Hallo!
Da möcht ich auch mal Einspruch einlegen.
bei einem Vortrag meines Arztes, der ein Experte in Ernährungsfragen ist.
Gleich vorab: Ich bin Lebensmittelchemiker mit Wahlpflichtfach Ernährungswissenschaften. Ich denke, das qualifiziert mich mindestens ebensosehr.
dass wir heutzutage aufgrund unserer Lebensumstände, insbesondere Stress, einen erhöhten Vitaminbedarf haben.
Da möchte ich ihm noch nicht mal widersprechen.
Allerdings werden genau deshalb die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr (in Deutschland erarbeitet durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE, http://www.dge.de/) regelmäßig geprüft und überarbeitet. Vor gar nicht so langer Zeit wurde die empfohlene Tagesdosis für Vitamin C von 60 auf 100 mg/d angehoben - aber wer sich hier normal ernährt, liegt auch ohne Präparate weit darüber.
In wissenschaftlichen Untersuchungen ist festgestellt worden, daß der Vitamingehalt unseres Obstes und Gemüses in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken ist.
Und das ist sowas von unreflektiert, da gehört er eigentlich für geschlagen.
Richtig ist, das moderne Zuchtformen weniger Vitamine enthalten als ältere, noch fast wilde Zuchtformen. Etwas weniger, nicht drastisch!
Richtig ist aber auch, das wir im Gegenzug durch moderne Lagerhaltung und Konservierungsmethoden dieses Obst und Gemüse jetzt das ganze Jahr über zur Verfügung haben, und nicht nur wenige Wochen oder Monate.
Und vor allen Dingen hat dein doller Arzt mal komplett übersehen, das wir heute eine stabile Versorgung mit Südfrüchten mit erheblich höheren Vitamingehalten haben, was unsere Großeltern so gut wie gar nicht kannten. Ich kann mich noch erinnern, wie in meiner Jugend die ersten Kiwis nach Deutschland kamen und was ganz dolles waren. Und die Kiwi ist eine Vitaminbombe, da kommt keines unserer heimischen Gewächse auch nur in die Nähe von!
unseren normalen Vitaminbedarf zu decken (ohne Stressbelastung) müssen wir 5 Portionen Obst bzw. Gemüse am Tag essen. Schaffen wir das?
Ja.
Denn dazu zählt auch ein Glas Orangensaft, der Apfel oder die Banane zwischendurch, die Tomatensuppe als Vorspeise oder die Tomatensauce auf den Nudeln, und nicht nur das Gemüse sondern auch der Salat als Beilage.
Außerdem muss man das auch nicht so verbissen sehen: Wenn’s mal an einem Tag nur drei oder vier waren bringt dich das auch nicht um . . .
Die Menge an Vitamin C und Zink, die du einnimmst, liegt weit unter dem, was unser Arzt empfiehlt. Auch mein Orthopäde sagte mir übrigens, daß er im Winter hoch dosiert Vitamine zu sich nimmt und so vor Infektionen verschont bleibt.
Ja, wenn er kein Obst isst . . .
Ich habe diesen Winter auf diese Ratschläge gehört und 2 g Vitamin C pro Tag, dazu Zink und Vitamin D genommen. Es hat sich absolut bewährt. Wenn ich dann doch mal einen kleinen Anflug von Erkältung bekommen habe, habe ich 3 g Vit. C pro Tag genommen und die Symptome waren ganz schnell wieder weg.
Ja, und eine Flasche O-Saft hätte genauso geholfen . . .
Guter Rat für dich, deinen Orthopäden und deinen ratgebenden Arzt:
Einfach mal in ein Bechrglas pinkeln und darin eine Vitamin-C Bestimmung machen lassen. Überraschung! Mangels Speicherfähigkeit unseres Körpers bei wasserlöslichen Vitaminen rauscht die Überdosierung einfach durch . . .
Es gibt ein großes medizinisches Labor in Mainz, das seinen Mitarbeitern seit diesem Jahr kostenlos Vitamin D zur Verfügung stellt. Das ist für die Firma billiger als die Krankheitstage, die sonst entstehen würden.
Das ist sogar richtig.
Vitamin D kann bei Menschen, die sich ungesund ernähren und zu wenig Sonne sehen (leider viel zu Häufig in unserer Gesellschaft), ein Problem sein. Aber ein Lehrgang gesunde Ernährung und Sport im Freien hätte den gleichen Effekt (nagut, nur wenn die Mitarbeiter sich davon was annehmen).
Bitte: ich will niemanden davon abhalten, zusätzlich ein paar Vitamine einzuwerfen. Unabhängig von der Sinnfrage - Schaden kann’s auch nicht. Um die Wahrheit zu sagen: derzeit nehme ich auch mehr oder weniger regelmäßig sowas ein, weil ich mich aus verschiedenen Gründen auf absehbare Zeit nicht vernünftig ernähren kann.
Aber dann tun’s wirklich auch die einfachen, billigen Brausetabletten aus’m Aldi, es gibt keinen Grund, dutzende bis hundert Euros in Apotheken für irgendwelche „Wudermittelchen“ auszugeben.
Man sollte sich immer vor Augen halten, dass das, was wir heute Vitamine nennen, nur ein kleiner Ausschnitt ist. Es gibt noch hunderte anderer Substanzen, die ebenfalls die Bezeichnung Vitamin verdient hätten, aber die Wissenschaftler haben halt irgendwann gemerkt, das das ein unüberschauberes Gebiet ist, und die alle unter der Bezeichnung „Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe“ zusammengefasst.
Man kann seinen Vitaminbedarf (und damit meine ich jetzt die klassischen Vitamine, halt die mit eigenem Buchstaben) heutzutage rein chemisch decken, das ist richtig. Aber man erhält dann automatisch eine Unterdeckung der vielen anderen Substanzen!
Sinnvoller ist in jedem Fall eine halbwegs vernünftige Ernährung. Und 5 am Tag als grobe Faustregel (an die man sich auch nicht sklavisch halten muss) reicht bei einer abwechslungsreichen Ernährung eigentlich schon völlig aus.
lg, mabuse