Nazis

Hallo allerseits,

was brachte, inbesondere im 3. Reich, aus Psychologischer Sicht viele Deutsche dazu, Greueltaten gegen die Verfolgten (Juden, Homosexuelle, etc.) zu begehen? Wie kommt ein Mensch dazu, sowas aktiv zu tun?

Ich rede nicht von Mitläufern, weiss z.B. von einem LKW-Fahrer, der Leichen aus einem KZ transportiert hatte, dass er einen Nervenzusammenbruch davon bekam.

Danke
Michael

Hallo Michael!

Diese Frage wird heute immer häufiger von jungen Leuten gestellt.
Sie vergessen alle nur eines :

Heute ist fast jeder über diese Zeit aufgeklärt, man weiß, was passierte und stellt sich die Frage, warum?
Heute ist es sehr einfach, den Kopf vor Empörung darüber zu schütteln.

Man muß sich das Leben in den Städten und Dörfern in den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts vorstellen. Es gab kaum Information, da es nur die eine Heimatzeitung gab und fast niemand ein Radio hatte. Fernsehen, heute d e r Informationsbringer, gab es nicht!!

Schulbücher waren nie sauber von Antisemitismus. Die deutschen Schriftsteller, wenn sie nicht selbst jüdisch waren, waren sehr oft Antisemiten oder schoben sehr oft und viel, antisemitische Dinge in ihre Schriften. Ohne sich selbst als besonders antisemitisch zu fühlen, es war einfach so.
Die Bevölkerung fühlte sich oft von jüdischen Mitbewohnern übervorteilt, da Juden, seit dem Mittelalter durch das Verbot ein Handwerk auszuüben, immer nur solche Berufe ausübten, welche etwas undurchsichtig waren, wie Geldverleiher (Wucherer), Viehhändler, Kaufleute.
Wenn man sich damals die Häuser in den Ortschaften ansah, so waren Villen und größere Wohnhäuser fast immer im Besitz von Juden. Heute sind in unserem Ort die schönsten alten Villen, die aus dem ehemaligen Besitz von Juden.
Das zog immer viel Neid nach sich.
Die Deutschen wußten auch, daß die jüdischen Mitbürger besser waren als sie. Egal, was sie anfaßten, sie waren tüchtig und auch das brachte viel Neid mit sich.
Die deutsche Bevölkerung lebte mit den Juden, akzeptierte sie, aber liebte sie nicht. Es fehlte nur jemand, der ihnen den Haß weckte und das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Nicht die Nazis waren es, es gab andere, nur, die Nazis haben sich auf dieses Pferd gesetzt.
Man konnte ungestraft irgendwelche Bosheiten über eine Volksgruppe verbreiten, man glaubte es. Man konnte es sowieso nicht kontrollieren, ob es stimmte. Es gab keine zuständige Stelle, die einem normalen deutschen Bürger weiterhalf. In einer Zeit, in der sogar noch der Dorfbüttel durchs Dorf ging und Neuigkeiten ausrief, war Information selten und nur das, was man wissen sollte, wurde auch bekannt gegeben.
Ich habe mich oft mit Leuten unterhalten, welche hier im Ort die Juden zum Marktplatz brachten, auf Lkw packte und wegfahren ließen. Es war nicht die SS, es war die SA und die Polizei. Und die SA waren Menschen, die hier lebten, Kinder hatten und mit Juden im gleichen Turnverein waren.
Jüdische Einwohner in unserem Ort vor der Deportierung:

Frank, Hugo Viehhändler
Hoffmann, Julius Händler
Lindenberg, R. Händler
Meyer, Siegfried Viehhändler
Polak I, Karl Viehhändler
Polak II, Siegfried Viehhändler
Silberbach, Otto Viehhändler
Strauß, Max Viehhändler

Der Sohn von Polak II, Karl müßte den älteren WWW-Teilnehmern aus der DDR bekannt sein. Er starb dort 1963. Er war führender Staatsfunktionär und Professor. Mitglied des Staatsrates der DDR.

Man kann sagen, genau so willenlos, wie die meisten Juden sich haben erschießen lassen, genau so willenlos haben die meisten Deutschen sie deportiert.
Und es kann immer wieder passieren, wenn Informationen ausbleiben oder gefälscht sind, siehe Balkan.
Das Ganze hat eigentlich wenig mit Deiner Frage zu tun, ich mußte es einfach mal aufschreiben. Und es ist sicher nicht die alleinige Wahrheit, andere sehen es sicher ganz anders.
Gruß Werner

Hallo Werner,

Diese Frage wird heute immer häufiger von jungen Leuten

gestellt.

Sie vergessen alle nur eines :

Heute ist fast jeder über diese Zeit aufgeklärt, man weiß, was

passierte und stellt sich die Frage, warum?

Heute ist es sehr einfach, den Kopf vor Empörung darüber zu

schütteln.

darum haben ausdrücklich betont, dass es mir nicht um Mitläufer geht. Wie man dazu kommt, ist mir psychologisch geshen durchaus klar. Mir geht es darum, wie ein Mensch persönlich zu solchgen Greueltaten einer ganzen Menschengruppe gegenüber fähig ist.

Die Bevölkerung fühlte sich oft von jüdischen Mitbewohnern

übervorteilt, da Juden, seit dem Mittelalter durch das Verbot

ein Handwerk auszuüben, immer nur solche Berufe ausübten,

welche etwas undurchsichtig waren, wie Geldverleiher

(Wucherer), Viehhändler, Kaufleute.

Erklärt das, in der Lage zu sein, jüdische Kinder auf gramste zu misshandeln? Nur um mal ein Beispiel zu nennen? Reicht Neid dazu wirklich aus?

Ich habe mich oft mit Leuten unterhalten, welche hier im Ort

die Juden zum Marktplatz brachten, auf Lkw packte und

wegfahren ließen.

Von denen wussten die meisten vermutlich wirklich nicht, was mit den Juden geschah. Und daher geht es mir um diese gar nicht.

Das Ganze hat eigentlich wenig mit Deiner Frage zu tun, ich

mußte es einfach mal aufschreiben. Und es ist sicher nicht die

alleinige Wahrheit, andere sehen es sicher ganz anders.

Danke, dass du das wenigstens zugibst. All das o.g. ist aber den meisten denkenden Deutschen wohl bekannt und begreiflich. Was mir, auch als denkender Mensch, aber nicht begreiflich ist, wie diejenigen, die im Endeffekt die Grueeltaten selbst begannen haben, von der Trennung von Kindern von ihren Eltern bis hin zu scheußlichsten Misshandlungen, auch von Kindern, DAS ist mir nicht begreiflich. Was bringt Menschen dazu?

Danke
Michael

Milgram-Experiment
Hallo Michael,

lies doch mal (zum Preis von 14,90 DM) das Milgram-Experiment
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499174790

Da siehst du, dass Konformismus und im Zusammenhang damit die bei sehr vielen Menschen bestehende Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen - wenn sie sich nämlich als „Befehlsempfänger“ definieren können - Gewalt gegen andere Menschen auszuüben, augenscheinlich ein universelles Phänomen ist.

Die besonderen deutschen Bedingungen (autoritäre Erziehung, autoritärer Staat, Antisemitismus - allerdings nicht stärker als in vielen anderen europ. Ländern -, Obrigkeitsdenken, Perfektionismus) haben diese besondere Mischung hervorgebracht, die so viel Leid verursachte.

Werners Posting beschreibt das im übrigen - von einigen möglicherweise problematischen Formulierungen einmal abgesehen - sehr präzise.

Gruß
Burkhard,
der sich vor vielen Jahren mit der Frage auseinandergesetzt hat, welchen Anteil die konservative Presse am Großwerden des Nationalsozialimus hatte. Nach wie vor gilt - denke ich - Kurt Sontheimers These von antidemokratischen Tendenzen während der Weimarer Republik, die u.a. Wegbereiter für den Nationalsozialismus waren.

Hallo Burkhard,

lies doch mal (zum Preis von 14,90 DM) das Milgram-Experiment
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499174790

abgesehen davon, dass ich - obwohl ich das o.g. Experiment kenne - noch nicht glauben kann, dass es dadurch zu solchen Extremen, vor allem auch Kindern gegenüber, kommen kann, nehme ich mal an, es wäre der Hauptgrund. Dann stellt sich mir die Frage, ob ein so programmierter Mensch (so muss man es ja fast nennen), lieben kann? Z.B. seine Frau und seine eigenen Kinder?

Danke
Michael

Dann frag doch mal bei den Serben und Kroten nach, was sie dazu gebracht hat, sich gegenseitig zu massakrieren.

Die Antwort ist doch recht einfach : Der Mensch ist zu diesen Dingen schon immer fähig gewesen und wird es auch bleiben. Das ist nicht spezifisch eine Naziuntat oder ein Verbrechen der Serben an den Albanern. Sieh Dir im Fernsehen die Bilder an, wie Chaoten in Genua einen auf der Erde liegenden Polizisten versuchen totzuschlagen.
Vielleicht war Dein Bruder oder Sohn dabei und morgen früh frühstückt er wieder gemütlich mit Dir und streichelt seine oder Deine Tochter.
Gruß Werner

Bitte moderater!
Hey, Werner und Michael,

seid Ihr so nett, mal auf mein Posting „Geht’s auch netter“ ganz oben zu schauen?

Ihr benutzt beide „Reizwörter“, auf die der Dialogpartner naturgemäß sofort anspringt.

So wird es leider sehr kompliziert, einen Meinungsaustausch in Gang zu bringen, der zu Erkenntnisgewinn für alle führt.

Ich verstehe, dass man bei diesem heißen Thema sehr leicht emotional werden kann, finde aber, dass es hilfreich wäre, sich gerade deswegen sprachlich etwas zurück zu nehmen.

Herzliche Grüße
Burkhard

Hallo Michael,

die Frage treibt mich auch seit der Schulzeit um. Hier ein „Erklärungsversuch“ aus der Evolutionsbiologie (bin da kein Fachmann! Wenn´s Einer liest, lerne gerne dazu!):

Das Kultivierte in uns Menschen ist eine ganz dünne Schicht unserer Psyche, vergleichbar mit der Erdkruste. Darunter brodelt es oft gewaltig. Sobald bestimmte Reize auf den Menschen einfluten, bzw. überhand nehmen, reagiert er eher wie in der Steinzeit, oder noch davor. Wir Menschen sind sehr stammesbewußte Wesen. Jeder gehört zu einem Stamm bzw. zu Unterstämmen (z.B. Deutscher, Badener, Freiburger. Es gibt noch feinere Unterteilungen z.B. Skatbruder, Kleintierzüchter, natürlich die Verwandtschaft usw.)
Gegen andere Stämme grenzen wir uns -oft sichtbar- ab, wobei die Fantasie hier kaum Grenzen kennt (z.B. Punker, Rocker, usw.)
Wenn andere Stämme unsere Interessen tangieren, in unser Revier eindringen, uns gar bedrohen, oder sonst was Suspektes tun (einfach mehr Erfolg haben), wird es ernst. Oft sogar toternst. Dann gibt es in Extremfällen auch gegen Kinder keine Gnade (der Vergleich ist nicht ganz o.k., aber der Löwe bringt auch die Jungen seines Vorgängers im Rudel um, um seinen Vorteil in der neuen Fortpflanzung zu optimieren).
Alles Neue, jeder Neue (stammesfremde) ist uns zunächst suspekt. Je fremder, desto schlimmer. Wer sich in unserem Territorium nicht anpasst, bekommt auch leicht Probleme. Dann kommt noch die Machtfrage in Spiel. Als Erwachsener Macht zu bekommen, in der Hierarchie aufzusteigen, ist nicht einfach. Die Konkurenz ist groß. Wenn man sich im Stamm aber darauf konzentriert, die Feinde niederzumachen, hat man totale Macht über diese, und steigt in der Hierarchie des Stammes. Die Krieger waren früher immer die Angesehensten eines Stammes. Zurecht natürlich, denn sie verteitigten ihn und sicherten das Fortbestehen.
Stammesführer bzw. der führende Zirkel erhalten ihre Macht oft damit, daß sie ganz geziehlt einen Feind ausmachen und den Stamm auf dessen Eroberung und Vernichtung einschwören (Hitler, Goebels u.a.). Das hat in der Nazizeit in schrecklich-vollkommener Art und Weise funktioniert. Zumal die gegnerischen Stämme Deutschland nach dem 1. Weltkrieg einen, aus deutscher Sicht, ungerechten Frieden aufgezwungen haben. Das verlangte nach Rache.

Grüße
Erwin

Hallo Werner

leider geht auch die Antwort an meiner Frage vorbei. Zur Klarstellung: Ich interessiere mich dafür, was einen Menschen einen brutalen SS-Kommandeur werden lässt, den anderen zu einem Untergrundkämpfer.

Sicher eine weitere interessante Psychoanalyse, wären Leute wie Oskar Schindler, der nicht so ganz in dieses SChema passt.

Alles Gute
Michael

Hallo Michael,

das ist ja das Furchtbre. Man mag es nicht glauben, aber es scheint die Wahrheit zu sein: diese Mörder, die auf grausame Weise anderer Leute Kinder töten, scheinen zu ihren eigenen Kindern durchaus einen liebevollen Kontakt zu haben. Beispiel: Der Kommandant von Auschwitz.

Ich habe kürzlich über dieses Thema mit dem Sohn von Martin Bormann (Hitlers rechte Hand) gesprochen, der das absolut bestätigte.

Man möchte diese Art der „Schizophrenie“ nicht wahrhaben, aber der Mensch scheint in dieser Hinsicht zu unglaublichen Verdrängungs-„Leistungen“ fähig zu sein.

Grüß Dich - und lass uns hoffen, dass wir nie in Situationen kommen, in denen wir unser Nicht-so-Sein beweisen müssen.

Burkhard

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Hallo Michael, hallo Werner,

Man muß sich das Leben in den Städten und Dörfern in den 20ern
und 30ern des letzten Jahrhunderts vorstellen. Es gab kaum
Information, da es nur die eine Heimatzeitung gab und fast
niemand ein Radio hatte. Fernsehen, heute d e r
Informationsbringer, gab es nicht!!

Ich glaube das ist ein wesentlicher Faktor für das AUSMASS
dieser Katastrophe. Die Informationen, die der Normalbürger
im 3. Reich über Volksempfänger, Kino und Wochenschau bekam,
waren fest in der Hand der Regierung. Man könnte fast
sagen, es entstanden die Medien und sofort wurden sie
zu Propagandazwecken mißbraucht.

Zu der Frage, wieso einer in den Untergrund geht und
der andere Greueltaten begeht, kann ich ein Buch empfehlen:
„Am Anfang war Erziehung“ von der Psychoanalytikerin
Alice Miller. Sie analysiert darin u.a. die Kindheit
von Hitler und beschreibt überhaupt die „schwarze Pädagogik“
von damals. Das erklärt vielleicht einiges, entschuldigt aber
natürlich nichts.

da Juden, seit dem Mittelalter durch das Verbot

ein Handwerk auszuüben,

Interessant! Das war mir gar nicht bewußt! habe ich sicher
früher mal in der Schule gelernt, aber vergessen.

immer nur solche Berufe ausübten,

welche etwas undurchsichtig waren, wie Geldverleiher
(Wucherer), Viehhändler, Kaufleute.

Was ist an einem Viehändler undurchsichtiger als an
einem Bauern oder Handwerker?

Die Deutschen wußten auch, daß die jüdischen Mitbürger besser
waren als sie. Egal, was sie anfaßten, sie waren tüchtig und
auch das brachte viel Neid mit sich.

War das tatsächlich so oder bist Du da auch nur einer
selektiven Wahrnehmung aufgesessen, die Vorurteile
bestätigt? Heikel!

Die deutsche Bevölkerung lebte mit den Juden, akzeptierte sie,
aber liebte sie nicht. Es fehlte nur jemand, der ihnen den
Haß weckte und das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Nicht die
Nazis waren es, es gab andere, nur, die Nazis haben sich auf
dieses Pferd gesetzt.

Das Volk forderte sogar drastischerere Maßnahmen als Himmler
überhaupt bereit war durchzuführen! Und die Gestapo kam nicht mehr hinter den Anzeigen hinterher mit denen sich die Bürger gegenseitig belasteten.

Für junge Leute die sich die Frage stellen:
„Wie konnten die nur damals?“, kann ich den amerikanischen
Spielfilm „The Wave“ empfehlen, wo ein Collegelehrer
seine Schüler erleben lässt, wie schnell sie in die
Konformitäts- und Führerfalle tappen.

liebe Grüsse
Pamela

Manchmal erschreckende Ähnlichkeiten
Hallo Michael,

wenn man - nachdem die Personen gestorben sind und ihre tatsächlichen (nicht ideologisch verbrämten oder geschönten) Lebensläufe offenbar werden - sich anschaut, was Menschen, die auf verschiedenen Seiten der Barrikade standen, wirklich getan haben, dann ergibt sich zuweilen ein erschreckendes Bild von Ähnlichkeiten.

Mir scheint, dass „im Namen von …“ die förderlichste Bedingung für grausames, unmenschliches Verhalten ist. Und zwar sowohl im Namen von Ideologien als auch im Namen von Befehlsgebern.

Menschen, die solchen Herausforderungen widerstehen, haben vermutlich schon in ihrer Kindheit eine Persönlichkeit entwickelt, die ihnen die Fähigkeit verleiht, nach innen zu schauen, wo wahrscheinlich tief drinnen jeder weiß, was in einer bestimmten Gesellschaft gut und böse ist.

Hab auf deine Homepage geschaut und bin sicher, dass du deiner Tochter solche Werte mit in ihr Leben gibst. Das ist nach meiner Auffassung der einzige Schutz.

Herzlichst!
Burkhard

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Hallo Burkhard,

Menschen, die solchen Herausforderungen widerstehen, haben
vermutlich schon in ihrer Kindheit eine Persönlichkeit
entwickelt, die ihnen die Fähigkeit verleiht, nach innen zu
schauen, wo wahrscheinlich tief drinnen jeder weiß, was in
einer bestimmten Gesellschaft gut und böse ist.

das ist allerdings ein ganz neuer Aspekt! Meine Frage müsste also eher lauten: warum einige widerstehen konnten - ich meine vor allem die, die etwas dagegen getan haben.

Das gilt auch für DocErwins Analogie mit der dünnen Erdkruste.

DAnke und alles Gute
Michael

Zivilcourage
Hallo Michael,

haargnau!

Und da - finde ich - sollte doch jeder erst mal mit sich selbst ins Gericht gehen. Am Arbeistplatz, im Verein, in der Familie, in der Öffentlichkeit …

Schaffen wir es da immer, den inneren Schweinehund zu überwinden und uns gegen Diskriminierung von Minderheiten, gegen Mobbing, gegen Vorurteile aller Art einzusetzen?

Dazu gehört nach meinem Verständnis auch, sich der oft sozialisationsbedingten Ursachen solch negativer Verhaltensweisen bewusst zu sein.

Ich denke, man holt einen Neonazi nicht aus seiner Ecke heraus, wenn man ihn nur verbal platt macht.

Diese Leute sind in der Mehrzahl der Fälle doch augenscheinlich „verwahrlost“ aufgewachsen - und zwar unabhängig vom sozialen Status der Eltern. Nicht genügend Gespräche, keine Möglichkeit, sich mit Autoritäten durch Argumentation auseinanderzusetzen, zu wenig Liebe, keine sinnvollen Ziele.

Ich bin ziemlich skeptisch, was die Frage der Veränderung anbetrifft. Manchmal ändern sich solche Menschen allerdings, wenn sie selbst Kinder haben, in der Mehrzahl der Fälle jedoch scheinen sie ihre eigenen erlernten Muster an ihre Kinder weiter zu geben.

Also, noch einmal. Bei unseren eigenen Kindern anfangen hat vermutlich die größte Aussicht auf Erfolg.

Let’s just do it. Bei mir geht’s schon mit dem Enkelkind los :wink:

Gruß
Burkhard

kleine ergänzung
hallo,
dein artikel ist völlig richtig und hilft weiter.
aber fernsehen gab es durchaus, wenn auch nur in den ballungzentren(fernsehstuben, wenig privatempfänger) und von der faschistischen ideologie durchdrungen, logisch.
spiegel-tv hatte im vergangenen jahr ausschnitte aus dem programm gesendet und analysiert.

cu

strubbel

Hallo Burkhard,

ich habe mir Michaels und Werners Postings aufmerksam durchgelesen. Natürlich ist die Diskussion hitzig - wann immer in der Überschrift der Begriff „Nazis“ steht, muß damit gerechnet werden.

Ich kann aber bis jetzt nicht finden, daß die beiden unhöflich werden oder gegen die Netiquette verstoßen. Auch im Rahmen dieses brettes bewegt sich die Diskussion, es geht nach wie vor weniger um die politische, als um diepsychologische Seite.

Erhitzt zu diskutieren ist an sich kein Fehler, so lange die Position des anderen respektiert wird. Und ich nehme an, daß das so bleibt.

Trotzdem danke für Deinen Hinweis. Du kannst Dich sicher fühlen: Auf diese - wie auch auf alle anderen Diskussionen hier - werde ich weiter achten. :smile:

Liebe Grüße,
Nike

Hallo Michael!

Der Anfang der SS waren die Freikorps, die sich nach dem 1. Weltkrieg bildeten. Diese bestanden aus ehemaligen Frontkämpfern, Arbeitslosen und vielen anderen, auch natürlich Abenteurern und Leuten, die sich dort in der Gruppe wohl fühlten.

Man wurde nicht unbedingt in der SS brutal, sondern ging auch als Brutaler zur SS. Diese Leute gibt es heute genauso. Nur das Gesetz und die Angst vor Strafe hält sie zurück, die gleichen Massaker zu begehen wie damals. (Siehe die vielen Kindermorde, Krankenpfleger, die alte leute umbringen usw, h e u t e !!!).
Während des Krieges konnte man diese Verbrechen ungestraft begehen und das ist der Punkt. Würde man heute die Ermordung von Kindern und alten Menschen frei von Strafe stellen, was denkst Du, was dann passiert?

Warum jemand zur SS ging und andere in den Untergrund?
Zur SS ging man nicht nur, sondern wurde, wie zu jeder anderen Waffengattung, auch gezogen. Mein Vater wurde 1943 gezogen, zur Waffen-SS. Ein Bruder von ihm (hoher SS-Offizier) ging nach 1. Weltkrieg als Arbeitsloser in eines der Freikorps , wurde dann in die SS integriert und blieb dort. Nicht, um Kinder zu schlachten, sondern aus dem gleichen Grund, warum man heute freiwillig zur Bundeswehr geht. Er wollte nicht auf der Straße sitzen und es machte ihm Spaß, Soldat zu sein.

Warum jemand in den Untergrund geht? Wie viele waren denn im Untergrund bzw Untergrundkämpfer?? In Deutschland? Die kann man an einer Hand abzählen. Die meisten, denen das Naziregime nicht paßte, blieben ganz leise und mucksten sich nicht. Auf jeden Fall, waren sie keine Untergrundkämpfer und die handvoll, die es doch versuchten, wurden gleich gefaßt.

Ich weiß, die Antwort befriedigt Dich natürlich nicht, aber die Frage, warum wird der eine Quäler und der andere Nichtquäler und Kämpfer dagegen, kann man sicher nicht beantworten. Bei den meisten Menschen stellt sich erst in extremen Situationen heraus, zu welcher Seite er gehört.
Und wenn dann bei den Quälern ein ganzer Staat auf ihrer Seite steht, bekommen diese schnell das Gefühl, wir machen es richtig.
Ich habe mich vor ein paar Monaten mit einer alten Dame unterhalten, über einen Mann, der hier während des Krieges in ein KZ kam und dort umkam. Sie meinte, dann hatte er sicher etwas ausgefressen, wenn man ihn ins KZ steckte. Das nach 50 Jahren Aufklärung!! Aber, so denken die meisten älteren Menschen heute noch über diese Sache und so dachten sie ganz sicher damals.

Leute wie Schindler gab es in jedem Dorf.

Gruß Werner

Hallo Michael!

Hi Werner,

ich finde , das ist eine gute Diskussion. An einem Punkt möchte ich eine Berichtigung anbringen.

Du schriebst:

Man kann sagen, genau so willenlos, wie die meisten Juden sich
haben erschießen lassen, genau so willenlos haben die meisten
Deutschen sie deportiert.

die Juden haben sich nicht willenlos erschießen lassen. Der Historiker Arno Lustiger hat sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und die Aussage " Juden ließen sich wie die Lämmer zur Schlachtbank führen" widerlegt.
Es gab einen weitgespannten Kreis von Widerständlern und Untergrundkämpfern, sowohl von Juden wie von ko-operierenden Deutschen, Polen, Tschechen, Franzosen, Russen etc.die auf der einen Seite Fluchtwege unter größter Lebensgefahr offen hielten , auf der anderen Seite aktiven und bewaffneten Widerstand leisteten.
Bekannt ist der Aufstand im Warschauer Ghetto. Weniger bekannt sind die zahllosen Partisanen Aktionen, die gegen die Nazis gerichtet waren. Im Zuge der Propaganda und der streng kontrollierten Nachrichten wurden diese Aktionen von den Nationalsozialisten verschleiert, geheimgehalten etc.

Es gab auch solche Menschen, die sich noch lange durch ihre Arbeit, ihren Ruf etc geschützt glaubten, od. durch Heirat mit einem „Arier (In)“ und im Zuge der Endlösung erkennen mussten, dass es keinen Schutz mehr gab. Zu dem Zeitpunkt ca 1942 waren aber auch die Grenzen zu, und die freien Länder nahmen keine Flüchtlinge mehr auf. Schiffe, die bereits in Südmerika ankamen od. in USA wurden zurückgeschickt. Weil auch die Schiffe durch Angriffe der UBoote gefährdet waren, liefen viele von Portugal u.ä. nicht mehr aus.
Ausserdem wurden ab 39 den meisten Jüdischen Mitbürgern durch Enteignung und Arbeitsverbot die finanziellen Mittel entzogen, um sich und ihre Familien in Sicherhgeit zu bringen.

Leska