Nahes Auffahren

Hallo!

„ich bin dann schon weiter vorne und damit schneller da“.

Ich täte eher sagen, das ist der Versuch, mit dem
Vorschlaghammer dem Vorausfahrenden zu zeigen, er möge
gefälligst Platz machen.

Das trifft sicher auf die expliziten Drängler zu, erklärt aber nicht diejenigen, die z.B. in einer Kolonne auf der Lanstraße dicht auffahren und dabei nicht den Eindruck machen, daß sie vorbeiwollen und auch gar keine Möglichkeit hätten, vorbeizukommen.

Also auf meinen 150 täglichen Kilometern ist Abstand lassen
schlichtweg unmöglich. Sobald ich mehr als 15 m von meinem
Vordermann/-frau weg bin, geht einer in die Lücke

Genau.

Vor kurzem hat mich nachts in meinem Heimatort jemand überholt. Etwa 50 Meter vor mir hat er dann gebremst und ist links in eine Anliegerstraße abgebogen. Das Überholmanöver hat ihm also einen Vorsprung von 1 bis 2 Sekunden gebracht.

Ich denke, beim Fahren ohne Abstand ist es das gleiche - da gibt es den Zwang, jeden Meter freie Straße auszunützen.

Lg,
Max

Hallo!

Was mich noch näher interessieren würde wären Studien oder
wissenschaftliche Abhandlungen zu dem Thema. Drängeln ist doch
sehr weit verbreitet und wird von großen Bevölkerungsschichten
als Problem empfunden. Da würde es mich wundern, wenn diese
menschlichen Vorgänge noch nicht untersucht worden wären.

Natürlich ist das ein Untersuchungsgegenstand.
Zum Beispiel hier mit (knapper) Literaturliste:
http://www.psychologie.uni-wuerzburg.de/methoden/for…

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

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Moin,

danke für den Link! Den werde ich mir mal genauer ansehen. :smile:

VG
J~

Also auf meinen 150 täglichen Kilometern ist Abstand lassen
schlichtweg unmöglich. Sobald ich mehr als 15 m von meinem
Vordermann/-frau weg bin, geht einer in die Lücke, bevorzugt
mit einem Geschwindigkeitsunterschied von mindestens 30 km/h.
Also bremse ich ab (man will ja überleben :smile:) und hab dann
den hinter mir an meinem Kofferraum kleben. Beträgt dann der
Abstand zum Vordermann wieder >15 m kommt, schwupps, der
nächste von rechts.

Hallo!

Genau das ist der Punkt. Je nachdem, wo man zu welcher Zeit fährt, gibt es einen optimalen Abstand. Lässt man den eigenen nur etwas größer werden, kommt jemand, der sich da rein drängt und der übriggebliebene Abstand ist kleiner als halb so groß. Nimmt man Gas weg, um wieder auf den Wohlfühlabstand zu kommen, wiederholt sich das Spiel.

„Erfolgreich“, also frustarm fährt man, wenn man ein Gespür dafür entwickelt, wie groß man den Abstand werden lassen kann, ohne wieder behindert zu werden. Das ändert sich manchmal innerhalb von Sekunden und hängt stark von der Verkehrssituation (Ampelphase, Straßenverhältnisse, Verkehrsdichte) und den beteiligten Fahrern ab.

Wer aber stur auf einem bestimmten Mindestabstand besteht, wird als Verkehrshindernis betrachtet und regelmäßig ausgebremst, geschnitten und behindert.

Sich anzupassen ist meist sicherer und stressärmer. Meist klappt das auch ganz gut, wenn man nicht nur bis zum Vordermann guckt, sondern die ganze Verkehrssituation vorn und hinten ständig abscannt und jederzeit aufmerksam und reaktionsbereit ist. Wer das nicht kann und/oder will trödelt halt daher und bekommt jede Ampel bei Rot mit. Solch ein Verhalten sieht man oft bei Rentnern und ortsfremden Fahrern.

Ich persönlich kann damit leben, unheimlich wird mir die Sache nur in langen Tunneln, wenn ausdrücklich ein Abstand von 100 m oder mehr gefordert wird und mein Hintermann mir auf dem Kofferraum hängt. Was soll man dann machen - in einem Tunnel ohne Überholmöglichkeit und Gegenverkehr? Ich denke, vor allem nicht den Fehler machen und sich drängeln lassen. Denn dann ist der Abstand auch vorn noch zu klein.

Viele Grüße

Anne

Ziel und Motivation
Hallo j~,

ich stimme Denker zu, psychologisch lässt es sich wohl so erklären:

Unser Handeln wird durch die Motivation bestimmt. Motivation ist der Drang nach aktiven Handeln, egal ob sinnvoll oder nicht. Dieses aktive Handeln ist mehr gegeben wenn wir die Distanz verkürzen und „angestrengt“ den Abstand halten.

Zudem agieren wir zielorientiert, das heißt je näher wir unserem Ziel sind umso erfolgreicher wird nach unserem Denken die Aufgabe gelöst.
Wir sind nicht bereit einen Rückschritt hinzunehmen, da wir uns vom Ziel (also hier das schnellstmögliche Erreichen des Fahrzieles) entfernen.

Deshalb haben wir zum Beispiel auch Schwierigkeiten das folgende Rätsel zu lösen:

Ein Mann muss einen Wolf, ein Schaf und eine Kiste Kohl über einen Fluss bringen. Das Ruderboot ist aber so klein, das er immer nur eines von den Dreien mitnehmen kann.
Wenn er Schaf & Wolf oder Schaf & Kohl unbeaufsichtigt lässt, gibt es ein Unglück.

Es widerstrebt unserem Zieldenken.

Gruß

Joschi