Ich verstehe schon, was du meinst.
Das Problem der deutschen Politik ist generell eine schlechte
Information der Menschen. Sicher, die Menschen müssen sich
auch informieren wollen. Aber wenn Konzepte vorgestellt
werden, die selbst für die Hälfte der MdBs unverständlich
sind, braucht man sich auch nicht zu wundern.
Man kann praktisch jedes Problem einfach darstellen, aber nur, wenn man es selbst begriffen hat. Insofern liegt das Problem auch bei den Politikern.
Aber schau Dir doch einmal an, was hier im Forum geschrieben wird. Die Rentenversicherung ist für jeden leicht zu verstehen. Es gibt vier Rädchen: Einzahldauer, Auszahldauer, Beitragshöhe, Rentenhöhe.
Es sollte für jeden einsichtig sein, daß sich die Auszahldauer aufgrund der erhöhten Lebenserwartung nicht kontinuierlich erhöhen kann, ohne daß an einem der vier Rädchen irgendwas geändert wird. Dennoch flippt hier die Belegschaft regelmäiß aus, wenn man darstellt, daß sich was ändern muß.
Anderes Beispiel: Jeder meint begriffen zu haben, daß das Gesundheitssytem nicht optimal läuft und in großen Schritten auf die Unfinanzierbarkeit zueilt, aber dennoch wettert jeder undifferenziert „auf die da oben“ ohne einzusehen, daß sich „für die da unten“ auch was ändern muß. Mehr Leistung (bessere Versorgung und neue Behandlungsmethoden) über einen längeren Zeitraum (steigende Lebenserwartung) ist auf Dauer nicht finanzierbar. Wo bleibt also die Reformwilligkeit?
Oder: Hätten die meisten Krankenkassen wirklich merklich ihre
Beiträge nach Einführung der Praxisgebühr gesenkt, wäre sie
nicht so umstritten und kurz vor dem Aus.
Die Krankenkassen mußten sich staatlich verordnet in den letzten Jahren massiv verschulden. Diese Kredite sind erst einmal zurückzuzahlen. Wer geglaubt hat, daß mit den paar Kröten Praxisgebühr die Beiträge sinken würden, kann ich nur die Wahrnehmungsfähigkeit absprechen. Wir reden hier von 10 Euro im Quartal. Umgelegt auf den montalichen Krankenversicherungsbeitrag macht das ziemlich genau nichts aus.
I. Geht es der Wirtschaft gut, geht es den Unternehmen gut,
der Dax steigt. Davon hat Klein-Otto nix! Die Preise sinken
dennoch nicht!
Auch hier legt man nicht einen Hebel um und alle sind glücklich und zufrieden.
II. Geht es der Wirtschaft gut, werden noch lange keine neuen
Arbeitsplätze geschaffen, keine neuen Werke im Inland gebaut.
Warum auch? Die Kapazitätsauslastung ist am Boden (irgendwo um die 80%). Bevor da auch nur ein Arbeitsplatz entsteht oder gar ein neues Werk eröffnet wird, muß ein bißchen mehr kommen als nur ein gutes Jahr. Im übrigen nicht zuletzt auch die Folge des Einigungsbooms um nicht zu sagen der Subventionsblase.
Erzielt ein Konzern Rekordgewinne in 2004, will er diese in
2005 übertreffen. Er wird demnach immer bestrebt sein,
wirtschaftlicher zu arbeiten. Er wird auch in guten Zeiten auf
Dauer eher AP abbauen als schaffen.
Wie immer eine einfache Rechnung, wobei wir uns hoffentlich einig sind, daß Unternehmen keine Wohlfahrtseinrichtungen sind. Wenn mit x Arbetinehmern die Arbeit geschafft werden kann und kein Arbeitnehmer gelangweilt rumsteht, dann ist die Anzahl X offensichtlich die richtige. Ist die tatsächliche Zahl der Arbeitnehmer größer, gibt es rein wirtschaftlichen Aspekten keinen Grund, die überzähligen Arbeitnehmer witer zu „beschäftigen“. In einer kurzfristigen Auftragsdelle würde natürlich niemand bei Verstand Mitarbeiter vor die Tür setzen. Bei einigen Leuten zweifle ich diesen Verstand jedoch an.
Weiter im Text: Ist die Anzahl der Mitarbeiter kleiner X (sei es aufgrund von vorangegangenen Entlassungen oder besserer Auftragslage), schneidet sich der Arbeitgeber ins eigene Fleisch, wenn er keine Abhilfe schafft, denn einige Aufträge können dann ja nicht erledigt werden.
Wenn die Zahl der Mitarbeiter bei X liegt, ist wie gesagt alles im Lack. Nur weil aber jetzt ein großer Auftrag kommt, stellt man keine zehn Leute ein (siehe oben), denn dann stehen die anschließend dumm rum. Daher wird man zunächst andere Wege suchen (Überstunden, Leiharbeitskräfte), um die Aufträge abzuarbeiten. Erst wenn sich die Auftragslage dauerhaft bessert, wird man einstellen.
Zeige dem Volk glaubhaft, dass es nicht nur Nachteile in den
zweifellos dringenden Reformen erfahren wird, dass es am
Erfolg teilhaben wird. Dann wird es auch Opfer bringen.
Nur Nachteile? Wenn durch die Praxisgebühr nur ein Patient nicht zum Arzt geht, der nicht wirklich hinmußte, haben alle Versicherten Vorteile. Das scheinen die Versicherten nicht begreifen zu wollen und geilen sich an den zehn Euro auf. Daß die Zeit, in der sie über die zehn Euro diskutieren, auch einen Wert hat, der deutlich über zehn Euro liegen dürfte, mal abgesehen von den ganzen beim Meckern verzehrten Bieren und Zigaretten…ach, was red ich noch.
Gruß,
Christian
Aber ständig 4,50 € oder 10 € vor die Säue werfen will keiner.
Gruß zurück, Peter