Narzissmus

Hallo!

Nun habe ich nochmal eine andere Frage.
Es geht um eine Bekannte, die in ihrer Kindheit kaum von den Eltern geliebt / wahrgenommen wurde: Vater Alkoholiker, Mutter manisch-depressiv (Laiendiagnose); außerdem in Armut (Schwellenland) aufgewachsen ist. Sie hat sich dann mehr oder weniger allein, zumindest einsam, durchgekämpft und ist sehr narzisstisch geworden. Der Kontakt zu Anderen findet hauptsächlich übers Helfen (von Ihrer Seite aus) statt (Helfersyndrom). Sie setzt sich mit einer Freundin mit fast allem, was sie und die Patienten betrifft, auseinander und möchte Klarheit erlangen, aber nicht mithilfe eines Psychotherapeuten. Sie meint, es auch allein (bzw. mit der Freundin, die sie vermutlich als Dienstleisterin in diesem Sinne benutzt) zu schaffen.

An dem Grundproblem (von außen betrachtet ) ändert sich jedoch nichts. Für sie selbst ist es nicht der Kern des Problems, das gesamte narzisstische Verhalten hilft ihr auch, sich unabhängig und stark zu fühlen und ich vermute, sie wird sich in Bezug auf das Grundproblem auch nicht ändern wollen, trotz ständiger Beteuerung.

Nun frage ich mich (und Euch), ob es wahrscheinlich ist, dass sie sich noch ändert. Ihr Verhalten ist ja in dem Sinne asozial, in dem sie Andere nicht als Ganzheit wahrnimmt, sondern als Faktensammlungen (Patienten) und ihr die Ziele der Patienten / Freunde, also eigentlich die jeweiligen Anderen nicht wichtig sind (nur dann, wenn sie sie selbst weiterbringen). Ich frage mich auch,

  • warum sich dieses narzisstische Verhalten so gut vertuschen lässt (in der Tarnung des Helfers, der ja auch wirklich hilft, der aber nicht genug Verantwortung für den auf die Hilfe angewiesenen übernimmt)
  • warum es so schwer ist, sich von jemand so narzisstischem abzugrenzen
  • wie viele Helfer (Ärzte, Psychotherapeuten) krankhaft narzisstisch sind (in ihrer Machtposition ist die Notwendigkeit der Veränderung am wenigsten gegeben

Ich habe auch andere Menschen mit diesem „Problem“ kennen gelernt. Die Person, die ich beschrieb, ist allerdings die nachdenklichste Person, die ich kenne. Trotz großem Interesse an ihr (Gespräche) habe ich den Eindruck, dass mir das Zusammensein schadet oder dass es „gefährlich“ ist.

Gruß Anwärter

Hallo Anwärter,

mir scheint, ich habe Dich nicht ganz verstanden:

welchen Schaden richtet Deine Bekannte an (weil Du sie an einer Stelle als asozial bezeichnest)? Die Aussage z. B., sie übernehme „nicht genug Verantwortung“ für die Patienten - sagt nichts Konkretes.

Und in welche Richtung hin soll sie sich ändern?

Meine Phantasie: Sie kennt die Erfahrung des Mangels (kaum Liebe, Eltern brauchten selbst vielleicht mehr, als sie ihr geben konnten. Eventuell auch materieller Mangel). Deshalb denke ich mir, sie hat sich in dem Mangel, so gut es ging, mit dem folgenden Muster eingerichtet: Helfen, dafür sich gut fühlen können, dafür eigene Grundbedürfnisse wie die nach Anerkennung und Geliebt-werden ein klein wenig, aber nicht genug erfüllen.

Wenn sie nichts hat als dieses Muster, rüttelst Du mit der Forderung, daß sie sich ändern soll, womöglich an den Grundfesten ihrer psychischen Existenz oder Identität.

Grüße,

I.