Hallöle,
ich werde nächstes Jahr studieren, Wirtschaftsinformatik.
Sehr schön.
Bei den Uni-Recherchen bin ich zufällig mal auf einen
Stundenplan für das erste Semester gestoßen. Und der sah
relativ leer aus.
Erstens, hast Du richtig hingeschaut? Im Gegensatz zur Schule schiebt man an der Uni in der Regel 90-Minuten-Einheiten (2 SWS am Stück).
Zweitens, der Stundenplan ist eventuell nur die Richtschnur mit dem Allernotwendigsten. Hier haben übrigens kleine Universitäten einen Vorteil: Dort bietet man als guten Ton häufig Stundenpläne an, mit denen man ein sehr gutes Studium über die Bühne bringt, und das in Regelstudienzeit (sofern man sich eisern daran hält und nicht wirklich ‚Zwischenfälle‘ geschehen…).
Drittens, hast Du auf das Semester dieses Stundenplanes geachtet?
Im Grundstudium wird wesentlich schneller und härter getaktet, als nach dem Vordiplom.
Nicht, daß Du gar das achte Semester erwischt hast, in welchem die Stundenzahl natürlichweise (auf Grund der anzufertigenden Studienarbeit) geringer ausfällt.
Obwohl ich kein Wirtschaftsinformatiker bin, habe ich aus purer Neugier am Beispiele meiner Uni etwas gestöbert. Wenn ich dort für das 4. Semester ALLE obligaten Fächer auswähle [sicherlich nicht realistisch], lande ich bei über 30 Semesterwochenstunden.
Das ist harter Tobak! Wir in der Elektrotechnik schrubben im allgemeinen so ziemlich am meisten regulär, nämlich 25 bis 28 SWS je Semester (im Grundstudium). Ich könnte daher von einigen sonnigen Tagen berichten, wo ich drinsitzen mußte, weil es einfach zu tun gab.
Darüber hinaus: Uni ist etwas gänzlich anderes denn Schule. Kommt drauf an, an was für Einrichtungen Du bisher warst, aber ich mußte mich im Lernstil tüchtig umgewöhnen; viel mehr Paukerei!
Ich war es auf Grund meines hellen Köpfchens und meines speziellen schulischen Werdeganges nicht im entferntesten gewohnt, Aufwand zu betreiben. Das inzwischen fast hinter mir liegende Studium beurteile ich auch jetzt noch als nicht außergewöhnlich fordernd, ABER Arbeit haben die Typen einem aufgedrückt - Arbeit auf Lichtjahre. Mit Schütteln aus dem Ärmel ist da nichts, wenn man eine Reihe konkreter Aufgaben gelöst vorlegen MUSS (bspw. diverse Belege in Mathematik).
Zu den Laborversuchen unvorbereitet zu erscheinen, war (zumindest in den meisten Fällen) ebenso nicht drin, weil man anfangs in einem mündlichen Testat wortwörtlich auseinandergenommen wurde (teilweise Prüfungsgespräche über 100 Minuten und mehr). Man war also angehalten, halbwegs sattelfest zu erscheinen, ansonsten hatte man schnell eine unfreiwillige und ärgerliche „Freistunde“.
Die Protokolle für die Versuche schreiben sich auch nicht alleine, Prüfungsperiode ist auch irgendwann, in manchen Fächern gibt es Zwischenklausuren, … .
Unterschätze also nicht den Aufwand für Nachbereitungen, sowie „Routinearbeit“, die Du absolvieren mußt.
Hinzu kommt als Faktor dann noch die Gewichtung innerhalb der Wirtschaftsinformatik; Du kannst tendenziell eher in Richtung Informatik gehen, oder eben auch in Richtung Wirtschaftswissenschaften. Programmiersprachen wirst Du auch beherrschen (lernen) müssen für die informatische Modellierung.
Falls Du hier nicht ausreichend vorbelastet bist von der Schule her, oder falls Du aus der „heilen DELPHI-Welt“ kommst und dann den „C-Schock“ erleidest - das kann sich alles niederschlagen in Form von unfreiwilliger, nervenaufreibender Heimarbeit.
Mach Dir daher vor Antritt des Studiums ein möglichst gutes Bild, so daß die Enttäuschung später in Grenzen bleibt. 
MfG