Nagelstudio eröffnen - was beachten?

Hallo!

Ende des
Jahres kommt eine Studie einer Unternehmensberatung zum Thema
Schaffung von Arbeitsplätzen durch eBay heraus.

Der weit überwiegende Teil aller gewerblichen Ebay-Händler handelt mit geringwertigen Konsumgütern und bewegt sich in einem Umfeld aus zahllosen Händlern mit dem gleichen Angebot auf der gleichen Plattform. Der Billigste setzt sich durch. Dagegen ist auch aus Händlersicht nichts zu sagen, wenn trotzdem genug übrig bleibt. Das aber ist in überbesetzten Marktsegmenten nur über Einkaufsmacht möglich und die hat der gewöhnliche Existenzgründer nicht. Wer es trotzdem versucht, landet im günstigsten Fall in einer Kümmerexistenz.

Unabhängig von Ebay gibt es in Deutschland keinen Mangel an Warendistribution. Wer selbständig tätig sein möchte, braucht ein Alleinstellungsmerkmal oder begibt sich im aufgeteilten Markt in den Verdrängungswettbewerb über den Preis.

Alleinstellungsmerkmale gehören zu den elementaren Voraussetzungen einer jeden Existenzgründung. Theoretisch kann auch der niedrige Verkaufspreis das Alleinstellungsmerkmal sein, in der Praxis für den Existenzgründer jedoch nicht. Ein besonderes Produkt/eine besondere Dienstleistung, besondere Sachkenntnis bei beratungsintensiven Produkten und/oder eine regionale Alleinstellung oder ein besonderer Vertriebsweg, mit dem eine spezielle Zielgruppe erreichbar ist, sind unverzichtbar. Aber genau diese Punkte entfallen beim Handel mit gewöhnlicher Großhändlerware via Ebay. Um solche Selbstgänger zu erkennen, braucht man keine Studie.

Diese Zusammenhänge gelten nicht nur bei selbständiger Tätigkeit, sie gelten vielmehr immer und überall. So beschloß gerade gestern die Bundesregierung, das Entsendegesetz auf Gebäudereiniger auszudehnen. Ein Überangebot einschlägiger Arbeitskräfte (denen im Grunde nur ein Alleinstellungsmerkmal fehlt) verdarb die Preise derart, daß eine Mindestentlohnung vorgeschrieben wurde. Du kannst aber mit letzter Sicherheit davon ausgehen, daß es solche schützende Käseglocke für Ebayhändler nicht geben wird.

Ein wesentliches Problem bei vielen Existenzgründern ist Phantasielosigkeit. In jedem Elektromarkt gibt es zig verschiedene Toaster für € 19,95. Die Phantasie reicht bei den meisten Leuten nur so weit, die gleichen Toaster einen Euro billiger zu verramschen. Kaum jemand kommt auf die Idee, technisch oder gestalterisch andere Toaster statt für € 19,95 für € 1.995 anzubieten. Dafür braucht man neben der technischen und/oder gestalterischen Idee eine spezielle Zielgruppe, die bereit ist, den hohen Preis zu zahlen. Diese Zielgruppe gibt es. Man muß nur genügend Phantasie entwickeln, die Zielgruppe ausfindig zu machen und anzusprechen. Immerhin gelingt das Vorhaben in zahllosen Marktsegmenten. Obwohl es bei Deichmann Schuhe für wenige Zehner gibt, leiden Maßschuster, die Schuhe für den hundertfachen Preis anbieten, nicht unter Auftragsmangel. Man kann ein nagelneues Auto für unter 10 T€ kaufen, dennoch hat Porsche Lieferzeiten, obwohl man mit deren kostspieligen Produkten kaum mehr als eine Kiste Mineralwasser transportieren kann und nur auf recht laute und harte Weise von A nach B kommt. An fast jeder Ecke wird man mit billigen Handys totgeschmissen, die mit zahllosen Funktionen überfrachtet sind. Außerdem gibt es riesengroße Teile, die man Greisen um den Hals hängen kann, um den Notruf zum Wechseln der Bettpfanne zu betätigen. Aber suche mal ein hochwertig verarbeitetes Mobiltelefon, mit dem man nur telefonieren kann, ohne sich mit Minitasten durch ellenlange Menüs zu quälen, ohne Farbdisplay, ohne Kamera, ohne Videospiele, eben ohne jeden Spielkram … Na, klingelt es?

Die erforderliche Phantasie für die erwähnten Marktnischen kommt nicht von Siemens oder Nokia, sie kommt in aller Regel nicht von irgendwelchen Branchenriesen, sondern von pfiffigen Existenzgründern und aus inhabergeführten mittelständischen Unternehmen. Wer über gediegene Kenntnisse irgendeines beliebigen Gebietes verfügt, ob Steuerberatung, Reiterei, Bauwesen, Antriebstechnik, Kochen - egal was - wird vermutlich Unzulänglichkeiten dieses Gebiets kennen. Irgend ein Werkzeug oder eine in der Branche übliche Verfahrensweise hat Schwächen. Damit ergeben sich Ansatzpunkte für Phantasie, um die Unzulänglichkeit abzustellen und die Lösung zu vermarkten. Daraus kann sich die Chance auf eine tragfähige Existenz ergeben, aber nicht durch Nagen an längst abgelutschten Knochen.

Gruß
Wolfgang

PS: Beim oben erwähnten Stichwort Kochen fällt mir gerade ein: Suche mal einen praxistauglichen Backofen. Ich meine so ein gewöhnliches Teil für die häusliche Küche, das nicht in der üblich idiotischen Weise auf Fußbodenhöhe eingebaut wird, sondern auf Brusthöhe. Du findest Türen zum Herunterklappen oder Auszüge, aber stets ist die heiße Tür im Weg. Dagegen hat jeder professionelle Hähnchengrill eine Tür, die an einem Gestänge senkrecht nach oben geöffnet wird und nicht im Weg ist. Also: Wo ist die Nachrüstlösung für die marktgängigen Backöfen? Die pfiffige Idee ist entscheidend und geeignete Ideen lassen sich schier unbegrenzt produzieren.

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Hallöchen,

Aus Ebay-Agenturen haben sich bisher nur leere Ladengeschäfte
entwickelt. Damit kann man nur Geld verdienen, wenn man den
eigenen Stundensatz nahe null ansetzt und sich mit einer
positiven Differenz aus Umsatz und Kosten zufriedengibt.

Und was ist mit denen, die über eBay die Kosten des Aufbaus
eines Vertiebsnetzes sparen und ihren Versandhandel darüber
abwickeln ?

das hat weder etwas mit Existenzgründung noch mit Ebay-Agentur
zu tun, sondern stellt für eingesessene Geschäfte einen neuen
Vertriebsweg dar.

Ja aber brauchen denn neue Unternehmen die sich gerade gründen
und etwas vertreiben wollen denn nicht auch ein Vertriebsnetz
?

irgendwie scheine ich mich unklar auszudrücken: Ebay-Agenturen sind Ladenlokale, in denen Menschen sitzen, die gebrauchten Ramsch von fremden Menschen dramatisch ausleuchten, photographieren, phantasievoll beschreiben und dann bei Ebay einstellen.

Dann gibt es Ebay-Händler, die meinen, sie müßten mit Mediamarkt, Saturn und anderen Ketten im Bereich Kleinelektro konkurrieren.

Beide Gruppen erfüllen keinen sinnvollen Zweck in der Wirtschaft und werden über kurz oder lang wieder vom Markt verschwinden.

Dann gibt es Spezialgeschäfte, die entdecken Ebay und Konsorten als neue Vertriebslinie und erreichen damit Kunden, die sie sonst nie erreicht hätten. Ähnliches funktioniert auch mit dem Handel mit exotischen Produkte, für die es in Deutschland nur einen eingeschränkten Nachfragerkreis gibt, der zudem Probleme hatte, einen passenden Verkäufer zu finden.

Für die im letztgenannten Absatz genannten Gruppen ist Ebay eine vernünftige Vertriebslinie und in diese Gruppe fällst Du mit Deinem Unternehmen. Du hast eine Nische erkannt und belieferst nun Motorradbesitzer und mutmaßlich auch kleine Werkstätten mit Ersatzteilen, so daß diese nicht mehr auf Schrottplätzen herumkriechen oder 200 km bis zum nächsten Fachhändler gurken müssen, der dann auch noch drei Monate braucht, um das Teil zu besorgen.

Nein, sie sprechen nicht für Großunternehmen sondern halten
diese eher von Investitionen in Deutschland ab.
Kleinunternehmer sind von derartigen regelungen in der Regel
nicht betroffen. Darauf wollte ich hinaus. Die Bürokratie wird
immer wieder gerne vorgeschoben, wenn es darum geht, daß es in
Deutschland an Unternehmertum mnagelt. Das ist nicht
zielführend, wenn es darum gehen soll, die Ursachen für den
unbefriedigen Zustand zu finden.

Christian, darf ich Dich mal fragen, ob Du schon mal ein
Unternehmen in Deutschland gegründet hast ? Solltest Du
„lediglich“ in einem Angestelltenverhältnis tätig sein, würde
ich mich doch fragen, ob es Dir zusteht, über Leute die es in
Deutschland auf sich nehmen sich selbstständig zu machen, in
dieser Weise zu urteilen.

In den vergangenen Artikeln habe ich zwei Personengruppen kritisiert. Zum einen diejenigen, die sich plan- und hirnlos selbständig machen, um dann irgendwann enttäuscht aufzugeben und die Schuld bei allen nur nicht bei sich selbst zu suchen. Zum anderen diejenigen, die behaupten, die bedauerlich niedrige Selbständigenquote in Deutschland läge allein in der Bürokratie begründet. Sie kommt vielmehr daher, daß in Deutschlands Gesellschaft eine unternehmer- und erfolgsfeindliche Grundeinstellung herrscht und zudem ein so umfassendes Sicherungssystem besteht, daß das Eingehen von Risiken nur für die allerwenigsten eine denkbare Handlungsalternative darstellt.

Scheinbar ist Dir die Verpflichtung
und Belastung die ein solches Vorgehen mit sich bringt, nicht
ganz klar. Das ist mir jetzt schon in mehreren Beiträgen die
Du hier geschrieben hast und wo Du das Unternehmertum
bemängelst, aufgefallen.

Komisch, Du entdeckst da eine Seite an mir, die ich gar nicht kenne. Eigentlich lasse ich keine Gelegenheit aus, Unternehmertum verbal, beratend und finanziell zu unterstützen (zugegebenermaßen nur selten mit meinem eigenen Geld). Nur Unternehmen können Arbeitsplätze schaffen und aus dem Grunde ist es absolut notwendig, daß mehr Menschen versuchen, sich ihren Lebensunterhalt mit ihren eigenen Ideen, ihrer eigenen Arbeit und in ihrem eigenen Unternehmen zu verdienen, anstatt um das Ende des Monats herum auf den Eingang der monatlichen Überweisung zu warten.

Wenig zielführend ist es hingegen, die letzten verfügbaren Kröten zusammenzukratzen, damit die gammelige Ladeneinrichtung an der nächsten Ecke zu kaufen, und dann zu erwarten, man könne mir dem dritten Puppenladen oder Fantasyshop oder Döner-Laden oder Nagelstudio im Umkreis von 100 Metern auch nur in Ansätzen seinen Lebensunterhalt verdienen.

Mit welchem Teil meiner Ausführungen hast Du denn nun ein Problem?

Gruß,
Christian

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