wackeliges Familienleben
Hallo Corinna,
in Zeiten, wo das Familienleben auf Kinder wackelig wirkt, werden sie auffällig - je nach Typ.
In dieser Zeit habe ich mich nur um die Kinder gekümmert. Sie
aus meinem Privatleben herausgehalten.
Vor 8 Wochen stellte ich ihnen dann meinen neuen Lebenspartner
vor.
Eigentlich lief es super gut. Sie toben zusammen, spielen
gemeinsam …
Eine Weile war Dein Freund sicher der nette Besucher, der mit ihnen lustige Dinge macht. Doch dann…
Doch meine Tochter dreht seit dem auch irgendwie durch. Sie
benimmt sich als hätte sie nie eine Erziehung genossen,
schmeisst mit Schimpfworten um sich und betitelt auch meinen
Partner mit solchen.
…merkte sie, dass der nette Besucher aus der gewohnten 3-samkeit eine Viersamkeit entstehen läßt. Und das einzuordnen ist für Kinder schwierig, zumal die Erwachsenen erst einmal selbst die Routine finden müssen.
Er wiederum unterstellt mir ich hätte den beiden nie
beigebracht Respekt vor Erwachsenen zu haben, aber so hab ich
die Beiden auch noch nie erlebt.
Ich hab ihm gesagt, er soll selber dagegen angehen, ihnen
zeigen wo seine Grenzen sind und sie so „in seine Schranken
weisen“.
Dein Freund fühlt sich gekränkt, denn er hat sich so gut er konnte Mühe gegeben ihnen näher zukommen. Seine Vorwürfe zeugen von Hilflosigkeit. Da wird es jetzt erst einmal Deine Aufgabe sein, ihn aus dieser „Schmollecke“ herauszuholen. Vielleicht hat er auch das Gefühl sein Gesicht verloren zu haben, und er weiß jetzt auch nicht wie er sich der Tochter nähern soll, wenn sie ihn mit Unfreundlichkeit von sich stößt. Das mit dem Grenzen aufweisen ist schön und gut. Aber sie haben bei fehlender Vertrautheit die Wirkung von noch größerer Distanzschaffung, als schon vorhanden. Und wenn die Tochter so kränkend reagiert, dann nicht weil es ihr an guter Erziehung mangelt, sondern weil sie sich nicht zu helfen weiß mit einer Situation zurecht zu kommen, die ihr nicht gefällt - sie beißt um sich. Also gilt es doch eher ein Gefühl von „ist alle in Ordnung, keine Gefahr, Mama ist auch für Dich da - trotz Freund“ sprich Vertrautheit zu schaffen, als sie zu schimpfen (bringt nämlich nichts).
Aber irgendwie versteht er das nicht. Er ist der Meinung, daß
es alleine Aufgabe wäre, da es ja auch meine Kinder sind.
Wie gesagt, da sind wohl momentan 2 Fronten: eine Kinderfront und eine Partnerfront. Und Dein Partner weiß nicht, wie er die Distanz überwinden kann. Also mußt Du die Vermittlerin sein. Ich weiß nicht, wie aufgeschlossen Dein Freund für das manchmal komplizierte Strickmuster von Kinderseelen ist, ob Du also mit ihm reden kannst. Aber ich würde zum Beispiel regelmäßig in der Woche einen „Familientag“ gestalten, von der ihr alle was habt: ins Spaßbad gehen, Shoping-Samstag wo jeder sich was Unsinniges kaufen darf, zusammen kochen - Kinder machen Nachtisch, im Wald Hölzer sammeln und etwas basteln, zusammen einen Disney-Film gucken und Tüte Chips leer machen… es gibt genug, was man in Familie tun kann.
Außerdem würde ich die Tochter zoffen lassen. Wenn die Erwachsenen nicht reagieren, dann geht es ins Leere, dem also nicht allzuviel Bedeutung bemessen. Wenn es zu arg wird, würde ich sie für 5 Minuten in ihr Zimmer schicken, sie dann besuchen, und ihr sagen, dass ihr Benehmen scheußlich ist. Dabei nicht viele Worte verwenden. Es kommt auf die Gesten an: zurückweisen, sie in Stille lassen, zurechtweisen, in den Arm nehmen (hab dich trotzdem lieb).
viele Grüße
Claudia