Lass dir Zeit
Hallo,
Aber so fühle ich mich nicht…Ich habe 3 Jahre lang Stress
gehabt…mein Vater schwerst pflegebedürftig …mußte sehen,
daß hier zu Hause alles läuft, Papierkram, rechtliche Kämpfe (
„die“ wollten meine Eltern immer ins Heim stecken ) …Vater
verstorben- Zustand der Mutter hat sich verschlechtert…Seit
Februar ist sie von Ihrem Leiden erlöst …
Das sind alles Dinge, die einen Menschen sehr mitnehmen können. Spiel das nicht herunter, du hast großartiges geleistet.
Ich hab mir immer gedacht - o.K. Trauer und Aufarbeitung
…dauert ein bischen …aber …es ist jetzt ein halbes Jahr
her…
Ein halbes Jahr ist keine Lange Zeit. Lass dir Zeit für Deine Trauer.
Kennt jemand so eine Situtaion ? Seufz … ich wünsche mir so
sehr, das es irgendwann man wieder besser wird .
Ja, kenne ich. Und es wird besser werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Trauerarbeit nicht herbeizuführen ist. Sie geschieht einfach irgendwann, wenn man dazu bereit ist. Mir hat es geholfen, am Leben Teil zu nehmen, neu anzufangen. Irgendwann wurde die Trauer weniger und die schönen Erinnerungen kamen. Aus einer seelisch stabileren Situation heraus ist Trauer besser zu bewältigen. So zumindest meine Erfahrung.
Erwarte nicht von dir, dass du das steuern kannst.
Wie ist bei Euch die Umwelt damit umgegangen ? Ich habe bisher
zum Thema Trauer die Erfahrung gemacht, daß man immer schnell
das Thema wechseln möchte. Man hat keinen „Raum“, wo man mal
sagen kann, daß es einem schlecht geht .
Das ist verständlich. Was sollen denn deine Familie und Freunde sagen? „Mein Beileid“? Das sagt man so, aber wenn man es sagt, weiß man genau, das hilft dem Betroffenen nicht wirklich weiter.
In unserer heutigen Gesellschaft sind viele mit dem Thema Tod und Trauer überfordert. Versuche, mit den Menschen wirklich zu reden, sage ihnen, z.B. deinem Mann oder deiner besten Freundin, dass du ein Redebedürfnis hast. Oft scheuen sich die Leute, weil sie eben nicht wissen, wie sie mit der Trauer eines Menschen umgehen sollen. Sag ihnen, sie sollen dir einfach nur zuhören, sie sollen dich einfach mal aus dem Alltag herausholen. Spazieren gehen, Shoppen, Sport machen oder sonst was. Erzähl ihnen ruhig, wie du dich fühlst. Menschen, die zugeben können, sich schwach und überfordert zu fühlen, leisten eigentlich sehr großes, da dies nicht einfach ist.
Und irgendwann wirst du merken, dass du nicht mehr von der Pflege, dem Papierkram oder sonstigen Dingen erzählst, sondern von den wunderschönen Erinnerungen, die das eigene Leben bereichern.
LG IrisAntonia