. Es war aber schon immer reine Fiktion, Deutschland als Insel zu betrachten, die sich zu exakt 100% selbst versorgt. Es hat immer schon Zeiten und Orte mit Über- und Unterkapazitäten gegeben, von denen Otto-Normalverbrauchen natürlich nichts mitbekommt, weil da eben Händler an ihren PCs sitzen und mit Strom handeln und dafür sorgen, dass davon immer genug überall (von minimalen Störungen abgesehen) verfügbar ist. Aber wenn Du mit deinem EVU einen Vertrag mit 100% „Ökostrom“ abschließt, dann sichert der Dir natürlich nicht zu, dass 100% genau deines Stroms aus ganz konkreten Anlagen kommt, sondern nur, dass grundsätzlich Kapazitäten von ihm entsprechende Kapazitäten aus solchen Quellen eingekauft werden. Und da kommt der Wunsch der Neubewertung von Kernkraft und Gaskraftwerken ja auch nicht von ungefähr, wenn mehr und mehr entsprechende Nachfrage da ist, man aber in vielen Ländern in Europa mit neuen Kapazitäten aus Wind und Sonnenenergie aktuell nicht so richtig voran kommt.

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Die Worte "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ wird verschiedenen Personen zugeschrieben.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass gleichzeitig sämtliche „grüne“ Energie ausfällt, dass bei Dunkelheit der Wind ausbleibt und gleichzeitig Wasserkraft und „Bioenergie“ nicht mehr funktionieren.

Klar, und der Klimawandel wird dafür sorgen, dass diese sich dann beständig drehen. Vielleicht scheint bis dahin auch die Sonne rund um die Uhr.

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Sonnen- und Windenergie ergänzen sich in Deutschland eigentlich wunderbar:
grafik

Und was genau soll am Stromhandel so verwerflich sein?

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Das Gespenst der Dunkelflaute wird ja immer wieder gerne missbraucht. Aber man sollte vielleicht zunächst mal verstehen, was damit eigentlich gemeint ist. Es geht dabei gerade eben nicht darum, dass es dann zu einem Ausfall der Stromversorgung kommt, sondern es handelt sich im Gegenteil um eine worst-case Szenario, dass in den Planungen zur Versorgungssicherheit so zu berücksichtigen ist, dass bei dessen eintreten die Versorgungssicherheit trotzdem gewährleistet ist. Und es gibt heiße Diskussionen darum wie weit welche worst-case Szenarien angemessen definiert sind, oder nicht. Und zwar nicht von der Seite, dass diese zu weich definiert wären, sondern dass diese viel zu streng wären, und dadurch massive Kosten für Vorsorge verursacht werden, für die tatsächlich nur theoretischer Bedarf besteht. So gibt es da z.B. den wortwörtlichen „Jahrhundertwinter“, dessen Bedarf abzudecken ist, bei dem man sich natürlich fragen kann, ob man nicht auch ein 75 oder 50 Jahre Extrem an dieser Stelle verwenden könnte. Andererseits hat man im Ausland teilweise eben auch schon gesehen, was passieren kann, wenn man solche Zeiträume zu kurz definiert, und dann mit dem 20-Jahresereignis (AFAIR) zu kurz greift (siehe Belgien 2018/2019).

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Habe ich das geschrieben? Man sollte sich nur im Klaren darüber sein, dass wir über das europäische Verbundsystem auch nach dem deutschen Atomausstieg weiterhin Atomstrom und nach dem deutschen Kohleausstieg auch noch lange Kohlestrom verbrauchen werden.

Und wem soll das nicht klar sein? Der Punkt ist doch, dass es erheblich weniger Atom- und Kohlestrom sein werden und dass Deutschland seine saubere Energie auch exportieren wird. Ich verstehe jetzt nicht ganz, was du mir hier sagen möchtest.

Dann geht es dir wie mir.

Ich möchte eine Übersetzung versuchen:
Heutzutage ist es sehr beliebt, bei jeglicher Argumentation mit einem „Ja, aber die Anderen … (sind doch noch viel schlimmer)“ zu begegnen. Genauso sehe ich hier die Aussage. Selbst wenn wir hier nur noch „sauberen“ Strom produzieren, machen wir uns die Hände dreckig, weil wir "schmutzigen „Strom“ aus dem Ausland beziehen.
Daraus sind als Argument mehrere Schlussfolgerungen möglich, entweder „Die Franzosen reiben sich die Hände und bauen ein Kernkraftwerk nach dem anderen“ oder auch „wenn wir schmutzigen Strom exportieren, können wir ihn auch selbst schmutzig produzieren“ usw.

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Ja aber dann bitteschön auch im Berliner Tiergarten oder im Englischen Garten in München…es sollen sich schliesslich alle gleichermaßen an den wunderschön surrenden Blinkdingern erfreuen dürfen.

Will man uns grad heimlich unterjubeln. Grünen Wasserstoff aus Russland. Oder der Ukraine.

Weil dort natürlich die Sonne nicht wirklich öfter scheint als hier, ist völlig offensichtlich, dass dieser angeblich grüne Wasserstoff mittels Erdgasverbrennung hergestellt werden wird.

Aber das sind dann ja nicht unsere Emissionen, bei uns ist alles sauber…

Ich habe vor einiger Zeit schon darauf hingewiesen, dass der ach so umweltfreundliche Wasserstoff leider doch nicht wirklich umweltfreundlich ist. Weil Wasserstoff kein Rohstoff ist wie Öl oder Gas, sondern nur ein Energieträger vergleichbar mit einem Akku - nur mit erheblich schlechterem Wirkungsgrad - und hergestellt mit dreckigem Strom.

Und kaum hast du an Sankt Florian erinnert, kommt auch sofort der erste seiner Jünger aus seinem Loch gesprungen:

Es gibt offensichtlich immer noch Deppen, bei denen der Strom aus der Steckdose kommt. Oder die glauben, Atomstrom sei billig (ist er, wenn man die Folgekosten nicht rechnet, siehe https://de.rt.com/inland/129342-72-milliarden-euro-jaehrlich-was-eine-versicherung-fuer-ein-atomkraftwerk-kosten-wuerde/) und sauber (ist er, weil man Radioaktivität nicht sehen kann und Endlager [weltweit gibt kein einziges] bestimmt weit weg sind).

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Na ja, man sollte schon die Farbenlehre des Wasserstoffs Eine kleine Wasserstoff-Farbenlehre - BMBF berücksichtigen. Es gibt diese Klassifizierung aus gutem Grund, und grüner Wasserstoff ist durchaus ein zunehmend interessant werdendes Thema, weil der Wasserstoff dann der Speicherung von aktuell ohnehin erzeugtem aber nicht benötigten/nicht transportierbarem Strom aus Wind- und Wasserkraft dient/es interessant ist, diesen so entstandenen Wasserstoff dann direkt anstelle fossiler Brennstoffe oder elektrischer Energie aus ggf. fossilen Quellen zu verwenden.

D.h. wenn die Sonne brennt und der Wind weht, dann entsteht ohne weiteres Zutun oder merkliche laufende Kosten elektrische Energie in einem Maße das jenseits des Momentanverbrauchs liegt, und bei dem man sich schon die Frage stellen muss, was man damit dann macht, insbesondere wenn man sich so Dinge wie die Regelungen zur Einspeisevergütung ansieht, die in gewissem Maße garantierte Abnahme/Vergütung auch bei Nichtabnahme vorsieht. Aktuell sind sowohl die Akku-Technologie für Großspeicher als auch die Speicherung im privaten Haushalt/E-Auto über intelligente, bidirektional nutzbare Netze bis zum Endverbraucher noch ziemlich in den Kinderschuhen. Gleichzeitig haben wir ein gut ausgebautes Gasnetz, in dem wir recht problemlos bis zu einem gewissen Maße Wasserstoff beimischen können. Dort wo Mineralöl und (Chemie)industie ansässig ist, gibt es oft auch schon spezielle Leitungssysteme/gut ausbaubare Leitungstrassen für diverse Stoffe, oft auch schon für Wasserstoff/Leitungen die auch für Wasserstoff geeignet wären, die man mit recht erträglichem Aufwand an einen Hydrolyseur an der nächstgelegenen „dicken Leitung“ bzw. möglichst nah am Ort der Stromerzeugung anschließen kann. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass diverse großen Betreiber von Offshore-Windparks bzw. die hieran angeschlossenen Übertragungsnetzbetreiber in die Planung von „Energie-Inseln“ eingestiegen sind, die nicht nur als größerer Ersatz für kleinere Konverterplattformen dienen sollen, sondern entweder direkt auf der Insel oder am Anlandungspunkt des Kabels auf dem Festland dann um Hydrolyseure ergänzt werden sollen. Da reden wir von ausschließlich „grünem“ Wasserstoff in durchaus erheblichen Mengen.

Aber natürlich gilt auch für den Wasserstoff, dass der Endkunde letztendlich eine dauerhafte Versorgung in benötigem Maße sicherstellen muss, und gerade in der jetzt erst beginnenden Ausbauphase dieser Technologie die „early adopters“ dann ggf. noch recht viel „bunten“ Wasserstoff werden beziehen müssen, bis der Markt ausreichend grünen Wasserstoff für eine grundsätzliche Vollversorgung her gibt.

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Sorry, das kann ich angesichts der Molekülgröße nicht glauben. Hast du da mal einen Link zu?

…haben wir nicht mal genug Strom für den alltäglichen Verbrauch. Ich halte es für kompletten Unsinn, da auch noch zusätzlich Energie zu verschleudern in der Hoffnung, dass das vielleicht irgendwann in Zukunft mal…

Man kann alles Mögliche Umstellen. Wir brauchen aber Lösungen für jetzt, nicht für in dreißig Jahren. Und da ist der Einkauf von Wasserstoff in Russland ohne jegliche Infrastruktur auf beiden Seiten kompletter Irrsinn. Durch Nordstream 2 wird niemals auch nur ein Kubikmeter Wasserstoff fließen.