Hallihallo,
gerade lese ich die „Erfolgsbilanz“ eines Reiseportals:
1996 Gründung mit 365.000 DM Startkapital. Drei Millionen Umsatz
1997 Bilanzverlust von 697.485 DM
1998 Jahresfehlbetrag 998.000 DM
1999 Jahresfehlbetrag 3,8 Mill. DM, Umsatz 334.596 DM
2000 Börsengang mit 135 Mill. DM Einnahme. Ausgabepreis der Aktie ist 29 DM, 32 fache Überzeichnung. Investitionen rund um den Globus.
Einem Umsatz von 50,7 Mill. DM stehen 67 Mill. DM Verlust gegenüber. In der Kasse liegen gut 65 Mill. DM liquide Mittel.
2001 Unter den Folgen des 11. September leidet der Hauptveranstalter der Firma und geht in die Insolvenz.
Die Umsatzerlöse (36,7 Mill Euro) sind erstmals größer als der Jahresfehlbetrag (29,1 Mill. Euro). Dafür sind zum Jahresende nur noch vier Millionen Euro in der Kasse.
2002 Der Börsenkurs ist im Frühjahr auf einem Tiefststand von 0,18 Euro. Dafür erstmalig schwarze Zahlen. Der Umsatz fällt auf 4,1 Mill. Euro, der Jahresfehlbetrag liegt bei gesamt sieben Millionen Euro. Eine Kapitalerhöhung um knapp zwei Millionen bringt neue Liquidität.
2003 Die Umsatzerlöse fallen auf 3,5 Mill. Euro, der Jahresfehlbetrag fällt auf 1,7 Mill. Euro. Bis März 2004 bringen mehrere Kapitalerhöhungen und die Ausgabe neuer Aktion 3,7 Mill. Euro ein.
2004 Konsolidierung, Rechtsstreitigkeiten und Forderungsverzichte schlagen auf die Bilanz durch. Bei einem Umsatz von 2,8 Mill. Euro ergibt sich ein Fehlbetrag von 4,7 Mill. Euro. Die liquiden Mittel sind auf 614.000 Euro geschrumpft.
2005 Der Umsatz sinkt auf 1,8 Mill. Euro. Der Jahresfehlbetrag bleibt bei 4,8 Mill. Euro. Der Betand an liquiden Mitteln sinkt trotz Wandelschuldverschreibungen auf 193.000 Euro.
2006 Die Zahl der Mitarbeiter sinkt von zuvor 55 auf aktuell nur noch 22 Mitarbeiter. Nach neun Monaten liegen die Umsatzerlöse bei 1,1 Mill. Euro un der Fehlbetrag bei 311.000 Euro.
Was ich dabei jetzt nicht verstehe: Als kleiner Reiseverkäufer hätte ich spätestens nach dem Jahr 2001 die Bude dicht gemacht bzw. meine Bank hätte den Laden geschlossen. Welche Hoffnungen treiben Banken und Aktionäre, dass sie ein solches Unternehmen über Jahre hinweg unterstützen, obwohl sämtliche Grundsätze kaufmännischen Handelns ignoriert werden?
Sorry für diese doofe Frage aber ich verstehs einfach nicht. Der Laden existiert auch noch weiter und in einer Fachzeitung wird ein Interview mit dem Vorstand gedruckt, das eher befürchten lässt, dass die Geschichte noch weiter gehen wird.
Persönlich ärgert mich daran, dass solche Läden Unsummen damit verpulvern, den „richtigen“ Kaufleuten das Leben schwer zu machen. Hunderte von Reisebüros machen den Laden dicht weil so ein O"§"=)§ über Jahre hinweg seine Reisen unter Preis verkauft und das Geld der Aktionäre verbrennt - und die Banken und Aktionäre scheinen das auch noch toll zu finden. HÄ???
Vielen Dank für Eure Aufklärung.
Rolf
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