Liebe Community!
Ich bin zwecks Recherche für einen Roman auf der Suche nach einem für mich wichtigen Detail der deutschen Geschichte.
Ich habe einmal davon gehört, dass es in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Machtvakui herrschten und die Truppen der Besatzer das Land nach Spuren der Nazis absuchten, zu folgender Mustergeschichte kam:
Das Konzentrationslager X nahe der Kleinstadt Y wird von den alliierten Truppen erobert. Ihnen zeigt sich ein grausames Bild, Leichenberge zeugen von den Greueltaten der Deutschen. Da sie sich nicht imstande sehen, die Toten zu begraben, ehe Seuchen um sich greifen, ordnen sie an, dass die Bewohner von Y sich zu einer bestimmten Zeit vor den Toren des KZ X zu versammeln haben. Ihnen soll in den nächsten Stunden (Tagen?) die Aufgabe zugetragen werden, die Opfer der Verfolgungen zu bestatten.
Meine Frage hierzu: Kann jemand bestätigen, dass es zu einer solchen oder ähnlichen Begebenheit kam? Wenn ja, wäre ich für alle erdenklichen Informationen dankbar. V.a. Name des KZ, Datum sowie Quelle.
Vielen Dank für alle Mühen und Antworten!
Relativ bekannt ist das Beispiel von Buchenwald, wo die Amerikaner kurz nach der Befreiung die Bevölkerung von Weimar zwangen, sich die Leichenberge anzuschauen.
Ja das ist mir auch bekannt, aber es ist recht wichtig, zu erfahren, ob die Alliierten auch weiter gingen, die Zivilbevölkerung quasi „zur Strafe“ die Bestattungsarbeiten hat durchführen lassen. Oder Angehörige der Wehrmacht/SS. Könnte ich auch noch mit leben. Aber gab es solche „erzwungenen“ Begrabungen?
Hallo,
ich glaube das geschah in Flossenbürg.
Gruss
Rainer
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Servus,
ich erinnere mich eher vage (bloß optisch, ohne Daten) an eine Filmdokumentation zu diesem Thema, in der die Leute mit entsprechendem Werkzeug auf dem Weg zum Lager zu sehen waren. Der Landschaft nach und der Kleidung nach kann es sich um Flossenbürg gehandelt haben.
Schöne Grüße
MM
Ich bin zwecks Recherche für einen Roman auf der Suche nach
einem für mich wichtigen Detail der deutschen Geschichte.
Ich habe einmal davon gehört, dass es in der unmittelbaren
Nachkriegszeit, als Machtvakui herrschten und die Truppen der
Besatzer das Land nach Spuren der Nazis absuchten, zu
folgender Mustergeschichte kam:
Ob es derartige Vorfälle in der Nachkriegszeit gegeben hat, ist mir nicht bekannt, vielfach ist es aber, nicht nur bei der Befreiung von KZs unmittelbar hinter der Front zu solchen Ereignissen gekommen. Dass eine ganze Stadt das Lager zwangsbesichtigen musste ist mir nur für Weimar bekannt, dass Bürger zur Beerdigung der Leichen ermordeter Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge gezwungen wurden ist aber vielfach belegt. Eine kurze Google-Recherche bringt z. B. http://www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Ar… Angehörige der Besatzungsmacht hätten damals Stuttgarter Bürger dorthin geführt und sie gezwungen, die Leichen zu waschen und anständig zu beerdigen. Hier ist aber ein genaues Datum nicht genannt, so dass dieser Vorfall durchaus auch nach Ende des Krieges passiert sein könnte. Hat aber mit einem damals herrschenden ‚Machtvakuum‘ nichts zu tun - die Macht lag klar in den Händen eben der Besatzungsmacht.
Gruss
Schorsch
Ob es derartige Vorfälle in der Nachkriegszeit gegeben hat,
ist mir nicht bekannt, vielfach ist es aber, nicht nur bei der
Befreiung von KZs unmittelbar hinter der Front zu solchen
Ereignissen gekommen. Dass eine ganze Stadt das Lager
zwangsbesichtigen musste ist mir nur für Weimar bekannt, dass
Bürger zur Beerdigung der Leichen ermordeter Zwangsarbeiter
und KZ-Häftlinge gezwungen wurden ist aber vielfach belegt.
Eine kurze Google-Recherche bringt z. B.
http://www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Ar…
Angehörige der Besatzungsmacht hätten damals Stuttgarter
Bürger dorthin geführt und sie gezwungen, die Leichen zu
waschen und anständig zu beerdigen. Hier ist aber ein
genaues Datum nicht genannt, so dass dieser Vorfall durchaus
auch nach Ende des Krieges passiert sein könnte. Hat aber mit
einem damals herrschenden ‚Machtvakuum‘ nichts zu tun - die
Macht lag klar in den Händen eben der Besatzungsmacht.
Gruss
Schorsch
Oh vielen Dank!
Welchen Suchbegriff hast du denn verwendet (Oder ist hier das Siezen üblich? Ich bin ja noch ein Novize… :o )
Aber danke für den Link, ich schaue mir das mal gründlich an! 
Hallo,
ich glaube das geschah in Flossenbürg.
Gruss
Rainer
Vielen Dank, ich werde in diese Richtung weiter recherchieren bzw. mit der Gedenkstätte Kontakt aufnehmen!
Aber die Frage gilt weiterhin: Ist jemandem von solchen Vorfällen etwas bekannt? Ich bin v.a. auf der Suche nach KZs in den heutigen neuen Bundesländern bzw. im osteuropäischen Ausland, da sich jene am besten in den Plot integrieren lassen.
Vielen Dank für jede weitere Antwort!
Welchen Suchbegriff hast du denn verwendet (Oder ist hier das
Siezen üblich? Ich bin ja noch ein Novize… :o )
Der Novize darf auch sieze, üblich ist das duzen. Die genauen Suchbegriffe weiss ich jetzt nicht mehr, vielleicht finde ich sie aber zuhause noch im Cache. Ich habe Stichworte verwendet, die ich mit der Vorstellung einer solchen Szene assoziiere wie +bürger +leiche(n), +gestank, +gezwungen +massengrab… und, ganz wichtig, +1945 (das +, um google zu zwingen, nur Seiten anzuzeigen, die auch alle Stichworte enthalten) und damit dann ein bisschen herumgespielt. Aber testen wir einfach mal: http://www.google.de/search?hs=S7x&hl=de&client=oper… findet schon im ersten Ergebnis einen Treffer.
HTH
Schorsch
Der Novize darf auch sieze, üblich ist das duzen. Die genauen
Suchbegriffe weiss ich jetzt nicht mehr, vielleicht finde ich
sie aber zuhause noch im Cache. Ich habe Stichworte verwendet,
die ich mit der Vorstellung einer solchen Szene assoziiere wie
+bürger +leiche(n), +gestank, +gezwungen +massengrab… und,
ganz wichtig, +1945 (das +, um google zu zwingen, nur Seiten
anzuzeigen, die auch alle Stichworte enthalten) und damit dann
ein bisschen herumgespielt. Aber testen wir einfach mal:
http://www.google.de/search?hs=S7x&hl=de&client=oper…
findet schon im ersten Ergebnis einen Treffer.
HTH
Schorsch
Oh vielen Dank, diese Plus-Geschichte werde ich mir merken! 
Sehr praktische Sache, wird mir bei der folgenden Recherche noch hilfreich sein. 
Hi
meines Wissens wurden die Toten im Lagerkomplex Kaufering (bei Landsberg/Lech) einer echten Hölle auf Erden, nach der Befreiung durch die US-Army durch die Anwohner (auf Befehl der Alliierten) beerdigt.
Auskünfte dazu kann vermutlich die Bürgervereinigung Landsberg geben
http://www.buergervereinigung-landsberg.de/geschicht…
http://www.buergervereinigung-landsberg.de/geschicht…
hier ist ein Bild, auf dem Zivilisten die Ermordeten bestatten
Gruß
Mike
Hi
meines Wissens wurden die Toten im Lagerkomplex Kaufering (bei
Landsberg/Lech) einer echten Hölle auf Erden, nach der
Befreiung durch die US-Army durch die Anwohner (auf Befehl der
Alliierten) beerdigt.
Vielen Dank, solche „Geschichten“ suche ich. Ideal für meinen Plot wäre jedoch - wie schon gesagt - ein Lager in den neuen Bundesländern bzw. in einem der osteuropäischen Staaten. Da die Figur, die in diese Bestattungen verwickelt sein soll, später in der DDR leben wird, bräuchte ich zumindest bei diesem - allerdings sehr guten - Beispiel und dem aus der Nähe von Stuttgart eine glaubhafte Entwicklung im Leben des Protagonisten, warum er in den sozialistischen Teilstaat umsiedeln sollte. Literarisch könnte das schwierig werden, weil m.W. nach Umsiedlungen innerhalb der beschnitten Grenzen v.a. gen Westen verliefen.
Daher wäre ich für jedes Beispiel östlich der Elbe äußerst dankbar! 
Aber die Frage gilt weiterhin: Ist jemandem von solchen
Vorfällen etwas bekannt? Ich bin v.a. auf der Suche nach KZs
in den heutigen neuen Bundesländern bzw. im osteuropäischen
Ausland, da sich jene am besten in den Plot integrieren
lassen.
Im osteuropäischen Ausland gab es bereits beim Einmarsch der Russen keine deutsche Bevölkerung mehr, die man für derartige Einsätze hätte verpflichten können. Wenn du aber die deutschen Ostgebiete meinst: Während ihres Vormarschs hatten die russischen Truppen andere Prioritäten. Und nach der Kapitulation hatten die russischen Besatzungstruppen zwar einen politischen Auftrag, der dürfte aber ein solches Vorgehen regelmäßig nicht eingeschlossen haben. Insbesondere war Osteuropa in unvergleichlich stärkerem Ausmaß verwüstet als Westeuropa, so dass rein praktische Versorgungsfragen notwendigerweise klaren Vorrang vor der ‚Erziehung‘ der Bevölkerung hatten.
Am ehesten wirst du bei der Suche nach solchen Vorgängen in Gebieten gemischter Bevölkerung fündig werden können, in denen die neuen nationalen Autoritäten solche Vorgänge angeordnet oder geduldet haben könnten, also z. B. im Sudetenland oder in anderen Gebieten mit traditioneller deutscher Minderheitsbevölkerung. Deutsche Zeugnisse aus dieser Gegend und Zeit sind aber in der Regel subjektiv auf die eigene Vertreibung gerichtet, so dass derartige Ereignisse wohl allenfalls zwischen den Zeilen oder in ein paar Halbsätzen zu finden sein dürften. Unter http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/ sind einige Zeitzeugenberichte zu der Zeit veröffentlicht, vielleicht wirst du dort fündig.
Gruss
Schorsch
Die Bevölkerung in dem fraglichen Ort muss nicht zwangsweise deutsch sein. Dem Protagonisten eine deutsche Oma anzudichten, ist nicht sonderlich schwer, wäre u.U. sogar gar nicht mal schlecht.
Mir geht es nur darum, dass irgendwann irgendwer angeordnet hat, dass die Zivilbevölkerung jene Arbeit zu verrichten habe…
Aber dennoch danke für Informationen, auch für den Link! 
Hallo zukünftiger Autor,
nächstes Jahr erscheint im Metropol Verlag ein Buch, das sich u.a. sehr ausführlich mit diesen „Konfrontationen“ beschäftigt. Der Titel lautet Todesmärsche aus Buchenwald oder so ähnlich.
W.
Vielen Dank für den Hinweis, auch wenn sich auf der Metropol-Website leider nur Informationen zu den Herbst-Neuerscheinungen abrufen lassen! 
PS: Naja, „zukünftig“ würde ich nicht ganz so meinen… 
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]