hi,
es gab hier mal eine diskussion, ob es in gefängnissen „zu schön“ wäre. ich war ja auch dieser meinung. diese meinung möchte ich nun revidieren und poste ein posting aus einem anderen forum:
_Ich war bis Anfang März zweieinhalb Monate in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Josefstadt [Wien] …
Die ersten drei (4 ?) Wochen war ich einer inklusive mir zu dritt belegten 4er-Zelle, also mit 2 Stockbetten. Fläche geschätzte max. 15 m2. inkl. dem angesprochenen Nassraum mit ca. 1,5 m2.
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Den Rest verbrachte ich mit wechselnder, nur einmal ganz kurz voller, sont bei 5-7 liegender Belegung in einer 8er-Zelle mit max. 30 m2. inkl. gleichem (!) Nassraum.
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Duschen zweimal die Woche. Täglich eine Stunde spazieren in einem abgezäunten Teilstück eines Innenhofes (sechs Stockwerke tief) zu etwa 20igst im Kreis auf etwa 50 m2. Wer hat, Fernsehen. (Muß für 160,-- gekauft werden. Rechtsgeschäfte zwischen Gefangenen verboten. Ergo zB keine Schenkung.)
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Essen: Miserabel bis „Mensch, hab ich einen Hunger!“, wird als Nachtmahl zweimal die Woche warm, dann aber durch die Durchreiche in einem Kübel für alle 5-7 in die Zelle gereicht. Kein Essen im Gemeinschaftsraum. Generell nicht.
Handel mit - ich denke, auch wenn ich nur einiges erlebt habe - allem blüht. Bezahlt wird mit Tabak, vorwiegend.
Sexuelle und Gewalt überhaupt sicher kein Tabu. Ich wurde dreimal tätlich angegriffen. Das dritte Mal schwer verletzt, da fast vier Wochen starke Schmerzen aufgrund Fußtritts gegen die Niere (Nierenprellung?).
In der ersten Zelle war ich mit … hauptsächlich Eigentumsdeliktler zusammen. Der eine Anfang dreißig mit einigen Monaten hinter und - wie sich herausstellen sollte - 2 Jahren vor sich. Der andere 42 mit insgesamt 17 Jahren hinter und fünf noch nicht rechtskräftigen neuen vor sich.
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In der zweiten Zelle einige junge Erwachsene (die unter die teilweise Anwendung des Jugendstrafrechts fallen). Immer spielen Drogen eine Rolle. Sonst hauptsächlich Eigentum. …
[…]
Krafttraining oft nur für Privilegierte, da Raum und Gerät viel zu knapp. Man hilft sich mit Spülmittelkanistern mit Wasser gefüllt und mit zerschlissenen geheim ergatterten (da überzähligen) Geschirrtüchern an einen Besenstiel gebunden, oder mit dem Bett, das man, darunter liegend, mit wem drauf sitzend, stemmt.
Medizinische Versorgung wird zögernd und äußerst sparsam gewährt. (Für mich machte man eine Ausnahme, weil ich mich mit höllische Zahnschmerzen an einem Samstag nach der dritten Vertröstung so echauffierte, dass ich laut wurde beim Vortrag meines Begehrens nach einem Arzt. Erhalten habe ich allerdings nur Schmerzmittel, die nur unzureichend wirkten. Zahnarzt erst am Montag.)
Papier und Schreibgerät ist Mangelware, außer man kauft es sich selbst für relativ viel Geld, das man dringend für Tabak und Essen braucht.
Bibliothek existiert zwar, dauert aber bis zu drei Wochen, bis man ein Buch erhält.
Es herrscht strikte Hirarchie, in den Zellen (die ich jeweils arg durcheinanderbrachte, was heilsam schien.)
Ich bin sicher, dass man auf unserer Abteilung, zumal in meinen Zellen nicht Normalbetrieb unterhalten hat, als ich drin war. Dies aufgrund meiner Person. Deshalb habe ich vieles nicht erlebt.
[…]
Offizieller Sexualkontakt ist übrigens nicht vorgesehen. Keine Möglichkeit, etwa mit dem freien Lebenspartner sexuell zu verkehren._
eventuelle meinungsäußerungen in den posting habe ich gestrichen. es ging nur um die fakten.
liest sich ja recht kraß und „passend“ für ein gefängnis… also von wegen luxushotel und fernseher für alle. das ist kein ort, an dem gern sein möchte. ich weiß es jetzt besser und werde mich hüten, in zukunft darüber zu spekulieren.
den thread könnt ihr im kurierforum nachlesen (http://www.kurier.at)
gruß
datafox