Lügendetektoren gibt es privat auch nicht.
Hallo,
dieses Gerät funktioniert wahrcheinlich mit dem FACS (Facial Action Coding System). Paul Ekman hat die Beziehung zwichen der Mimik und den Basisemotionen ab etwa 1970 erforscht und gefunden, daß die Mimik überall in der Welt diese Emotionen auf gleiche Weise ausdrückt. Basisemotionen: Ärger und Zorn, Trauer, Ekel und Verachtung, Freude, Überraschung und Angt. Die Anfänge dieser Forschung reichen bereits ins 19. Jh. zurück, zu Darwin und Duchenne.
Das FACS ist ein System, um die Mimik-Details (sog. AUs, Action Units) zu analysieren. Damit kann man z. B. Gesichter auf Photos oder in Videosequenzen untersuchen. Das ist mühsam und es wird schon seit langem an automatischen Auswerteprogrammen gearbeitet, und die Krönung wäre natürlich ein Programm, das dies in Echtzeit tut.
Dafür hat man sich z. B. im Zusammenhang mit Flughafenkontrollen interessiert, um mögliche Terroristen herauszufinden (vermehrte Anzeichen von Angst). Ekman hat allerding darauf aufmerksam gemacht, daß man damit noch nichts darüber weiß, warum jemand Angst hat: weil jemand als Terrorist entdeckt werden könnte, oder weil bei ihm Kontrollen überhaupt Angst hervorrufen.
Wenn das Gerät überhaupt ausgereift ist, wäre es wohl sowieso noch zu unhandlich, oder wer möchte zu privaten Gesprächen immer eine Videocamera mit PC mitschleppen? In einigen Jahren könnte es natürlich anders aussehen: eine versteckte Kamera in einem Kleidungsknopf, die Auswerteeinheit in Handy-Größe am Körper getragen, und in einer Brille zeigen diskret Leuchtdioden den Gefühlszustand des Gegenübers an (Scherz).
Einfacher wäre es, selbst die Anwendung des FACS zu erlernen. Man kann das Manual mit Übungsmaterial auf CD bestellen.
Wieso können wir eigentlich diese wichtigen Informationen, die nonverbal vermittelt werden, nicht - oder nur unzureichend und mit Gefühlen der Unsicherheit über diese Wahrnehmungen erfassen? - Vielleicht aufgrund der Praxis, daß im Alltag halt viel gelogen wird, und man versucht, die Mimik zu kontrollieren. Die Kontrolle der Mimik gelingt nicht vollständig, in Sekundenbruchteilen werden die Emotionen sichtbar, meistens zu kurz, um sie sicher mitzubekommen, erst auf Einzelbildern von Videoaufnahmen könnte man ihre Anzeichen im Nachhinein analysieren.
Ich könnte mir derzeit die Anwendung am ehesten vortellen als Hilfsmittel für Studien (Weiterentwicklung von Video-Untersuchungen), und habe auch sonst noch Phantasien dazu, aber ich befürchte nicht, daß es uns die private Kommunikation verdirbt. Lügendetektoren haben sich privat auch nicht durchgesetzt, obwohl es sie seit vielleicht 50 Jahren gibt.
Grüße,
I.