Mooin,
naja, das bei Quarks ist schon etwas reißerisch formuliert… aber grundsätzlich gibts das, ja. Ich möchte aber nochn bischen was dazu sagen:
ein Freund erzählte mir kürzlich von einem Vorfall bei einer
Nasenverschönerung.
…darum sollte man sich bei jeder OP fragen, ob sie wirklich nötig ist. Es wird heute oft übersehen (z.B.in der sog. „Lifestylechirurgie“), daß bei jeder Vollnarkose der Patient prinzipiell in Lebensgefahr gebracht wird.
Er erklärte mir, dass bei der OP zwei
Mittel gebraucht werden: zum Einen das Schlafmittel und zum
Anderen ein Mittel, damit die Muskel nicht zucken.
Das Problem trat auf, als das Schlafmittel nachlies. Der
Patient spürte jeden einzelnen Schnitt, konnte sich aber
aufgrund der Muskellähmung nicht erkenntlich zeigen. Für mich
klang das nach Horror a la „Anatomie“.
Meine Frage ist: Kann der Arzt dieses Erwachen nicht irgendwie
feststellen? Es muss doch möglich sein, anhand von veränderten
Nervenerregungen, erhöhtem Herzsschlag (Stress) oder ähnlichem
ein Erwachen des Patienten zu bemerken! Gut, ich weiß nicht,
ob sich der Herzschlag bei der Muskellähmung großartig
verändern kann… hmm warum eigentlich nicht… der wird doch
von dem Antimuskelzuckmittel nicht betroffen sein…
Heutzutage eigentlich nicht mehr. Zur Narkose gehört neben dem Muskelrelaxans (das nicht bei jeder OP nötig ist, bei einer „Nase“ würde ich z.B. nur etwas ganz kurzwirksames geben) ein Schlafmittel und ein ordentliches Schmerzmittel.
Die Kreislaufparameter sind in Narkose anders als im Wachzustand und nur eine indirekte Methode, Narkosetiefe zu messen. Schmerzmittel (Opiate) zB verlangsamen den Herzschlag ein wenig, aber das sollte bei kreislaufgesunden kein Problem sein. Anders ist es zB bei Menschen, die des Blutdruckes wegen zB Medikamente nehmen, die den Herzschlag verlangsamen (zB Betablocker) oder deren Nervensystem geschädigt ist und die deshalb ihren Herzschlag nicht selber beschleunigen können (zB Diabetiker). Bei solchen u.a. Patienten Leuten muß man ziemlich aufpassen und ich gebe ihnen auch tendenziell mehr Narkosemittel, um eine sog. „Awareness“ zu vermeiden.
Es gibt auch Überwachungsmittel, um die Funktion des Zentralen Nervensystems direkter zu überwachen, die sind aber idR ziemlich störungsanfällig und haben sich noch nicht allgemein durchgesetzt. Ich hatte zB die Möglichkeit, meine Patienten mittels EEG während der OP zu überwachen, aber immer, wenn ich meine Narkose danach ausgerichtet habe, bin ich dem Geschehen mehr „hinterhergelaufen“ als wenn ich die Narkose nach „Gefühl“ und den Kreislaufparametern ausgerichtet habe (vielleicht probier ich das in ein paar Jahren nochmal…). Ich denke, daß der beste Narkosetiefenmesser ein Narkosearzt ist, der den Job schon ein paar Jahre macht. Und die beste Narkose meiner Ansicht nach die tiefstmögliche ist (was wiederum gegen ambulante Narkosen spricht).
Zur Awareness sollte auch noch bemerkt werden, daß diese Wachheitserlebnisse meist schmerzfrei sind, weil das Opiat trotz der Wachheit wirkt. Die meisten Awarenessepisoden sind auch mehr Halbwachheiten, weil, wie im Quarksartikel angesprochen, das Gehör von allen Sinnen am meisten Narkose braucht, infolgedessen können sich die meisten Patienten an die Sprüche der Operateure erinnern.
Trotz allem sind die Kenntnisse über die Funktion des Gehirns noch immer ziemlich begrenzt und niemand kann genau sagen, wie eine Narkose überhaupt wirkt. Wie sollte man da Awareness sicher ausschließen können?
Chris