NDR-Nacht - Erbsünde ?

Hi,

bekanntlicherweise sind ja hitler-wochen, d.h. kein sender ohne dukomentation, diskussion oder zumind. den ein oder anderen film zum thema…

Eine sendung aber hat mich ein wenig verstört. Und zwar die NACHT DES KRIEGSENDES beim NDR.
Alles in allem eine typische NDR-nacht mit den üblichen gutgemachten dokus und berichten.
Nur schien es mir, daß gerade diese sendung nicht ein gutes haar an deutschland und seinem volk gelassen hat.
Damit meine ich noch nichtmal ausschließlich deutschland zur ns-zeit, sonder hauptsächlich das nachkriegsdeutschland.
In mehrere blöcke unterteilt lautete das thema des ersten blocks „es muss einmal schluss sein“ (oder s.ä.). Darin wurde über die „schlussstrichzieh-mentalität“ nach dem krieg berichtet, aber gleichzeitig deutlich hervorgehoben, welche menschen alles noch frei herumlaufen oder liefe.
So wurde unser verfassungsrecht mit von ns-justizfunktionären gegründet. Auch die BW bediente sich wehrmachtsoffizieren u.a. zum aufbau.

Der zweite block sollte die weitverbreitete meinung, daß wir schon genug reparationsleistungen gezahlt hätten, thematisieren.
Auf der straße wurde menschen aus unserer generation befragt.

Dann wurden menschen befragt, die in nachbarschaft von konzentrationslagern gewohnt haben…

usw. usw.

Mein eindruck von der ganzen sendung war der, daß immer noch eine, zur erbsünde hochstilisierten, schuld auf unserer generation lastet, was mich verstört hat.
Ist denn jeder, dessen opa in stalingrad war, spross einer MITTÄTERFAMILIE???
Dürfte dieser opa dann keine veteranenrente beziehen (ein andere vorwurf, der gemacht wurde)?

Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?

Natürlich darf etwas derartieges nie mehr nirgendwo auf der welt passieren aber mE haben die alliierten unserem land doch die chance zu einem neuanfang gegeben.
Und wir haben doch einen guten job gemacht, was den aufbau einer funktionierenden demokratie angeht…

Vielleicht hat von euch auch jemand die sendung gesehn und kann mir sagen, was er davon hält…

LG Alex:smile:

Hi,

bekanntlicherweise sind ja hitler-wochen, d.h. kein sender
ohne dukomentation, diskussion oder zumind. den ein oder
anderen film zum thema…

Hitler-Wochen? Mittlerweile sind es schon Hitler-Jahre. Los ging es ja 1996/97 mit Hitlers Helfer, gefolgt von seinen Kriegern, Managern und Frauen. Es vergeht kein Tag ohne eine Dokumentation auf irgendeinen Öffentlich-Rechtlichen Sender.

Nur schien es mir, daß gerade diese sendung nicht ein gutes
haar an deutschland und seinem volk gelassen hat.

Das wundert mich überhaupt nicht: Ende der 60er Jahre war ja bekanntlich der Höhepunkt der linksgerichteten Studentenbewegung (sog. 68er), die damals u.a. mit Sprüchen wie „Traue keinem über 30“ mit ihrer Eltern- und Großelterngeneration abrechneten und alle als Nazis abstempelten. Diese Leute sind heute zw. 55 und 60 Jahre alt, sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und sitzen an den richtigen Hebeln ihre Auffassung von der Geschichte unters Volk zu bringen (bestes Beispiel unser Außenminister).

Darin wurde
über die „schlussstrichzieh-mentalität“ nach dem krieg
berichtet, aber gleichzeitig deutlich hervorgehoben, welche
menschen alles noch frei herumlaufen oder liefe.
So wurde unser verfassungsrecht mit von ns-justizfunktionären
gegründet. Auch die BW bediente sich wehrmachtsoffizieren u.a.
zum aufbau.

Die Alliierten setzten nach Kriegsende Gerichte und Spruchkammern ein, die Verbrecher bestraften oder mit Berufsverbot belegten. Natürlich war der größte Teil der Nachkriegs-Staatsbeamten in irgendeiner NS-Vereinigung, da sämtliche öffentliche und wirtschaftliche Bereiche in irgendeiner NS-Organisation zusammengefasst waren (NSKK, NS-Lehrerbund, NS-Ärztebund, Reichsnährstand, Reichskirche usw.), der man angehören musste. Was aber nicht belegt, daß jeder Zahnarzt oder Anwalt ein Verbrecher war.

Dann wurden menschen befragt, die in nachbarschaft von
konzentrationslagern gewohnt haben…

Diese Klugscheißerei kann ich leiden, von wegen „Warum habt ihr nichts dagegen getan?“
In jeder größeren Stadt gibt es heute eine JVA – wenn dort gefoltert werden würde, würde es auch kein Anwohner merken. Wer besucht schon freiwillig ein Gefängnis?
Wie oft passiert heute ein Verbrechen und Duzente Menschen schauen zu ohne einzugreifen. Wenn der Verbrecher dann aber auch noch der Staat ist, der international hofiert wird, wer traut sich da schon das Maul aufzumachen?

Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?

Laut unserem Bundespräsidenten wird es den wohl nie geben. Und unsere Bundesregierung bittet ja gerade jedes Volk der Erde um Vergebung für irgendwelche Verbrechen. Ich warte ja noch drauf, daß wir uns für die Plünderung Roms im Jahre 410 entschuldigen.

Hallo,

zunächst meine grundsätzliche Ansicht: Ich kann nichts dafür, was unsere
Vorfahren vor über 60 Jahren gemacht haben - aber ich bin dafür verantwortlich,
dieses Erbe aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es nicht wieder
geschehen kann - so gut das eben möglich ist. Und aus meiner Zugehörigkeit sehe
ich mich durchaus in einer besonderen Verantwortung der Geschichte gegenüber,
eben weil wir diejenigen sind, die aus der Geschichte (auch der
Nachkriegsgeschichte) wirklich viel lernen mussten und konnten - die Weitergabe
dieses Wissens verlangt auch weiterhin die Beschäftigung mit dem Thema.

Dann wurden menschen befragt, die in nachbarschaft von
konzentrationslagern gewohnt haben…

Diese Klugscheißerei kann ich leiden, von wegen „Warum habt
ihr nichts dagegen getan?“
In jeder größeren Stadt gibt es heute eine JVA – wenn dort
gefoltert werden würde, würde es auch kein Anwohner merken.

Hier ist der Punkt, um den es mir eigentlich geht. Man sollte nicht die JVA eines
demokratisch geeführten Staates, der ein sehr offenes und verständliches
Strafrecht hat, mit Konzentrationslagern vergleichen. Wenn in einem Gefängnis „in
kleinem Stil“ gefoltert werden würde, sicherlich würde es keiner der Anwohner
merken - weil unser Staat Folter nicht zulässt und auch sehr glaubhaft versichern
kann, dass sie nicht stattfindet (und wenn doch, kommt es schnell an sich, siehe
der mutmaßl. Metzler-Mörder und der BW-Skandal). Unser Staat ruft auch nicht zum
Massenmord auf, schickt keine endlosen Ströme Menschen an einen Ort, von dem
niemand mehr zurück kommt, lässt keine Viehwaggons voller Menschen durchs Land
fahren, lässt Menschen auf offener Straße erschießen.
Ich kann nicht glauben, dass es angeblich keiner gewusst hat - erst recht nicht
die Leute, die unmittelbar an KZs gelebt haben. Das ist nichtmal eine Anklage
gegen diese Leute - sie haben es entweder nicht wahrhaben wollen oder können, was
da vor sich geht, oder haben einfach Angst um ihr eigenes Leben gehabt. Ich bin
zum Glück noch niemals in so einer Situation gewesen und werde hoffentlich auch
nicht hereinkommen. Aber angenommen, ich würde dort in dieser Zeit leben - ich
wage nicht zu prognostizieren, wie ich mich letztlich verhalten hätte.

Wer besucht schon freiwillig ein Gefängnis?

Ich war schon vier Mal in einem… Zur „Besichtigung“, wohl gemerkt! :smile:

Wie oft passiert heute ein Verbrechen und Duzente Menschen
schauen zu ohne einzugreifen. Wenn der Verbrecher dann aber

Das ist trotzdem nicht zu vergleichen.

auch noch der Staat ist, der international hofiert wird, wer
traut sich da schon das Maul aufzumachen?

Na, international hofiert wurde Deutschland nun wirklich nicht!

Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?

Laut unserem Bundespräsidenten wird es den wohl nie geben. Und

Es darf ihn auch nicht geben. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen, und ein
so unglaubliches Schrecken darf auch nicht in Vergessenheit geraten.

unsere Bundesregierung bittet ja gerade jedes Volk der Erde um
Vergebung für irgendwelche Verbrechen. Ich warte ja noch

Der Holocaust und der Weltkrieg waren nicht „irgendwelche Verbrechen“. Und
solange es noch Zeitzeugen gibt, die unter unseren Vorfahren gelitten haben ist
es auch unser Erbe und unsere Pflicht, sie um Verzeihung zu bitten. Ich brauche
nicht in England oder in den Niederlanden zu den Jugendlichen zu gehen, um mich
bei ihnen zu entschuldigen, aber einem KZ-Häftling, der überlebt hat, drücke ich
sehr wohl meine Trauer und Scham über das aus, was in diesem Land mit ihm
passiert ist. Wenn die Kriegsgeneration gestorben ist wird es Zeit, von der
Kultur der Entschuldigung und Scham zur Kultur der Erinnerung und Mahnung zu
wechseln, und wir sind auf dem besten Weg dazu, aber noch sind Entschuldigungen
manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer, Niederländer (und
wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei Deutschen
entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche Zivilisten getötet
haben.

drauf, daß wir uns für die Plünderung Roms im Jahre 410
entschuldigen.

Toller Vergleich. Die Germanen haben ja auch so viel mit den Deutschen zu tun.
Aber guck mal in das Religion&Ethik Brett, dort wird den Katholiken nach wie vor
vorgehalten, dass es die Kreuzzüge und die Inquisition gab…

Gruß
Christian

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Hallo Max,

bekanntlicherweise sind ja hitler-wochen, d.h. kein sender
ohne dukomentation, diskussion oder zumind. den ein oder
anderen film zum thema…

Hitler sells…

In mehrere blöcke unterteilt lautete das thema des ersten
blocks „es muss einmal schluss sein“ (oder s.ä.).

Ja, „es muss Schluß sein“ (oder s.ä.) hat auch Spongepop geschrieben; seine dahinter liegende Motivation zeigt sich wohl deutlich in:

Das wundert mich überhaupt nicht: Ende der 60er Jahre war ja
bekanntlich der Höhepunkt der linksgerichteten
Studentenbewegung (sog. 68er), die damals u.a. mit Sprüchen
wie „Traue keinem über 30“ mit ihrer Eltern- und
Großelterngeneration abrechneten und alle als Nazis
abstempelten. Diese Leute sind heute zw. 55 und 60 Jahre alt,
sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und sitzen an den
richtigen Hebeln ihre Auffassung von der Geschichte unters
Volk zu bringen (bestes Beispiel unser Außenminister).

Andererseits will ich nicht verschweigen, dass hinter einem „es darf nicht Schluss sein“ natürlich in gleicher Weise ein politisches Spiel zu finden ist;

jenseits des politischen Spiels aber gilt: warum sollte Schluss sein?

Warum sollte ernsthaft jemand fordern, dass Schluss sein sollte mit Gedenken und Analyse der größten Massentötung, des größten Genozids, der größten „Euthanasie“ der Menschheitsgeschichte? Steckt in einer solchen Forderung nicht Absurdität schlechthin?

Darin wurde
über die „schlussstrichzieh-mentalität“ nach dem krieg
berichtet, aber gleichzeitig deutlich hervorgehoben, welche
menschen alles noch frei herumlaufen oder liefe.
So wurde unser verfassungsrecht mit von ns-justizfunktionären
gegründet. Auch die BW bediente sich wehrmachtsoffizieren u.a.
zum aufbau.

Das Genannte ist faktisch korrekt; die ersten ernstzunehmenden deutschen KZ-Prozesse begannen Mitte der 60er Jahre, etc.; das ist doch frag-würdig genug.

die andere Frage, woher denn sonst etwa Juristen genommen hätten werden sollen, ist dennoch nicht weniger berechtigt.

Der zweite block sollte die weitverbreitete meinung, daß wir
schon genug reparationsleistungen gezahlt hätten,
thematisieren.

was ist genug?
Im Sinne des Verursacherprinzips wie es auf jeden Brandstifter, jeden Sachbeschädiger, jeden Körperverletzer angewendet wird, sind die Reparationsleistungen Deutschlands noch nicht mal zu 5% ausreichend.

Außerdem: in welchem Land hat es bereits 10 Jahre nach dem schrecklichsten Krieg der Weltgeschichte ein „Wirtschaftswunder“ gegeben? Nicht in den Ländern der Alliierten, sondern in dem, welches total kapituliert hatte;

welches Land hat also am schnellsten wieder Vorkriegsniveau im Bereich des Lebensstandards erreicht? dasjenige, das eigentlich reparieren sollte;

wenn man also „Raparationszahlungen“ nicht rein auf eine politische Ebene beschränkt, sondern auf alle Ebenen bezieht, war Deutschland das Land, das eindeutig am besten und am schnellsten „repariert“ worden ist (wer nun glaubt, dieser Wirschaftsboom wäre halt dem „deutschen Fleiß“ zu verdanken, der sollte daran denken, in welcher geo-politische Situation ein solcher Fleiß überhaupt erst Früchte tragen kann; war die DDR weniger fleißig oder weniger deutsch?)

Mein eindruck von der ganzen sendung war der, daß immer noch
eine, zur erbsünde hochstilisierten, schuld auf unserer
generation lastet, was mich verstört hat.
Ist denn jeder, dessen opa in stalingrad war, spross einer
MITTÄTERFAMILIE???
Dürfte dieser opa dann keine veteranenrente beziehen (ein
andere vorwurf, der gemacht wurde)?

Letztere ist natürlich eine diskussionswürdige Frage; genauso wie man fragen kann, ob es sinnvoll ist bei der gedenkenden Erinnerung zwischen „alliierten“ und „deutschen“ Opfern zu unterscheiden, ob es sinnvoll ist so stark im Gedenken zwischen „Dresden“ und „Auschwitz“ zu differenzieren, etc.

Ein Faktum ist es jedenfalls, dass sich die individuelle Schuld der allermeisten „Mittäter“ bei genauer Betrachtung auf ein Minimum reduzieren dürfte.

Ein anderes Faktum ist aber auch, dass wir heute ja auch darauf drängen, z.B. den „Tätern“ in der DDR die Renten nicht anzuerkennen, weil wir deren Ansprüche (zu Recht?) für illegitim halten. Warum also einmal so und ein andermal anders?

Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?

Ach ja, der Schlusstrich-Mythos

Natürlich gibt es immer wieder und zuhauf „Schlusstriche“: internationale Anerkennung der BRD, Wiedervereinigung, Souveränität, europäische Integration, vielleicht bald ein Sitz im Sicherheitsrat, etc.
Das alles sind „Schlussstriche“, und nur ein minimaler Teil derer!

Was aber soll d e r Schlusstrich sein? so etwas wie eine Absolution (womöglich noch wegen der Reparations-Ablass-Zahlungen)?

Wer Politik so dermaßen theologisch denkt, der sollte sich nicht wundern, wenn er das Gefühl bekommt, ihm würde die

erbsünde

aufgedrückt.

Ach ja, hier mag ich mal nicht widerstehen:

Natürlich darf etwas derartieges nie mehr nirgendwo auf der
welt passieren aber mE […]

ein wahrhaft grausliges Argumentationsmuster; wie ernst kann denn ein solcher Satz gemeint sein, wenn er sofort in ein „aber mE“ übergeht?

Viele Grüße
franz

ja wenn der gute Herr Köhler für sich nie einen Schlussstrich ziehen will, dann ist es sein gutes Recht, aber für den gemeinen Bürger kann er da wohl nicht sprechen. Die Geschichte wird irgendwann einen Schlussstrich ziehen in 200 oder 300 oder mehr Jahren, wenn zwischenzeitlich mal ein ´Verrückter paar Atombomben oder mit Chemiewaffen vielleicht mal etliche 100Mio umbgebracht hat, dann wird sich das 3.Reich und seine Opfer relativieren.
Wer redet heute noch über Ruanda? Das ist grad mal 10 Jahre her und in 10 Wochen haben nicht mal die Nazis 1Mio umgebracht, wohlgemerkt nur mit Kaschi und Buschmesser, dafür könnte man der UNO einen Nürnberger Prozess machen. Aber es war dort wohl eine ganz normale Entwicklung, die irgendwann, wenn die Ressourcen für alle nicht mehr reichen, eben eine Selbstregulierung vorsieht. Hab da bei Terranova mal einen Bericht gesehn: von 1948-1994 hat sich dort die Bevölkerung verdreifacht, 1994 hungerten dort 2/3 der Menschen trotz vorheriger Bürgerkriege und Dezimierungen

LG
Mikesch

und lasst euch von den Oberen nicht immer solchen Schwachsinn einreden :wink:

ja wenn der gute Herr Köhler für sich nie einen Schlussstrich
ziehen will, dann ist es sein gutes Recht, aber für den
gemeinen Bürger kann er da wohl nicht sprechen. Die Geschichte
wird irgendwann einen Schlussstrich ziehen in 200 oder 300
oder mehr Jahren, wenn zwischenzeitlich mal ein ´Verrückter
paar Atombomben oder mit Chemiewaffen vielleicht mal etliche
100Mio umbgebracht hat, dann wird sich das 3.Reich und seine
Opfer relativieren.

Wer redet heute noch über Ruanda? Das ist grad mal 10 Jahre
her und in 10 Wochen haben nicht mal die Nazis 1Mio
umgebracht, wohlgemerkt nur mit Kaschi und Buschmesser, dafür
könnte man der UNO einen Nürnberger Prozess machen. Aber es
war dort wohl eine ganz normale Entwicklung, die irgendwann,
wenn die Ressourcen für alle nicht mehr reichen, eben eine
Selbstregulierung vorsieht. Hab da bei Terranova mal einen
Bericht gesehn: von 1948-1994 hat sich dort die Bevölkerung
verdreifacht, 1994 hungerten dort 2/3 der Menschen trotz
vorheriger Bürgerkriege und Dezimierungen

ein Halbsatz über das NS-Regime (Thema des Threads!) und als vermeintliche Erklärung für diese Wortkargheit sechs Zeilen über Ruanda.

und lasst euch von den Oberen nicht immer solchen Schwachsinn
einreden :wink:

Auf Ihr Wohl aufgestoßen, Herr Oberst!

Viele Grüße
franz

Jetzt muss ich auch noch was dazu schreiben um den Zitieranteil zu verringern, als müsste sich in jedem Schlammloch eine Sau wälzen

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Hallo Christian

Hier ist der Punkt, um den es mir eigentlich geht. Man sollte
nicht die JVA eines
demokratisch geeführten Staates, der ein sehr offenes und
verständliches
Strafrecht hat, mit Konzentrationslagern vergleichen. Wenn in
einem Gefängnis „in
kleinem Stil“ gefoltert werden würde, sicherlich würde es
keiner der Anwohner
merken - weil unser Staat Folter nicht zulässt und auch sehr
glaubhaft versichern
kann, dass sie nicht stattfindet (und wenn doch, kommt es
schnell an sich, siehe
der mutmaßl. Metzler-Mörder und der BW-Skandal).

Ich will auch nicht die JVA mit einem KZ vergleichen, sondern nur auf die Unterschiedlichen Rechte der Bevölkerung (Anwohner) in den unterschiedlichen Systemen hinweisen. Im Dritten Reich gab es keine Presse die den Staat kontrollierte, da waren keine öffentlichen Besuche in den Haftanstalten möglich - selbst wenn jemand gewußt hat was in den Haftanstalten läuft, was hätte er tun sollen? Vielleicht eine Demonstration anmelden (wie es heute möglich ist) oder gerichtliche Schritte gegen den Staat einleiten? Wenn er es einen Spitzel weitererzählt hätte, hätte er am nächsten Tag selbst drin gesessen.

Unser Staat ruft auch nicht zum Massenmord auf,

Das wurde im Dritten Reich auch nicht praktiziert - jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur als „Geheime Reichssache“.

schickt keine endlosen Ströme Menschen an einen Ort, von dem
niemand mehr zurück kommt, lässt keine Viehwaggons voller
Menschen durchs Land
fahren,

Wer hätte das bemerken sollen (außer die Koordinatoren selbst)? Die Züge standen bestimmt nicht auf den öffentlichen Bahnhöfen rum oder wurden dort beladen. Jedes Lager hatte einen eigenen Bahnhof. Die großen Vernichtungslager wurden außerdem bewußt außerhalb Deutschlands angelegt (in Polen, Slowenien und dem Baltikum). Die Arbeitslager in Deutschland (Buchenwald, Dachau usw.) entsprachen äußerlich internationalen Standard.

Ich kann nicht glauben, dass es angeblich keiner gewusst hat

Das glaub ich auch nicht - man legt an viele Dinge aber die Maßstäbe eines demokratischen Rechtsstaates.

auch noch der Staat ist, der international hofiert wird, wer
traut sich da schon das Maul aufzumachen?

Na, international hofiert wurde Deutschland nun wirklich
nicht!

Bei der Olympiade 1936 zogen alle Teilnehmer mit „deutschem Gruß“ an Hitler vorbei. Bis zum Kriegsausbruch 1939 waren die Deutschen überall gern gesehen. Selbst die Sowjets waren bis zum Überfall 1941 (zum Ärgernis der KPD) die dicksten Verbündeten Deutschlands. Nach dem gescheiterten Attentat Eilers auf Hitler verurteilten sie die Tat sogar aufs schärfste.

unsere Bundesregierung bittet ja gerade jedes Volk der Erde um
Vergebung für irgendwelche Verbrechen. Ich warte ja noch

nicht in England oder in den Niederlanden zu den Jugendlichen
zu gehen, um mich
bei ihnen zu entschuldigen, aber einem KZ-Häftling, der
überlebt hat, drücke ich

es ging mir auch nicht um die KZ-Häftlinge, sondern um die anderen Genie-Streiche unserer Regierung…

manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer,
Niederländer (und
wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei
Deutschen
entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche
Zivilisten getötet
haben.

es ging mir um die Regierung

drauf, daß wir uns für die Plünderung Roms im Jahre 410
entschuldigen.

Toller Vergleich. Die Germanen haben ja auch so viel mit den
Deutschen zu tun.

Wir sind doch auch Schuld, daß das Osmanische Reich die Armenier umgebracht hat, nur weil wir Verbündete ersterer waren. Da wirst Du dich doch nicht an solchen Lapalien wie die Beziehung der Westgoten zu den deutschen Stämmen stören, oder?

[MOD]: Brett-Thema Geschichte
Liebe Diskutanten und Diskutantinnen (extra für Max:wink:,

das Thema ist ja schon in seiner Fragestellung nicht klar nur dem Brett Geschichte zuzuordnen, sondern steht mit einem Bein im Innenpolitikbrett. Deshalb die deutliche Bitte: Bitte konzentriert euch bei diesem Thread auf den historischen Aspekt des Themas, auf Geschichte , sprich NS-Geschichte und Nachkriegsgeschichte. Die aktuelle Debatte um die Rede von Köhler und einen Schlussstrich oder auch nicht und um aktuelle Politiker führt bitte im entsprechenden Brett. Nicht hier.

Desweiteren bitten wir schonmal prophylaktisch um den fleißigen Austausch sachlicher Argumente:smile:.

Beste Grüße & viel Spaß weiterhin,

barbara [MOD]

IRRTUM!?
Hi,

Bei der Olympiade 1936 zogen alle Teilnehmer mit „deutschem
Gruß“ an Hitler vorbei. Bis zum Kriegsausbruch 1939 waren die
Deutschen überall gern gesehen. Selbst die Sowjets waren bis
zum Überfall 1941 (zum Ärgernis der KPD) die dicksten
Verbündeten Deutschlands. Nach dem gescheiterten Attentat
Eilers auf Hitler verurteilten sie die Tat sogar aufs
schärfste.

Genau dieser teil der doku hat mich am meisten verwundert.
Es wurde berichten, daß die olympioniken mit „deutschem gruß“ die tribüne passierten…
Ich habe das immer so gelernt, daß es sich um den OLYMPISCHEN GRUß handelt, der eben der gleiche ist.
So sind im übrigen '72 auch noch staaten in münchen einmarschiert…

LG Alex:smile:

Nicht ganz
Hallo Alex,

Genau dieser teil der doku hat mich am meisten verwundert.
Es wurde berichten, daß die olympioniken mit „deutschem gruß“
die tribüne passierten…
Ich habe das immer so gelernt, daß es sich um den OLYMPISCHEN
GRUß handelt, der eben der gleiche ist.

Du hast recht, die meisten Teilnehmer grüßten mit dem olympischen Gruß - der Eindruck war aber der von mir Geschilderte. Wenn ich als souveräner Staat mit den Zuständen in Deutschland nicht einverstanden bin (und es war international bekannt, wie die Nationalsozialisten mit ihren politischen Gegnern verfuhren), nehme ich nicht an der Olympiade teil und ziehe erst recht nicht mir deutsch-olympischen Gruß am Führer vorbei.

So sind im übrigen '72 auch noch staaten in münchen
einmarschiert…

Manche Ereignisse sprechen sich ziemlich langsam herum. Auf Sri Lanka wurde der Außenminister letztes Jahr auch noch mit der DDR-Flagge begrüßt.

Hallo,

Ich will auch nicht die JVA mit einem KZ vergleichen, sondern

Die schriebst in etwa „wenn dort gefolter würde, würde es auch keiner bemerken“ -
was durchaus als Vergleich verstanden werden kann. Aber OK, dann habe ich es
falsch verstanden.

Dritten Reich gab es keine Presse die den Staat kontrollierte,
da waren keine öffentlichen Besuche in den Haftanstalten
möglich - selbst wenn jemand gewußt hat was in den
Haftanstalten läuft, was hätte er tun sollen? Vielleicht eine
Demonstration anmelden (wie es heute möglich ist) oder
gerichtliche Schritte gegen den Staat einleiten? Wenn er es
einen Spitzel weitererzählt hätte, hätte er am nächsten Tag
selbst drin gesessen.

Man könnte darüber spekulieren, was wohl gewesen wäre, wenn tatsächlich das ganze
Volk gestreikt hätte, aber das ist müßig und Geschichtsspielerei, die zu nichts
führt. Ich habe in meiner ersten Antwort geschrieben, dass mir diese Problematik
durchaus bewusst ist und ich selbst von mir nicht sagen kann, wie ich damals
reagiert hätte.

Unser Staat ruft auch nicht zum Massenmord auf,

Das wurde im Dritten Reich auch nicht praktiziert - jedenfalls
nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur als „Geheime
Reichssache“.

Das, was die Nazis an Antisemitismus geschürt haben, war praktisch Aufruf zum
Massenmord. Jeder, der damals denunziert hat wird gewusst haben, dass Juden,
Regimekritiker, etc., die er verrät, wie Tiere aus den Häusern gezerrt werden und
für immer verschwinden würden.

Wer hätte das bemerken sollen (außer die Koordinatoren
selbst)? Die Züge standen bestimmt nicht auf den öffentlichen

Dass auf einmal die Nachbarn weg sind, die Besitzer des Ladens um die Ecke, der
freundliche Herr aus dem Kaufhaus? Immer dann, wenn Lastwagen durch die Stadt
rumpelten, schwerbewaffnete Männer Häuser stürmten, schrien, schossen, Scheiben
einwarfen - wer hätte das bemerken sollen…
Ich habe vor einigen Jahren in der Oberstufe mal ein Referat über Euthanasie in
der Rheinischen Landesklinik (Kr. Kleve) gehalten, auch von dort wurden zig
Patienten in KZs gebracht. Und entlang der Bahnstrecke gibt es viele Orte,
Städte, das haben Bahnschienen so an sich, dass sie Ortschaften miteinander
verbinden. Nur wer sich weggedreht hat musste sich nicht anschauen, welche Züge
da fuhren…

Ich kann nicht glauben, dass es angeblich keiner gewusst hat

Das glaub ich auch nicht - man legt an viele Dinge aber die
Maßstäbe eines demokratischen Rechtsstaates.

Darum ging es nicht. Es geht darum, wie wir heute damit umgehen, und wir sind ein
moderner demokratischer Rechtsstaat, der mit dieser Hypothek belastet ist und der
dementsprechend aus seiner Verantwortung heraus auch heute noch zu diesem Erbe
stehen muss.

Na, international hofiert wurde Deutschland nun wirklich
nicht!

Bei der Olympiade 1936 zogen alle Teilnehmer mit "deutschem

Den „olympischen Gruß“ besprichst Du ja gerade schon mit Max, und: 1936 war das
Ausmaß der bevorstehenden Katastrophe vielleicht wirklich noch nicht so
ersichtlich. Wir entschuldigen uns nicht für die Zeit von 1933 bis 1936, sondern
für die Zeit von 1933 bis 1945, und insbesondere für die letzten Jahre, in denen
die Vernichtung des Lebens ihren Höhepunkt erreichte.

es ging mir auch nicht um die KZ-Häftlinge, sondern um die
anderen Genie-Streiche unserer Regierung…

Da bin ich gespannt, was Du meinst.

manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer,
Niederländer (und
wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei
Deutschen
entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche
Zivilisten getötet
haben.

es ging mir um die Regierung

„Wir sind das Volk“ - das Volk ist der Staat, das Volk ist die Regierung. Wir
wählen aus unserer Mitte demokratisch die Vertreter unseres Volkes, also steht
die Regierung stellvertretend für die Menschen des Landes - eben weil sich nicht
jeder persönlich entschuldigen kann.

Gruß
Christian

Hallo Christian,

Das, was die Nazis an Antisemitismus geschürt haben, war
praktisch Aufruf zum
Massenmord. Jeder, der damals denunziert hat wird gewusst
haben, dass Juden,
Regimekritiker, etc., die er verrät, wie Tiere aus den Häusern
gezerrt werden und
für immer verschwinden würden.
[…]
Dass auf einmal die Nachbarn weg sind, die Besitzer des Ladens
um die Ecke, der
freundliche Herr aus dem Kaufhaus?

Der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Deutschlands betrug 0,6%, rechnet man die zu anderen Glaubensrichtungen Konvertierten hinzu kommt man auf ca. 1%. Daraus folgt für mich, daß ein großer Teil der Deutschen (vor allem die Landbevölkerung) gar keinen Kontakt zu ihren jüdischen Mitbürgern hatte. Es ist richtig, daß es Deutsche gegeben hat, die sehr wohl etwas von den Treiben mitbekommen haben, aber das kann man nicht auf alle verallgemeinern.

(Statistiken unter http://www.literad.de)

Ich habe vor einigen Jahren in der Oberstufe mal ein Referat
über Euthanasie in
der Rheinischen Landesklinik (Kr. Kleve) gehalten, auch von
dort wurden zig
Patienten in KZs gebracht. Und entlang der Bahnstrecke gibt es
viele Orte,
Städte, das haben Bahnschienen so an sich, dass sie
Ortschaften miteinander
verbinden. Nur wer sich weggedreht hat musste sich nicht
anschauen, welche Züge
da fuhren…

1.) Gibt es genug Gründe die gegen deine „Wegseher-Theorie“ sprechen:

  • man kann die Züge nachts fahren lassen;
  • selbst bei langsamer Fahrt fällt es schwer die Ladung eines Waggons zu bestimmen;
  • auch damals war es langweilig Züge zu beobachten
    2.) In Deutschland war es eher üblich, die Häftlinge in einem örtlichen Gefängnis oder Neben-KZ zu „sammeln“ und dann gruppenweise mit LKW’s ins KZ zu transportieren. Die von dir beschriebenen Züge transportierten hauptsächlich die Juden Ost- und Südosteuropas (die ja auch den größten Anteil der Opfer tragen) in die Vernichtungslager die ebenfalls dort angesiedelt waren (Treblinka, Auschwitz usw.).

Den „olympischen Gruß“ besprichst Du ja gerade schon mit Max,
und: 1936 war das
Ausmaß der bevorstehenden Katastrophe vielleicht wirklich noch
nicht so
ersichtlich. Wir entschuldigen uns nicht für die Zeit von 1933
bis 1936, sondern
für die Zeit von 1933 bis 1945, und insbesondere für die
letzten Jahre, in denen
die Vernichtung des Lebens ihren Höhepunkt erreichte.

1933 bis 1937 war es noch möglich die Nationalsozialisten zu stürzen. Spätestens 1937 gab es keine ernsthafte Opposition und das Volk war von den gemäßigten Politikern und vom Ausland alleine gelassen.

es ging mir auch nicht um die KZ-Häftlinge, sondern um die
anderen Genie-Streiche unserer Regierung…

Da bin ich gespannt, was Du meinst.

Ich halte die Geschehnisse in den KZ’s für einen perversen, höchst kriminellen Teil der Deutschen Geschichte. Ich halte auch die Todesurteile gegen KZ-Personal, Gauleiter und NS-Bonzen wie Göring und Keitel für gerechtfertigt. Das man jetzt aber so weit geht und einseitig, alleinig und ohne Differenzierung die Schuld für sämtliche Verbrechen der letzten hundert Jahre übernimmt, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Genau wie man beginnt alliierte Kriegsverbrechen zu verharmlosen, auf der anderen Seite aber das Verhalten der Deutschen Seite nach heutigen Maßstäben be-/verurteilt.

manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer,
Niederländer (und
wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei
Deutschen
entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche
Zivilisten getötet
haben.

es ging mir um die Regierung

„Wir sind das Volk“ - das Volk ist der Staat, das Volk ist die
Regierung. Wir
wählen aus unserer Mitte demokratisch die Vertreter unseres
Volkes, also steht
die Regierung stellvertretend für die Menschen des Landes -
eben weil sich nicht
jeder persönlich entschuldigen kann.

Für mich ist es aber ein Unterschied ob sich ein Engländer/ Deutscher entschuldigt oder die englische- / deutsche Regierung. Natürlich ist es ein feiner Zug wenn sich eine Einzelperson entschuldigt – es ist aber unverbindlich und genau so schnell vergessen. Ich habe nichts dagegen die Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten, aber im Moment geschieht das alles viel zu einseitig.

Hallo Spongepop,

Wer hätte das bemerken sollen (außer die Koordinatoren
selbst)? Die Züge standen bestimmt nicht auf den öffentlichen
Bahnhöfen rum oder wurden dort beladen.

Doch - in Berlin waren das die Bahnhöfe Putlitzbrücke in Tiergarten-Moabit und der Bahnhof Grunewald.
Die Juden, die aus Berlin deportiert wurden, wurden nicht nur nachts - wie meist unterstellt wird - sondern meist tagsüber von den Sammellagern durch die Stadt getrieben.
Wer es sehen wollte, der hat es auch gesehen.

Eines der beiden großen Deportationssammellager war in der Großen Hamburger Straße in Berlin-Mitte nicht weit vom S-Bahnhof Hackescher Markt.

Jedes Lager hatte
einen eigenen Bahnhof. Die großen Vernichtungslager wurden
außerdem bewußt außerhalb Deutschlands angelegt (in Polen,
Slowenien und dem Baltikum). Die Arbeitslager in Deutschland
(Buchenwald, Dachau usw.) entsprachen äußerlich
internationalen Standard.

Es gibt vom KZ-Überlebenden Viktor Frankl einen Bericht über seine Erfahrungen „trotzdem ja zum Leben sagen“. Er schildert wie er und andere KZ-Zwangsarbeiter jeden Morgen durch das Dorf Kaufering (Außenlager von Dachau) getrieben wurden. Er kann sich sehr genau daran erinnern, wie sich die Gardinen, hinter denen die Dorfbewohner standen, bewegten.

viele Grüße

Iris

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Der Punkt geht an Dich

„Wir sind das Volk“ - das Volk ist der Staat, das Volk ist die
Regierung. Wir
wählen aus unserer Mitte demokratisch die Vertreter unseres
Volkes

Ja ja, das mußte ich auch einmal auswendig lernen. 9. Klasse Sozialkunde, soweit ich mich erinnere. gg

Hallo Christian!

Das, was die Nazis an Antisemitismus geschürt haben, war
praktisch Aufruf zum
Massenmord. Jeder, der damals denunziert hat wird gewusst
haben, dass Juden,
Regimekritiker, etc., die er verrät, wie Tiere aus den Häusern
gezerrt werden und
für immer verschwinden würden.

DASS viele Juden verschwunden sind, das hat man wohl bemerkt. Von vielen hiess es dann, die seien nach Amerika, heimlich, still und leise. Was bei der Bevölkerung oft wie ein Schuldgeständnis wirkte.
Von denjenigen, die öffentlich oder halböffentlich abgeholt wurden, wusste man, dass sie ins KZ kamen, aber man dachte dabei nicht an körperliche Vernichtung, auch nicht an Vernichtung durch Arbeit. Das waren im öffentlichen Bewusstsein Straflager, zwar hart, aber nicht mörderisch (was z.B. Dachau, das älteste KZ, auch lange Zeit nicht war - ich meine jetzt die Gaskammern etc.)
Angenehm war´s dort sicherlich von Anfang an nicht…mit „Dachau“ wurde auch immer gedroht bzw. Widerspenstigen ins Gewissen geredet…sozusagen. Dachau war also schon was „Besonderes“. So werden wohl auch die anderen KZ´s im Bewusstsein der Bevölkerung gewesen sein: Ein Ort, an den man absolut nicht hin wollte. Gemeinheiten war mann auch gewohnt, schließlich lag der 1.Weltkrieg noch nicht allzu lang zurück, die Militärausbildung damals war auch angefüllt von Erniedrigungen für die Rekruten, entsprechend dürfte man sich die Zustände in einem solchen Lager vorgestellt haben. So richtig pervertiert sind die Wärter auch in Dachau ja erst mit der Zeit, dann aber richtig…
Ich habe auch noch nie von KZ-Häftlingen gehört, die noch zur Nazizeit wieder aus dem KZ entlassen wurden und dann viel davon erzählten - noch ein Grund, warum sich die Bevölkerung v.a. in den späten 30ern und in den 40ern ein falsches Bild von einem KZ gemacht haben dürften.
Die Gründe? Die Ex-Häftlinge waren entweder so eingeschüchtert, dass sie sich nicht trauten, was zu erzählen, oder sie wollten verhindern, wieder ins KZ zu kommen (diesmal womöglich mit ihren Familien), oder sie dachten, dass ihre Geschichten auf ihre Nachbarn unglaubwürdig wirken würden. Oder alles miteinander.

Dazu drei Storys:
Eine ältere Dame aus einem kleinen Dorf bei Eichstätt in Oberbayern hat mir auf die Frage, ob man damals wirklich nichts mitbekommen hätte von den Kz´s, der Judenverfolgung usw., gesagt: „Mei, mit Juden ham mir ja eigentlich nie was zu tun g´habt. Natürlich war´n G´schichten im Umlauf, aber des warn halt G´schichten. Manche G´schichten stimmen, manche net. Und d´Nazi, de ham bei uns sowieso nix zum sag´n g´habt. Der einzige Nazi im Dorf, des war a Depp!“

Ein Bauer aus der Dachauer Gegend: „Natürlich ham mir gesehen, dass da die Züge (er meinte die Kolonnen der Häftlinge) zum Arbeiten nausganga sind und am Abend wieder z´ruckkomma sind und dass de schlecht beieinander waren. Aber mir ham uns dacht, des san halt Häftlinge, de werden scho irgendwas verbrochen ham, für des sie jetzt büssen müssen. Was im KZ selber g´laufen is, des ham mir ja gar net g´wusst. Und die, die´s g´wusst ham, die ham nix g´sagt!“
Zur Ergänzung dieser Aussage noch die Erzählung der Tochter des Mannes, der das KZ Auschwitz mit Gemüse beliefert hat: „Mein Vater musste ja regelmässig ins KZ hinein und hat da natürlich alles gesehen. Uns aber hat er nie ein Wort davon erzählt. Wir haben schon bemerkt, dass er nach dem ersten Besuch ganz still war, und mit der Zeit ist er richtig depressiv geworden, aber er hat nie was erzählt. Wahrscheinlich, um uns zu schützen.“

VG
Christian