Hallo Max,
bekanntlicherweise sind ja hitler-wochen, d.h. kein sender
ohne dukomentation, diskussion oder zumind. den ein oder
anderen film zum thema…
Hitler sells…
In mehrere blöcke unterteilt lautete das thema des ersten
blocks „es muss einmal schluss sein“ (oder s.ä.).
Ja, „es muss Schluß sein“ (oder s.ä.) hat auch Spongepop geschrieben; seine dahinter liegende Motivation zeigt sich wohl deutlich in:
Das wundert mich überhaupt nicht: Ende der 60er Jahre war ja
bekanntlich der Höhepunkt der linksgerichteten
Studentenbewegung (sog. 68er), die damals u.a. mit Sprüchen
wie „Traue keinem über 30“ mit ihrer Eltern- und
Großelterngeneration abrechneten und alle als Nazis
abstempelten. Diese Leute sind heute zw. 55 und 60 Jahre alt,
sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und sitzen an den
richtigen Hebeln ihre Auffassung von der Geschichte unters
Volk zu bringen (bestes Beispiel unser Außenminister).
Andererseits will ich nicht verschweigen, dass hinter einem „es darf nicht Schluss sein“ natürlich in gleicher Weise ein politisches Spiel zu finden ist;
jenseits des politischen Spiels aber gilt: warum sollte Schluss sein?
Warum sollte ernsthaft jemand fordern, dass Schluss sein sollte mit Gedenken und Analyse der größten Massentötung, des größten Genozids, der größten „Euthanasie“ der Menschheitsgeschichte? Steckt in einer solchen Forderung nicht Absurdität schlechthin?
Darin wurde
über die „schlussstrichzieh-mentalität“ nach dem krieg
berichtet, aber gleichzeitig deutlich hervorgehoben, welche
menschen alles noch frei herumlaufen oder liefe.
So wurde unser verfassungsrecht mit von ns-justizfunktionären
gegründet. Auch die BW bediente sich wehrmachtsoffizieren u.a.
zum aufbau.
Das Genannte ist faktisch korrekt; die ersten ernstzunehmenden deutschen KZ-Prozesse begannen Mitte der 60er Jahre, etc.; das ist doch frag-würdig genug.
die andere Frage, woher denn sonst etwa Juristen genommen hätten werden sollen, ist dennoch nicht weniger berechtigt.
Der zweite block sollte die weitverbreitete meinung, daß wir
schon genug reparationsleistungen gezahlt hätten,
thematisieren.
was ist genug?
Im Sinne des Verursacherprinzips wie es auf jeden Brandstifter, jeden Sachbeschädiger, jeden Körperverletzer angewendet wird, sind die Reparationsleistungen Deutschlands noch nicht mal zu 5% ausreichend.
Außerdem: in welchem Land hat es bereits 10 Jahre nach dem schrecklichsten Krieg der Weltgeschichte ein „Wirtschaftswunder“ gegeben? Nicht in den Ländern der Alliierten, sondern in dem, welches total kapituliert hatte;
welches Land hat also am schnellsten wieder Vorkriegsniveau im Bereich des Lebensstandards erreicht? dasjenige, das eigentlich reparieren sollte;
wenn man also „Raparationszahlungen“ nicht rein auf eine politische Ebene beschränkt, sondern auf alle Ebenen bezieht, war Deutschland das Land, das eindeutig am besten und am schnellsten „repariert“ worden ist (wer nun glaubt, dieser Wirschaftsboom wäre halt dem „deutschen Fleiß“ zu verdanken, der sollte daran denken, in welcher geo-politische Situation ein solcher Fleiß überhaupt erst Früchte tragen kann; war die DDR weniger fleißig oder weniger deutsch?)
Mein eindruck von der ganzen sendung war der, daß immer noch
eine, zur erbsünde hochstilisierten, schuld auf unserer
generation lastet, was mich verstört hat.
Ist denn jeder, dessen opa in stalingrad war, spross einer
MITTÄTERFAMILIE???
Dürfte dieser opa dann keine veteranenrente beziehen (ein
andere vorwurf, der gemacht wurde)?
Letztere ist natürlich eine diskussionswürdige Frage; genauso wie man fragen kann, ob es sinnvoll ist bei der gedenkenden Erinnerung zwischen „alliierten“ und „deutschen“ Opfern zu unterscheiden, ob es sinnvoll ist so stark im Gedenken zwischen „Dresden“ und „Auschwitz“ zu differenzieren, etc.
Ein Faktum ist es jedenfalls, dass sich die individuelle Schuld der allermeisten „Mittäter“ bei genauer Betrachtung auf ein Minimum reduzieren dürfte.
Ein anderes Faktum ist aber auch, dass wir heute ja auch darauf drängen, z.B. den „Tätern“ in der DDR die Renten nicht anzuerkennen, weil wir deren Ansprüche (zu Recht?) für illegitim halten. Warum also einmal so und ein andermal anders?
Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?
Ach ja, der Schlusstrich-Mythos
Natürlich gibt es immer wieder und zuhauf „Schlusstriche“: internationale Anerkennung der BRD, Wiedervereinigung, Souveränität, europäische Integration, vielleicht bald ein Sitz im Sicherheitsrat, etc.
Das alles sind „Schlussstriche“, und nur ein minimaler Teil derer!
Was aber soll d e r Schlusstrich sein? so etwas wie eine Absolution (womöglich noch wegen der Reparations-Ablass-Zahlungen)?
Wer Politik so dermaßen theologisch denkt, der sollte sich nicht wundern, wenn er das Gefühl bekommt, ihm würde die
erbsünde
aufgedrückt.
Ach ja, hier mag ich mal nicht widerstehen:
Natürlich darf etwas derartieges nie mehr nirgendwo auf der
welt passieren aber mE […]
ein wahrhaft grausliges Argumentationsmuster; wie ernst kann denn ein solcher Satz gemeint sein, wenn er sofort in ein „aber mE“ übergeht?
Viele Grüße
franz