Nervensägen - wie geht man um?

Hallo ihr alle,
das ist zwar nicht ganz das passende Brett, aber ich habe auch kein passenderes gefunden.
Ich habe ein Problem, das mich in letzter Zeit doch sehr beschäftigt.
Wer kennt sie nicht? Die Nervensägen. Meine Nervensäge ist eine Kollegin, mit der ich gezwungenermaßen viel Zeit verbringen muss und darüber hinaus noch Freizeit mit mir verbringt, da sie Freunde hat, die auch meine Freunde sind.
Diese Person redet ununterbrochen von sich, weiß alles (besser), kennt jeden. Zu jedem Thema kennt die Person etwas aus eigener Erfahrung.
Manchen Kollegen kommt sie nett vor, weil sie interessiert rüberkommt (ich nenne das ausfragen), aber wer sie länger kennt, merkt, dass sie nicht wirklich all das erlebt haben kann, was sie vorgibt. Ich habe oft das Gefühl, dass sie wirklich lügt.
Und ein weiteres Problem ist in letzter Zeit, dass sie Konversationen an sich reißt und ich, obwohl sonst sehr kommunikativ, kaum noch an Gesprächen unter Kollegen teilhaben kann (das geht anderen auch so).
Meine Frage jetzt: Was tun?
Aus dem Weg gehen kann ich ihr nicht. Direkt sagen: Was genau? Das sind eben so viele Punkte. Außerdem will ich ja nicht das Arbeitsklima ruinieren.
Ignorieren (also ihre Geschichten nicht kommentieren, überhören, demonstrativ nicht von der Arbeit aufschauen) funktioniert nicht.
Ich wäre sehr dankbar über Vorchläge!
Es grüßt
Samara

keine angst vor zurückweisung
hi,

du wirst nicht drum herumkommen, klar und direkt zu kommunizieren, wenn dir deine laune lieb ist.

es erfordert jedoch übung, jemanden zurückzuweisen oder sich abzugrenzen, ohne aggressiv zu wirken. in unserer gesellschaft wird meistens solange geschluckt, bis man irgendwann platzen muss.

wähle eine günstige situation, einen günstigen ort, eine günstige zeit und wähle diplomatische worte, um auszudrücken, was du wünschst. es muss nur klar und eindeutig sein, die info muss kurz rüberkommen und wenig diskussion eröffnen. gehe aber davon aus, dass das auch bei optimalem gelingen keine garantie für einen nerv-stop ist, viele leute sind einfach grenzüberschreitend und akzeptieren zurückweisungen nicht.

die nötigen kommunikationsregeln findest du in jedem buchhandel für unter 10 € meterweise. ein beispiel:
http://www.amazon.de/Kommunikation-Besser-verstehen-…

Hallo Samara,

einen Kunstgriff wie „man umgeht“ damit habe ich nicht, und ich denke auch, dass sowas nicht hilft. Aber ich nehme gerne an Deiner Situation teil, und gebe ein paar Ideen wider, die ich dazu habe.
Ich glaube, dass man seine Mitmenschen aus den unterschiedlichsten Perspektiven sehen kann. Für Dich ist sie eine oberflächliche Nervensäge, für andere ein unterhaltsamer Mitmensch. Wenn sie schon Dein Nervenkostüm erreicht hat (um bei dem Bild zu bleiben), warum ist sie Dir überhaupt unter die Haut gegangen? Hast Du sie anfangs anders gesehen, und mit der Zeit, in der Ihr Euch besser kennengelernt habt, hat sie Dich enttäuscht? Das irritiert und verärgert, so würde es mir gehen. Das hätte zum Beispiel ein Ausgangspunkt sein können, um sich zurückzuziehen und nur noch auf oberflächliche Unterhaltung mit ihr einzugehen. Wie wichtig ist es für Dich ihren Histörchen zu glauben. Wenn Dir ihre zur Schau gestellten Allroundkenntnisse zu suspekt vorkommen, dann denke das nächste Mal laut und nicht voller Ablehnung im Stillen - alphas Vorschlag mit dem offenen Wort finde ich gut.
Du mußt ja keine große Ansprache machen, aber mit einem „was Du immer nur so zu erzählen hast…“ und einem skeptischen Gesichtsausdruck hast Du schon mal eine Saat gesäht, die ihr die Chance gibt, festzustellen, dass Du nicht unbedingt ein dankbarer Zuhörer bist.
Mit jemanden zusammenzuarbeiten, mit dem man nicht Freund sein kann, ist nicht ungewöhnlich. Das, glaube ich, kennen die meisten von uns. Und jeder hat so seine Methoden entwickelt mit dem Kollegen auszukommen.

Und ein weiteres Problem ist in letzter Zeit, dass sie
Konversationen an sich reißt und ich, obwohl sonst sehr
kommunikativ, kaum noch an Gesprächen unter Kollegen teilhaben
kann (das geht anderen auch so).

Wahrscheinlich ist Deine Kollegin grundsätzlich sehr unsicher und muss unbedingt für reichlich Publikum sorgen, um nicht an dem Gefühl unbedeutend zu sein zu leiden. Wie gehen Deine Kollegen damit um? Sicher gibt es für Dich noch andere Möglichkeiten, bei denen Du Dich mit Deinen Kollegen alleine und in Ruhe austauschen kannst.
Wenn Du etwas für Deine „nervige“ Kollegin tun willst, dann gib ihr hin und wieder einen Tipp, wenn sie über das Ziel hinaus schießt. Sowohl ihr als auch Dir ist nicht damit gedient, sie beliebig reden zu lassen und du störst Dich im Stillen daran, mit allen dazu gehörigen Konsequenzen für Deine Kollegin - bei dem Gedanken an die Folgen empfinde ich ein wenig Mitleid für sie. Wenn sie Deine kritischen Hinweise nicht annehmen mag, dann ist das ihre Sache.
Jeder von uns hat so seinen persönlichen Raum, in den nicht Jeder reingelassen wird. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass man den Unerwünschten abwerten muss, wenn er sich grenzverletzend verhält. Eine Zurückweisung reicht. Wenn Du Deine Kollegin nicht mehr als „Nervensäge“ betitelst und für sie eine gewisse positive oder wenigstens neutrale Einstellung entwickelst, dann bist Du schon mal auf einem guten Weg für die Lösung Deines Problems
wünscht Dir
Maelle

Authentisch kommunizieren

Meine Frage jetzt: Was tun?
Aus dem Weg gehen kann ich ihr nicht. Direkt sagen: Was genau?
Das sind eben so viele Punkte. Außerdem will ich ja nicht das
Arbeitsklima ruinieren.

Wie fühlst Du Dich im Kontakt mit ihr?
Hast Du ihr schon mal diplomatisch gesagt, wie es Dir im Kontakt mit ihr geht?
Das Dich zB das viele Reden anstrengt, oder das Dich manche Themen nicht interessieren, oder …
Und hast Du ihr schon gesagt, was DU Dir wünscht?

el_condor

Danke erst einmal Euch allen!

einen Kunstgriff wie „man umgeht“ damit habe ich nicht, und
ich denke auch, dass sowas nicht hilft. Aber ich nehme gerne
an Deiner Situation teil, und gebe ein paar Ideen wider, die
ich dazu habe.

Darüber bin ich natürlich auch froh!

Hast Du sie anfangs anders gesehen, und mit

der Zeit, in der Ihr Euch besser kennengelernt habt, hat sie
Dich enttäuscht?

Nun ja, anfangs habe ich sie „neutral“ gesehen. Nicht wie „super nett, das könnte meine allerbeste Freundin werden“, aber ich war noch nicht genervt. Das kam mit der Zeit, als ich langsam jede zweite Geschichte schon auswenig kannte. Vielleicht ist es mir auch nur mehr aufgefallen- ich weiß nicht.

Wie wichtig ist es für Dich:ihren Histörchen zu glauben.

Gar nicht; interessiert mich ja nicht, selbst wenn sie alle wahr sind. Ob sie jetzt wirklich einen Onkel, den Löwenbädniger, in Tanzania hat oder nicht beeinträchtigt mich in meinem Lebenr recht wenig. Das ist eher ein Stirnrunzelfaktor, kein Genervtseinfaktor.

Du mußt ja keine große Ansprache machen, aber mit einem „was
Du immer nur so zu erzählen hast…“ und einem skeptischen
Gesichtsausdruck hast Du schon mal eine Saat gesäht, die ihr
die Chance gibt, festzustellen, dass Du nicht unbedingt ein
dankbarer Zuhörer bist.

Ja, sowas ind ie Richtung wurde mir schon häufiger geraten, aber ich käme mir dabei gemein vor.
Ich denke auch, dass sie wirklich viel Bestätigung von außen braucht und habe auch versucht immer zu denken, dass sie es nicht böse meint, sondern so eben ist, aber es nervt mich irgendwann dennoch.

Wie gehen Deine:Kollegen damit um? Sicher gibt es für Dich noch andere

Möglichkeiten, bei denen Du Dich mit Deinen Kollegen alleine
und in Ruhe austauschen kannst.

Die, die enger mit ihr zusamenarbeiten und mit denen ich mehr zu tun habe, erzählen mir von ähnlichen Erfahrungen. Die, denen sie nur einmal die Woche irgendwas erzählt, empfinden sie als offen und nett. Was sie auch ist. Sie ist wirklich kein Mensch, der absichtlich andere „ärgert“ und selbst ihre Ausfragerei ist sicher nett gemeint, aber wie gesagt, ich (und auch andere) empfinde das manchmal zu extrem.

Wenn Du

Deine Kollegin nicht mehr als „Nervensäge“ betitelst und für
sie eine gewisse positive oder wenigstens neutrale Einstellung
entwickelst, dann bist Du schon mal auf einem guten Weg für
die Lösung Deines Problems

Um es nochmal zu betonen, wir verstehen und als Kollegen schon, reden auch normal und so, lachen mal miteinander und sie ist in erster Linie meine Kollegin; den Titel Nervensäge wählte ich eher als Aufhänger. Aber eben weil sie auch nett ist, weiß ich, dass ich ihr schonend etwas Zurückhaltung beibringen sollte, aber ich habe Angst, sie zu verletzten oder wenigstens die doch eher positive Arbeitsatmosphäre zu zerstören.
Werde dennoch Deine Tipps beherzigen und es mal in Ruhe ansprechen.
Danke.

Viele Grüße
Samara

Hallo!

Wenn Du Angst hast sie zu verletzen mit zuviel Offenheit…dann könntest Du doch auch ein Gespräch wählen, in dem Du Deine Unsicherheit als Thema machst!??

Du könntest doch mal unter 4 Augen ansprechen, daß es schwer für Dich ist…denn manchmal würde Dich das Nerven kosten- aber Du möchtest sie eben nicht verletzen!

Wenn man mit nem „eigenen Problem“ ankommt…auch, wenn der andere damit gemeint ist…-- dann wirkt man doch was defensiver…als wenn man offensiv den anderen nur bekrittelt!

Mag sein, sie ist dagegen dann immun…
Aber eine Möglichkeit wäre es doch vielleicht??

Ist doch auch ein Vertrauensbeweis, wenn einer ankäme - würde sagen, daß man mit dem Verhalten überfordert ist…wenn man nur bei sich bleibt (andere gleiche Meinungen nicht erwähnt)…- und so dem anderen vielleicht mal die Möglichkeit gibt ohen direkten Angriff über sich nachzudenken…

Vielleicht wäre ja auch der Hinweis- das andere sich gar nicht trauen anzufangen zu erzählen…-- ne Idee…

Sind nur mal kurze Überlegungen von mir…
Wie sie ist- ob Du das so machen könntest…musst Du selber entscheiden und vielleicht sagst Du aber auch, daß der Weg gar nciht gehen würde…

viel Glück
kitty