Nach Pflege und Tod der Eltern-komme nicht mehr

…auf die Beine …

Ich müßte superzufrieden sein …toller Mann…toller Job…kann mir meine Arbeitszeit einteilen …tolles Auto …toll toll toll…

Aber so fühle ich mich nicht…Ich habe 3 Jahre lang Stress gehabt…mein Vater schwerst pflegebedürftig …mußte sehen, daß hier zu Hause alles läuft, Papierkram, rechtliche Kämpfe ( „die“ wollten meine Eltern immer ins Heim stecken ) …Vater verstorben- Zustand der Mutter hat sich verschlechtert…Seit Februar ist sie von Ihrem Leiden erlöst …

Ich hab mir immer gedacht - o.K. Trauer und Aufarbeitung …dauert ein bischen …aber …es ist jetzt ein halbes Jahr her…

Es tut alles noch so weh …und ich muss das Haus ausräumen …und werde immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert …

Kennt jemand so eine Situtaion ? Seufz … ich wünsche mir so sehr, das es irgendwann man wieder besser wird .

Wie ist bei Euch die Umwelt damit umgegangen ? Ich habe bisher zum Thema Trauer die Erfahrung gemacht, daß man immer schnell das Thema wechseln möchte. Man hat keinen „Raum“, wo man mal sagen kann, daß es einem schlecht geht .

Kann „Pflege“ so krank machen ? Wie gesagt - es müßte dochmal wieder besser werden ?

Moin, leodade,

die Sozialstationen kenen die Problematik der pflegenden Angehörigen, oft richten die auch Gesprächskreise ein, wo Betroffene zu Wort kommen. Du pflegst zwar nicht mehr, wirst dort aber ganz sicher auf Leute treffen, die Dir helfen können.

Gruß Ralf

Hallo!

Pflege an sich macht nicht automatisch krank. Bei dir war allerdings etwas mehr los als nur „Pflege“! Du hast ja auch noch dein eigenes Leben gehabt und dich in den drei Jahren mit der Organisation all dieser Dinge total ausgepowert.

Und dann hast du den Verlust beider Eltern erlebt und löst nun auch deren Haus noch auf. Das bedeutet doch Abschied nehmen von deiner ganzen Kindheit! Deine Eltern und dein Elternhaus sind weg, nun bist du in keinerlei Hinsicht mehr Kind! Sich davon zu trennen ist nicht in einem halben Jahr Trauerzeit verarbeitet, vor allem nicht, wenn man seine Kräfte längst verbraucht hatte.

Du brauchst also kein schlechtes Gewissen haben, dass du dich momentan so schwach fühlst. Und Trauer braucht üblicherweise eher ein ganzes Jahr.

Es ist schade, dass du sowenig Gesprächspartner hast, denn in Gesprächen könntest du sicher eine Menge aufarbeiten. Wenn es dir weiterhin auch körperlich so schlecht geht, dann rede ruhig einmal mit deinem Hausarzt. Möglicherweise wären Gespräche mit einem Therapeuten für einen überschaubaren Zeitraum hilfreich für dich, um diese Phase des Loslassens zu begleiten. Oder eine Kur oder psychosomatische Klinik, wo du deine Kräfte zurückholst.

Ich wünsche dir dafür alles Gute!

Gruß, noi

Guten Morgen,

ich finde, dass Du zu wenig Geduld mit Dir hast. Und kann mich drambeltier nur anschließen. Du solltest Dir einen betreuten Gesprächskreis für Angehörige suchen. Hier könnte ich mir vorstellen, wirst Du Verständnis finden und auch anderen bei ihren Geschichten zuhören und merken, dass es nicht so außergewöhnlich ist, was Du erlebst.

Es braucht seine Zeit.

Bisher kann ich zum Glück nicht aus eigener - betroffener - Erfahrung sprechen, aber ich habe erlebt, wie meine Schwiegermutter ihren Mann über ein Jahr gepflegt hat. Das war kraftraubend und körperlich wie auch seelisch sehr fordernd.

Sein Tod vor 1,5 Jahren hat sie dann völlig aus der Bahn geworfen. Täglich mehrfache Telefonate unter Tränen mit ihrem Sohn fanden über Wochen/Monate statt. Nach einem Jahr ging es ihr trotz therapeutischer Betreuung und Gabe von Antidepressiva nicht besser.

Erst nachdem sie den Therapeuten gewechselt und offenbar auch anders medikamentös behandelt wird, ist seit kurzem eine deutliche Änderung ihrer Stimmung und in ihrem Umgang mit ihrem Leben spürbar. Sie lebt wieder und pflegt sogar wieder ihr Hobby Malen.

Ich befürchte, man nicht einfach sagen, es dauert halt und wartet dann, dass es besser wird - leider. Aber vielleicht hilft es Dir tatsächlich, wenn Du Dich mit Gleichgesinnten triffst.

alles Gute
Aquilegia A.

Hallo leodade,

lass Dir Zeit! Trauer ist nicht etwas, das sich in festgelegten Zeiträumen bewältigen lässt. Vergiss bitte auch nicht, dass Du mit zwei Faktoren kämpfst: Du trauerst nicht nur, Du darfst und musst Dir jetzt auch noch abgewöhnen, Pflichtgefühle für Deine Mutter zu empfinden. Die gehen auch nicht einfach so.

Ich kenne den Zustand nur zu gut. Bei mir hat es sich inzwischen dahin eingependelt, dass ich manchmal nur noch eine furchtbare Unrast empfinde. Als ob ich immer noch schnell für meine Mutter irgend etwas richten müsste. Dann sehe ich mir wie Du im Geist mein Leben an und bin nur noch froh und dankbar.

Ich wünsche Dir, dass auch Du bald dahin kommst. Aber mach Dir um Himmels Willen auch in dieser Hinsicht keinen Stress.
Es ist in Ordnung, wenn Du Dich jetzt nach so kurzer Zeit immer noch fühlst, als hättest Du ein großes Loch in Dir. Das wird schon noch.

viele grüße
Geli

Moin,
auch, wenn es im ersten Moment vielleicht hart klingt - Eltern sterben - das ist der normale Lauf - eine Generation löst die andere ab. Klar, man ist traurig und braucht eine Zeit sich daran zu gewöhnen. Besonders, da du anscheinend noch sehr viel deiner Zeit und Mühen für die Pflege aufgewandt hast. Das ist - auch wenn keine leichte Aufgabe, doch auch einfach. Es ist klar was zu tun ist. Viel wird von der Situation vorgegeben. Da braucht man sich nicht viele Gedanken zu machen. Und wer pflegt bekommt meist die Anerkennung der Umgebung.
Das, zusammen mit der Trauer und der noch unsicheren Suche nach einer neuen Aufgabe brauch Zeit.
Ob es sehr sinnvoll ist sich ‚in die Trauer zu stürzen‘? Studien lassen eher das Gegenteil vermuten. Sich ‚ins Leben stürzen‘ lässt Menschen einen Verlust anscheinend besser verkraften. Bewusst Dinge tun, für die man lange keine Zeit hatte, Lesen, Ausgehen, Urlaub, etwas Neues lernen, ein Hobby wieder aufleben lassen… - neue Leute kennen lernen - auch, wenn man ‚eigentlich‘ erst mal keine Lust hat.
Wie auch immer du dich entscheidest damit umzugehen, Erfolg…lux

hallo
ja es ist so wie es ist -richtig!
es ist nichtts falsch und nichts krankhaft daran eine zeitlang zu trauern.und es braucht seine zeit, wenn ein mensch auf diese welt kommt und es braucht meist die gleiche zeit, um einen menschen aus dieser welt gehen zu lassen.
du hast dein leben auf die pflege eingestellt, das war /ein teil) deines lebens.sinn.s
jetzt stehst du vor den aufgaben:

  • zu trauern
    -deine kindheit ein weiteres stück gehen zu lassen
    -erinnerungen kommen zu lassen
    -das eine oder andere noch einmal zu betrachten und evt. anders zu be-werten
    -dich neu zu definieren
    -evt.ängste anders zu betrachten
    -einen neuen standpunkt für dich zu setzen
  • einen neuen sinn zu entdecken
    -deine eltern zu verabschieden
    -und deine eltern als einen teil von dir in deinemjetztigen leben willkommen zu heißen

das alles ist nicht so mir nichts dir nichts zu erledigen, das braucht zeit und kraft.
ich habe auch die erfahrung gemacht, dass es kaum menschen gibt, die uns dann zur seite stehen können, das ist aus vielerleigründen so .punkt

ich weiß aber auch, dass es im coachingbereich menschen gibt, die erfahren genug sind in diesem lebensabschnittliebevoll und sorgsam zu begleiten.
vielleicht ist dasja eine möglichkeit für dich

alles liebe iq13
fragen dazu - gern in pm

Lass dir Zeit
Hallo,

Aber so fühle ich mich nicht…Ich habe 3 Jahre lang Stress
gehabt…mein Vater schwerst pflegebedürftig …mußte sehen,
daß hier zu Hause alles läuft, Papierkram, rechtliche Kämpfe (
„die“ wollten meine Eltern immer ins Heim stecken ) …Vater
verstorben- Zustand der Mutter hat sich verschlechtert…Seit
Februar ist sie von Ihrem Leiden erlöst …

Das sind alles Dinge, die einen Menschen sehr mitnehmen können. Spiel das nicht herunter, du hast großartiges geleistet.

Ich hab mir immer gedacht - o.K. Trauer und Aufarbeitung
…dauert ein bischen …aber …es ist jetzt ein halbes Jahr
her…

Ein halbes Jahr ist keine Lange Zeit. Lass dir Zeit für Deine Trauer.

Kennt jemand so eine Situtaion ? Seufz … ich wünsche mir so
sehr, das es irgendwann man wieder besser wird .

Ja, kenne ich. Und es wird besser werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Trauerarbeit nicht herbeizuführen ist. Sie geschieht einfach irgendwann, wenn man dazu bereit ist. Mir hat es geholfen, am Leben Teil zu nehmen, neu anzufangen. Irgendwann wurde die Trauer weniger und die schönen Erinnerungen kamen. Aus einer seelisch stabileren Situation heraus ist Trauer besser zu bewältigen. So zumindest meine Erfahrung.
Erwarte nicht von dir, dass du das steuern kannst.

Wie ist bei Euch die Umwelt damit umgegangen ? Ich habe bisher
zum Thema Trauer die Erfahrung gemacht, daß man immer schnell
das Thema wechseln möchte. Man hat keinen „Raum“, wo man mal
sagen kann, daß es einem schlecht geht .

Das ist verständlich. Was sollen denn deine Familie und Freunde sagen? „Mein Beileid“? Das sagt man so, aber wenn man es sagt, weiß man genau, das hilft dem Betroffenen nicht wirklich weiter.

In unserer heutigen Gesellschaft sind viele mit dem Thema Tod und Trauer überfordert. Versuche, mit den Menschen wirklich zu reden, sage ihnen, z.B. deinem Mann oder deiner besten Freundin, dass du ein Redebedürfnis hast. Oft scheuen sich die Leute, weil sie eben nicht wissen, wie sie mit der Trauer eines Menschen umgehen sollen. Sag ihnen, sie sollen dir einfach nur zuhören, sie sollen dich einfach mal aus dem Alltag herausholen. Spazieren gehen, Shoppen, Sport machen oder sonst was. Erzähl ihnen ruhig, wie du dich fühlst. Menschen, die zugeben können, sich schwach und überfordert zu fühlen, leisten eigentlich sehr großes, da dies nicht einfach ist.

Und irgendwann wirst du merken, dass du nicht mehr von der Pflege, dem Papierkram oder sonstigen Dingen erzählst, sondern von den wunderschönen Erinnerungen, die das eigene Leben bereichern.

LG IrisAntonia

Wie die anderen schon sagten: Ein halbes Jahr ist nicht viel für eine Trauerarbeit. Früher gab es das „Trauerjahr“ - und zwar über ein ganzes Jahr, also doppelt so lang. Und jedeR trauert unterschiedlich lange. (Man kann es auch so wie ich machen, und den Tod erst einmal fünf Jahre gar nicht fassen, um dann zwei Jahre zu trauern - aber ich war auch ziemlich jung als mein Vater starb.)
Dazu kommt, dass du ja nicht nur einfach um einen verlorenen Menschen trauerst. Du hast gleich beide Eltern relativ knapp hintereinander verloren.
Drittens hast du eine Aufgabe verloren. Viele Leute kennen das Gefühl der Leere, wenn sie etwa ihr Studium endlich abgeschlossen haben.
Viertens - auch das wurde ja schon gesagt - geht es zusätzlich auch noch um den Abschied vom Haus der Kindheit. Wobei ich meine, dass das Ausräumen des Hauses auch eine Form der Aufarbeitung sein kann. Kommen dabei nicht auch Erinnerungen hoch - schöne wie schirche? Ist die Konfrontation mit der Vergangenheit so schlecht?

Also alles in allem recht viel, von dem du dich verabschiedest. Auch ich sage: Lass dir Zeit.

Eine Frage drängt sich mir allerdings auf, wenn du sagst, du hast keinen Raum, um zu sagen, dass es dir schlecht geht: Sollte dir dein Mann nicht diesen Raum bieten? Und vielleicht auch noch die eine oder andere Freundin (oder Freund, obwohl mit befreundeten Männern kann ich persönlich das nicht)?

Keine Angst, es wird schon besser. Wenn es dir zu sehr im Kopf herum geht, lenk dich ab. Lass es dir auch einmal einen Tag gut gehen und mach etwas, was dir Spaß macht. Danach kannst du dich auch vielleicht wieder besser mit der Vergangenheit konfrontieren.

Liebe Grüße
Livia

Liebe Leute !

Vielen vielen Dank für Eure Anregungen…es sind vielen Ansatzpunkte, die mir weitergeholfen haben bzw. über die es sich nachzudenken lohnt.