Negative Ereignisse positiv umdichten

Liebe/-r Experte/-in,

ich habe viele schlimme Dinge erlebt. Manchmal denke ich mir aber auch, wie es positiv hätte ablaufen können.

Das geht so weit, daß ich ein negatives Ereignis einfach umdichte und mich als Gewinner dastehenlasse und das so oft, daß ich anderen diese Geschichte erzähle weil ich selbst daran glaube. Manchmal kommt dann aber auch der Gedanke, daß ich mir etwas vormache.

Ich habe mir die Vor-, und Nachteile überlegt.

Vorteile:

  • Ich quäle mich nicht mit ständigem „Hätte ich doch“, denn ich „habe ja getan, was getan werden mußte“.
  • Wenn ich anderen erzähle, wie mir etwas gelungen ist, bin ich beliebter als über Fehlschläge zu erzählen. Erzähle ich bspw. einer Frau ich sei Jungfrau, wirkt das eher zum Nachteil als wenn ich sage, daß es schon den ein oder anderen Partner in meinem Leben gab.
  • Erzähle ich einem Mann, ich habe Kampferfahrung wirkt das besser als wenn ich sage, ich gehe jeder Konfrontation aus dem Weg, mit mir kann man machen, was man will.
  • Denke ich, ich bin aus jeder Schlägerei siegreich hervorgegangen, strahle ich Selbstbewußtsein aus, das künftige Schlägereien verhindert.
  • Gehe ich als Autodidakt in eine Verhandlung mit Gelehrten und sehe ich mich als Gelehrten, wirke ich souveräner und überzeugender.

Nachteile:

  • Ich fühle mich in falscher Sicherheit. Sage ich mir, ich habe ein Studium geschafft, funktioniert das noch bei anderen, fällt aber in sich zusammen sobald eine Firma mein Diplom sehen möchte.
  • Sehe ich Menschen, die mich früher verletzt haben wieder kann es sein, daß ich ihnen freundlich entgegentrete, frage wie die Wunde bspw. verheilt ist, während tatsächlich ich die Wunde erhalten habe.

Wie seht ihr das? Nur hilfreiche Antworten.

Liebe Bramah Buddha,

das klingt sehr nachvollziehbar, was Du an Vor- und Nachteilen beschreibst. So etwas kenne ich aus Traumatherapien. Du schreibst ja auch, dass Du viel Schlimmes erlebt hast. Es könnte hilfreich sein, mit einer Traumatherapie die Wunden vernarben zu lassen. Hier könntest Du entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten finden:

http://www.degpt.de/suche.html

Trifft das Deine Frage so in etwa? Kannst Dich gerne wieder melden.

Beste Grüße
Lea

Hallo,
was Du beschreibst, ist eine Überlebensstrategie, die jeder Mensch benutzt. Vorausgesetzt, er verfügt über eine gewisse Intelligenz, denn für diese Strategie muss man ja in Alternativen denken können.
Kritisch wird es erst, wenn Du dabei die Bodenhaftung verlierst, aber da Du ja selbst die Folgen Deiner Strategie in Alternativen bewertest, kann das bei Dir nicht passieren.
Ich schlage Dir vor, Deinen Schatz von Überlebensstrategien zu vergrößern. Zum Beispiel, Dich zusätzlich nach den Beweggründen zu fragen von Dir und vom anderen. Also: Warum legt der andere so großen Wert darauf, mit einer Jungfrau zu reden? Was sagt das über ihn? Will ich denn einen engeren Kontakt mit einer solchen Person? Wenn ich mich solchen eigentlich mir fremden Forderungen anpasse, warum glaube ich, das tun zu müssen? Welche stressfreie Alternative habe ich?
Du sagst gleich eingangs, Du hast viele schlimme Dinge erlebt. Du könntest doch auch einmal testen, was einer dazu sagt, wenn Du von diesen schlimmen Dingen das eine oder andere berichtest, so wie es war. Dann merkst Du ganz schnell, wer Dein Freund ist und wer nicht.
Bitte sage mir, ob meine Antwort hilfreich für Dich war. Gern spreche ich auch weiter mit Dir.
lg, Luisa

Hallo Bramah,
ich kann Deine Frage in Deinem Text nicht recht erkennen, da Du nur nach einer Meinung fragst und das ist ja eigentlich egal, was ich über das denke, was Du schreibst.
Was ist Dein Ziel, wo soll es hingehen und wie soll ich Dir dabei helfen?
Ja klarer Du Deine Frage formulierst, dessto klarer werden die Antworten kommen - aber ich bin mir nicht socher, ob D das üb erhaupt willst, weil Du ja eher zum „Verschleinern“ neigst.

VG, mavi

Zum Beispiel, Dich zusätzlich nach den
Beweggründen zu fragen von Dir und vom anderen. Also: Warum
legt der andere so großen Wert darauf, mit einer Jungfrau zu
reden? Was sagt das über ihn? Will ich denn einen engeren
Kontakt mit einer solchen Person? Wenn ich mich solchen
eigentlich mir fremden Forderungen anpasse, warum glaube ich,
das tun zu müssen? Welche stressfreie Alternative habe ich?

Der andere legt genau keinen Wert darauf, mit einer Jungfrau zu reden.

Du sagst gleich eingangs, Du hast viele schlimme Dinge erlebt.
Du könntest doch auch einmal testen, was einer dazu sagt, wenn
Du von diesen schlimmen Dingen das eine oder andere
berichtest, so wie es war. Dann merkst Du ganz schnell, wer
Dein Freund ist und wer nicht.

Er hört mir nicht zu, es interessiert ihn nicht. Es scheint daran zu liegen, daß du eine Frau bist weil du das nicht verstehst. Das ist keine Beleidigung. Überlege dir, du redest mit einem Mann. Eine Frau will entweder mit mir schlafen oder nichts mit mir zu tun haben. Männer-Frauen-Freundschaften, bei denen die Frau WIRKLICH Interesse an mir hat, gibt es nicht. Und in Beziehungen fühlt sich eine Frau nicht sicher, wenn ich ihr erzähle, was früher war. Aber warum erzähle ich dir das, du weißt es doch bereits selbst, wenn du ehrlich bist, oder?

Bitte sage mir, ob meine Antwort hilfreich für Dich war. Gern
spreche ich auch weiter mit Dir.
lg, Luisa

Ich unterstelle dir nichts. Aber deine Antwort scheint aus einer eingeschränkten weiblichen Sichtweise zu kommen, einer Naivität, die ich mir als Mann nicht leisten kann.

Hallo,

ich sehe du machst dir sehr viele gedanken über deine eigene person und das du die vor- und nachteile für dich persönlich analysierst finde ich sehr gut.
>>>meine fragen an dich:
hast du echte freunde oder menschen denen du vertraust?
hattest du eine unbeschwerte kindheit?
wurdest du als kind geliebt oder mußtest du um zuneigung kämpfen?
wie alt bist du?
wie geht es dir, wenn du anderen und dir was vormachst?
hast du schon mal über dein problem erzählt?
ich könnte eine unmenge an fragen stellen aber ich bin keine psychotherapeutin sondern habe viel lebenserfahrung und weiss daher, dass der mensch unbelastet geboren wird und im laufe des lebens von allen äußeren umständen geformt wird.
ich könnte dir jetzt und hier auch deine verhaltensweisen und das warum schon analysiern und gründe nennen aber es wäre schön, wenn du meine fragen kurz mit ein paar sätzen beantworten würdest.
jeder mensch flunkert mal etwas oder möchte auch mal gern im mittelpunkt stehen aber wenn dies zum mittelpunkt deines lebens ja sogar zum selbstbetrug wird, dann kann ich dir nur sagen: das leben holt jeden menschen irgendwann wieder ein und dann wird es sehr schmerzhaft die realität zu sehen und zu leben.
duschreibst, dass du dich in vielen belangen dann besser fühlst und ein gestärktes selbstbewußtsein entwickelst. auf der einen art ist das auch zweiseitig zu sehen, denn es kommt immer darauf an wie du danach damit zurecht kommst und vieles mehr.
so, dass soll es erst mal für jetzt sein.
ich freu mich auf deine antwort.
PS. ich hatte zum beispiel keine schöne kindheit und das leben hat mich schmerzlich eingeholt aber ich habe zu meinem richtigen ich gefunden und kann ich sein.

Lieber Bramah Buddha,

ich denke, Du hast schon fast alle Aspekte erwähnt, die bei der Beantwortung der Frage berücksichtigt werden müssten.

Zunächst kann man sich ja fragen, welchem Zweck überhaupt unserer Erinnerung an vergangene Ereignisse dient. Sehr nahe liegend erscheint mir die Auffassung, dass uns die Erinnerung in die Lage versetzt, unser zukünftiges Handeln zu optimieren.

Wenn ich schon einmal 1000 Schritt vom Dorf einen Busch mit leckeren Beeren gefunden habe, dann lohnt es sich vielleicht, wieder dorthin zu gehen.

Als ich an der Wasserstelle einem Löwen begegnet bin, als ich dort in der Abenddämmerung hin kam, hätte der mich fast erwischt. Zukünftig werde ich nicht mehr in der Abenddämmerung dorthin gehen, sondern nur noch in der Mittagszeit.

Als mich das merkwürdige Tier mit dem Stachel am Schwanz gestochen hat, habe ich hohes Fieber gekommen und habe gedacht, ich müsste sterben. Ich werde zukünftig sofort einen großen Stein nehmen, wenn ich ein solchen Tier sehe und es erschlagen.

Oder so ähnlich.

Zutreffende Erinnerungen können also sicher sehr nützlich sein. Welchen Vorteil könnten unzutreffend positive Erinnerungen haben? Oder vielleicht auch unzutreffend positive Selbsteinschätzungen?

Wenn ein Angehöriger der Mayi-Mayi davon überzeugt ist, dass ihn das Zauberwasser unverwundbar macht, dann wird er im Kampf den Tod nicht fürchten und besonders wagemutig sein. Das dürfte so in etwa dem entsprechen, was Du über das gesteigerte Selbstbewusstsein geschrieben hast, dass aus einer positiven „Umdichtung“ resultieren kann. Der (auch unrealistisch) selbstbewusste Typ man bei den Mädels besser ankommen (ganz sicher tut er das!), als der von Selbstzweifel zerfressene „Loser“.

Aber, wie Du schon gesagt hast, wer seine eigenen „Umdichtungen“ glaubt, läuft Gefahr, aus den „Niederlagen“ nichts hinzu zu lernen - immer wieder in denselben Situationen aufgrund derselben Fehler auf die Schnauze zu fallen.

Meine Meinung: So lange Du Deine Umdichtungen nicht als Realität nimmst, sehe ich da gar kein Problem - dann kann das einfach total tröstlich sein. Gefahren sehe ich dagegen in einem Realitätsverlust. Ich denke, der kann Dir langfristig nicht nützen, sondern wird Dir eher schaden.

Glückauf!

Prokrustes

Meine Meinung: So lange Du Deine Umdichtungen nicht als
Realität nimmst, sehe ich da gar kein Problem - dann kann das
einfach total tröstlich sein. Gefahren sehe ich dagegen in
einem Realitätsverlust. Ich denke, der kann Dir langfristig
nicht nützen, sondern wird Dir eher schaden.

Genau darum geht es. Stell dir vor du bist 80 und liegst im Sterben. Und stell dir vor, du stellst dein Leben dar als hättest du nur Erfolg gehabt. Was kann dir das schaden?

Ich verstehe bspw. nicht, daß man alten Leuten realitätsbezugsverlust unterstellt. Ich denke bei denen ist genau das im Gange. Sie schaffen sich eine Welt, die ihnen gefällt.

Erzähl mehr von dir, beantworte deine Fragen. Ich möchte wissen, wem ich etwas von mir erzähle.

Grüße

Ich weiß nicht, ob das tatsächlich bei SO vielen alten Leuten der Fall ist. Aber ich stimme Dir zu: Klar, es fühlt sich sicher besser an, auf ein verfälscht-erfolgreiches, als auf ein real-verpfuschtes Leben zurückzuschauen.

Aber Du bist doch noch keine 80, oder? Ich weiß ja nicht, ob Du die Beispiele in Deiner Anfrage völlig aus der Luft gegriffen hast oder ob darin zumindest ein klitzekleines Kernchen Wahrheit steckt (im Sinne von: „Von Bramah Buddha selbst so erlebt“). Und die Frage, die sich der Psychologe stellt, wäre dann wohl, ob Du nicht besser anstreben solltest „Deinen Frieden“ mit Dir und Deinem bisherigen Leben zu finden, als Dir eine Traumwelt zu schaffen, in der immer alles ganz prima war.

Prokrustes

Laß deinen Psychologen tief in dir verweilen, sage ihm „nein-nein“, wenn er rauskommen möchte. Sag ihm, jetzt reden Erwachsene, das ist nichts für Psychologen.

Lieber Bramah Budda,
schon Dein Pseudonym hat mich zum googeln veranlasst. Die Ergebnisse sind interessant und vielleicht auch für Dich hilfreich, wenn Du sowieso nicht schon Experte für Dein Pseudonym bist.
Ich kann Dir leider nicht konkret weiter helfen, da Deine Ausführungen insgesamt so allgemein gehalten sind. Was sind für Dich schlimme Dinge, negative Erlebnisse usw.? Eine positive Umdeutung im Sinne von: "Es hätte ja auch noch viel schlimmer kommen können … und ich lebe, kann hilfreich sein. Wichtig ist aber, diese Umdeutung dann aber auch so stehen zu lassen und nicht jeden Tag neu zu hinterfragen, ob es noch andere Möglichkeiten gegeben hätte oder noch gibt. Ich weiß, das ist jetzt genau so unkonkret, aber vielleicht kannst Du es für Dich und Deine Erfahrungen hin konkretisieren.
zum Schluss bleibt auch für mich die Frage, ist das eine hilfreiche Antwort?

Das ist aus meiner Sicht insofern „richtig“, weil die Wissenschaft ohnehin sagt, dass „Biographie narrativ konstruiert“ wird (Rainer Keupp) - sprich: Wir erleben unsere eigene „Geschichte“ und wie wir Dinge benennen und logisch verbinden, die wir so erleben, ändert sich mit der Zeit und mit der Art, wie wir es erzählen.
Entscheidend scheint mir zu sein, dass man:

  1. selbst nicht vergisst, wie man die Dinge zu seiner Zeit erlebt hat - auch wenn man sie heute anders sieht (und erzählt)
  2. bei „Notlügen“ oder „kleinen Abweichungen vom objektiven Ablauf“ im Blick behält, wo man schummelt
  3. nicht andere vorsätzlich in die Pfanne haut, wenn man selber „Schuld“ war
  4. die Dinge nicht völlig anders darstellt, als sie „wirklich“ gewesen sind (wer kein Diplom hat, kann auch keines zeigen; wer mehrfach behauptet, er/sie wäre gerade entjungfert worden, kann von aufmerksamen und gut vernetztenMenschen schnell der Lüge überführt werden)

Also: Biographie-Tuning ist ein normaler Prozess, auch weil man die Dinge später einfach anders sieht - vorsätzliches Irreleiten von einem selbst und anderen führt früher oder später in peinliche Situationen, zu Vertrauensverlust oder psychischer Verwirrtheit.

Lieben Gruß.