Nationalstolz ist überflüssig

So, jetzt versuche ich es mal auf die Raimund’sche Art - mit provokativen Kurzformeln…

Nein, im Ernst:
Nach all den Diskussionen, die ich sehr interessant fand und bei denen ich das Gefühl hatte, dass mir auch andere Standpunkte verständlicher geworden sind (Dank vor allem an Nina und Mathias für die gewonnenen Einsichten), nach all dem also bin ich noch einmal in mich gegangen. Und ich habe festgestellt, dass Nationalstolz für mich persönlich überflüssig und unwichtig ist. (Achtung! Nicht gleich wieder Panikattacken bekommen, dass hier Gefühle und Ansichten anderer missbilligt werden! Es geht nur um meine persönliche Gefühlslage.)

Ich habe mal so in mich hineingehört und festgestellt, dass dieses Gefühl einfach nicht da ist - oder wenn, dann so schwach, dass es mir unwichtig ist.
(Bin ich jetzt ein „vaterlandsloser Geselle“?)

Ich kann dieses Gefühl deswegen auch nicht nachvollziehen und nachempfinden. Auch wenn ich es akzeptiere, solange es sich um gesunden Nationalstolz handelt, der Toleranz und Mitgefühl mit anderen Nationen und Menschen einschließt.

Vielleicht ist es so wie mit der Eifersucht. Manche kennen dieses Gefühl einfach nicht und finden es dumm und unnötig. Für manche ist das aber eine dringende Angelegenheit, die reale Bedeutung hat (btw: Leider zähle ich zu letzteren…).

Was bleibt, ist die Notwendigkeit der Toleranz. Keiner sollte dem anderen Gefühle aufdrängen dürfen. Sei es nun ein Stolz auf irgendetwas oder das Versagen dieses Stolzes.
Rau sollte im Sinne dieser Toleranz also nicht zum Rücktritt aufgefordert werden dürfen.

Salzmann

Ich meine nicht …
daß es ein verwerflicher Zug ist, wenn jemand stolz auf sein Vaterland ist. Ich bin auch stolz darauf in einem Land zu aufgewachsen zu sein und zu leben welches

  1. herrliche Landschaften besitzt
  2. wirtschaftlich erfolgreich ist
  3. ein gutes Sozialsystem betreibt
  4. Humanität gegenüber allen Menschen (auch Nichtdeutschen) gewährt
  5. in der Weltpolitik eine wichtige Rolle spielt
  6. Seine Bürger, Gäste und auch Zuwanderer ordentlich behandelt und ernährt
  7. eine hervorragende Infrastruktur besitzt
  8. eine geringe Kriminalitätsrate hat
  9. generell sicher und sauber ist

Genauso gestehe ich jedem Mitglied einer anderen Nation zu auch auf sein Land stolz zu sein welches sicher auch seine, wenn auch nicht immer die gleichen, Vorzüge hat.

Obwohl ich also stolz auf mein Land bin würde ich nie einen Bürger eines anderen Landes verfolgen oder mißachten. Und wenn ich in andere Länder komme achte ich deren Gepflogenheiten und hoffe daß es unsere Gäste und Zuwanderer genauso machen.

Bedauerlich finde ich nur, daß unsere Politiker jede Äußerung die irgendjemand macht immer in Lewinsky - Bildzeitungs - Manier ausschlachten und mit diesen überflüssigen und lähmenden Diskussionen von wirklich interessanten Themen ablenken.

Gruß Helmut

daß es ein verwerflicher Zug ist, …

Gruß Helmut

Hallo Helmut,

das meine ich auch nicht. Sollte es so geklungen haben, hast du das missverstanden.
Wie gesagt - nur ein Gefühl, das ich „Stolz“ nennen würde, stellt sich nicht ein. Vielleicht „Glück“ oder „Dankbarkeit“…

Salzmann

das meine ich auch nicht. Sollte es so geklungen haben, hast
du das missverstanden.
Wie gesagt - nur ein Gefühl, das ich „Stolz“ nennen würde,
stellt sich nicht ein. Vielleicht „Glück“ oder
„Dankbarkeit“…

Sehr richtig!
Es gibt übrigens auch Völker, die das ähnlich ausdrücken.
So weiss ich aus gesicherter Quelle, dass die Finnen nicht „stolz“ sind, sondern „glücklich“ sind Finnen zu sein und es als Geschenk ansehen in Skandinavien geboren zu sein.
Solch einen Satz auf Deutschland gemünzt würde ich persönlich sofort unterschreiben!

Ciao
Kaj

das meine ich auch nicht. Sollte es so geklungen haben, hast
du das missverstanden.
Wie gesagt - nur ein Gefühl, das ich „Stolz“ nennen würde,
stellt sich nicht ein. Vielleicht „Glück“ oder
„Dankbarkeit“…

Sehr richtig!
Es gibt übrigens auch Völker, die das ähnlich ausdrücken.
So weiss ich aus gesicherter Quelle, dass die Finnen nicht
„stolz“ sind, sondern „glücklich“ sind Finnen zu sein und es
als Geschenk ansehen in Skandinavien geboren zu sein.
Solch einen Satz auf Deutschland gemünzt würde ich persönlich
sofort unterschreiben!

Ja, nur eben das ist vielleicht wieder typisch deutsch und auch der Grund für die Heftigkeit der Diskussion hierzulande:
Es gibt nichts zu unterschreiben, als wäre es eine Petition oder Abstimmung. Es ist eine ganz persönliche Sache. Deswegen wirkt ja auch diese Diskussion - gerade von Seiten der CDU mit diesem Zwangsverpflichten-Wollen der anderen Seite - so lächerlich auf mich…

Salzmann

Ciao
Kaj

Hi,

daß es ein verwerflicher Zug ist, wenn jemand stolz auf sein
Vaterland ist. Ich bin auch stolz darauf in einem Land zu
aufgewachsen zu sein und zu leben welches

Wurde bestimmt auch schon von irgendwem geseagt, aber: Wie kann man stolz auf etwas sein, dass nicht, aber auch ueberhaupt nicht sein Verdienst ist?
Ich schliesse mich da meinen Vorrednern an, die die Ansicht vertreten, dass man sich durchaus gluecklich schaetzen kann zu diesem Verein zu gehoeren. Aber stolz? Naja.

Entschuldigung im Voraus, aber das kann ich einfach nicht alles stehen lassen:

  1. ein gutes Sozialsystem betreibt

Was ist gut an der Brot-Und-Spiele-Philosophie? Unser Sozialsystem ist zwar sehr viel besser als der (globale) Durchschnitt, aber trotzdem miserabel. Es ist Volksverdummung, ungerecht und ueberwiegend Ressourcenverschwendung. Ich habe keine Lust, das alles wieder durch zu kauen. Aber wenn Du unser System gut findest, dann sei Dir nahe gelegt, Dich mal intensiv an Hauptschulen um zu sehen.

  1. Humanität gegenüber allen Menschen (auch Nichtdeutschen)
    gewährt

Seid wann das? Selbst unsere Menschenverachtende Asylpolitik findet nur maessige Akzeptanz in der Gesellschaft - wegen mangelnder Restriktivitaet. Oder spielst Du auf unseren Humanitaeren Einsatz auf dem Balkan an?

  1. Seine Bürger, Gäste und auch Zuwanderer ordentlich
    behandelt und ernährt

Ich bin wirklich froh, kein Schwarzer in Deutschland sein zu muessen.

Und nur weils anderswo teils schlimmer ist, heisst das lange nicht, dass es bei uns gut ist.
So jetzt steck mich nicht gleich in die Schublade links aussen, da gehoere ich naemlich so gar nicht hin.

Gruss

Thorsten

Ich weiß nicht …
… ob ich stolz oder glücklich bin. Ihr habt natürlich recht stolz nach der Definition des Duden bin auch ich wahrscheinlich nicht. Da taucht eben das Problem des unterschiedlichen Sprachgebrauchs und des Dialektes auf. Als Bayer würde ich normalerweise nicht äußern "Ich bin stolz … ", ich würde sagen "Ich bin froh … ". Vielleicht wäre das besser.
Ich vermute wir meinen das Gleiche und somit zeigt unsere Diskussion bereits wie überflüßig öffentliche Wortglauberei in diesem Thema ist.

Grüße Helmut

Wurde bestimmt auch schon von irgendwem geseagt, aber: Wie
kann man stolz auf etwas sein, dass nicht, aber auch
ueberhaupt nicht sein Verdienst ist?

Dazu mein Statement unten, davon abgesehen daß ich mir einbilde auch meinen Teil zum Wohl unseres Staates beigetragen zu haben. Sicher nur einen sehr geringen aber 30 Jahre fleißig Steuern und Abgaben tragen auch zum Wohle der Allgemeinheit bei.

Ich schliesse mich da meinen Vorrednern an, die die Ansicht
vertreten, dass man sich durchaus gluecklich schaetzen kann zu
diesem Verein zu gehoeren. Aber stolz? Naja.

Entschuldigung im Voraus, aber das kann ich einfach nicht
alles stehen lassen:

  1. ein gutes Sozialsystem betreibt
  1. Weißt Du was Besseres, und bekanntermaßen ist der Maßstab des Empfindens immer noch die relative Position. Ein ehemaliger DDR Bewohner war auch glücklich und zufrieden mit seinem Trabant wen er ihn nach 15 Jahren bekannt obwohl absolut betrachtet ein Trabant kein Stimulator für Glück und Zufriedenheit sein kann.
    Kein falscher Eindruck, mir gefällt auch vieles nicht, vieles gefällt mir aber auch.

Was ist gut an der Brot-Und-Spiele-Philosophie? Unser

Ist alles schlecht ?

Sozialsystem ist zwar sehr viel besser als der (globale)
Durchschnitt, aber trotzdem miserabel. Es ist Volksverdummung,
ungerecht und ueberwiegend Ressourcenverschwendung. Ich habe
keine Lust, das alles wieder durch zu kauen. Aber wenn Du
unser System gut findest, dann sei Dir nahe gelegt, Dich mal
intensiv an Hauptschulen um zu sehen.

  1. Humanität gegenüber allen Menschen (auch Nichtdeutschen)
    gewährt

Seid wann das? Selbst unsere Menschenverachtende Asylpolitik
findet nur maessige Akzeptanz in der Gesellschaft - wegen
mangelnder Restriktivitaet. Oder spielst Du auf unseren
Humanitaeren Einsatz auf dem Balkan an?

Ist die Asylpolitik menschenverachtend oder ein Kompromiss zwischen wollen und können ? Könnte unser Staat es sich leisten wären wir sicher sehr viel großzügiger in diesen Dingen. Natürlich gibt es bedauerliche Einzelschicksale die ich nicht beschönigen will bisher hatte ich allerdings schon den Eindruck, daß in unserem Land Verstößr gegen die Menschenwürde selten sind und geahndet werden.

  1. Seine Bürger, Gäste und auch Zuwanderer ordentlich
    behandelt und ernährt

Ich bin wirklich froh, kein Schwarzer in Deutschland sein zu
muessen.

Ich bin genauso froh als Weißer nicht in einer afrikanischen Stadt oder in einem Schwarzenviertel in Amerika leben zu müssen. Im Übrigen kenne ich in meinem privaten und beruflichen Umfeld genug Situationen in denen Farbige durchaus akzeptiert und geachtet werden.

Und nur weils anderswo teils schlimmer ist, heisst das lange
nicht, dass es bei uns gut ist.

OK, nicht gut aber relativ gut und ich habe Zweifel ob wir uns in solch komplexen Themen die absolute, ideale Konstellation als Ziel setzen können und sollten.

So jetzt steck mich nicht gleich in die Schublade links
aussen, da gehoere ich naemlich so gar nicht hin.

Würde ich nie tun und selbst wenn, es wäre Dein Recht und ich würde das akzeptieren.

Gruß Helmut

Gruss

Thorsten

Ich leb ja auch ganz gern hier, aber das mit den Landschaften… najaa… hast Du heute oder gestern mal aus dem Fenster geguckt und Dir den Himmel angeguckt?
Kein Wunder, dass so viele Deutsche so verbissene Griesgrame sind - wenn man 50 Jahre lang nur grauen Himmel sieht, kann dat ja nix geben…

Die Frage nach „stolz oder nicht stolz“ stellt sich dennoch nicht und -wie schon erwähnt- ich finde diese Diskussionen darum unglaublich überflüssig.
Ein unglaublich lässiges und selbstbewußtes Völkchen oder Persönchen hat es einfach nicht nötig sowas rumzuposaunen. Wenn sich jemand mit Stil seiner Stärken bewusst ist, so wird er sie immer wieder demonstrieren, ohne andere dabei vor den Kopf zu stoßen oder zu verletzen.

Ich leb ja auch ganz gern hier, aber das mit den
Landschaften… najaa… hast Du heute oder gestern mal aus dem
Fenster geguckt und Dir den Himmel angeguckt?

Himmel? Seid wann gehört denn die Farbe des Himmels zur Landschaft? :wink:

Die Frage nach „stolz oder nicht stolz“ stellt sich dennoch
nicht und -wie schon erwähnt- ich finde diese Diskussionen
darum unglaublich überflüssig.

Ich denke die meisten Menschen fühlen zumindest eine gewisse Verbundenheit zu ihrem Heimatland und wollen das beste für es. Ich denke viele Mißverständnisse entstehen auch dadurch, dass manche Leute unter Stolz nur eine einzige Sache verstehen und diese im Bezug auf Deutschland nicht nachvollziehen können. Das eine Diskussion nicht ganz so unglaublich überflüssig ist, erkennt man meiner Meinung nach, daran, dass eben so viele Emotionen hochkochen. Ein Thema, bei dem eine Diskussion anerkanntermaßen überflüssig ist, wird einfach von niemandem beachtet und läuft sich von selbst tot. Ein Thema, das aber so wie dieses immer sehr kontroverse Meinungen aufeinander treffen lässt, sollte einfach deshalb ausdiskutiert werden, um das Verständnis der Menschen unter einander zu fördern.
Salzman hat oben gesagt, er könne es nicht nachvollziehen und würde es auch nicht selbst empfinden. Wenn er das nicht kann, finde ich das für ihn persönlich schade, weil es ein angenehmes Gefühl ist, aber ich lasse ihm diese Meinung. Leider wird genau diese Toleranz oft den Leuten, die sich eben zu diesem Stolz bekennen abgesprochen.

Ein unglaublich lässiges und selbstbewußtes Völkchen oder
Persönchen hat es einfach nicht nötig sowas rumzuposaunen.
Wenn sich jemand mit Stil seiner Stärken bewusst ist, so wird
er sie immer wieder demonstrieren, ohne andere dabei vor den
Kopf zu stoßen oder zu verletzen.

Leider muß man Deutschland eben dieses unglaubliche Selbstbewußtsein absprechen. Einfach auch durch unsere Geschichte wurde Deutschland in den letzten Jahrzehnten dazu gezwungen, viele Abstriche in diesem Bereich zu machen. Abgesehen davon laufen die meisten Deutschen ja nicht durch die Gegend und werfen jedem, dem sie begegnen an den Kopf, „ich bin stolz ein Deutscher zu sein, du auch?“. Die meisten behalten dieses Gefühl ja für sich, und versuchen gar nicht es anderen aufzuzwingen. Allerdings, zu erklären, dass dieses Gefühl nicht existieren kann, jemandem vorzuwerfen, er habe sonst halt leider nichts vorzuweisen, auf das er stolz sein könne und er sei halt schlichtweg überheblich, wenn er das denkt, ist schlichtweg ein Zeichen von eben dieser Intoleranz, die man den anderen vorwirft.

Meiner Meinung nach ist Nationalstolz übrigens nicht überflüssig, weil es das Selbstbewußtsein und den Zusammenhalt einer Nation stärkt. Aber, wie gesagt, das ist meine ganz eigene Meinung und wer mir nicht zustimmt, der soll es halt lassen.

Nina

Heimatliebe
Hallo Helmut,

vielleicht kann man sich auf sowas wie Heimtliebe einigen? Ich kann nämlich etwas lieben, auch wenn ich seine Fehler und Schwächen kenne. Oder gerade deshalb.

Diese Diskussion um Nationalstolz ist ja auch was gaaanz typisch deutsches*g*: Die einen jammern, weil die anderen jammern, dass sie ja immer nur jammern, die anderen jammern, weil die anderen jamern- oder so ähnlich. Wo hatte ich das gelesen, eine ausländische Künstlerin meinte so sinngemäß: Die Deutschen sind ja echt klasse. Im Umgang mit ihnen braucht man aber viele Schlaf und Geduld *g*. Wie wahr.

Ich mag Deutschland. Als ich letztes Jahr aus Griechenland zurückgefolgen bin, hab ich das erste Mal ganz bewusst gesehen, wie anders die Landschaft von oben aussieht. Soviele Wälder! Soviel grün! *freu* Und Süddeutschland. Ich kann ja sagen, dass das meine Heimat ist und dass ich diese Heimat liebe. Tolles Essen, guter Wein, Sonne (ähem, vielleicht grad im Moment nicht*grummel* aber so tendenziell halt), gemütliche Menschen, die im Sommer in Straßencafés sitzen usw. Das heißt ja nicht, dass ich Norddeutschland nicht mögen würde. (Selbst mit Bielefeldern rede ich ja mittlerweile*gg*:wink:) Und so ist es ja auch mit dem Ausland.

Ich habe ja im Ausland studiert und war auch mit 16 ein halbes Jahr in Frankreich. Mir sind da die Deutschen wirklich auf die Nerven gegangen, die sich m.E. nach versucht haben bei den Franzosen einzuschleimen, in dem sie ständig jedem versichert haben, dass Deutschland ja so blöd ist. Was hab ich unsere Küche gegen arrogante Franzosen immer verteidigt! (mal von der Haute cuisine abgesehen, wird die alltägliche französische Küche völlig überschätzt, meine Mutter kocht da um längen besser*g*…und für einen rheinischen Sauerbraten lass ich ja jeden Froschschenkel links liegen:smile:

Oder unser Bildungssystem. Ich hab ja französischen Schulen und Unis kennengelernt. Beim schulischen Sprachunterricht wundert einem nix mehr.

Wie auch immer.

Ansonsten glaube ich (vgl. mein Posting unten an Raimund), dass ein Gemeinwesen ein Zusammengehörigkeitsgefühl braucht, weil es sonst auseinanderbricht.

Beste Grüße,

Barbara

Hi,

Sicher nur einen sehr geringen aber 30 Jahre fleißig
Steuern und Abgaben tragen auch zum Wohle der Allgemeinheit
bei.

Ja, da hast Du natuerlich recht, sorry. Ich hatte da wohl vorrangig gewisse Junge Leute vor Augen, denen die hier diskutierte Phrase wohl am ehesten zu zu ordnen ist.

  1. Weißt Du was Besseres, und bekanntermaßen ist der Maßstab
    des Empfindens immer noch die relative Position.

Was mich am meisten stoert, ist die Bildungspolitik, das ist eigentlich ein echter Skandal. Meine Freundin ist tatsaechlich Hauptschullehrerin, daher kriege ich da einiges mit. Es ist schlicht und ergreifend Quatsch einen Lehrer vor 25 Schueler zu stellen, wenn die Haelfte der Klasse kaum Deutsch versteht und die andere Haelfte ein voellig kaputtes Elternhaus hat. Und das hat auch nichts damit zu tun, dass wir uns nichts besseres Leisten koennen. Der Grund ist erstens, dass Hauptschueler und ihre Eltern keine Lobby haben und zweitens, dass die noetigen Investitionen sich erst in 10 oder mehr Jahren auszahlen wuerden - das kuemmert natuerlich keine Regierung, die hoechstens noch vier Jahre bis zu r naechsten Wahl hat. Das System ist schlicht und ergreifend ziemlich bescheuert und effektiv sogar wohl noch deutlich teurer als eine bessere Bildungpolitik.

Was ist gut an der Brot-Und-Spiele-Philosophie? Unser

Ist alles schlecht ?

Sag ich doch garnicht. Alle Punkte, die ich von Deinem urspruenglichen Posting nicht uebernommen habe, sehe ich z.B. ganz aehnlich.

Ist die Asylpolitik menschenverachtend oder ein Kompromiss
zwischen wollen und können ?

Das ist doch absolut laecherlich. Koennen??? Wir leben in einem der reichsten Laender der Welt. Wir verbrauchen so unglaublich viele Ressourcen … Wir koennten sehr viel mehr. Am wollen haperts. Bei mir natuerlich auch, ich geniesse ja unseren Wohlstand. Allerdings wuerde ich auch nicht verkuenden, dass wir die Retter der Witwen und Waisen sind.
Nebenbei bemerkt laesst sich sachlich kaum noch leugnen, dass wir eine vernuenftige Einwanderungspolitik braeuchten. Da sind Asylanten allerdings natuerlich nicht die wuenschenswerte Zielgruppe.

Könnte unser Staat es sich
leisten wären wir sicher sehr viel großzügiger in diesen
Dingen.

Der Staat ist pleite. Aber wir sind es nicht. Wir, die Steuerzahler, die stolzen Deutschen, sind nicht gewillt, fuer gewisse Dinge zu zahlen, obwohl wir (nicht alle natuerlich aber reichlich genug) es koennten.

Ich bin wirklich froh, kein Schwarzer in Deutschland sein zu
muessen.

Ich bin genauso froh als Weißer nicht in einer afrikanischen
Stadt oder in einem Schwarzenviertel in Amerika leben zu
müssen.

Wie gesagt, dass es anderswo genauso oder schlimmer ist, hat damit ueberhaupt nichts zu tun. Ich bezog mich auf Deine Aussage ueber unsere Gastfreundschaftlichkeit. Nicht nur, dass es hier eine recht verbreitete Fremdenfeindlichkeit gibt, ich vermute, um Gastfreundlichkeit ist es ueberhaupt ziemlich schlecht bestellt in Deutschland. Anderenfalls waere nicht zu erklaeren, weshalb man so oft Deutsche von der Gastfreundlichkeit in anderen Kulturen schwaermen hoert.

Im Übrigen kenne ich in meinem privaten und
beruflichen Umfeld genug Situationen in denen Farbige
durchaus akzeptiert und geachtet werden.

Natuerlich, wenn man jemanden kennenlernt ist das ja auch ganz was anderes. Der Grund dafuer, dass ich hier keine dunkle Haut tragen moechte liegt wohl eher in einer verbreiteten Abneigung Fremdem (das m ist Absicht) gegenueber.

OK, nicht gut aber relativ gut und ich habe Zweifel ob wir
uns in solch komplexen Themen die absolute, ideale
Konstellation als Ziel setzen können und sollten.

Sicher nicht. Aber wenn das hier das Ende der Fahnenstange waere, lohnte es sich meiner Ansicht nach nicht ein Dasein als Mensch zu fristen. Doch das glaube ich nicht. Ich bleibe erstmal Optimist, auch wenn ich nicht unbedingt erwarte, die besseren Zeiten selbst noch zu erleben.

Gruss

Thorsten

daß es ein verwerflicher Zug ist, wenn jemand stolz auf sein
Vaterland ist. Ich bin auch stolz darauf in einem Land zu
aufgewachsen zu sein und zu leben welches

Ist Stolz hier wirklich das richtige Wort ? Was hast Du denn dazu beigetragen ?

  1. herrliche Landschaften besitzt

Da kenne ich aber noch zig Länder, die wesentlich schönere Landschaften besitzen…und überhaupt, schön ist relativ

  1. ein gutes Sozialsystem betreibt

Hier gibt es meiner Meinung nach erhebliche Fehlstrukturen

  1. Humanität gegenüber allen Menschen (auch Nichtdeutschen)
    gewährt

Meinst Du eine Art Gastfreundschaft ? Die ist aber in anderen Ländern eher stärker

  1. Seine Bürger, Gäste und auch Zuwanderer ordentlich
    behandelt und ernährt

Vielleicht manchmal auch zu ordentlich ?

  1. eine geringe Kriminalitätsrate hat

ha ha…da kann ich wirklich nur laut lachen

  1. generell sicher und sauber ist

auch das halte ich für ein Gerücht

Und wenn
ich in andere Länder komme achte ich deren Gepflogenheiten und
hoffe daß es unsere Gäste und Zuwanderer genauso machen.

Leider sehe ich das nicht so häufig… viele „Ausländer“ leben nun schon seit Jahrzehnten in Deutschland und sprechen z.B. kaum ein deutsches Wort. Noch viel schlimmer aber finde ich es, wenn sie hier leben, also die Vorteile dieses Landes gerne für sich in Anspruch nehmen, auf der anderen Seite dann aber solche Dinge sagen wie : „Deutsche Frauen sind Huren!“ oder „Deutsche haben keine Moral!“ oder „Kinderschänder und Vergewaltiger gibt es nur in Deutschland!“ und ähnliches. Ich bin wirklich in keister Weise gegen Ausländer, aber manchmal kommt da doch eine ungeheure Wut in mir hoch. Vor allem wenn ich an die Sozialschmarotzer denke…!

In diesem Sinne, Gruß,
Vabe

Bruder Johannes wirkte bisher eher im Stillen. An dieser Stelle hat er aber meiner Ansicht nach etwas sehr Richtiges von sich gegeben. Man kann auf etwas stolz sein, was man selbst zustande brachte. Je nach Sichtweise kann man vielleicht froh sein, als Deutscher geboren zu sein - aber stolz sein ohne eigenes Zutun?

Dieses Vaterlands-Gerede und Nationalstolz-Zeugs hat schon immer überall auf der Welt viel Unheil angerichtet. Das ging in Deutschland so weit, daß als „Nestbeschmutzer“ regelrecht bepöbelt wurde, wer Mißstände zur Sprache brachte. Noch vor 20 Jahren passierte das in entsprechend kleinkariert-provinzellem Umfeld.

Ich halte Denken und Vocabular, in dem der Nationalstolz vorkommt, für ein Relikt aus vergangener Zeit. Das sollte aber nicht mit der Abwesenheit von Selbstbewußtsein verwechselt werden - mit europäischem Selbstbewußtsein.

Bin ich jetzt ein „vaterlandsloser Geselle“?

Bist Du deshalb ganz gewiß nicht.

Gruß
Wolfgang

Noch ein lesenswerter Text zum Thema
Auch wenn mir hier von einigen Seiten unterstellt wurde, dass ich

a) nicht Zeitung lese und

b) einen getrübten Wahrnehmungssinn hätte,

habe ich (evtl als Abschluss dieser Diskussion??) noch einen Text anzubieten.

Der Autor, Herbert Riehl-Heyse, steht gewiss nicht im Verdacht, linksextreme Parolen zu verbreiten. Und die Zeitung, für die er schreibt, darf wohl auch nicht als kommunistisches und antideutsches Propagandaorgan gelten: die Süddeutsche Zeitung.

Hier ist der Link für alle Interessierten:

http://www.sueddeutsche.de/aktuell/?section=feuill&m…

Gruß
Uschi

daß es ein verwerflicher Zug ist, wenn jemand stolz auf sein
Vaterland ist. Ich bin auch stolz darauf in einem Land zu
aufgewachsen zu sein und zu leben welches

Ist Stolz hier wirklich das richtige Wort ? Was hast Du denn
dazu beigetragen ?

Nichts wesentliches außer daß ich seit 30 Jahren Steuern und Abgaben bezahle und zwar am oderen Ende der Skala, dabei insgesamt nur 8 Tage krank war und verschiedene Ehrenämter (z. B. Pflegschaft) bekleidet habe. Würde das jeder so machen der gesundheitlich kann könnten wir noch stolzer sein. Über das Wort kann man sich unterhalten, siehe unten.

  1. herrliche Landschaften besitzt

Da kenne ich aber noch zig Länder, die wesentlich schönere
Landschaften besitzen…und überhaupt, schön ist relativ

Sicher gibt es woanders auch schöne oder noch schönere Landschaften. Aber wie Du schon sagst Schönheit ist relativ und ich habe das Glück aus Oberbayern zu kommen und mir gefällt es hier „relativ“ gut.

  1. ein gutes Sozialsystem betreibt

Hier gibt es meiner Meinung nach erhebliche Fehlstrukturen

Hier könntest Du Recht haben, am effizientesten würde Deine Kritik ankommen wenn Du gleich konstruktive Veränderungsvorschläge machst.

  1. Humanität gegenüber allen Menschen (auch Nichtdeutschen)
    gewährt

Meinst Du eine Art Gastfreundschaft ? Die ist aber in anderen
Ländern eher stärker

Einigen wir uns auf „in manchen anderen Ländern“, ich glaube nicht, daß es in allen anderen Ländern so ist und das heißt nicht daß es bei uns keine Humanität gibt.

  1. Seine Bürger, Gäste und auch Zuwanderer ordentlich
    behandelt und ernährt

Vielleicht manchmal auch zu ordentlich ?

Empfinde ich auch so, nur stelle ich zunehmend fest, daß es in Italien oder Österreich nicht anders ist.

  1. eine geringe Kriminalitätsrate hat

ha ha…da kann ich wirklich nur laut lachen

Muß ich mir Sorgen um Dich machen ? Wohnst Du in einem Slum ? Also ich fühle mich in München oder Frankfurt sicherer als in Warschau, Prag, Rom der New York.

  1. generell sicher und sauber ist

auch das halte ich für ein Gerücht

Entschuldige die Frage, ich will nicht indiskret sein. Bist Du blind ? Oder warst Du noch nie im Ausland ?

Und wenn
ich in andere Länder komme achte ich deren Gepflogenheiten und
hoffe daß es unsere Gäste und Zuwanderer genauso machen.

Leider sehe ich das nicht so häufig… viele „Ausländer“ leben
nun schon seit Jahrzehnten in Deutschland und sprechen z.B.
kaum ein deutsches Wort. Noch viel schlimmer aber finde ich
es, wenn sie hier leben, also die Vorteile dieses Landes gerne
für sich in Anspruch nehmen, auf der anderen Seite dann aber
solche Dinge sagen wie : „Deutsche Frauen sind Huren!“ oder
„Deutsche haben keine Moral!“ oder „Kinderschänder und
Vergewaltiger gibt es nur in Deutschland!“ und ähnliches. Ich
bin wirklich in keister Weise gegen Ausländer, aber manchmal
kommt da doch eine ungeheure Wut in mir hoch. Vor allem wenn
ich an die Sozialschmarotzer denke…!

"Ausländer sagen … " ist eine unzuläßige Verallgemeinerung. Es gibt auch Deutsche die sich im Ausland ähnlich aufführen und leider sind unter den Sozialschmarotzern mehr Deutsche (inklusive der aus dem Osten heimgeholten Deutschen) als Ausländer.

ciao Helmut

In diesem Sinne, Gruß,
Vabe

Ist Stolz hier wirklich das richtige Wort ? Was hast Du denn
dazu beigetragen ?

Nichts wesentliches außer daß ich seit 30 Jahren Steuern und
Abgaben bezahle und zwar am oderen Ende der Skala, dabei
insgesamt nur 8 Tage krank war und verschiedene Ehrenämter (z.
B. Pflegschaft) bekleidet habe. Würde das jeder so machen der
gesundheitlich kann könnten wir noch stolzer sein. Über das
Wort kann man sich unterhalten, siehe unten.

Ok, du bist stolz, 3 Jahrzehnte Steuern und Abgaben geleistet zu haben, in dieser Zeit nur 8 Tage krank gewesen zu sein…etc.
Nichts desto trotz hast Du zu der Erstehung Deutschlands nichts beigetragen, du trägst heute bzw. seit 30 Jahren zur Erhaltung bei ! Also bist du stolz darauf, ein mitstreitender „Erhalter“ Deutschland zu sein…oder hab ich das jetzt wieder falsch verstanden ? Na ja, wie dem auch sei, du hast es auch schon erwähnt, diese Unterhaltung könnten wir an dieser Stelle bis ins Unendliche fortsetzen.

Da kenne ich aber noch zig Länder, die wesentlich schönere
Landschaften besitzen…und überhaupt, schön ist relativ

Sicher gibt es woanders auch schöne oder noch schönere
Landschaften. Aber wie Du schon sagst Schönheit ist relativ
und ich habe das Glück aus Oberbayern zu kommen und mir
gefällt es hier „relativ“ gut.

Wenn es dir dort gefällt, möchte ich dazu auch nichts sagen.

Hier gibt es meiner Meinung nach erhebliche Fehlstrukturen

Hier könntest Du Recht haben, am effizientesten würde Deine
Kritik ankommen wenn Du gleich konstruktive
Veränderungsvorschläge machst.

Bewußt mache ich das nicht…es würde vermutlich ausufern…wollte nur kundtun, anderer Meinung zu sein.

Meinst Du eine Art Gastfreundschaft ? Die ist aber in anderen
Ländern eher stärker

Einigen wir uns auf „in manchen anderen Ländern“, ich glaube
nicht, daß es in allen anderen Ländern so ist und das heißt
nicht daß es bei uns keine Humanität gibt.

Ich meinte natürlich nicht alle, sondern einige andere Ländern…also stimmen wir letztendlich überein.

Vielleicht manchmal auch zu ordentlich ?

Empfinde ich auch so, nur stelle ich zunehmend fest, daß es in
Italien oder Österreich nicht anders ist.

Und noch einmal gleicher Meinung.

ha ha…da kann ich wirklich nur laut lachen

Muß ich mir Sorgen um Dich machen ? Wohnst Du in einem Slum ?
Also ich fühle mich in München oder Frankfurt sicherer als in
Warschau, Prag, Rom der New York.

Nein, ich wohne nicht im Slum. Ich wollte auch keinen Vergleich anstellen…es gibt m.E. in jedem Land sichere und weniger sichere Orte. Jedoch ist die Kriminalität bei uns höher als z.B. in der Türkei oder den Vereinigten arabischen Emiraten. Dort fühle ich mich sicherer als in Deutschland, ja.

  1. generell sicher und sauber ist

auch das halte ich für ein Gerücht

Entschuldige die Frage, ich will nicht indiskret sein. Bist Du
blind ? Oder warst Du noch nie im Ausland ?

Och, das empfinde ich noch nicht als indiskret. Wie sieht es in der Schweiz, in Schweden aus… ? Andere Länder sind auch sauber. Dadurch sticht Deutschland keinesfalls hervor. Selbst wenn…arbeitest du bei der Müllabfuhr oder warum bist du stolz auf Sauberkeit ?

Leider sehe ich das nicht so häufig… viele „Ausländer“ leben
nun schon seit Jahrzehnten in Deutschland und sprechen z.B.
kaum ein deutsches Wort. Noch viel schlimmer aber finde ich
es, wenn sie hier leben, also die Vorteile dieses Landes gerne
für sich in Anspruch nehmen, auf der anderen Seite dann aber
solche Dinge sagen wie : „Deutsche Frauen sind Huren!“ oder
„Deutsche haben keine Moral!“ oder „Kinderschänder und
Vergewaltiger gibt es nur in Deutschland!“ und ähnliches. Ich
bin wirklich in keister Weise gegen Ausländer, aber manchmal
kommt da doch eine ungeheure Wut in mir hoch. Vor allem wenn
ich an die Sozialschmarotzer denke…!

"Ausländer sagen … " ist eine unzuläßige Verallgemeinerung.

Ich spreche nun mal von Menschen, die aus dem Ausland sind und hier leben, wie soll ich sie nennen ?

Es gibt auch Deutsche die sich im Ausland ähnlich aufführen
und leider sind unter den Sozialschmarotzern mehr Deutsche
(inklusive der aus dem Osten heimgeholten Deutschen) als
Ausländer.

Sprechen wir über Deutschland oder über ein anderes Land ? Vom Grundsatz her hast du ja recht. Nur würde es doch vollkommen ausreichen, wenn wir eben deutsche Sozialschmarotzer aushalten müßten, die können wir ja nun mal nicht ausweisen…geh du mal ins Ausland und erwarte dort Leistungen vom Staat, na dann viel Glück !

Und nochmal möchte ich klarstellen, daß ich nicht Ausländerfeindlich bin ! Allerdings erlauben sich einige von ihnen hier einfach zuviel. Wir haben solche Probleme auch mit Deutschen, und das reicht eben. Wenn ich in ein anderes Land gehen, dann doch nicht unter dem Aspekt, daß es da Sozialämter, lasche Strafen und gemütliche Gefängnisse gibt. Wenn ich an letzteres denke, frage ich mich eh, wie man stolz sein kann, Deutscher zu sein.
Aber nun gut, du hast deine Meinung, die ich selbstverständlich anhöre und so stehen lasse. Ich bin da eben teilweise anderer Meinung. Was wäre es sonst auch lanweilig. Solange man noch miteinander reden kann ist es doch ok.

Gruß,
Vabe