Fachleute für strukturierte Produkte gefragt!
Hallo Bozi,
das ist mal wieder ein extremes Negativbeispiel für das, was in der Finanz"beratung" in Deutschland mittlerweile so läuft. Und leider sind die dem „gemeinwohl verpflichteten“ Sparkassen hier auch keine Ausnahme.
Ich habe dieses Instrument so ganz auch nicht verstanden. Es soll wohl so was wie ein Arbitragegeschäft zwischen den genannten Indizes getätigt werden.
Das ist an sich innerhalb der gesetzlichen Vorschriften für einen Investmentfonds kaum darstellbar. Deswegen bedient sich die Naspa (bzw. Deka) hier anscheinend eines Zertifikates, welches von der Credit Suisse emitiert wurde.
Mir scheint das der Versuch zu sein, eine Hedgefondsstrategie in einem Publikumsfondsmantel umzusetzen. Das allein ist nichts schlimmes. Andernorts läuft sowas auch durchaus erfolgreich. Aber für den klassischen deutschen Privatanleger, zu welchem Deine Mutter und Du wohl zu zählen sind, ist das viel zu kompliziert und intransparent.
Aus meiner Sicht kann man so etwas im Rahmen einer Vermögensverwaltung bei großen Vermögen als Beimischung einsetzen. Die Naspa ist hier echt gnadelos, wenn sie das so in der Breite verkloppen.
Also was tun?
Entscheidend ist diese Aussage:
„Wird während der Laufzeit des Sondervermögens zu den Beobachtungszeitpunkten eine vorher definierte Schwelle (Renditeabstand zwischen dem DivDAX und dem DAX gemessen seit dem 18. Mai 2007 >= - 2,0 %) erreicht oder überschritten, so wird ab diesem Zeitpunkt das Sondervermögen inkl. des Bonus von jeweils 15 % überwiegend in Geldmarktinstrumente, Bankguthaben und Investmentanteile angelegt. Liegt der Abstand am letzten Beobachtungszeitpunkt (Ende d. Laufzeit) zwischen - 25 % und - 2 %, liegt die Höhe der Rückzahlung bei 100 % des Ausgabepreises bei Auflage abzüglich Ausgabeaufschlag. Unterschreitet der Abstand am letzten Beobachtungszeitpunkt (Ende der Laufzeit) - 25 %, erhält der Anleger zum Laufzeitende eine Auszahlung in Höhe der prozentualen Abstandsveränderung bezogen auf das ursprünglich von ihm eingezahlte Kapital abzüglich Ausgabeaufschlag.“
Das wären 40,00 euro)
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das richtig verstehe.
Derzeit liegt der Dax seit 18.5.07 bei -18,2%, der DivDax bei -23,7%.
Dann würde der Renditeabstand bei -5,5% liegen?
Sollte das bei Laufzeitende (28.6.2012) noch genauso sein, müsste diese Aussage greifen:
"Liegt der Abstand am letzten Beobachtungszeitpunkt (Ende d. Laufzeit) zwischen - 25 % und - 2 %, liegt die Höhe der Rückzahlung bei 100 % des Ausgabepreises bei Auflage abzüglich Ausgabeaufschlag."
Das verstehe ich als Kapitalgarantie, solange der Renditeunterschied nicht unter -25 (was eine größere negative Zahl, alos z.B. -30 bedeutet) fällt.
Derzeit liegt der Rücknahmepreis der Fonds ca. 27% (Rücknahmepreis bei etwa 29,- euro) unter seinem Ausgabepreis. Das wäre der Verlust bei einem jetzigen Verkauf. Es dürfte schwer werden, diese 27% bis Juni 2012 mit einer anderen (risikoarmen) Anlage wieder aufzuholen. Ich würde also (vorausgesetzt, ich habe das richtig verstanden) eher auf die Kapitalgarantie am Laufzeitende sezten.
Dass der Sparkassenverkaufsbeauftragte jetzt anruft ist sicher seiner Not geschuldet, neue Provisionserträge für seinen Auftraggeber zu generieren. Gut vorstellbar ist auch, dass er selbst dieses ziemlich komplizierte Teil nicht richtig rafft.
Auf jeden Fall solltest Du Dir mal anschauen, was im WpHG-Bogen steht, den Deine Mutter beim Kauf sicher unterschrieben hat. Wenn dort steht, dass sie keine Risiken eingehen wollte, dann könnte man mal über einen Anwalt oder die Verbraucherzentrale Druck machen und eine Rückabwicklung dieses irrsinnigen Geschäfts anstreben.
Aber nicht zu schnell entmutigen lassen, die Naspa dürfte das gewohnt sein und erstmal einen auf dicke Hose machen… .
Gruß vom Money-Schorsch