Neue Computer lernen Gefühle

Hi,

der Titel entspricht dem Titel eines Zeitartikels in dem es um emotionale Spracherkennung geht: http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-03/emotionale-…

Welche Nachteile seht Ihr im Internet hinsichtlich Emotionen gegenüber Emotionen in der realen Welt?

Einerseits heißt es zwar oft, dass Kommunikation offen, ehrlich und transparent sein soll, doch nicht minder häufig meinen Menschen Lügen zu müssen (um Gegenüber zu schonen, so es gerne heißt).

Gleich dem wirtschaftlichen Nutzen den so ein „Emotionen-Scanner“ haben kann (weiß der Geier wie gut das umsetzbar werden wird), wer würde ihn tatsächlich sich für sich auf persönlicher, privater Ebene wünschen?

Wer mag gerne zeigen nicht kongruent zu sein, vor allem wenn es einem selbst nicht mal bewußt ist, sprich man fühlt sich beispielsweise nicht mal ambivalent oder ist gerne ein notorischer Lügner…

Was meint Ihr? Haben solche Computer im Privatleben eine Chance?

Ciao,
Romana

Hi,

achja. Der Artikel beginnt hier: http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-03/emotionale-…

Ciao,
Romana

Lügendetektoren gibt es privat auch nicht.
Hallo,

dieses Gerät funktioniert wahrcheinlich mit dem FACS (Facial Action Coding System). Paul Ekman hat die Beziehung zwichen der Mimik und den Basisemotionen ab etwa 1970 erforscht und gefunden, daß die Mimik überall in der Welt diese Emotionen auf gleiche Weise ausdrückt. Basisemotionen: Ärger und Zorn, Trauer, Ekel und Verachtung, Freude, Überraschung und Angt. Die Anfänge dieser Forschung reichen bereits ins 19. Jh. zurück, zu Darwin und Duchenne.

Das FACS ist ein System, um die Mimik-Details (sog. AUs, Action Units) zu analysieren. Damit kann man z. B. Gesichter auf Photos oder in Videosequenzen untersuchen. Das ist mühsam und es wird schon seit langem an automatischen Auswerteprogrammen gearbeitet, und die Krönung wäre natürlich ein Programm, das dies in Echtzeit tut.

Dafür hat man sich z. B. im Zusammenhang mit Flughafenkontrollen interessiert, um mögliche Terroristen herauszufinden (vermehrte Anzeichen von Angst). Ekman hat allerding darauf aufmerksam gemacht, daß man damit noch nichts darüber weiß, warum jemand Angst hat: weil jemand als Terrorist entdeckt werden könnte, oder weil bei ihm Kontrollen überhaupt Angst hervorrufen.

Wenn das Gerät überhaupt ausgereift ist, wäre es wohl sowieso noch zu unhandlich, oder wer möchte zu privaten Gesprächen immer eine Videocamera mit PC mitschleppen? In einigen Jahren könnte es natürlich anders aussehen: eine versteckte Kamera in einem Kleidungsknopf, die Auswerteeinheit in Handy-Größe am Körper getragen, und in einer Brille zeigen diskret Leuchtdioden den Gefühlszustand des Gegenübers an (Scherz).

Einfacher wäre es, selbst die Anwendung des FACS zu erlernen. Man kann das Manual mit Übungsmaterial auf CD bestellen.

Wieso können wir eigentlich diese wichtigen Informationen, die nonverbal vermittelt werden, nicht - oder nur unzureichend und mit Gefühlen der Unsicherheit über diese Wahrnehmungen erfassen? - Vielleicht aufgrund der Praxis, daß im Alltag halt viel gelogen wird, und man versucht, die Mimik zu kontrollieren. Die Kontrolle der Mimik gelingt nicht vollständig, in Sekundenbruchteilen werden die Emotionen sichtbar, meistens zu kurz, um sie sicher mitzubekommen, erst auf Einzelbildern von Videoaufnahmen könnte man ihre Anzeichen im Nachhinein analysieren.

Ich könnte mir derzeit die Anwendung am ehesten vortellen als Hilfsmittel für Studien (Weiterentwicklung von Video-Untersuchungen), und habe auch sonst noch Phantasien dazu, aber ich befürchte nicht, daß es uns die private Kommunikation verdirbt. Lügendetektoren haben sich privat auch nicht durchgesetzt, obwohl es sie seit vielleicht 50 Jahren gibt.

Grüße,

I.

Hi Idomeneo,

danke für Deine Antwort.

Scheinbar hatte ich den Artikel fälschlicherweise so verstanden, dass Gefühle verstehende Computer auf alle Rechner sich erstrecken würde.

Unterschiedliche Situationen hatte ich mir bereits ausgemalt in denen Menschen sich beim Lügen zusehen können. :smile:

Leider hatte ich nicht in Betracht gezogen, dass solch ein Lügendetektor nicht auch im privaten Bereich Anwendung finden würde.

Fazit: Menschen wollen lügen und belogen werden? Im Grunde ist das das Schlimmste das Menschen einander und sich selbst antun können. Ist das nicht eine Hauptquelle für den Ursprung aller Konflikte?!

Ciao,
Romana

Hallo Romana,

Fazit: Menschen wollen lügen und belogen werden? Im Grunde ist
das das Schlimmste das Menschen einander und sich selbst antun
können. Ist das nicht eine Hauptquelle für den Ursprung aller
Konflikte?!

Nur kurze Antwort, habe jetzt zu wenig Zeit, um genauer nachzudenken:

Ich glaube, die meisten Lügen sind eher kleine und harmlose Lügen, die verhindern, daß zuviele Konflikte entstehen, das Zusammenleben sogar reibungsfreier und das Leben oft erträglicher machen, auch wenn da oft zu kurz gedacht wird. Natürlich sind auch nicht alle Lügen harmlos.

Man muß da auch Abstufungen vornehmen: 1. aktiv lügen, 2. taktisches Verhalten, 3. nicht alles preisgeben, also nicht wie ein offenes Buch durch die Gegend laufen (informationelle Privatsphäre, auch etwa gegenüber dem Beziehungspartner).

Eine Welt, in der die Menschen ganz ehrlich zueinander sind, müßte wohl anders ausschauen. Man müßte sich die Ehrlichkeit durchgehend leisten können, es müßte weniger Machtgefälle geben, und insgesamt viel partnerschaftlicher zugehen. Vielleicht können wir uns nach und nach in diese Richtung entwickeln (weniger - gemäß Punkt 1. - aktiv lügen), es kann aber auch sein, daß wesentlich mehr Ehrlichkeit zu stark im Widerspruch zur menschlichen Natur steht (für Punkt 2. und 3. bin ich mir da ganz sicher, daß sie unvermeidlich sind).

Grüße,

I.

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Hallo Romana,
nur so als Anmerkung:
http://www.swr.de/wissen/mensch-alltag/luegen-juerge…
Grüße
Almut

Hallo Almut,

danke, den Versuch kannte ich schon.

Ein Mensch kann nur so ehrlich zu anderen sein wie er auch zu sich selbst ehrlich ist / sein kann. Dh. ich gehe nicht von einer 100 prozentigen Ehrlichkeit aus, da man nur so ehrlich sein kann wie man sich selbst über sich und andere(s) bewußt ist.

Möglicherweise wäre mehr Ehrlichkeit möglich gewesen, hätte er anders die Wahrheit formuliert? Geht beispielsweise jemand empathisch vor, ein Gegenüber wertschätzend, oder holt jemand den Vorschlaghammer raus, stellt Gegenüber bloß und wertet ab, um seine Wahrheit kundzutun?

Ciao,
Romana