Hallo Katrin,
das Konkordat von 1801 ist bezeichnend für das Verhältnis Napoleons zur Kirche. Die Verhandlungen begannen am 06.11.1800 in Paris und gerieten zu einem achtmonatigen heftigen Feilschen. Am 16.07.1801 wurde das Konkordat unterzeichnet; von Napoleon im September und von Pius VII. im Dezember ratifiziert. Bei der Ratifizierung behielt sich Napoleon ausdrücklich vor, ggf. „Korrekturen zur Vermeidung ernsthafter Schwierigkeiten, die sich aus der buchstäblichen Auslegung des Konkordats ergeben könnten, anzubringen“. Das Konkordat regelte für ca. ein Jahrhundert die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem französischen Staat.
Dass es zum Abschluss kam lag natürlich daran, dass beide Seiten davon zu profitieren hofften. Die Katholiken waren nach wie vor ernstzunehmende innenpolitische Gegner, insbesondere in der Vendee und in der Bretagne (die Chouans) gab es offenen Widerstand. Von den 8000 aktiven Priestern Frankreichs waren lediglich ca. 2000 ‚constitutionnels‘, d.h. sie hatten einen Eid auf die Verfassung von 1791 abgelegt (auf Grund deren der Kirchenbesitz konfisziert worden war). Des weiteren sollte das Verhältnis zu den katholischen Staaten Österreich und Spanien (aber auch Belgien und Bayern sowie zu Italien) entspannt werden. Den Unterstützern Ludwigs XVIII. und einer bourbonischen Restauration würde eines ihrer Hauptargumente genommen.
Der Papst wiederum war daran interessiert, die Position Roms in Frankreich wieder zu festigen - so sollte auch die Möglichkeit geschaffen werden, etliche Bischöfe, die sich der Autorität des Papstes entzogen hatten, abzusetzen. Noch wichtiger war wohl, die neapolitanischen Truppen, die Rom besetzt hielten, wieder loszuwerden - das ging nur mit französischer Hilfe. Und - Napoleon lockte mit der Rückgabe der ‚Legationen‘ (von päpstlichen Legaten regierte Territorien) Ferrara, Bologna und Ravenna, die 1797 an Frankreich abgetreten werden mussten.
Im Konkordat wurde der Katholizismus als Religion der Bevölkerungsmehrheit anerkannt, jedoch nicht als Staatsreligion. Die Freiheit des Gottesdienstes auch für Protestanten und Juden blieb damit unangetastet. Die Kirche verzichtete offiziell auf die konfiszierten Güter und der Staat verpflichtete sich im Gegenzug zur Finanzierung der Gehälter der Kleriker. Die Regierung hatte das Recht, Bischöfe zu ernennen (das war schon unter Ludwig XIV. so gewesen), sie mussten allerdings durch den Papst bestätigt werden. Die orthodoxen Bischöfe wurden wieder eingesetzt und die ‚constitutionnels‘ unter den Bischöfen mussten ihre Ämter niederlegen und wurden so für ihre Loyalität gegenüber dem neuen Regime belohnt. Auch nicht unwichtig (und lange umstritten) - die Kirche durfte wieder private Vermächtnisse annehmen; seit jeher eine der wichtigsten Quellen kirchlichen Reichtums.
Napoleon machte - um die Kritik am Konkordat zu entschärfen - von seinem Vorbehalt Gebrauch, indem er das Konkordat einseitig noch durch die 121 ‚articles organiques‘ ergänzte. Danach durfte ohne staatliche Genehmigung kein päpstlicher Legat französischen Boden betreten und alle päpstlichen Bullen und Breves sowie Dekrete eines allgemeinen Konzils oder einer nationalen Synode bedurften für ihre Wirksamkeit in Frankreich staatlicher Genehmigung. Außerdem wurde die Ziviltrauung zur Voraussetzung einer kirchlichen Trauung erklärt. Die ‚articles organiques‘ traten am 18.04.1802 in Kraft. Zu dieser Zeit machte ein Bonmot die Runde:
„Um König von Ägypten zu werden, glaubt er an den Koran, um König von
Frankreich zu werden, glaubt er an das Evangelium.“
Aber das sollte noch bis zum 02.12.1804 dauern. Pius VII. war höchstpersönlich nach Paris gereist, um der Kaiserkrönung Napoleons die höheren Weihen zu geben und das peinliche Legitimationsdefizit des Korsen wenigstens etwas zu bemänteln. Die Krone setzte sich Napoleon allerdings selbst aufs Haupt - er ließ sie sich nicht einmal vom Papst überreichen, sondern von General Kellermann. Dafür entschädigte etwas der Krönungseid:
„Ich schwöre, das Gebiet der Republik in seiner Unversehrtheit zu erhalten; die Bestimmungen des Konkordats und die Freiheit des Gottesdienstes zu respektieren und zu stärken, die Gleichheit vor dem Gesetz, die politische und zivile Freiheit …“ usw. Man beachte die Reihenfolge! Kein Zweifel - das Pendel schlug wieder zurück …
Empfohlene Literatur: Ariel Durant, Kulturgeschichte der Menschheit Bd. 17 - Die französische Revolution und der Aufstieg Napoleons. Ullstein 1982