Neffe (19 J.) durchgeknallt (lang) - Hilfe nötig

der Aufnahmearzt hat da gar nichts zu melden. Zwangseinweisung
ist bindend.

Das ist so nicht ganz richtig. Es kommt immer darauf an wie Pat. XY in der Psych. landet. Besonders wenn die Polizei zur Hilfe gerufen wird. Dann entscheidet der Aufnahmearzt ob Pat. XY bleibt oder wieder entlassen wird.

Und bei einer Krise ist das einzige, was primär wichtig ist,
eine angemessene Krisenintervention.

Ja, aber was hier angemessen ist kann aus der Ferne keiner beurteilen. Es gibt noch was anderes als „Zwangsunterbringung“.

Allerdings sind wir das wohl beide durch unsere jew.
beruflichen Erfahrungen geprägt :wink:

Richtig. Mir ist bekannt, dass speziell Rettungsassistenten zu Hau-Ruck-Aktionen neigen :o). Aber manchmal sollte man das z.T. wochenlange Tauziehen und Scheitern von Betroffenen (vorher und hinterher) im Hinterkopf haben.

Mit Grüßen
Simone

der Aufnahmearzt hat da gar nichts zu melden. Zwangseinweisung
ist bindend.

Das ist so nicht ganz richtig. Es kommt immer darauf an wie
Pat. XY in der Psych. landet. Besonders wenn die Polizei zur
Hilfe gerufen wird. Dann entscheidet der Aufnahmearzt ob Pat.
XY bleibt oder wieder entlassen wird.

„Zwangseinweisung“ bedeutet immer „PsychKG“ (oder Äquivalent) bedeutet immer „Amtsarzt“, und dann ist das für 24 Std. bindend. Etwas anderes ist das „Zwangsweise Zuführen zu einer ärztlichen Behandlund“, das kann die Polizei allein, und in dem Fall hört der Zwang in dem Moment der Übergabe an den aufnehmenden Arzt auf.

Sowas kann man machen bei Alkis mit Platzwunde, aber sicher nicht mehr bei einer akuten Suizidgefährdung (die wir hier natürlich bestenfalls annehmen).

Und bei einer Krise ist das einzige, was primär wichtig ist,
eine angemessene Krisenintervention.

Ja, aber was hier angemessen ist kann aus der Ferne keiner
beurteilen. Es gibt noch was anderes als „Zwangsunterbringung“.

Bei akuter Suizidgefährdung? Was denn?

Allerdings sind wir das wohl beide durch unsere jew.
beruflichen Erfahrungen geprägt :wink:

Richtig. Mir ist bekannt, dass speziell Rettungsassistenten zu
Hau-Ruck-Aktionen neigen :o).

Das liegt in der Natur der Sache. Rettungsdienst besteht ausschließlich aus Akut(be-)handlung.
Darin sind wir Profis, von allem anderen haben wir nur wenig Ahnung :smile:

Aber manchmal sollte man das
z.T. wochenlange Tauziehen und Scheitern von Betroffenen
(vorher und hinterher) im Hinterkopf haben.

Wenn da nicht schnell was passiert, gibt’s im Zweifel kein „hinterher“ mehr.
Einen Kreislaufstillstand behandelt man auch nicht mit Bachblüten unter den Fußsohlen, sondern mit harten Medikamenten und Elektroschocks.

Sicher, Psyche ist was anderes, aber meinst Du nicht, dass gerade bei nykes Beschreibung, dass der junge Mann in jüngerer Vergangenheit „noch rumzureißen“ war, ein Rausholen aus seinem Sumpf in eine neutrale Umgebung sinnvoll sein könnte?

Ein stabiler Freundeskreis oder solch ein Familienumfeld könnte das vielleicht auch leisten, aber das scheint eher nicht gegeben…

Gruß,

Malte.

so langsam ot

Etwas anderes ist das „Zwangsweise Zuführen zu einer
ärztlichen Behandlund“, das kann die Polizei allein, und in
dem Fall hört der Zwang in dem Moment der Übergabe an den
aufnehmenden Arzt auf.

Ja… eben. Sach ich doch „Es kommt drauf an wie Pat YX in der Psych landet“.

Sowas kann man machen bei Alkis mit Platzwunde, aber sicher
nicht mehr bei einer akuten Suizidgefährdung (die wir hier
natürlich bestenfalls annehmen).

Wir wissen nicht, wer was für „akut“ hält. Die Gefahr, dass der Schuss nach hinten losgeht halte ich im beschrieben Fall für sehr gross.

Bei akuter Suizidgefährdung? Was denn?

Im o.g. Fall mag ich das nicht beurteilen. Aber manchmal können viele helfende Hände eine Menge bewirken… Freunde, Lehrer, Pastor, Familienangehörige.

Das liegt in der Natur der Sache. Rettungsdienst besteht
ausschließlich aus Akut(be-)handlung.
Darin sind wir Profis, von allem anderen haben wir nur wenig
Ahnung :smile:

tsssssss… wer sagt denn sowas ? :o)

Ich antworte jetzt mal aus rein praktischer Erfahrung. So wie nyke die Situation beschreibt glaube ich nicht, dass er (wenn überhaupt) 24 Std. in der Klinik bleibt. Branden hat es knapp aber treffend formuliert: „Mutter durchgeknallt“. Dieses Bild wird er auch in der Psych liefern. Ein noch nicht erwachsender aufmüpfiger 19jähriger, der gegen seine aufopfernde, hysterische Mutter rebelliert. Er ist schneller wieder draussen, als Muttern lieb ist.
Ja, er braucht Hilfe. (Darum meine erste Antwort aus der Sicht einer Mutter. Was nyke und die Familie jetzt machen können.)

Sicher, Psyche ist was anderes, aber meinst Du nicht, dass
gerade bei nykes Beschreibung, dass der junge Mann in jüngerer
Vergangenheit „noch rumzureißen“ war, ein Rausholen aus seinem
Sumpf in eine neutrale Umgebung sinnvoll sein könnte?

Psychiatrie ist nicht neutral.

Ein stabiler Freundeskreis oder solch ein Familienumfeld
könnte das vielleicht auch leisten, aber das scheint eher
nicht gegeben…

Ist für mich noch nicht völlig abwegig. Es gibt zumindestens noch nyke und ein paar Leute die zumindestens wissen wo er sich aufhält

Mit Grüßen
Simone

Hi Nyke,

er ist 19 und Mama bezahlt noch seine Handyrechnung???

Pubertäre Auflehnung gegen eine übermächtige Familienstruktur passiert früher oder später - bei ihm anscheinend später.

Je mehr die Familie klammert, desto mehr wird er sich abgrenzen müssen, um eine eigene Identität zu finden.

Was man an diesem Punkt noch tun kann? Entweder die harte Tour, die Malte schildert. Oder, so hart es klingt: Loslassen. Stellt ihm die restlichen Sachen auch noch in den Wald. Vielleicht kommt er dann von selber wieder zurück. Solange Mama und Papa drängeln und kritisieren und alles besser wissen, sicher nicht. Da wäre ich auch gegangen.

Alles Gute für den Jungen,
Nike

huhu,

Was da passiert, ist folgendes:

  1. Er kann sich nicht einfach umbringen.
  2. Er zumindest für die Zeit an einem Ort, wo er für die
    Familie mehr oder weniger(!) „greifbar“ ist.
  3. Nach 24 Stunden wird entschieden, wie es weitergeht. Die
    Familie hat also Zeit, mehr anzuschubsen, falls das gewünscht
    ist. Was daraus wird, hängt natürlich auch maßgeblich davon
    ab, wie er sich präsentiert.

mal ein paar gedanken dazu. allerdings sind das nur meine gedanken - ich will das nicht als absolut oder richtig hinstellen - ich bleibe bei meiner frueheren aussage.

wenn ich mich von der bruecke stuerzen will, suche ich ne bruecke.
wenn ich mich vom zug ueberrollen lassen will, suche ich mir schienen(die genutzt werden)
wenn ich mich erhaengen will, gehe ich in den wald???wo alle aeste, die mich tragen koennten, so hoch sind, dass ich ne leiter braeuchte.
naja, ich koennte in einen ast reinrennen, waere aber ziemlich anstrengend.
also meine gedanke, was koennte er im wald tun, was er nicht zuhause koennte.

sich mit absicht zu verletzen ist eine sache, das passiert oefters als man das vermuten mag - bei freunden und bekannten - sich umzubringen eine andere.

meiner meinung nach befindet er sich im moment ueberhaupt nicht in gefahr, da er frei ist. das erste mal seit 19 jahren plappert keine mutter irgendwas, keine regel, an die er sich halten muss und keine gezwungenheit, der er unterliegt, weil sonst die nachbarn schlecht denken koennten.ein genervter 19-jaehriger, der von zuhause wegwill, sich aber nicht getraut.

er wird nachdenken, er wird hunger haben, er wird sicher selbstmordgedanken haben…aber mehr als gedanken werden da nicht draus. er fragt sich, was er machen soll und er fragt sich, warum ihn niemand ernst nimmt. aber die flucht hat fuer mich klar bewiesen, dass er in der lage ist, einen ausweg zu finden, ohne gewalttaetig zu werden.im gegenteil - er hat angst davor, gewalttaetig zu sein - er will das gar nicht, sonst haette er seine mutter ja verpruegelt.

er muesste geistesgestoert oder verrueckt sein, wenn er seinen selbstmord im wald plant. seine reaktion war eher eine kurzschlusshandlung, wuerde ich meinen.

ich habe einen cousin, der das auch in der gleichen weise gemacht hat.der ist zwar kein gothie, aber das hat in erster linie nichts damit zutun. er hatte einfach die nase voll von seiner mutter - die soll ziemlich anstrengend sein…er fluechtete in den naechstgelegenen wald…genau da war naemlich seine mutter nicht, die ihn staendig nervte.

aber wie gesagt, ich kann mich auch irren … ich wollte nur eine moeglichkeit, eine denkweise, die er haben koennte, zeigen. nur ein psychotherapeut kann sehen, wo das problem liegt bzw. muss man die personen(die die greifbar sind - eltern) eben kennenlernen, um alles zu verstehen.

naja…viel glueck den betroffenen…
mfg:smile:
rene

1 „Gefällt mir“

der Stand der Dinge
Hi,

ich habe mir jetzt alle Postings durchgelesen (viel Stoff) und möchte einige Fragen, die indirekt hier aufgekommen sind, beantworten.

  1. Handy und Mutter:
    Richtig, der Vertrag läuft auf seine Mutter, aber bezahlen muss er selber. Dass der Vertrag auf sie läuft, liegt einfach in der Tatsache, dass er bei Vertragsabschluss noch nicht volljährig war und er sich bis dato nicht um die Umschreibung gekümmert hat.

  2. Durchsuchen des Zimmers:
    Hier muss man erwähnen, dass die Mutter regelmäßig in das Zimmer muss, da der Kerl ein Messi ist und sich in seinem Zimmer bereits nach einer Woche Berge von Müll befinden. Was sich dort alles ansammelt, ist teilweise richtig gefährlich.
    Hier kann ich der Mutter nur Recht geben, zumal es im Haushalt noch zwei kleinere Geschwister gibt und es nicht sein kann, dass einer alles verkommen lässt.

  3. Mutter durchgeknallt:
    Nein - ganz im Gegenteil! Sie macht sich zwar große Sorgen (welche Mutter tut das nicht), aber sie hat jetzt eine Entscheidung für sich getroffen (mit der die restliche Familie übrigens übereinstimmt). Ich ziehe vor dieser Entscheidung den Hut, denn ich halt sie für riskant.

  4. Familie klammert:
    Nein, ganz im Gegenteil. Der junge Herr konnte sich immer so frei bewegen, wie er wollte. Es gibt ungeschriebene Grenzen (keine Waffen, keine Drogen, keine Gewalt), die er zwar immer mal überschritten hat (wer tut das nicht), aber ansonsten gab es in der Familie keine Probleme.

  5. Arzt:
    Als er 6 Jahre alt war, starb seine Schwester. Es war für die ganze Familie eine große Tragödie. Als die Mutter bemerkte, dass ihr Sohn das nicht verarbeiten konnte, hat sie sich psychologische Hilfe für ihn geholt. Er ging regelmäßig hin und unabhängig davon, weshalb er eigentlich dort hin ging, hat der Psychologe der Mutter damals schon gesagt, dass er irgendwann richtige Probleme bekommt.
    Mit 14 litt er in der Schule unter Mobbing der schlimmsten Art. Die Mutter war diejenige, die ihn da heraus holte und dafür sorgte, dass er die schlimmen Erlebnisse mit psychologischer Unterstützung abarbeiten konnte. Und wieder kam die Aussage, dass der junge Kerl nur sehr schwer zugänglich sei, unbequeme Fragen einfach an sich abprallen ließ und nur das annahm, was ihm in den Kram passte.

Ich habe gestern den Abschlussbericht des Psych. gelesen. Er bezog sich u. a. auf die familiäre Situation (in diese damals 2-jährige Therapie wurde die Familie miteinbezogen) und dort stand wörtlich: Besondere Anmerkung: Ich habe selten eine solch intakte und stabile Familiensituation erlebt. Herr und Frau XXX leben ein sehr freundliches und offenes Miteinander und sind für ihre Kinder eine zuverlässige und wichtige Hilfe.

  1. Freundin hat Schluss gemacht:
    Das hat die Freundin der Mutter per SMS mitgeteilt. Wörtlich (inkl. Fehler): ich mach Schluß mit den und dann macht er sich tot. mir ist egal er geht zu allah.
    Die Mutter weiß nicht, woher die Freundin ihre Mobilnummer hat.
    Mehr Worte sind hierzu wahrlich nicht nötig.

Und nun zur Entscheidung der Eltern:
Die Eltern haben entschieden, dass sie ihn nicht zurückholen werden und zwar teilweise aus den Gründen, die von euch hier genannt worden sind. Wenn man ihn zum Zurückkommen zwingt, dann wird das Leben innerhalb der Familie zu einem wirklichen Chaos und gleichzeitig hat man dann vielleicht eine tickende Zeitbombe im Haus, die auf „normalem“ Weg nicht zu entschärfen ist.
Die Mutter sagte mir, dass er für sein Leben selber verantwortlich ist. Er hat viel Mist gebaut und sie haben ihm immer geholfen, aber nun ist der Bogen überspannt. Sie sagt, dass sie nicht nur ein Kind hat und dass die anderen Beiden ein Recht auf ein Leben ohne Angst haben. Wenn der Große meint, er müsse sich das Leben nehmen, dann wäre das – wenn er es macht – ein Tragödie, doch das Leben kann er sich überall nehmen, auch zu Hause.
Sie sagte ganz klar, dass er sich für diesen Weg entschieden hat und auch wenn es ihr nicht gefällt, wird er nun diesen Weg gehen müssen. Wenn er aus freien Stücken zurückkommen will, dann darf er das gerne tun. Sollte er aber der Meinung sein, dass er die Familie weiterhin tyrannisieren kann, dann hat er sich getäuscht. Sie ist nicht länger bereit, den ganzen Mist zu schlucken.

So ist der Stand der Dinge im Moment und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich den Hut vor den Eltern ziehe.

Ich danke euch für die (für mich) teilweise sehr hilfreichen Informationen. Hätte ich in dieser Angelegenheit etwas zu entscheiden, würde ich mich Maltes Meinung anschließen, aber ich kann nur hilfreich zur Seite stehen - mehr nicht.

mg
nyke

Mooo-ment
Hi Nyke,

Und nochmal. :smile:

  1. Handy und Mutter:
    Richtig, der Vertrag läuft auf seine Mutter, aber bezahlen
    muss er selber. Dass der Vertrag auf sie läuft, liegt einfach
    in der Tatsache, dass er bei Vertragsabschluss noch nicht
    volljährig war und er sich bis dato nicht um die Umschreibung
    gekümmert hat.

Du mußt Dich - oder die Mutter - nicht verteidigen. Es geht darum, zu ergründen, woran das Verhalten des Jungen überhaupt liegen könnte. Ansonsten könnte man sagen „Dann hätte Mama den Vertrag ja einfach kündigen können, wenn er sich nicht um die Umschreibung kümmert“, aber, wie gesagt: Darum geht’s nicht.

  1. Durchsuchen des Zimmers:
    Hier muss man erwähnen, dass die Mutter regelmäßig in das
    Zimmer muss, da der Kerl ein Messi ist und sich in seinem
    Zimmer bereits nach einer Woche Berge von Müll befinden. Was
    sich dort alles ansammelt, ist teilweise richtig gefährlich.
    Hier kann ich der Mutter nur Recht geben, zumal es im Haushalt
    noch zwei kleinere Geschwister gibt und es nicht sein kann,
    dass einer alles verkommen lässt.

Ein Grund mehr, nicht etwa das Zimmer zu durchsuchen, sondern ihn einfach vor die Tür zu setzen.

  1. Familie klammert:
    Nein, ganz im Gegenteil. Der junge Herr konnte sich immer so
    frei bewegen, wie er wollte. Es gibt ungeschriebene Grenzen
    (keine Waffen, keine Drogen, keine Gewalt), die er zwar immer
    mal überschritten hat (wer tut das nicht), aber ansonsten gab
    es in der Familie keine Probleme.

Entschuldigung, aber ich habe immer noch nicht den Eindruck, als sei das so. Eine Familie kann auch klammern und dominant sein, wenn sie dem Küken alle Freiheiten gewährt - manchmal gerade dann.

  1. Arzt:
    Als er 6 Jahre alt war, starb seine Schwester. Es war für die
    ganze Familie eine große Tragödie. Als die Mutter bemerkte,
    dass ihr Sohn das nicht verarbeiten konnte, hat sie sich
    psychologische Hilfe für ihn geholt. Er ging regelmäßig hin
    und unabhängig davon, weshalb er eigentlich dort hin ging, hat
    der Psychologe der Mutter damals schon gesagt, dass er
    irgendwann richtige Probleme bekommt.

??? Ähm, der Psychologe sagte das, aber niemand unternahm etwas dagegen? Oder wie darf man das verstehen?

Mit 14 litt er in der Schule unter Mobbing der schlimmsten
Art. Die Mutter war diejenige, die ihn da heraus holte und
dafür sorgte, dass er die schlimmen Erlebnisse mit
psychologischer Unterstützung abarbeiten konnte. Und wieder
kam die Aussage, dass der junge Kerl nur sehr schwer
zugänglich sei, unbequeme Fragen einfach an sich abprallen
ließ und nur das annahm, was ihm in den Kram passte.

Nochmals Entschuldige, aber ich finde, das klingt mehr und immer mehr nach einer dominanten, übermächtigen Familie. :confused:

Ich habe gestern den Abschlussbericht des Psych. gelesen. Er
bezog sich u. a. auf die familiäre Situation (in diese damals
2-jährige Therapie wurde die Familie miteinbezogen) und dort
stand wörtlich: Besondere Anmerkung: Ich habe selten eine
solch intakte und stabile Familiensituation erlebt. Herr und
Frau XXX leben ein sehr freundliches und offenes Miteinander
und sind für ihre Kinder eine zuverlässige und wichtige Hilfe.

Kein Kind gerät einfach durch einen eigenen bösen Kern komplett auf die schiege Bahn. Sicher können der Tod der Schwester und das Mobbing in der Schule Dinge sein, die maßgeblich für das „Kippen“ zuständig sind. Aber gerade Deine vehemente Verteidigung, daß mit Mama und Papa alles, aber auch wirklich ALLES in ALLERBESTER Ordnung sei, geradezu Friede, Freude, Eierkuchen… DAS stinkt. Ehrlich.

  1. Freundin hat Schluss gemacht:
    Das hat die Freundin der Mutter per SMS mitgeteilt. Wörtlich
    (inkl. Fehler): ich mach Schluß mit den und dann macht er sich
    tot. mir ist egal er geht zu allah.
    Die Mutter weiß nicht, woher die Freundin ihre Mobilnummer
    hat.
    Mehr Worte sind hierzu wahrlich nicht nötig.

Stimmt - denn mit der eigentlichen Krisensituation hat diese Sache nur sehr periphär zu tun.

Und nun zur Entscheidung der Eltern:
Die Eltern haben entschieden, dass sie ihn nicht zurückholen
werden […]

Stimmt. Vor allem, wenn kleinere Kinder mit im „Spiel“ sind.

So ist der Stand der Dinge im Moment und ich muss ganz ehrlich
gestehen, dass ich den Hut vor den Eltern ziehe.

Ja, in diesem Falle tue ich das auch. Dennoch wäre es wichtig, mal zu reflektieren, wie es dazu kommen konnte. Auch um der kleineren Kinder willen

Ich danke euch für die (für mich) teilweise sehr hilfreichen
Informationen. Hätte ich in dieser Angelegenheit etwas zu
entscheiden, würde ich mich Maltes Meinung anschließen, aber
ich kann nur hilfreich zur Seite stehen - mehr nicht.

Gern geschehen. Wie oben gesagt, ich will Dich nicht angreifen. Aber Außenstehenden fallen eben manchmal Dinge auf, die man selber nicht bemerkt - darum hast Du ja auch hier gepostet, nehme ich an. :smile: Und diese Dinge fielen mir eben auf.

Danke, daß Du ein Update gepostet hast, es wäre schön, wenn wir hören könnten, wie es weiter geht.

Ich wünsche dem Jungen und der ganzen Familie, daß er sich wieder fängt und es schafft, neu anzufangen.

Liebe Grüße,
Nike

Hallo,

Ich danke euch für die (für mich) teilweise sehr hilfreichen
Informationen. Hätte ich in dieser Angelegenheit etwas zu
entscheiden, würde ich mich Maltes Meinung anschließen, aber
ich kann nur hilfreich zur Seite stehen - mehr nicht.

vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich finde die Reaktion der Mutter (was ist eigentlich mit dem Vater, von dem las ich noch gar nichts?) auch riskant, aber mutig… Ich weiß nicht. Irgendwie sträube ich mich dagegen, auch aus ähnlichem Grund wie Nike - von all dem, was Du schriebst her, mag ich nicht glauben, dass da eine superintakte, tolle Familie existiert.

Kinder werden nicht von alleine so, der Junge ist zwar mittlerweile 19 und bestimmt sein Leben weitgehend selbst, aber die Weichen wurden offenbar schon viel früher gestellt. Wenn die Eltern diese Gelegenheit nicht nutzen, um auch sich selbst und ihr Verhältnis zu all ihren Kindern massiv in Frage zu stellen, wird das nix.

Meine Skizzierung der „harten Tour“ ist zudem nur eine _Möglichkeit_ - ob es die richtige hier ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, wir stecken da alle nicht drin. Außerdem ist es nur eine Lösung für 24 Stunden, danach muss es weitergehen!

Achja, und was DU noch tun kannst: Du kannst das Ganze aufmerksam beobachten, und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Je nachdem, wie Dein eigenes Verhältnis zu dem Jungen ist und Deine eigene Situation könntest Du bspw. ihm den dezenten Hinweis zukommen lassen, dass Du als Ansprechpartner zur Verfügung stehst, explizit möglichst neutral zwischen ihm und den Eltern. Es kann kaum was Gutes sein, wenn der Junge irgendwann aus Hunger o.ä. zerknirscht ins elterliche Heim zurückkehrt und dann nix großes weiter passiert, lass’ das nicht zu.

Alles wie üblich unter dem „Ferndiagnose-Vorbehalt“.

Gruß,

Malte

huhu,

  1. Durchsuchen des Zimmers:
    Hier muss man erwähnen, dass die Mutter regelmäßig in das
    Zimmer muss, da der Kerl ein Messi ist und sich in seinem
    Zimmer bereits nach einer Woche Berge von Müll befinden. Was
    sich dort alles ansammelt, ist teilweise richtig gefährlich.

Hier kann ich der Mutter nur Recht geben, zumal es im Haushalt
noch zwei kleinere Geschwister gibt und es nicht sein kann,
dass einer alles verkommen lässt.

hierzu faellt mir noch der satz ein: was sollen denn die nachbarn denken.

das mit dem messi ist so ne sache. meine mutter hat taetsaechlich benutzte kondome auf meinem fussboden weggeraeumt…als ich 20 war…da ich wusste, dass ich bald ausziehe, war mir das egal.aber schon aus dem grund, weil ich genau wusste, dass sie mein zimmer aufraeumt, habe ich es nicht getan.
sie haette dann naemlich nach der kontrolle etwas bemaengelt und mir gesagt, dass das unsauber waere. also wozu die haende schmutzig machen.

seine mutter scheint vom selben kaliber zu sein.

man nennt das privatsphaere. die hat seine mutter(aus aufraeum-/ordungssucht oder kontrollsucht - was auch immer) bei weitem ueberschritten

  1. Familie klammert:
    Nein, ganz im Gegenteil. Der junge Herr konnte sich immer so
    frei bewegen, wie er wollte. Es gibt ungeschriebene Grenzen
    (keine Waffen, keine Drogen, keine Gewalt), die er zwar immer
    mal überschritten hat (wer tut das nicht), aber ansonsten gab
    es in der Familie keine Probleme.

ich sehe das genau als problem. man braucht grenzen. waffen,drogen und gewalt sind straftatbestaende, die polizeilich verfolgt werden. das hat ueberhaupt nichts mit ungeschriebenen grenzen zu tun.

  1. Arzt:
    Als er 6 Jahre alt war, starb seine Schwester. Es war für die
    ganze Familie eine große Tragödie. Als die Mutter bemerkte,
    dass ihr Sohn das nicht verarbeiten konnte, hat sie sich
    psychologische Hilfe für ihn geholt. Er ging regelmäßig hin
    und unabhängig davon, weshalb er eigentlich dort hin ging, hat
    der Psychologe der Mutter damals schon gesagt, dass er
    irgendwann richtige Probleme bekommt.

toller psychologe…in der rolle eines wahrsagers. mit anderen worten hat die mutter, um ihm das leben nicht noch schwerer zu machen, gegengesteuert und ihm alle moeglichen freiheiten gelassen.

Mit 14 litt er in der Schule unter Mobbing der schlimmsten
Art. Die Mutter war diejenige, die ihn da heraus holte und
dafür sorgte, dass er die schlimmen Erlebnisse mit
psychologischer Unterstützung abarbeiten konnte. Und wieder
kam die Aussage, dass der junge Kerl nur sehr schwer
zugänglich sei, unbequeme Fragen einfach an sich abprallen
ließ und nur das annahm, was ihm in den Kram passte.

Ich habe gestern den Abschlussbericht des Psych. gelesen. Er
bezog sich u. a. auf die familiäre Situation (in diese damals
2-jährige Therapie wurde die Familie miteinbezogen) und dort
stand wörtlich: Besondere Anmerkung: Ich habe selten eine
solch intakte und stabile Familiensituation erlebt. Herr und
Frau XXX leben ein sehr freundliches und offenes Miteinander
und sind für ihre Kinder eine zuverlässige und wichtige Hilfe.

widerspricht das nicht dem satz, dass der sohn einmal probleme haben wird?

Die Mutter sagte mir, dass er für sein Leben selber
verantwortlich ist. Er hat viel Mist gebaut und sie haben ihm
immer geholfen, aber nun ist der Bogen überspannt. Sie sagt,
dass sie nicht nur ein Kind hat und dass die anderen Beiden
ein Recht auf ein Leben ohne Angst haben. Wenn der Große
meint, er müsse sich das Leben nehmen, dann wäre das – wenn er
es macht – ein Tragödie, doch das Leben kann er sich überall
nehmen, auch zu Hause.
Sie sagte ganz klar, dass er sich für diesen Weg entschieden
hat und auch wenn es ihr nicht gefällt, wird er nun diesen Weg
gehen müssen. Wenn er aus freien Stücken zurückkommen will,
dann darf er das gerne tun. Sollte er aber der Meinung sein,
dass er die Familie weiterhin tyrannisieren kann, dann hat er
sich getäuscht. Sie ist nicht länger bereit, den ganzen Mist
zu schlucken.

ich glaube, mehr wollte der sohn auch gar nicht…er will endlich selbst verantwortung haben und sich nicht andauernd vor der mami rechtfertigen, die so „freundlich“ ist und ihm alles nachraeumt.

sie hat meiner meinung nach eine richtige entscheidung getroffen.

ob er zurueckkommt, wird wohl von zeiner zukunft abhaengen.

mfg:smile:
rene

huhu,

vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich finde die Reaktion der
Mutter (was ist eigentlich mit dem Vater, von dem las ich noch
gar nichts?)…

das liegt daran, dass die mutter die faeden in hand haelt, um eine „intakte“ familie bewahren.

mir lag die frage auch auf der zunge…aber da ich meine mutter und die mutter meines cousins kenne, habe ich mir die frage erspart.

Mit 14 litt er in der Schule unter Mobbing der schlimmsten
Art. Die Mutter war diejenige, die ihn da heraus holte und
dafür sorgte, dass er die schlimmen Erlebnisse mit
psychologischer Unterstützung abarbeiten konnte. Und wieder
kam die Aussage, dass der junge Kerl nur sehr schwer
zugänglich sei, unbequeme Fragen einfach an sich abprallen
ließ und nur das annahm, was ihm in den Kram passte.

Nochmals Entschuldige, aber ich finde, das klingt mehr und
immer mehr nach einer dominanten, übermächtigen

Familie. :confused:

korrektur: mutter

sie macht es aber nicht mit der peitsche, sondern mit dem zuckerbrot. weil es anstrengend ist, andere zu ueberzeugen, die dann vielleicht doch nicht das machen, was man will, macht man es lieber gleich selbst.

Aber gerade Deine
vehemente Verteidigung, daß mit Mama und Papa alles, aber auch
wirklich ALLES in ALLERBESTER Ordnung sei, geradezu Friede,
Freude, Eierkuchen… DAS stinkt. Ehrlich.

ich dachte, vielleicht denke ich nur zu viel, aber genau das kam mir auch in den sinn…da stimme ich zu.

1 „Gefällt mir“

bisschen off topic
Hi

„Aber gerade Deine vehemente Verteidigung, daß mit Mama und Papa alles, aber auch wirklich ALLES in ALLERBESTER Ordnung sei, geradezu Friede, Freude, Eierkuchen… DAS stinkt. Ehrlich.“

Da fällt mir Hermann Hesses Siddharta ein. Er war auch so, dass er seinen Sohn liebevoll, offen und freundlich erziehen wollte, der Sohn aber immer ungehorsam und trotzig war. Siddharta musste irgendwann kapieren, dass er seinen Sohn gehen und Erfahrungen machen lassen musste - auch, wenn er ins „gefährliche Milieu“ geraten könnte - ich glaube, er fürchtete, der Sohn würde kriminell.
Sein Sohn hat den Vater immer gehasst - er hatte neben dem guten, offenen, stets duldsamen und verständnisvollen Vater immer das Gefühl, schlecht zu sein.

Das fiel mir nur so ein - zu einer absolut intakten Familie. Ist kein Vorwurf oder Besserwisserei!

Malna

1 „Gefällt mir“

Hi Malna,

Da fällt mir Hermann Hesses Siddharta ein. […]

Das Buch habe ich früher sehr gerne gelesen.

Und ja, Du hast Recht. Genau das meinte ich. Eine Familie kann ZU perfekt, ZU weichgespült sein. Manchmal ist die Harmonie so groß, daß die Fähigkeit verloren geht, Konflikte zu erkennen.

Sein Sohn hat den Vater immer gehasst - er hatte neben dem
guten, offenen, stets duldsamen und verständnisvollen Vater
immer das Gefühl, schlecht zu sein.

Ja, das hast Du sehr gut formuliert. Zu große Perfektion nimmt dem Gegenüber die Chance, sich zu entwickeln, über sich selbst herauszuwachsen und auch mal selbst der (moralisch gesehen) Gute zu sein.

Das fiel mir nur so ein - zu einer absolut intakten Familie.
Ist kein Vorwurf oder Besserwisserei!

Hätte ich auch nie so aufgefaßt.
Alles Liebe,
Nike

Chapeau…
…ist auch meiner Meinung nach die einzig rechte Entscheidung - für alle.

Auch ‚Chapeau‘ für Deinen fehlerfreien Beitrag - Danke!

Aloha - digi