Neue deutsche Rechtschreibung in Zitaten

Liebe Fachleute,

beim freundschaftlichen Korrekturlesen einer Arbeit bin ich auf folgendes Problem gestoßen:

Die Schreiberin zitiert viele Textstellen, die ausschließlich aus der Zeit vor der Rechtschreibreform stammen und sind daher - besonders fällt dies bei „ss“ bzw. „ß“ auf - nach der alten Rechtschreibung abgefasst.
Übernimmt man die Texte nun Original oder ändert man diese?

Einerseits wäre es für mich logisch, die im Original zu lassen, andererseits, wenn vor oder nach dem Zitat dann zufällig ein „dass“ oder so kommt, ist das auch nicht sehr schön.

Danke für Eure Hilfe.

Irene

ein zitat ist ein zitat ist ein zitat
hallo irene,

… und so sollte man es auch behandeln, d.h. BUCHSTÄBLICH übernehmen - ob in deutscher hochsprache nach neuen RS-regeln, gauner-rotwelsch oder scene-slang.

beste grüße
ann

Richtig. Wenn es tatsächlich auffällig nach alter Rechtschreibung ist, kann man noch [sic] dahinterschreiben, das ist Latein und bedeutet „so“.

  • André

Hallo Irene,

ich schlage vor, daß die Verfasserin in Vorwort oder Einleitung auf die Problematik hinweist, daß sie nämlich alle Zitate original so schreibt, wie sie diese in den Quellen vorgefunden hat. Somit kann sie sich mit „(sic!)“ auf die Fälle beschränken, in denen auch nach alter RS tatsächliche Schreibfehler vorliegen.

Das Problem unterschiedlicher Rechtschreibung ist nicht neu. Im 19. Jahrhundert wurde auch anders geschrieben. Wer Zitate aus dieser Zeit verwendet, muß seinem Leser (sprich: Prof) auch irgendwie erklären, wie er/sie es mit der Zitaten-Rechtschreibung hält.

Gruß Gudrun

Hallo Gudrun,
Danke, das ist eine guter Rat. Ich werde ihr das vorschlagen.
Liebe Grüße
Irene

Hallo Ann,
gefühlsmäßig war mir ja danach, aber wer weiß?
Danke für die Bestätigung!
Grüße
Irene

Hallo Andre,
danke für den Hinweis, hat noch den Nebeneffekt,
dass ich nun endlich (in der Praxis) geschnallt habe,
was das „sic“ exakt bedeutet.
Grüße
Irene

Hallo Irene,

das sic! aber bitte sparsam verwenden. Das wird nur eingesetzt, wenn die Schreibweise von der damals üblichen abweicht (also ein „th“ statt „t“ bei einem Text aus dem 19. Jahrhundert z.b. Fontane ohne sic!), und auch dann nur, wenn der zitierte Text nicht ohnehin voller Fehler steckt, bzw. der zitierte Autor dafür bekannt ist, daß er sowieso kein Wort unfallfrei hinbekommen hat (schon mal einen Brief von Blücher gelesen?) oder aber es in der Zeit keine festen Rechtschreibregeln gab (z.B. deutsche Briefe aus der Zeit Friedrich des Grossen).

Es wird aber in der Regel immer bei falsch geschriebenen Eigennamen verwendet.

viele Grüße,

Ralf

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Hinweis in Einleitung etc. nicht nötig
Hallo in die Runde,

ein Hinweis im Vorwort oder in der Einleitung auf die hier behandelte Problematik ist m.E. nicht nötig, weil es bei Zitaten üblich ist, dass man sie so zitiert, wie man sie vorgefunden hat, „original“ also. Extra darauf hinzuweisen, dass man etwas so macht, wie es die allgemeinen Zitierregeln nahelegen, ist überflüssig.
Das [sic] oder [sic!] - übrigens bitte mit eckigen Klammern einsetzen, da runde Klammern in den Quellen auch vorkommen können und es daher missverständlich wird - verweist auf Rechtschreibfehler oder ähnliches, hat aber nichts mit einer älteren und damals üblichen Rechtschreibstufe zu tun.

Liebe Grüße,
Elisabeth

manchmal schon …
Hallo Elisabeth,

ein Hinweis im Vorwort oder in der Einleitung auf die hier
behandelte Problematik ist m.E. nicht nötig, weil es bei
Zitaten üblich ist, dass man sie so zitiert, wie man sie
vorgefunden hat, „original“ also. Extra darauf hinzuweisen,
dass man etwas so macht, wie es die allgemeinen Zitierregeln
nahelegen, ist überflüssig.

… wenn Du mit Quellen arbeitest, die eigentlich 100 Jahre alt und im Original nicht mehr aufzutreiben sind, sondern nur noch als Neuausgaben, bei denen der Verlag die Rechtschreibung den aktuellen Regeln angepaßt hat. Und daneben hast Du vom selben Autor ein anderes, jedoch alterthümliches [sic!] Werk in damals gültiger Rechtschreibung.

Dann ist guter Rath [sic!] vonnöten.

Gruß Gudrun

Abweichende Meinung
Hallo,

ich bin (als in den Sozialwissenschaften beheimateter) der Auffassung, dass dann, wenn es keine inhaltliche Bedeutung hat, ein wörtliches Zitat in der Schreibweise angepasst werden sollte. Dies ist auf jedenfall zulässig und meines Erachtens auch ohne gesonderte Anmerkung korrekt. Man kann natürlich beim ersten Auftreten eines solchen Falles in einer Fussnote erwähnen, wie man vorgeht.

Stell dir mal das „Kuddelmuddel“ vor, wenn du einen Satz hast, in dem du sinngemäß und wörtliche Zitate mischst (und das kommt ja doch gelegentlich vor)!

Ein Wechseln zwischen alter und neuer Rechtschreibung würde ich für unnötigerweise kapriziös sowie die Lesbarkeit beeinträchtigend und somit der Qualität der Arbeit eher abträglich halten.

Sollte es nun aber vielleicht um eine Arbeit über ein literaturwissenschaftliches Thema oder ähnliches gehen, dann bedarf es meines Erachtens schon eine sorgfältige Erläuterung, ob die Schreibweise modernisiert wurde oder nicht.

Gruß

Yoyi

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