Hallo,
auch hier nur mal schnell ein paar Stichworte.
Nationalismus ist ein Produkt der Aufklärung in dem Sinne, dass das Volk viel stärker involviert wurde als vorher in monarchistischen Systemen. Der Identifikationseffekt konnte sich also stärker austoben. Das veränderte natürlich nicht die Grundhaltung, nach der z.B. ein Franzose sich als Franzose sah oder ein Deutscher als Deutscher. Das wurde natürlich auch durch nationalistische Vordenker unterstützt, die sich immer wieder mit Vertretern älterer monarchistischer Ideen mischten.
Liberalismus ist erst einmal die Bejahung individueller Freiheit, d.h. der Liberalismus hat weniger die Freiheit eines Staatswesens als zunächst einmal die der Individuen im Staatswesen im Auge.
Der Kapitalismus ist eine Extremisierung des Liberalismus durch diejenigen, die es sich leisten können. Da der Liberalismus es ablehnt, zu viele Gesetze und Vorschriften zu machen, entsteht der Eindruck, es gäbe überhaupt keine Regeln mehr. Das scheint dem Kapitalisten der Freibrief zu sein, nach dem gerade er keinen Regeln und keinen Verantwortungen gegenüber dem gesellschaftlichem Umfeld mehr unterworfen ist.
Das führt natürlich nun zu einer Dreiecksbeziehung der Ideen. Der Nationalismus ist im Grunde seines Herzens konservativ und sieht die Gesellschaft eines Staatswesens als wesentlich. Eine Gesellschaft, die genau deswegen funktioniert, weil es Regeln gibt. Aber diese Regeln lehnt der Liberlaismus ab oder scheinbar ab, also wird Liberalismus zum Feindbild des Nationalismus. Das verschärfte sich, weil der Liberalismus ja auch die Anerkennung des Lebensrechtes anderer Individuen außerhalb des eigenen Staates anerkennt. Darüber jedoch kann der Nationalismus, der sich ja an diesen Staatsgrenzen orientiert, nun gar nicht erfreut sein.
Für den Liberalismus hingegen wird der Kapitalismus zur Achillesferse. Denn der, obwohl aus dem Liberalismus geboren und begründet, schafft Regeln. Regeln, die zwar in erster Linie am Reichtum orientiert sind, aber nichtsdestotrotz Regeln. Damit kommt der Kapitalismus eigentlich wieder dem Nationalismus näher, der im Grunde kein Problem damit hat, dass ein Geldadel statt eines Blutadels zur herrschenden Klasse wird, solange das gesellschaftsstabilisierend innerhalb der eigenen Grenzen und Kultur wirken. Nimm das mit dem Industrialismus des 19.Jhdts zusammen, mit dem Kolonialismus, der eine Folge davon war und mit der Konkurrenz der europäischen Mächte untereinander und Du erkennst hier so etwas wie eine Zwangsallianz aus Nationalismus und Kapitalismus. Denn der Kapitalismus liefert, was der Nationalismus für seine Aussenabgrenzung braucht (z.B. die ganze Waffentechnologie, Tirpitz Flotte, usw.).
Bleibt die Frage nach dem Faschismus. Faschismus ist in meinen Augen eine Art von Übernationalismus. Während der Nationalismus auf das eigene Land und die eigene Kultur bezogen ist, also eigentlich gar nicht mal nach außen aggressiv ist, beinhaltet der Faschismus ein Überlegenheitsdenken das zwangsläufig nach außen schlägt. Genau wie der Liberalismus oder der Kommunismus, glaubt der Faschismus, etwas ganz Tolles zu besitzen, dass man unbedingt den anderen Völkern auch bringen muss. Während also der Nationalist erst einmal sein eigenes Land groß und stark sehen will, vor allem auch im Inneren, haben derartige Ideologien ein Sendungsbewußtsein (das gilt auch für andere Ideologien), dass sich nicht mehr auf das Innere der Nation bezieht sondern auf Beherrschung anderer Völker drängt.
Das mag jetzt nicht in allen Details Buchdefinitionen entsprechen und es mag dazu auch verschiedene Ansichten geben. Das ist lediglich das, was man am Ablauf der Geschichte aus sozialhistorischer Sicht beobachten kann.
Gruß
Peter B.
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