Hallo Vegas,
„Was für ein Glaube, was für ein Gesetz / hat dir am meisten eingeleuchtet?“
So fragt der Sultan den Juden Nathan (III,5)
Er will wissen, warum Nathan denn nun Jude sei, und sich nicht für eine andere Religion entschieden hat.
Nathan spricht, an die Ringparabel anschließend, folgende Sätze:
„Denn gründen alle sich nicht auf Geschichte?
Geschrieben oder überliefert! - Und
Geschichte muß doch wohl allein auf Treu
Und Glauben angenommen werden? - Nicht? -
Nun, wessen Treu und Glauben zieht man denn
Am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen?
Doch deren Blut wir sind? doch deren, die
Von Kindheit an uns Proben ihrer Liebe
Gegeben? die uns nie getäuscht, als wo
Getäuscht zu werden uns heilsamer war? -
Wie kann ich meinen Vätern weniger
Als du den deinen glauben? Oder umgekehrt. -
Kann ich von dir verlangen, daß du deine
Vorfahren Lügen strafst, um meinen nicht
Zu widersprechen? Oder umgekehrt.
Das nämliche gilt von den Christen. Nicht? -“ (III,7)
Den Richter, der darüber entscheiden soll, wessen Ring nun der echte sei, lässt Nathan folgende Worte sprechen:
„Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten. - Möglich; daß der Vater nun
Die Tyrannei des einen Rings nicht länger
In seinem Hause dulden willen! - Und gewiß;
Daß er euch alle drei geliebt, und gleich
Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,
Um einen zu begünstigen. - Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring’ an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf’! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen. Geht! - So sagte der
Bescheidne Richter.“ (III,7)
Nathan argumentiert also in der Weise, dass jeder seinen Vätern glauben soll, und ihre Überlieferung, ihre Tradition, als Wahrheit annehmen soll und auch darf, da eben der „echte Ring“ nicht zu erkennen sei, der „Vater“ (Gott) sie aber „alle drei geliebt, und gleich / Geliebt“ hat.
In diesem Sinne darf auch Nathan „seinen Ring [als] den / Echten“ verstehen und seinem Volk, dem Judentum, aus dessen Blut er ist (s. o.) treu bleiben.
Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen
Mit freundlichem Gruß
Nathan (der nicht ganz so Weise)