nervöse Katze

Hallo Katzenfan-Gemeinde,

wir haben seit fast einem Jahr zwei Katzendamen. Wir holten die Beiden aus dem Tierheim. Es war so, das die Kleine erst 4-5 Wochen alt war und wir (nicht nur deswegen) eine zweite, ca. 8 Wochen alte Katze dazu nahmen. Beide sind nach wie vor körperlich und charakterlich sehr verschieden. Während die Große sich uns gegenüber „ganz normal“ verhält(Begrüßung, streicheln, spielen, schmusen, brummeln usw.), wirkt die Kleine immer verstört und erschreckt. Sie mag keine Streicheleinheiten, läßt sich nur ganz ungern hoch nehmen, frißt hektisch, buddelt die Blumentöpfe aus und kommentiert auch noch jede Handlung mit lauten Tönen. Die Kleine ist auch körperlich wesentlich kleiner als die Große. Manchmal dominiert die Große die Kleine und verjagt sie, manchmal übernimmt sie die Mutterrolle und leckt sie usw. Beide sind reine Wohnungskatzen.
Was kann man denn tun, um die Kleine doch noch ein bisschen an uns zu gewöhnen?
Danke für Eure Tipps.

Hallo Toni!

Daß die Kleine so viel kleiner ist, kann zweierlei Ursachen haben. Zum einen ist sie viel zu früh von ihrer Mutter und Milchquelle getrennt worden - mindestens 8 Wochen, besser 12 sollten sie sein - und zum zweiten kann sie einfach zu einem kleineren Schlag gehören. Vielleicht auch beides! Der Streß mit Euch und mit der anderen hilft dann natürlich auch nicht zu einem streßfreien „Groß-werden“.
Um sie zahmer und zutraulicher zu kriegen, kannst Du eigentlich nur immer wieder viel mit ihr spielen, sie aus der Hand füttern, Dich rücksichtsvoll und zurückhaltend geben. Das ist häufig aber auch einfach eine Charakterfrage. Meine Mutter hat auch so ein Nervenbündel - es hat fast 2 Jahre gedauert, bis sie sich festhalten ließ, ohne einen zu fressen. Impfen war die reine Freude, von Zecken will ich gar nicht reden :wink:
Mittlerweile schläft Katze aud ihren Füßen!
Übrigens würde ich, wenn ich mit der Kleinen spiele, die Große etwas draußen lassen. Sonst reißt die wahrscheinlich das Spiel an sich und der Effekt für die Kleine ist Frust und Ärger!
Das Hochnehmen würde ich üben…
Kurz auf den Arm nehmen, Katze selber wieder absetzen und dann ein Leckerchen - sie braucht nicht lange zu bleiben, es gibt was Gutes und sie bekommt etwas Aufmerksamkeit - vielleicht hilft’s!
Ich wünsche Euch noch viel Spaß und Erfolg mit den Monstern!

Archie

Hallo Toni,

versuche dich in die Katze reinzufühlen. Hört sich jetzt super blöd an, ich weiß. Beobachte sie und versuche rauszufinden was ihr gut tut. Gehe behutsam auf sie ein. Das ist nicht ganz einfach und braucht viel viel Geduld.

Wir haben zwei Kater zu hause. Die beiden sind Brüder und inzwischen 5 Jahre alt. Der eine ist ein ziemlicher Haudegen, ziemlich kräftig und recht mutig. Der andere ist viel schmächtiger als sein Bruder und von Anfang an ängstlich und schreckhaft gewesen. Wir haben die beiden dementsprechend unterschiedlich behandelt. Mit dem ängstlichen Kater gehen wir sehr viel behutsamer um. Heute ist er schon wesentich mutiger als früher, da er gelernt hat, er kann sich in unserer Umgebung sicher fühlen. Er holt sich inzwischen seine Streicheleinheiten ausgiebig ab, immer dann wenn er Lust hat. Ein nettes Beispiel ist, dass er sich, wenn er in Ruhe essen möchte, mich dazu holt. Dann weiß er, dass der Große ihn nicht vertreibt.

Ich bin nicht jemand, die ihre Haustiere verwöhnt oder wie Kinderersatz behandelt. Ich finde dennoch, dass man auf die unterschiedlichen Karraktere der Tiere eingehen muss. Ob dir das jetzt weiter hilft, weiß ich nicht :wink:

Gruß

Phoebe

Hallo Toni,

wir hatten auch so eine sehr ängstliche Katze. Was bei der geholfen hat, war vor allem Zurückhaltung. Sobald jemand die Hand nach ihr ausstrckte oder auf sie zuging, war sie schon weg. Wenn man sie ganz in Ruhe ließ dann kam sie aber auch her und ließ sich anfangs ganz vorsichtig streicheln.
Am Besten verstand die Mieze sich mit einer älteren Frau, die überhaupt keine Katzen anfassen mochte. Die Beiden haben sich dann sehr vorsichtig angenähert und am Schluß war es so, daß die Frau sich nur aufs Sofa setzen mußte, dann lag die Katze auf ihrem Schoß oder an sie angekuschelt und ließ sich kraulen.

Viele Grüße
HylTox

Hallo,

die scheue Katze hatte vermutlich in der Prägephase keinen positiven Menschenkontakt. Kommt sie vielleicht von einem Bauernhof oder ist Nachkomme von verwilderten Hauskatzen? Das würde auch den etwas kümmerlichen Wuchs erklären.

In meinen FAQs habe ich zu dem Thema folgendes:

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass wenn Katzen nicht bis zu einem gewissen Alter (3-5 Wochen) positiven Menschenkontakt erfahren haben, sie meist nicht so zutraulich werden. Das äußert sich dann häufig darin, dass sie nicht hochgehoben/festgehalten werden wollen. Viel Geduld, Zurückhaltung und Ruhe können auch den wildesten Wildling handzahm machen.

Katzen mögen es nicht, wenn man sie bedrängt, es ist viel besser, wenn die Katze auf den Menschen zugeht. Wenn man genügend Geduld hat, wird das auch passieren. Man kann sich unterstützend den Spieltrieb (oder die Fresslust) der Katze zu Nutze machen.

Wenn die neue Katze noch sehr schüchtern erscheint, behalten Sie sie am besten nur in einem Zimmer. Plazieren Sie Futternapf, Wassernapf, Schlafplatz und Katzenklo in 4 verschiedene Zimmerecken. Bedrängen Sie das Tier nicht, sondern setzen Sie sich etwas entfernt auf den Boden und sprechen Sie leise mit dem Tier. Sie können z.B. etwas aus einem Buch vorlesen. Wenn die Katze dann auf Sie zukommt, greifen Sie nicht gleich nach ihr sondern lassen Sie sie sich erst mal beschnuppern. Dann halten Sie ihr die Finger hin, sie wird dann wahrscheinlich mit dem Kopf daran reiben.

Wenn sie etwas mehr Vertrauen gefasst hat, würde ich mir den Spieltrieb zu nutze machen. Nehmen Sie am besten noch keine Spielzeugmaus oder so, das ist zu groß und würde ihr Angst machen. Am besten ist ein langer Schnürsenkel oder ein Stück Paketschnur. Solche Schnüre sollten aber nicht im Zimmer herumliegen, wenn Sie nicht da sind, da Katzen sie verschlucken könnten, also nach dem Spiel wegräumen.

Weitere Tipps zum Thema junge Katzen:

* geben Sie hochwertiges Futter. Wechseln Sie hin- und wieder die Marke und Sorte, damit sie nicht wählerisch wird
* wenn sie sich ein bisschen eingewöhnt hat, stellen Sie sie dem Tierarzt Ihrer Wahl vor. Es ist besser, der Tierarzt sieht das Tier auch mal im gesunden Zustand und man kann die Reaktion des Tieres auf den Arztbesuch mal testen, ohne dass es so dringend ist
* überfordern Sie die Katze nicht, es ist immer besser wenn die Katze auf Sie zugeht als andersherum
* gewöhnen Sie sie frühzeitig an einen Kratzbaum. Kratzen an Möbeln und Tapeten dürfen Sie nicht tolerieren. Wenn Sie sie auf frischer Tat erwischen, reicht ein deutliches „Nein“ und dann tragen Sie sie zum Kratzbaum
* benutzen Sie Ihre Hände nicht zum Beutespiel (z.B. unter der Decke), so dass die Katze danach jagt. Wenn sie noch klein ist, mag das lustig sein, wenn sie ausgewachsen ist, ist es nicht mehr lustig. Bringen Sie ihr bei, beim Spielen die Krallen drin zu lassen.

Gruß,

Myriam