Liebe/-r Experte/-in,
Guten Tag,
kann sich eine Fußheberschwäche dadurch ergeben, dass sich der Nervus Peronaeus unterkühlt hat. Dies klingt vielleicht albern, aber ich habe diese Schwäche (zu Beginn mit heftigen Schmerzen im Gesäß) seit dem 4.3.11, nachdem ich bei sehr kaltem NO-Wind beim Radfahren zu dünn angezogen war. Die Schmerzen sind verschwunden, die Schwäche geblieben.
Ist also eine Unterkühlung als Ursache denkbar oder völlig unmöglich?
Danke!
Hallo Bernhard,
die Fußheberschwäche kann durchaus Folge einer Schädigung des N. peronaeus sein. Die Schädigung ist üblicherweise aber mechanisch/kompressiver Art. In der Regel handelt es sich um Druck auf den Nerven am Wadenbeinköpfchen, dort ist er kaum geschützt. Kälte als Auslöser halte ich für unwahrscheinlich - es müssten dabei mehrere Nerven geschädigt sein. Warum sollte der N. peronaeus selektiv durch die Kälte betroffen sein?
Der Gesäßschmerz deutet eher auf eine Beteiligung des N. ischiadicus hin. Dieser besteht aus zwei Anteilen: dem N. tibialis und dem N. peronaeus. Nun ist letzterer auch besonders empfindlich, so dass er bevorzugt durch Druck infolge längeren und ungewohnten Radfahrens geschädigt werden kann. Da das Ereignis lange genug zurückliegt, kann ein EMG (Untersuchung der einzelnen Muskeln mit dünnen Nadel) Klarheit bringen. Dabei sollte vor allen geschaut werden, ob der kurze Kopf des M. bizeps femoris betroffen ist und möglicherweise auch andere Muskeln beteiligt sind, was einer oberflächlichen klinischen Untersuchung entgehen kann. Wäre so etwas der Fall, würde das für eine Entzündung des Beckengeflechtes sprechen und die Fußheberschwäche wäre dann nur die Spitze des Eisbergs.
Sie sollten sich in jedem Fall neurologisch vorstellen, eine Neurografie und ein EMG machen lassen. Nur anhand dieser Befunde kann man das Schädigungsmuster beurteilen und die Prognose (vollständige Erholung bei fehlendem axonalem Schaden und ungefähre Zeitdauer) abschätzen.
Gruß
Die Schmerzen sind verschwunden, die Schwäche geblieben.
Ist also eine Unterkühlung als Ursache denkbar oder völlig unmöglich?
Nichts ist unmgöglich, aber ich denke eher an eine Kompression der L 5 Wurzel durch die Bandscheibe. Eine neurologische Untersuchung ist hier wohl nicht zu vermeiden.
N. Peroneus-Schädigung
Hallo Bernhard,
zu Deiner eigentlichen Frage: Da der Sollwert der Körperkerntemperatur, der auch die großen Nerven unter-
liegen, bei Deiner Fahrradtour sicherlich gehalten werden konnte (vielleicht setzte auch schon die Gegenre-
gulation mit Wärmegewinnung in Form von Frieren, Zittern
ein), spricht nichts für eine Kälteschädigung. Was noch mehr dagegen spricht, ist der plötzliche!! Beginn mit
Schmerzen in der Gesäßgegend (versorgt vom N. Ischiadicus!), die immer für eine Wurzel-
schädigung (die erste Srecke ausserhalb des
Rückenmarkes)sprechen. Du wirst ausser der Fußheberschwäche noch andere motorische Lähmungserscheinungen und vielleicht auch Sensibili-
tätsstörungen haben. Es spricht sehr viel dafür, daß
Du einen spontanen massiven Bandscheibenvorfall hattest,
der sofort zu Nervenschädigungen führte. Er wird sich
wohl (da die Schmerzen verschwanden) wohl schnell wieder
zurückgebildet habern, aber: wenn die Wurzelschädigung massiv ist,könnte er auch, da die Schmerzempfindung aus-
gefallen ist, weiterhin bestehen. Man sollte jetzt
Folgendes (sehr zügig) machen: Durchführung einer Computertomographie, die dort etwas genauer ist als
eine Kernspintomographie) der Lendenwirbelsäule. Wenn
man einen Bandscheibenvorfall sieht, ist die Sache diagnostisch gelaufen; wenn nicht (in der Annahme, daß er sich schell wieder zurückbildete), dann sollten
die einzelnen Wurzeln durch EMG´s (feine Nadel in den Muskel: tut nicht weh) ihrer Kennmuskeln auf Schädugung
untersucht werden: Spontanaktivität ja/nein?), „abge-
fahren“ werden. Dadurch werden dann auch gleichzeitig die 2(3) großen Nerven des Beines untersucht.
Du solltest erst einmal mit Belastungen der Lendenwirbelsäule zurückhaltend sein: erneuter Vorfall?
Also Montag zum Radiologen, Neurologen.
Es wäre nett, wenn Du im Forum Rückmeldung über den weiteren Verlauf geben würdest. Grüße aus Schleswig
Thomas
Hallo Hr. Engler,
denkbar ist vieles. Entscheidender in dem von Ihnen beschriebenen Fall ist erst einmal die Frage, ob die Fußheberschwäche tatsächlich auf eine Schädigung des N. peronaeus zurückgeht und wo genau die Schädigung stattgefunden hat. Dann ist wichtig, ob eine Behandlung möglich ist, sie werden diese Schwäche kaum behalten wollen.
Stellen Sie sich bitte bei einem niedergelassenen Neurologen vor, am besten schon morgen.
Die Frage, ob diese Schädigung durch eine Unterkühlung entstand, kann man dann immer noch klären.
Eine Unterkühlung des N. peronaeus selbst ist für mich vorstellbar, mir ist allerdings kein solcher Fall bekannt. Typischerweise ist die Ursache eher Druck (oder eben eine Durchtrennung). Wahrscheinlich spielt die Kälte keine Rolle, oder wenn, dann eher „über Bande“.
Gruß und gute Besserung,
Alphabet
Tut mir leid, jetzt erst gelesen, ist wohl zu lange her.
gruß nashorn