Nach der elften Klasse auf die Mittelschule?

Hallo,
ich bin derzeit in der elften Klasse des Gymnasiums und werde dieses Jahr wahrscheinlich mehrmals unterpunkten, wobei ich vor hatte das Jahr zu wiederholen. Da ich allerdings als zweite Fremdsprache Russisch habe, geht dies an unserer Schule nicht und ich habe somit die Arschkarte gezogen…

Mein Tutor hat mir heute außerdem empfohlen, dass Fachabitur zu machen - das wäre einfacher für mich und dort würde ich den Anforderungen eher gerecht werden.

Nun ist ganz klar meine Frage, würde es theoretisch auch möglich sein, dass ich ein Jahr auf der Mittelschule wiederhole und wie läuft das dann mit dem Fachabitur, wenn das mit dem Realabschluss doch nicht geht?

Mache die Schule in Sachsen, falls das relevant ist…

Grüß Dich.

Leider habe ich im Augenblick kaum Zeit und würde in vielen anderen Themensträngen gerne schreiben, aber es klappt nicht.
Für Dein Problem nehme ich mir aber zehn Minuten. :smile:

ich bin derzeit in der elften Klasse des Gymnasiums

Hast Du am Ende der 10. Klasse eine Prüfung abgelegt oder Klassenarbeiten als Fachleistung bestanden, die Dir den Realschulabschluß zusichern?

Wenn Du das nicht hast, mußt Du wahrscheinlich die 10. Klasse wiederholen, alle nötigen Prüfungen für den Realschulabschluß erwerben und kannst Dich danach an Institutionen bewerben.

Da ich allerdings als zweite Fremdsprache Russisch habe, geht dies
an unserer Schule nicht und ich habe somit die Arschkarte gezogen…

Wie kannst Du dann jetzt in der 11. Klasse Russisch belegen, wenn
das nicht geht in Deiner Schule? Warum klappt das für Sitzenbleiber nicht? Ist kein Russischgrundkurs zustande gekommen?

Mein Tutor hat mir heute außerdem empfohlen, dass Fachabitur zu machen -
das wäre einfacher für mich und dort würde ich den
Anforderungen eher gerecht werden.

Dein Tutor ist schief gewickelt.
Wieder einmal das gleiche Lied: Es gibt kein Fachabitur.

Entweder heißt es Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife.

Weswegen hat Dein Tutor nicht auf die Beruflichen Gymnasien hingewiesen?
In Sachsen ist dieser Zweig sehr gut ausgebaut und Du hast die Chance, Dich in der 11. Klasse zu fangen. Zu Deiner Information: Das BGy verleiht das uneingeschränkte Abitur (DDR-Deutsch: Reifezeugnis, Westdeutsch: allgemeine Hochschulreife), lehrt darüber hinaus aber berufliche Fachkenntnisse. Die maßgebliche Clientel sind gute und sehr gute Realschüler, die unter dem Opfer des 13. Schuljahres das Abitur und weiterführende Qualifikationen erhalten möchten. Die 11. Klasse ist deswegen *offiziell* zur Angleichung der Mittelschüler auf das gemeinsame Ausgangsniveau konzipiert sowie zur Heranführung an das Niveau der abiturrelevanten Klassen (DDR-Deutsch: Abiturstufe, Westdeutsch: gymnasiale Oberstufe).
*Inoffiziell* wird das 3. Jahr [= 11. Klasse] aber - im Ggs. zum Bummelabitur des neunjährigen Gymnasiums - für zusätzlichen Stoff genutzt. Das ist z.B. der notwenidge Grundlagenstoff für die Fachrichtung des BGy (Technikwissenschaft für das technische Gymnasium, Wirtschaftswissenschaft für das wirtschaftliche Gymnasium etc.). Oder in bestimmten Fächern ist der Lehrplan geeigneterweise ausgedehnt, z.B. komplexe Zahlen in Mathematik.

Überlege es Dir gut, welchen Weg Du einschlägst, denn für die Fachhochschulreife mußt Du Dich dann noch um den praktischen Teil kümmern. Studium an der Universität fällt ebenfalls zunächst flach.

Das Abitur am BGy genießt außerdem einen hervorragenden Ruf, da die Allgemeinbildung und das Niveau in den Fächern dem des normalen Gymnasiums entspricht und zusätzliche Kenntnisse im Profilfach erworben werden, die das spätere Studium oder die Lehre verkürzen können. Wenigstens wird es Dir leichter fallen. Es finden am BGy auch mehrwöchige Praktika statt, die lehrreich sind und sich später an den Hochschulen anrechnen lassen. Einige Fächer werden abgewandelt gelehrt, so ist Deutsch am BGy besser aufgestellt als am Gym, da das stumpfe Durchackern einer Leseliste defacto entfällt und Dinge wie Linguistik, Sprachlogik und Literaturästhetik in den Vordergrund gerückt sind. Die Leistungsbewertung ist zudem kein bürokratischer Schlüssel. Statt zu differenzieren bis zur Kotzgrenze und am besten noch die guten Schüler zu drangsalieren und zu drücken, ist der Umfang an Paukwissen (Fakten) nach dem Prinzip „Soviel wie nötig, sowenig wie möglich“ gemindert. Im Gegenzug spielen methodisches Arbeiten, Anwendung von theoretischen Kenntnissen und das Denken in Zusammenhängen die Hauptrolle. Der Zensurenmaßstab ist diesbezüglich zwar gelockert (15 NP bei >95%; 14 NP bei >90%; 13 NP bei >86% usw. usf.), doch liegt der Schwerpunkt auf Anwendung des Stoffes und dem Tranfer auf Unbekanntes. Der Schüler ist angehalten, zu verstehen und von der Theorie zur Praxis zu übertragen, und nicht zu pauken, um sich in der Klassenarbeit kurzzeitig fachlich auszukotzen. Letzeres bewirkt, daß das Vergessen eine fallende Exponentialfunktion ist.
(Ausnahme: Wirtschaftsgymnasium)

Wenn Du vom Gymnasium an das Berufliche Gymnasium wechselst, umgehst Du außerdem Probleme mit der Mittelschule und den Schwierigkeiten der Abschlußprüfung.

Besorge Dir daher tunlichst so schnell wie möglich Informationen, was Du wo wie und wann gemacht haben mußt. Schreibe eine eMail an das Kultusministerium, rufe im Regionalschulamt an oder frage die richtigen Leute, die sich rechtlich ins Detail auskennen.
Die Aufnahme am BGy ist bspw. eine Kann-Entscheidung des Direktors.

Tschüß

Moin Marcel,

eines verstehe ich an Deinem Plan nicht - vielleicht liegt das daran, dass ich in Niedersachsen wohne:

Nun ist ganz klar meine Frage, würde es theoretisch auch
möglich sein, dass ich ein Jahr auf der Mittelschule
wiederhole und wie läuft das dann mit dem Fachabitur, wenn das
mit dem Realabschluss doch nicht geht?

Wozu willst Du die 10. Klasse wiederholen? Mit Deiner Zulassung zur 11. hast Du doch den Realschulabschluss schon, und für die Fachhochschulreife müsstest Du auch die 11. nochmal machen - dann hättest Du 2 Jahre wiederholt.
Wegen Russisch: hier in Nds brauchen Schüler der Fachoberschule keine zweite Fremdsprache. Erkundige Dich mal, wie das in Sachsen ist; dann wäre das Problem evtl. gelöst.

Oder Du setzt Dich in den Letzten Monaten des Schuljahres gewaltig auf den Hosenboden und versuchst, mit Sonderleistungen und viel mündlicher Mitarbeit ein paar Noten rauszureißen. Sprich mal mit Deinen Lehrern!

Viel Glück!
Pit

Oder Du setzt Dich in den Letzten Monaten des Schuljahres
gewaltig auf den Hosenboden und versuchst, mit
Sonderleistungen und viel mündlicher Mitarbeit ein paar Noten
rauszureißen. Sprich mal mit Deinen Lehrern!

Viel Glück!
Pit

Hab ich schon ausführlichst gemacht, aber die wollen mir enfach nichts geben. Nicht einmal einen kleinen Vortrag oder eine Hausarbeit oder halt irgendetwas…

Also ich danke dir erst einmal für deine ausführliche Antwort - Vielen Dank :wink:

Hast Du am Ende der 10. Klasse eine Prüfung abgelegt oder Klassenarbeiten :als Fachleistung bestanden, die Dir den Realschulabschluß zusichern?

Ja, so etwas nannte sich in der zehnten Klasse BLFs ud ist bei allen Kandidaten mächtig in die Hose gegangen, weil die Aufgaben Abiturniveau waren und keiner wusste, wo hinten und vorn war. Habe da in allen BLFs eine vier gehabt…

Wie kannst Du dann jetzt in der 11. Klasse Russisch belegen, wenn
das nicht geht in Deiner Schule? Warum klappt das für Sitzenbleiber nicht? :Ist kein Russischgrundkurs zustande gekommen?

Ja du sagst es, es ist kein nachfolgender Russisch-Kurs zustande gekommen und somit muss ich notfalls auf eine andere Schule wechseln. Das Problem ist nur, dass nur noch ein einziges Gymnasium Russisch als zweite Fremdsprache mit verfügbarem Kurs anbietet. Außerdem wird mir Russisch auch langsam zu schwierig und wenn ich bei den restlichen Fächern auf das Abitur blicke, dann habe ich sicherlich keine Chance.

Dein Tutor ist schief gewickelt.
Wieder einmal das gleiche Lied: Es gibt kein Fachabitur.

Hab ich mich schon fast gedacht, denn über google habe ich mit Fachabitur fast nichts gefunden und wurde imemr auf die Fachhochschulreife verwiesen. Aber ist halt immer so an unserer Schule, kein Plan von nichts haben die ganzen Lehrer - aber herkommen soll man, wir kennen uns aus… *denkste*

Das mit dem beruflichen Gymnasium klingt sehr gut, weil ich definitiv nicht der Typ bin, der alles auswendig lernt. Ich nehme die Sachen eher auf und wende die dann ganz gerne auf andere Beispiele an. So das ich ein Gerüst der Sache habe :wink:

Wie würde das denn nun funktionieren? Ich würde jetzt theoretisch runtergehen und dann auf dem BGy die elfte Klasse wiederholen und dann ganz normal die zwölfte Klasse weiter udn hätte dann was für einen Abschluss?

Einige Fächer werden abgewandelt gelehrt, so ist Deutsch am BGy besser :aufgestellt als am Gym, da das stumpfe Durchackern einer Leseliste defacto :entfällt und Dinge wie Linguistik, Sprachlogik und Literaturästhetik in den :Vordergrund gerückt sind.

Das die Leseliste entfällt klingt gut^^ - Wir haben so eine Deutschlehrerin die von ihrer Person her super nett ist, aber von der Bewertung her zieht die total über die Stränge. Wir sind der schlechteste Deutsch-Leistungskurs von denen, die es momentan an unserer Schule gibt. Aber keinen juckt es. Genau das gleiche Spiel ist es mit Mathe, ich will das auf keinen Fall bloß auf den Lehrer schieben, aber der Lehrer ist allgemein an der Schule bekannt für beschissene Arbeiten und defacto Null-Lern-Unterricht. Und das muss ich bsiher leider bestätigen. Man lernt nichts im Unterricht, obwohl die Sachen einfach sind - Wissen im Leistungskurs angeeignet - und dann schreibt man eine Arbeit und der halbe Kurs bekommt einen Punktwert unter fünf wieder, in bisher allen Arbeiten. Auch darauf habe ich so langsam keinen Bock mehr, das zieht auch ehrlich gesagt ganz schön an den Nerven.

Und apropo, nein vom beruflichen Gymnasium hat er nichts erzählt - bloß unbedingt ins Gedächtnis hämmern musste er mir, dass ich das Abitur an meiner jetzigen Schule nicht machen werde…

Ich habe hier mal noch einen Link aus Google-Maps, ich hoffe der funktioniert später noch:

http://maps.google.de/maps?oe=utf-8&rls=org.mozilla:…

Würde sich es sich dabei, bei den markierten Punkten, um solche beruflichen Gymnasien handeln? Das sieht mir zwar eher nach Berufsschulen aus, aber Google zeigt das beim Suchbegriff an.

Grüß Dich.

Ja, so etwas nannte sich in der zehnten Klasse BLFs und ist bei
allen Kandidaten mächtig in die Hose gegangen, weil die
Aufgaben Abiturniveau waren und keiner wusste, wo hinten und
vorn war. Habe da in allen BLFs eine vier gehabt…

Das glaube ich nicht. :smile:
Die Besondere Leistungsfeststellung ist wie die Abschlußprüfung für alle Fächer zentral geregelt. Unterschiede sind:

  • Die Arbeitszeit am Gymnasium ist in allen drei Prüfungsarbeiten Mathematik, Deutsch und Englisch deutlich verkürzt auf 90 Minuten. (Mittelschule: 240 min./ 240 min./ 120 min.)

  • Die Bewertung erfolgt deswegen strenger und ist abscheulich bürokratisch ins kleinste Detail vorgegeben.

  • Der Stoff ist Niveau 10. Klasse, bloß ein bißchen anspruchsvoller als auf der Mittelschule.

  • Das Gewicht der BLF ist äußerst gering (doppelte Klassenarbeit) und nicht 50% der Endzensur wie die Abschlußprüfung an der Mittelschule.

Wenn ich mir die Aufgaben von 2008 anschaue, ist dort nur eine Aufgabe enthalten, die gute und sehr gute Mittelschüler ins Schleudern bringen konnte. Es ging um eine Zahlenfolge im A-Teil (ohne Hilfsmittel), die als rekursives Bildungsgesetz gegeben war.

Doch selbst wenn einer in dem Alter nicht weiß, was eine Zahlenfolge ist und er die Notation nicht kennt, war die Aufgabe mit Hilfe eines indirekten Hinweises so gestellt, daß durch formales Rechnen die richtige Lösung aus den fünf Möglichkeiten hätte gefunden werden können.

Von Abiturniveau kann jedenfalls nicht die Rede sein. :wink:

Wenn Du die drei BLF mit 4 bestanden hast, dann hast Du Deinen Realschulabschluß. (Die Versetzung nach Klasse 11 ist nicht genügend.)
Die Abschlußzensuren entsprechen dann Deinen Jahresendzensuren unter Einbeziehung der BLF als doppelte Klassenarbeit. Den Durchschnitt bekommst Du ganz einfach aus dem arithmetischen Mittelwert aller Jahresendzensuren, d.h. alle Fachleistungen aufsummieren und durch die Anzahl der Fächer dividieren.

Für das Berufliche Gymnasium brauchst Du wenigstens 2,5 und darfst keine schlechten Leistungen in den Hauptfächern haben.
Das Problem ist, daß der Bewerbungsschluß im März ist. Du mußt also die Beine in die Hand nehmen und Dich bewegen, wenn das noch klappen soll. Schulen anschreiben, Situation erläutern und dann hoffen. Selbstverständlich alles in perfekter Orthographie, ordentlicher äußeren Form und gutem Ausdruck. Und sei demütig, denn die Aufnahme am BGy ist reiner guter Wille der Schule, da Du die Bewerbungsfristen nicht beachtet hast und schon über jeden anderen regulären Schüler individuell entschieden wird.

http://www.sachsen-macht-schule.de/schule/171.htm

Ja du sagst es, es ist kein nachfolgender Russisch-Kurs
zustande gekommen und somit muss ich notfalls auf eine andere
Schule wechseln. Das Problem ist nur, dass nur noch ein
einziges Gymnasium Russisch als zweite Fremdsprache mit
verfügbarem Kurs anbietet. Außerdem wird mir Russisch auch
langsam zu schwierig und wenn ich bei den restlichen Fächern
auf das Abitur blicke, dann habe ich sicherlich keine Chance.

An den Beruflichen Gymnasien wird vielerorts nur Französisch und Russisch angeboten. Dein Vorteil ist, daß Du die zweite Fremdsprache schon länger besuchst. Die Mittelschüler sind Anfänger (Niveau B) und fangen in der 11. Klasse an, müssen daher die Fremdsprache in allen drei Jahren belegen und verpflichtend wenigstens 2 Kurse in das Abitur einfließen lassen.
Du darfst, weil Du Fortgeschrittener (Niveau A) bist, nach der 11. Klasse auf das Fortsetzen der zweiten Fremdsprache verzichten.

Wie würde das denn nun funktionieren? Ich würde jetzt
theoretisch runtergehen und dann auf dem BGy die elfte Klasse
wiederholen und dann ganz normal die zwölfte Klasse weiter udn
hätte dann was für einen Abschluss?

Du wechselst von Deinem Gymnasium an das gewünschte BGy, falls die Dich nehmen :stuck_out_tongue:, und wiederholst die 11. Klasse.
Die 12. und 13. Klasse ist dann das, was am normalen Gymnasium in Sachsen die 11. und 12. Klasse ist. Zweites Leistungsfach ist verpflichtend die Fachrichtung des Beruflichen Gymnasiums (Technik, Wirtschaft, …).
Wo ich nicht auf dem Stand der Dinge bin, ist die Geschichte mit der „neuen“ Abiturstufe. Sachsen hat ja endlich, endlich das seltendämliche Kurssystem (nahezu) abgeschafft. Keine Ahnung, ob das Kultusministerium für die Beruflichen Gymnasien ähnliche Pläne hat.

Der Abschluß ist das Reifezeugnis.
(allgemeine Hochschulreife, uneingeschränktes Abitur)

Und apropo, nein vom beruflichen Gymnasium hat er nichts
erzählt - bloß unbedingt ins Gedächtnis hämmern musste er mir,
dass ich das Abitur an meiner jetzigen Schule nicht machen
werde…

Ich habe hier mal noch einen Link aus Google-Maps, ich hoffe
der funktioniert später noch:

http://maps.google.de/maps?oe=utf-8&rls=org.mozilla:…

Würde sich es sich dabei, bei den markierten Punkten, um
solche beruflichen Gymnasien handeln? Das sieht mir zwar eher
nach Berufsschulen aus, aber Google zeigt das beim Suchbegriff
an.

http://www.bgy-espenhain.de/bg.htm

https://publikationen.sachsen.de/bdb/showDetails.do;…

http://www-db.sn.schule.de/index.php?id=2

Tschüß :smile: