Nazi-Deutschland

„Eines der wesentlichen
Merkmale der Naziherrschaft war das Downsizing einer
Kulturnation auf Unterschichtniveau“

meine meinung:

wenn es bandenkriege auf den straßen gibt und besoffene zigeuner auf prügelnde juden losgehen, wenn christliche gangs nach ausgiebigem drogengenuß juden fertigmachen und wenn an stammtischen rassistisches und antisemitisches gepöbel zum alltag gehört - dann ist das unterschichtniveau!

wenn aber angesehene universitätsprofessoren dissertationen über das biologische wesen des juden und die inhärente schlechtheit des zigeuners betreuen und wenn es vorlesungen und vorträge über die minderwertigkeit bestimmten rassen gibt, dann ist das kein unterschichtniveau, sondern die anerkannte mehrheitsmeinung einer hochkultur!

man sollte nicht derart verharmlosen!

gruß
dataf0x

Hallo Gernot,

Semjon hat dir dankenswerterweise schon ausführlich geantwortet.

Im Osten Deutschlands wurde das Problem gelöst, indem man es
einfach ignorierte („Juden? sowas gibt es gar nicht“ -
„Auschwitz? Dort starben Antifaschisten, Sowjetbürger und
polnische Kommunisten“).

Du irrst. Es wurde nicht ignoriert - es spielte einfach keine
Rolle, welcher Nation die Toten angeörten oder welcher
Religion.

Das man im Stalinismus das gezielte Ermorden von Völkern und
Religionsgruppe nicht thematisierte sondern es totschwieg ist
sehr gut nachzuvollziehen wenn man an die antijüdischen Pro-
grome in den 30er Jahren und etwa die ‚Verschickung‘ von Juden
nach Ostsibirien denkt.

Die ermordeten Juden wurden genau so wie die anderen Völker
erwähnt im ehemaligen KZ Buchenwald

Da genau liegt doch der Denkfehler - indem man die Juden nicht
als Religion sondern als Volk ansieht leugnet man das besondere
des Holocausts.

Nebenbei: Mein Mitgefühl gilt insbesondere den Sozialdemokraten,
die 1945 von der US-Armee in Buchenwald befreit und 2 Jahre später
von den UdSSR-Geheimdiensten wieder dort zum Verrecken ‚interniert‘
wurden. Die Morde im KZ Buchenwald zwischen 1945 und 1950 und auch
danach sind bis heute ungesühnt! Infos dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Speziallager_Nr._2_in_B…

Im Übrigen haben im Osten auf Befehl der Russen die Juden
(soweit sich ehemaige Eigentümer und deren Erben noch finden
ließen) auch ausnahmslos und völlig unbüroktatiscvh schon
1945/46 ihr arisiertes Eigentum wiederbekommen.

Aber nur dann wenn sie sich in der DDR aufhielten und das Eigentum
nicht in die ‚volkseigenen‘ Betriebe eingebunden war. An den immer
noch virulenten Grundstücksfragen im früheren Ost-Berlin kann man
ablesen, daß auch bei Immobilien praktisch nichts zurückgegen wurde.

Es gab in der DDR eine Trennung von Kirche und Staat - nicvht
nur auf dem Papier. Da spielte die Religion des einzelnen im
Alltag einfach keine Rolle - das war Privatsache.

Ausser die Religion hatte eine politische Note - dann wurde man
selbstverständlich diskriminiert.

Viele Grüße

Jake

Hallo Jake,

um Deine Weisheit etwas zu erschüttern:

Es gab in Apolda in Thüringen ein Kaufhaus Rosewitz. Das wurde 1938 arisiert. Den Schriftwechsel habe ich teilweise in der Grundstücksakte gefunden, ich war mal Liegenschaftsbearbeiter im volseigenen Handel und hatte dort logischerweise mit Mietobjekten zu tun.
Und das Kaufhaus war damals in den 70iger Jahren eins. Weil die in Johannesburg/Südafrika sitzenden Erben das 1945 wiederbekommen haben - eswurde über Jahrzehnte von einem rechtsanwalt als treuhänder verwaltet. Der volseigene Handel war nur Mieter - und wir haben Ende der 70iger JAhre bei irgendeinem Umbau noch einen Fotografen durch die Bude gejagt, weil die Eigentümer in Johannseburg Bilder haben wollten.
Das Ganze ist sogar doppelt brisant - weil es zu dieser Zeit eigentlich wegen der Apartheitpolitik in Südafrika gar keine Kontakte zwischen der DDR und Südafrika gab. Aber die DDr wollte sich wohl auf gar keinem Fall den Vorwurf aussetzen, den Juden nochmals ihr Eigentum zu nehmen.

Im Übrigen war es nicht die DDR, die aus der geschichte von Volk und Religion ein Problem machte. Im Gegenteil - damals war das viel einfacher. Weil es diese Vermanschung von Volks - und Staatsangehörigkeit wie in der BRD nicht gab. Es gab vielmehr den begriff der Nationaöität (in der Regel deutsch, aber mitunter halt auch jüdisch oder sorbisch) und den begriff der Staatsbürgerschaft, also DDR. Den aus dem 3. Reich stammenden Mischmasch, wonach jeder abstammungsmäßig Deutsche auch ein recht auf Staatsbürgerschaft der BRD hat - den kannten wir ja nicht.

Gernot Geyer

Aber das Schanddiktat von Brest-Litowsk, dagegen hatte in D
keiner was…

tatsächlich war Brest-Litowsk mit eine Ursache, dass die
Westalliierten nicht mehr an einen Verhandlungsfrieden
glaubten und bereit waren, die Sache auszukämpfen.

Richtig! 100% Zustimmung! Gegenüber den Russland auferlegten Friedensbedingungen/-diktat war der Versailler Vertrag noch recht milde. Aber das wollen auch heute noch viele nicht wahr haben. Auch waren die Kriegsziele des Deutschen Reichs erheblich drastischer als dann der Versailler Vertrag. Auch das wollen viele nicht (mehr) wissen.
Im Übrigen muss die deutsche Delegation in Versailles eine schauderhafte Vorstellung gegeben haben. Der amerikanische Delegierte sagte, er habe noch nie eine so schlechte und uneinsichtige Rede gehört wie die des Deutschen. Man hatte die Deutschen vorher auf Umwegen besonders langsam durch die völlig verwüsteten nordfranzösischen Gebiete fahren lassen und ihnen in Versailles besonders schwer verstümmelte Kriegsversehrte gegenüber gesetzt.

Gruß, Stucki

Hi

Im Übrigen muss die deutsche Delegation in Versailles eine
schauderhafte Vorstellung gegeben haben. Der amerikanische
Delegierte sagte, er habe noch nie eine so schlechte und
uneinsichtige Rede gehört wie die des Deutschen. Man hatte die
Deutschen vorher auf Umwegen besonders langsam durch die
völlig verwüsteten nordfranzösischen Gebiete fahren lassen und
ihnen in Versailles besonders schwer verstümmelte
Kriegsversehrte gegenüber gesetzt.

War psychologisch vieleicht nicht das allerklügste von den Alliierten.
Der Deutschen Delegation war ja klar, dass der Krieg verloren war, und es handelte sich nicht um diejenigen, die Brest-Litowsk diktiert hatten.
Immerhin hatte der Leiter der Waffenstillstandsdelegation Erzberger im 1917 im Reichstag eine Resolution durchgebracht, in der ein „Friede ohne Annexionen“ gefordert. (Eine bemerkenswerte Wandlung zu seiner Ansicht 1914…)
Ausserdem wars ja auch wurscht, da Foch keine wie auch immer gearteten Verhandlungen zulies.

Gruß
Mike

Eine Klärungsfrage
Hallo Jake!

Das man im Stalinismus das gezielte Ermorden von Völkern und
Religionsgruppe nicht thematisierte sondern es totschwieg ist
sehr gut nachzuvollziehen wenn man an die antijüdischen Pro-
grome in den 30er Jahren und etwa die ‚Verschickung‘ von Juden
nach Ostsibirien denkt.

Was verstehst du unter den antijudischen Pogromen in den 30er Jahren? Wann datierst du die „Verschickung“ von Juden nach Ostsibirien?

Gruß

Hallo peet,

die Anmerkung über die Lage der Juden unter Stalin war mehr
als Fussnote zur Haltung der DDR bezüglich der Aufarbeitung
des NS-Unrechtes gedacht. Wirklich tiefe Kenntnisse dazu maße
ich mir nicht an.

Das man im Stalinismus das gezielte Ermorden von Völkern und
Religionsgruppe nicht thematisierte sondern es totschwieg ist
sehr gut nachzuvollziehen wenn man an die antijüdischen Pro-
grome in den 30er Jahren und etwa die ‚Verschickung‘ von Juden
nach Ostsibirien denkt.

Was verstehst du unter den antijudischen Pogromen in den 30er
Jahren?

Sowas:
http://www.hagalil.com/galluth/russia9.htm

Wann datierst du die „Verschickung“ von Juden nach Ostsibirien?

Damit meine ich die Gründung (07. Mai 1934) und zwangsweise
Besiedlung der ‚autonomen Republik Birobidjan‘ im Amurgebiet.
Zwar begrüßten einige Intelektuelle dies und jüdische Stiftungen
aus den USA schickten Geld, aber die Masse der Umgesiedelten
kam nicht freiwillig und die Lebensumstände dort führten zu
massenhaftem Sterben.

Eine mMn etwas zu positive Darstellung:
http://www.hagalil.com/galluth/russia12.htm

Was zur heutigen Lage dort:
http://online.wdr.de/online/eiszeit/tagebuch/chabaro…

Viele Grüße

Jake

Hallo Jake,

danke für deine ehrliche Antwort. Es gab keine antijudischen Pogrome in der SU in den 30er, und die „Verschickung“ nach Birobidschan war bei weitem nicht so massenhaft, wie du schilderst. Die Verschlechterung der Lage bis zum Terror kam erst nach 1945.

Deine Links sagen nichts anderes auch.

Gruß

???

tatsächlich war Brest-Litowsk mit eine Ursache, dass die
Westalliierten nicht mehr an einen Verhandlungsfrieden
glaubten und bereit waren, die Sache auszukämpfen.

Wo kann man das nachlesen?

Warum lehnten die Alliierten dann das Friendensangebot der Mittelmächte schon 1916 ab, wenn sie da noch Hoffnungen auf einen Verhandlungsfrieden hatten?

Hätten sich die hochverschuldeten Alliierten einen Verhandlungsfrieden überhaupt leisten können?

mfg

Märchenstunde?
Da haben sich ja zwei gefunden. Lernt man sowas heute in der Schule?

Aber das Schanddiktat von Brest-Litowsk, dagegen hatte in D
keiner was…

tatsächlich war Brest-Litowsk mit eine Ursache, dass die
Westalliierten nicht mehr an einen Verhandlungsfrieden
glaubten und bereit waren, die Sache auszukämpfen.

kämpften deshalb die Alliierten gegen die Bolschewisten - um sie zu einen noch gerechteren Friedensvertrag zu zwingen?

Richtig! 100% Zustimmung! Gegenüber den Russland auferlegten
Friedensbedingungen/-diktat war der Versailler Vertrag noch
recht milde.

Welche Friedensbedingungen wurden Rußland denn Auferlegt? Ich habe extra in mehreren Büchern nachgeschlagen und überall stand, daß Rußland zwar Gebietsverluste hinnehmen mußte, dies aber zur Gründung souveräner Staaten geschah und nicht zur Bereicherung von Dtl.
Ich habe nichts über Kriegsschuld, Staatsform, Reparationsleistungen, Militärbeschränkungen usw. gelesen.

Aber das wollen auch heute noch viele nicht wahr
haben. Auch waren die Kriegsziele des Deutschen Reichs
erheblich drastischer als dann der Versailler Vertrag. Auch
das wollen viele nicht (mehr) wissen.

Da ist es ja ein Glücksfall, daß Du so gut bescheid weißt.
Je länger der Krieg dauerte desto überzogener wurden die Kriegsziele aller Staaten. Alle hatten Ausgaben die sie mit Kriegsende gedeckt haben wollten.

Im Übrigen muss die deutsche Delegation in Versailles eine
schauderhafte Vorstellung gegeben haben. Der amerikanische
Delegierte sagte, er habe noch nie eine so schlechte und
uneinsichtige Rede gehört wie die des Deutschen. Man hatte die
Deutschen vorher auf Umwegen besonders langsam durch die
völlig verwüsteten nordfranzösischen Gebiete fahren lassen und
ihnen in Versailles besonders schwer verstümmelte
Kriegsversehrte gegenüber gesetzt.

Geht jetzt deine Phantasie mit Dir durch? Die Rede kannst Du übrigens hier selbst nachlesen:
http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/brockdorff/ind…