Naturgefahr Windrad

Hallo,

anscheinend werden derzeit etliche Windradprojekte gestoppt, weil sie Vögel stören oder gefährden könnten. Natürlich bin ich gegen solche Störungen der Natur, aber wenn ich mir die hiesige Landwirtschaft anschaue (Neonikonid-Mais, Glyphosatgespritze, Nitratüberdüngung, tote Entwässerungsgräben etc) frage ich mich doch, ob da nicht mit zweierlei Maß gemessen wird, bzw. die Land- und die konventionelle Energiewirtschaft schlicht bessere Kontakte in die Politik haben (oder mehr zahlen)?
Das ist doch paradox - einerseits rumsauen wies nur geht ohne Rücksicht auf Verluste, andererseits Vögel zählen - die wenigen, die trotz der Insektizide noch leben.

Ich hätte lieber ein Windrad in 500 m Entfernung als den Bauern, dessen Gifte mir in den Garten wehen, in meinem Brunnenwasser landen und auf dessen Äckern fast nichts mehr lebt, außer Mais (der zwecks Stromerzeugung in der Biogasanlage landet, aber ein Schild am Tor „Wir lieben Lebensmittel“. Amen).

Gruß,
Paran

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Durch Windräder kommen eine verschwindend geringe Vögel um.
Jedenfalls im Verhältnis durch Autos. Keiner käme auf die Idee, deswegen vorzuschreiben, die Autos sollten im Schritttempo fahren.
Schönes Wochenende
Michael

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Hallo,

In meinem Bekanntekreis stand ein Windgenerator etwas abseits vom Dorf. die Ablehnung der Bewohner war, so habe ich die Argumente empfunden, diffus. Niemand hatte ein „echtes“ Argument. Statt dessen wollten sie es einfach nicht in ihrer Nähe haben. Ich dachte dabei immer an den Skonti-Spruch „ich brauche keine Atomkraft, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.“

Es hat den Anschein als wollten die Menschen Strom ohne Ende haben, aber mit seiner Entstehung nicht behelligt werden. Und so finden sie für alle Stromerzeugungsarten Ablehnungsgründe - zumindest wenn der Strom in ihrer Nähe produziert werden soll. Ja, die Argumente sind richtig, nur die Gewichtung ist individuell verfärbt.

Und ein paar Meinungsmultiplikatoren und -manipulatoren springen gerne auf solche Themen auf und bringen sie so richtig aufs Tapet. Ganz oft schwingt dabei mit, dass die alten Zustände erhalten werden sollen, weil man das so gewohnt ist und die alten Profiteure sich sonst umstellen müssten oder Verluste machen würden.

Ich möchte zur Untermauerung an das Missverhältnis erinnern zwischen dem Wegfall der Braunkohle-Jobs und dem Wegfall der Jobs in der Solar- und Windkraftbranche. Während die einen mit Milliarden entschädigt werden sollen (alte Industrie) hat man die anderen einfach wegbrechen lassen (junge Industrie). Wie viel Verschwörungsmythos steckt in der Überlegung, dass hinter der ersten Industrie so genannte Investoren stecken, die ihren jahrelang stabilen Zuwachs an Reichtum wegbrechen sehen, und darum Kraft der Macht, die ihnen das Kapital gibt, auf die Politik eingewirkt haben?

Und aus einer Melange dieser Sachverhalte sucht man nach Gründen, die moderne Technik abzulehnen. Und was macht sich vor der Kamera besser, als wenn Andreas Kieling eindrucksvoll einen toten Rotmilan vor einem Windrad präsentiert?

Grüße
Pierre

P.S.: Ja, auch mir gefällt es nicht, dass Vögel durch die Windgeneratoren getötet werden. Allerdings lehne ich nicht grundsätzlich Änderungen ab. Ich neige eher dazu, die Alternativen abzuwägen. Und da gibt es derzeit kein Patentrezept - alles hat zu viele Nachteile.

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Die Leute sollten den Strom selber herstellen. Solaranlagen auf dem EIGENEN DAch sind so beliebt, dass die Regierung dagegen angehen muss. ( mit Kosten fuer Eigenstrom-Verbrauch, Anfang Satire demnaechst fuer Eigenluftatmung )
Buerger-Windanlagen sind bei den besitzenden Buergern recht beliebt. Gibt es aber selten.
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by the way, wir brauchen fuer die beschlossene Energiewende, nicht nur fuer den Teilbereich Stromwende, so etwa 6x mehr Windraeder. Je nach Nutzung von Nicht-Passiv-Haeusern zum Beispiel. Das Errichtungsproblem wird weiter wachsen und andauern, eine Entscheidung zwischen Passivhaus-Umbau oder Windrad bahnt sich an, und nicht nur diese Entscheidung fuer die beschlossene CO2-Neutralitaet.

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Jo, sobald die Bürger unmittelbar einen Vorteil haben, sind die Bedenken plötzlich verflogen. Die eigene PV-Anlage auf dem Dach kostet viel an Investition, liefert aber Strom zum Nulltarif. Und wenn man für das Windrad im Ort vergünstigt Strom bekommt, ist das plötzlich auch OK, mehr noch, die Bürger zahlen dann sogar Investitionskosten.

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Hallo,
es gibt in meinen Augen zwei Gruppen von Gegnern der Windräder.
Die eine Gruppe hält als Alternative die Solarenergie oder die Stromerzeugung durch Wasserkraft für effektiver und auch für umweltfreundlicher und begründet dies erfreulicherweise auch oft sehr sachlich und fundiert, sodass man als Befürworter der Windkraft und demzufolge auch der Windräder, zumindest darüber auf Augenhöhe diskutieren kann und will.
Die andere Gruppe, das sind die Landschaftsschützer, bei denen geht es eigentlich nur darum, dass man Windräder nicht bei sich vor der Haustür, sondern woanders haben möchte, gleiches gilt auch für Stromtrassen oder Atommülllagerung. Und in dem Zusammenhang werden auch immer wieder irgendwelche seltenen und deshalb bedrohten Tierarten als Argument und natürlich die „Verschandelung der einmalig schönen Landschaft“ als Argument ins Feld geführt.
Leider ist es gerade bei dieser Gruppe aber sehr selten, dass Alternativen genannt werden, denn auch Solaranlagen beispielsweise können das Landschaftsbild schon stark „verschandeln“.
Gruss
Czauderna

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Hallo alle,

vielen Dank für Eure antworten, aber ich habe mich wohl missverständlich ausgedrückt. Mir war ein Beispiel aufgefallen, bei dem nicht die Bürger vor Ort sondern die übergeordneten Behörden den Bau ablehnen. Das Windrad soll neben einem bereits vorhandenen weit ab von der Ortschaft stehen, Bürger und Bürgermeister sind dafür, Land und/oder Kreis sind dagegen.

Paradox ist halt, dass niemand vor Einsatz eines neuen Insektizids etc. auch nur annähernd genau prüft, wie sich diese i.d.R. großflächig eingesetzte Chemikalie auf die Natur auswirken wird, während bei jedem einzelnen Windrad etliche Gutachten hin und her gehen, ehe eine Genehmigung erteilt wird.

Gruß,
Paran

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Doch, ich!

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Ja, wenn man die Landschaft ganz weg macht, wie es beim Braunkohletagebau üblich ist, wird sie ja auch nicht verschandelt!

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Nunja, auch die „Behörden“, „Land und Kreis“ sind letzten Endes Menschen. Und vielleicht gibt es ja im Kreisrat genügend Menschen die sagen „mia hobn do schoa genug Windräder, meha brauchen mia net. Die mochn uns die gonzen schönen Heimat kaputt. Wenns noch uns ginge, würds des olte ebensoa obreiße lasse.“ *)

Die Lobby pro Windrad ist Deiner Fragestellung offenbar schwächer als die Lobby pro industrialisierte Landwirtschaft.

Grüße
Pierre

*) Der Text sollte ein klein wenig wie das Idiom klingen, das dem Hubert Aiwanger am Ende des Sendung Quer vom Kabarettisten in den Mund gelegt wird. Ich bitte darum, Fehler zu verzeihen - aber die Kunstfigur des „Hubsi“ Aiwanger scheint mir prädestiniert für solch einen Ausspruch.

Hallo,
na ja, dieser Vergleich hinkt ja nun doch etwas, zumal Wind überall vorkommt, Braunkohle weniger und man nun wirklich den Braunkohleabbau, den es ja glücklicherweise künftig immer weniger bis gar nicht mehr geben soll, nicht mit dem Aufstellen von Windrädern vergleichen kann.
Noch eine Phrase zum Schluss - Was nützt die schönste Landschaft dem Menschen, wenn er dort nicht mehr leben kann, weil es ihn nicht mehr gibt.
Gruss
Czauderna

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Hallo,

für Dein Beispiel müßte man die konkreten Ablehnungsgründe kennen. Ich kenne Kommunalpolitiker, die mit Raumplanung befasst sind. Die sagen mir, daß in vielen Fällen nicht das Windrad selbst abgelehnt wird, sondern die notwendige Infrastruktur wie zB Zufahrten für Errichtung und Wartung bei vielen Standorten das Problem sind.
Wenn Du ein Natur- oder Landschaftsschutzgebiet oder sonstiges Biotop mit asphaltierten Schneisen, die auch für einen Tieflader mit Überbreite und -länge geeignet sind, durchschneiden mußt, kann dies in der Abwägung schon dazu führen, daß von den kommunalen Behörden einzelne Standorte abgelehnt werden.

Alberca

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Was spielt das für eine Rolle?

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Das ist die Ausnahme.

Es gab eine Informationsveranstaltung, weil ein Höhenzug in der Nähe als Vorrangszone ausgewiesen werden sollte und eine Investorengruppe bereit stand.

Ich hatte Interesse, mich finanziell zu beteiligen.

Dann kamen die Argumente der Gegner:

  • Windräder sind Störfaktoren für Vögel. Es ist erwiesen, dass durch Windräder seltene Vögel wie der Rotmilan so extrem gestört werden, dass diese solche Räder kilometerweit meiden.
  • Seltene Vögel wie der Rotmilan werden fortlaufend durch solche Windräder geschreddert, weil sie da ständig hereinfliegen.
  • Ein unabhängiges Gutachten hat erwiesen, dass der Standort zu wenig Wind bietet und sich da Anlagen daher niemals rentieren werden.
  • Es ist erwiesen, dass es den Investoren nur darum geht, mit diesen Anlagen zukünftig Geld zu scheffeln - Geld, was uns normalen Stromkunden aus den Taschen gezogen wird.
  • Der Schattenschlag der Windräder wird die nächste Siedlung (genau südlich des Windparks gelegen) massiv stören. Insbesondere beim Sonnenuntergang (wenn die Sonne ganz tief im NORDEN steht) wird das die Bewohner in den Wahnsinn treiben.
  • Um die Debatte zu versachlichen, haben die Windkraftgegner zusätzlich das unsägliche und weder politisch noch fachlich korrekte Wort „Windkraftanlagen-Betreiber“ durch das viel sachlichere Wort „Windindustrie“ ersetzt.
  • Auf Grund des Flächenbedarfs müssten Bäume gefällt werden.
  • Wenn so eine Anlage im Maschinenhaus brennt, kann die Feuerwehr nicht löschen. Sie würde dann einfach wieder wegfahren. Dann wird das bennende Maschinenhaus irgendwann herunterstürzen und die Bäume unter der Anlage (die, die abgeholzt wurden?) entzünden. Und die Feuerwehr wäre dann ja schon weg, weil die ja nicht löschen können.

Ich habe es dann kapiert. Es geht um „Ich will das hier nicht. Nicht in meiner Nachbarschaft.“
Und dafür habe ich Verständnis. Der Anblick ist gewöhnungsbedüftig.
Aber dann sagt das doch auch so!

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Bei einer kleinen Radtour letztens kam ich an einem Wohnhaus vorbei, das ein riesiges Plakat im Vorgarten stehen hatte: „Windkraft-Opfer“.

Das Haus stand ungefähr 30m neben einer Autobahn. Eine Windkraftanlage war gar nicht zu sehen. Manche Dinge muss man nicht verstehen.

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„Es geht um „Ich will das hier nicht. Nicht in meiner Nachbarschaft. Und dafür habe ich Verständnis.“

Ich nicht. Erstens hat niemand ein Recht auf eine „schöne“ Landschaft und zweitens geht immer noch Gemeinwohl vor Individualwohl.
Man kann einfach nicht jeden Dödel nach seiner mehr oder weniger fundierten, aber allermeist egoistischen Meinung fragen, wenn es um solche Infrastrukturthemen geht.
Bei uns liegt ein Industriegebiet direkt an der A5, eine Anschlussstelle wäre weit abseits von Wohngebieten zu bauen. Aber nein, der komplette Verkehr vom und ins Industriegebiet muss 11km Umweg fahren, verbunden mit dem Lärm und Dreck um ein Mittelzentrum herum, weil man diese Anschlussstelle wegen ungewünschter Verkehrsströme nicht haben möchte.

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Hallo,
hier tatsächlich eine gravierend optische Rolle.
Braunkohleabbau & Windrad - was sieht besser aus ?
Stromtrassen über Land & Stromführung unter Land - was sieht besser aus?

Ich denke, dass das schon im Bewusstsein der Menschen eine große Rolle spielt.
Die optische Wahrnehmung beeinflusst uns doch in großem Maße, sehen wir doch gerade am Thema Maskenpflicht
Gruss
Czauderna

Bei Landwirten, auf deren Land keine Standorte liegen: „Ich gönne dem X die fette Pacht für die Windräder nicht“

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Echt? Das ist der stichhaltige Punkt bei der Abwägung? Nachhaltigkeit, Klima etc. sind nicht erwähnenswerte Nebensächlichkeiten?

Ich begreife langsam, warum immer noch einige CDU, SPD oder gar FDP wählen. Oder neuerdings sogar AFD.

Haben die denn eins?

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Hallo,
na ja, so radikal sollte man das jetzt auch wieder nicht werten. Wer lässt sich nicht durch optische Reize beeinflussen, wir achten doch in unserem täglichen Leben sehr stark auf die Optik als solche.
Wir empfinden etwas als schön oder elegant oder aber auch als hässlich und schlampig, wir fahren in Urlaub dahin wo es schön ist (z.B. in die Alpen oder an die See) und nicht dorthin, wo es eben nur Industrie oder Braukohleabbau gibt, weil es da nicht schön ist. Aber deshalb kann man niemanden trotzdem ein Bewusstsein für irgendwas, und schon gar nicht für Nachhaltigkeit und Klima ect. absprechen.
Hier speziell geht es auch nur um die Frage - sieht ein Braunkohleabbau in der Landschaft besser aus als ein oder mehrere Windräder.
Gruss
Czauderna