Nach der Trennung: Was ist am besten fürs Kind?

Hallo,

ich habe mich von der Mutter meines 18monatigen alten Sohnes getrennt.

Jetzt sind wir erst einmal „einvernehmlich“ so verblieben, dass ich ihn alle zwei Wochen samstags für jeweils nur zwei Stunden sehen darf.

Das gefällt mir natürlich rein gar nicht.

Weitere Gespräche, dessen Ergebnis bezüglich der Umgangsregelung für mich positiver wären, fielen negativ aus.

Jetzt möchte ich mich, bevor ich evtl. weitere Wege einleite, wissen, was für ein Kind nach der Trennung am besten ist in Bezug auf Umgangsregelung (wie oft, wie lang …?).

Ich möchte meiner Ex dann das nochmal schwarz auf weiß zeigen, dass es eben für unseren Sohn besser wäre, wenn er mich öfter sehen würde.

Könnt ihr mir bitte dazu entsprechende Seiten (mit Studien usw. usf.) nennen?

Evtl. gibts dazu auch Grundsatzurteile vom Familiengericht?!

Bitte um eure Antworten.

Vielen lieben Dank im Voraus.

Schöne Grüße

Wie auch immer…
Hallo!

Nur eine Anmerkung: Wie lang und wie oft Du Deine Sohn siehst, sehen solltest oder sehen möchtest, das ist eigentlich immer Abwägungssache. Es gibt Wochenendväter und auch Eltern, die sich die Erziehung zu gleichen Teilen aufteilen (Was organisatorisch recht aufwändig ist, aber gut klappen kann).

Wichtig ist, dass diese Abmachung ohne Schlammschlacht getroffen wird. Und dass die Elternteile das Kind nicht als „Waffe“ im Scheidungskrieg einsetzen, es nicht gegenseitig aufhetzen.
Weil das ist mit Sicherheit schädlich für’s Kind. Je besser alle Beteiligten mit der Regelung klarkommen, desto besser auch für’s Kind.
Das würde ich auch der Mutter sagen.

Schöne Grüße
kernig

Hi

Jetzt sind wir erst einmal „einvernehmlich“ so verblieben,
dass ich ihn alle zwei Wochen samstags für jeweils nur zwei
Stunden sehen darf.

Das is schon vergleichsweise viel.
1986 gabs einmal im Monat für zehn Minuten unter Aufsicht in der Kita, wo bei man sein eigenes Kind nicht anders behandeln durfte als die fremden Kinder, also nicht anfassen.
D a s war die Regelung für d i e Männer, die sich nichts zu schulden kommen ließen. Die anderen durften ihre Kinder gar nicht mer sehen.
Nett, oder?
Gruß,
Branden

Hallo,
ich würde euch empfehlen gemeinsam zum Jugendamt zu gehen. Dort könnt ihr mit eurer Sachbearbeiterin, die in einer solchen Situation als Mentorin fungieren sollte, besprechen welche Lösung für alle 3 (!!!) am besten ist.
Viel Glück
Backs

Hallo,

ich schreibe eigentlich nichts anderes als Backs - geh zum Jugendamt (am besten mit der Mutter deines Kindes, aber wenn sie nicht mit will, dann geh erstmal allein).
Ich wollte dir eigentlich nur durch meine Erfahrung aus zweiter Hand Mut machen:
Mein Neffe ist in einer ähnlichen Situation und hat sehr darunter gelitten, dass die Mutter seines Sohnes ihm kaum Zeit und keinerlei Zeit allein zustehen wollte. Er hat sich beim Jugendamt Rat geholt. Hat dort auch zum Beispiel gezeigt, dass er extra seine Arbeitszeiten so gelegt hat, dass sein Besuch planbar war (er ist Arzt) usw.
Die Sachbearbeiterin hat es geschafft, dass beide sich nun viel offener über das Kind austauschen können, dass die Mutter weniger Ängste hat, ihren Sohn mal mit dem Vater allein zu lassen und er hat jetzt auch mehr Zeit bekommen, die er mit seinem Sohn verbringen kann.

Viel Glück!

Gruß
Elke

Hallo,

hier ein Aufsatz einer Psychologin. Der Aufsatz wurde in einer Deutschen Fachzeitschrift veröffentlicht und auf einer Schweizer Web-Site kann man ihn im Internet nachlesen: http://www.vev.ch/lit/jugrecht.htm

Gruß
Ingrid

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Wäre das nicht etwas für die FAQ?Eltern-Kind Brett
Hallo Ingrid,
wieder einmal ein sehr guter Artikel, vor allem allgemeinverständlich,
wäre doch was für die Linksammlung/ FAQ im Eltern-Kind-Brett?!..
Danke :o)
Finjen
Weils nicht oft genug gelesen werden kann:
_…Für die Bereitstellung optimaler Entwicklungsbedingungen brauchen Kinder von Beginn ihres Lebens an:
* Die Möglichkeit, zu beiden Eltern eine Beziehung zu entwickeln, die zu einer Mutter-Kind- und zu einer Vater-Kind- Beziehung führt mit den naturgegeben Kriterien von lebenslanger Dauer und Unkündbarkeit.
* Die sichere Zuneigung beider Eltern.
Eine Mutter, die das Kind nicht aus eigener Bedürfigkeit übermässig an sich bindet und einen Vater, der für das Kind von Anfang an emotional verfügbar ist.
* Die wiederholte Versicherung, dass es keinen Elternteil verlieren wird.
* Die explizite Erlaubnis »es ist gut, wenn du zum Papa gehst« und die implizite Erlaubnis durch Mimik, Gestik und Stimmlage, den nicht betreuenden Elternteil lieben zu dürfen.
Wenn das Kind nach der Rückkehr freudig und ohne innerlich zu »kürzen« von seinen schönen Erlebnissen mit dem anderen Elternteil erzählt, dann ist dies gelungen.
Zweifel sind angebracht, wenn die Geschichten »gefallen«: »der Papa kocht nicht so gut wie Du« oder »der Freund von Mama ist blöd«. Hier hat sich das Kind mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche seiner Eltern eingestellt als auf seine eigenen (Jopt 1992).
* Die Erlaubnis, über den als Verlust erlebten Auszug traurig und wütend zu sein und diese Gefühle auch zeigen zu dürfen.
* Eine für das Kind erfahrbare positive Elternbeziehung:
Das verlangt von beiden Eltern eine gegenseitige Haltung von Respekt und Höflichkeit vor dem anderen - auch nach der Trennung als Paar. Eine »positive Repräsentation« des anderen Elternteils von beiden Eltern ist notwendig, um das Bild des Kindes und damit seine eigene Identität nicht zu gefährden.
Wer den ehemaligen Partner abwertet, wertet dessen Teil im eigenen Kind ab. Auch wenn sich die Eltern dessen nicht bewusst sind, die Kinder wissen und spüren es.
Ihr Selbstwertgefühl erleidet empfindliche Einbussen.

Die Ausgrenzung des Vaters gerade in der konfliktreichen Entwicklungszeit des 2. und 3. Lebensjahres kann sich auf die zukünftigen Beziehungen des Kindes fatal auswirken._

Moin Backs

ich würde euch empfehlen gemeinsam zum Jugendamt zu gehen.

Das Jugendamt ist meiner Erfahrung nach die inkompetenteste Stelle überhaupt. Wenn ich hier aufführen wollte, was an Gerangel zwischen Jugendamt, Sozialpsychiatrischem Dienst und Kinder- und Jugendpsychiatrie abläuft und wie die sich konkurrenzmäßig kaputt mobben auf Kosten der Kinder und Elternteile, dann würde ich hier den Thread bis an den unteren Rand füllen.
Gruß,
Branden

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eine expertin mehr!
hi ingrid,

extrem guter link, top literaturliste!

hinweis für den fragenden:

die triangulierung der familie ist die wichtige beziehungserfahrung für das kind, die ihr mit eurer trennung eintrübt oder sagen wir, besonders erschwert (es ist schadensbegrenzung möglich). nicht nur die erfahrung für ein kind, dass es männlich und weiblich und andersartigkeit gibt, sondern auch dass es eltern gibt, die sich nach der geburtsphase wieder einander annähern, wenn der vater die mutter ein zweites mal erobert (ja, das muss er), ist wichtig.

die gesamte kindheit ist für ein kind lernerfahrung in bezug zuerst auf die eltern als erste repräsentanten dieser welt und uns menschen. wenn ihr euch trennt, lernt euer kind, wie millionen andere leidvoll auch, dass beziehungen endlich sind und man sich nicht wirklich auf menschen verlassen kann.

statt hier zu erfragen, wie man wissenschaftlich untermalen kann, dass du dein kind öfter sehen solltest, müsstest du mit der mutter reden um euch zu einigen, damit das kind nicht bühne eurer streits wird. wo könnt ihr euch für das kind einigen?

aber wenn das so einfach ginge, hättet ihr euch nicht getrennt. lasst euch deswegen wenn nötig, durch eine erziehungsberatungsstelle beraten, und zwar gemeinsam! es ist doch okay, wenn ihr euch trennt, aber ihr bleibt lebenslang gemeinsame eltern des kindes. diese verantwortung könnt und müsst ihr auch besser gemeinsam tragen, wenn ihr euch das teilt.

wir hier tragen doch eher dazu bei, stoff für „psychologisch fundiertere streits“ zu liefern, als hilfreich zu sein, oder?

Hallo alpha,

wir hier tragen doch eher dazu bei, stoff für „psychologisch
fundiertere streits“ zu liefern, als hilfreich zu sein, oder?

das ist eine interessante These, die ich bisher so noch gar nicht gesehen habe.

Andererseits sind Appelle an die Eltern immer dann zum Scheitern verurteilt, wenn ein Teil sich sperrt, also das Kind/die Kinder als vermeintlich eigenes Machtmittel missbraucht. Diesen Aspekt als Kindesmissbrauch (häufig seitens der Mütter) will man offenbar nicht sehen oder wahrhaben, zumal wenn Mütter ihren neuen Partner als „Vaterersatz“ sehen und einsetzen.

In dieser Frage würde ggf. „salomonisches Recht“ (analog zur bibl. Geschichte) mehr Gerechtigkeit und Richtigkeit im Streit bringen als das Sorgerecht grundsätzlich den Müttern (unabhängig von deren Tun und Lassen) zuzusprechen.

Hallo,

inzwischen gibt es fast überall speziell ausgebildete Mediatoren. Manchmal machen das sogar Anwälte.

Die sind meist neutraler als Erziehungsberatungsstellen oder Eheberatungen.

Streitereien bei einer Trennung/Scheidung gehen meist nicht „nur“ ums Kind. Oft spielen finanzielle Angelegenheiten eine wichtige Rolle. Nicht selten kommte es vor, dass bis dahin funktionierende Umgangsregelungen kippen, wenn der nicht betreuende Elternteil Forderungen in Richtung Hausrat/Vermögen stellt oder die Forderung des betreuenden Elternteiles nicht erfüllt. Noch häufiger wird Unterhalt mit Umgang vermengt - obwohl rechtlich und auch moralisch beides nichts miteinander zu tun haben.

Mediatoren dürfen auch hier schlichtend tätig werden. Vereinbarungen die sie zwischen den Paaren auch hier aushandeln, werden von den Gerichten (meist wohlwollend) geprüft und dann in das Scheidungsurteil eingearbeitet.

Wenn also weitere Streitpunkte geklärt werden, funktioniert es meist auch besser mit dem Umgang.

Gruß
Ingrid

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Das Wichtigste habe ich doch glatt vergessen: hilfreich ist es, wenn man in einem Amtsgerichtsbezirk wohnt, wo sich alle Anwälte und Jugendämter usw. verpflichtet haben, nach dem Cochemer Modell zu arbeiten.

Hat nix mit Kochen zu tun. Hier dazu ein Link: http://www.ak-cochem.de/index.php?option=com_content…

In welchem Brett hier bei w-w-w die Frage am Besten aufgehoben ist, ist reichlich dehnbar. Könnte bei Kinder-Eltern oder auch bei allgemeine Rechtsfragen oder auch hier in Psychologie sein.

Psychologie finde ich aber sehr passend. Bei Trennungen wird viel zu viel der Zielpunkt auf finanzielle und rechtliche Befindlichkeiten und zu wenig auf den psychischen Zustand ALLER Beteiligten Wert gelegt.

Gruß
Ingrid