Neue Frage: Berufsbild Schriftgelehrter

Hallo wieder,

weiß jemand von euch Wissenden, wie im 12. bis zu 15. Jahrhundert die Schriftgelehrten gelebt haben? Waren sie selbstständig oder na einem Hof „angestellt“? Hatten sie viele Schüler und so eine Art Werkstatt oder lebten und arbeiteten sie eher abgeschieden wie die Mönche?
Was taten sie noch außer Texte zu schreiben?
Und verfassten sie auch mal was selbst? Oder schreiben sie nur im Auftrag?

Fragen über Fragen, die gern beantwortet werden würden ;o)

Lieben Gruß
Talis

Auch Hallo,

weiß jemand von euch Wissenden, wie im 12. bis zu 15.
Jahrhundert die Schriftgelehrten gelebt haben?

„schriftgelehrter“ ist ein Begriff, der in der von Dir angenommenen Bedeutung erst mit der Renaissance aufkam. Also sagen wir nach 1498.
Vorher (zu allen Zeiten) gab es Menschen, die lesen und schreiben konnten.

Waren sie
selbstständig oder na einem Hof „angestellt“?

weder noch.
Schreiben konnten: Adelige, Kirchenleute, Handwerker, Kaufleute.
Je nachdem, was ihr Beruf erforderte.

Schreiben lernten Männer sowohl als Frauen.

Vom Schreiben selbst lebte im Mittelalter höchstens der, der für Andere Briefe schrieb. Da kam es dann auf die Auftraggeber an. An Adelshöfen natürlich der jeweilige Eigner. In der Stadt/dem Dorf der, welcher eine Botschaft von A nach B zu transportieren hatte.

Hatten sie viele
Schüler und so eine Art Werkstatt oder lebten und arbeiteten
sie eher abgeschieden wie die Mönche?

Der Adel lernte in der Regel im Kloster Schreiben und Lesen.
Falls Du auf „Bücher-schreiben“ abzielst: dafür gab es in der Tat spezialisierte Werkstätten, meist in Klöstern. Bücherschreiben fing mit dem Schlachten des Lamms an, setzte sich mit dem Gerben der Haut fort, führte zur Bereitung der Farben und nach dem eigentlichen Schreiben zum Buchbinder.

Alles in allem ein Aufwand von bis zu 3 jahren pro Buch und auch wenn im Kloster nicht unbedingt eine Sache von Abgeschiedenheit.
Für „Schreibwerkstätten“-Klöster ist das eher ein Märchen.

Was taten sie noch außer Texte zu schreiben?

Essen, schlafen, beten (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) und nicht nur, sofern die Schreiber Mönche waren.

Und verfassten sie auch mal was selbst? Oder schreiben sie nur
im Auftrag?

sowohl als auch. Die Geschichte der Schrift und die Geschichte des Buches ist mannigfaltig.
Wenn Du darüber wirklich Informationen über diesen Aspekt der mittelalterlichen Welt möchtest, wirst Du mehr als ein Buch darüber lesen müssen.

Gehe also vielleicht bitte in die nächste Stadtbücherei.

In der Kürze hier im Forum kann man höchstens Teilantworten anreißen.

viele grüße
Geli

Hallo wieder,

weiß jemand von euch Wissenden, wie im 12. bis zu 15.
Jahrhundert die Schriftgelehrten gelebt haben?

Die Vorläufer der Schriftgelehrten waren vor allem Mönche und saßen in Klöstern - als Kopisten oder auch Verfasser von Büchern. Daneben gab es noch Gelehrte an den Universitäten (zunächst den islamischen in Spanien, Südfrankreich und Sizilien, später auch im christlichen Europa).

gruß

hi

Klar ist, dass das islamische Wissen großen Einfluss ausübte auch auf Europa, aber hatten die überhaupt so was wie „Universitäten“?

Daneben gab es noch Gelehrte an den Universitäten
(zunächst den islamischen in Spanien, Südfrankreich und
Sizilien, später auch im christlichen Europa).

Hier aber noch ein paar Details, zu den ersten großen Unis im christlichen Abendland:

Die älteste christliche ist wohl Bologna, etwa Ende 11.Jh.
Weitere bekannte Größen: Oxford 12.Jh., Paris - Sorbonne 13.Jh., und Neapel 13.Jh.
Die meisten entstanden entweder aus bereits bestehenden Professoren- oder Scholarenkorperationen oder aber aus Kathedralschulen u. ä., was manchmal genaue Datierung des Übergangs schwer macht (Bologna).
Ausnahme bildet hier wohl die Uni zu Neapel, die komplett neu gegründet wurde und die meisten Professoren daher von anderswo holen musste (1224).

grüße von kati

Hallo Katharina,

Klar ist, dass das islamische Wissen großen Einfluss ausübte
auch auf Europa, aber hatten die überhaupt so was wie
„Universitäten“?

das islamische Wissen, das auf Europa Einfluss ausübte, war eher von islamischen Gelehrten gerettetes antikes Wissen. Das als solches von den kirchlich geprägten Schreibern des Westens jahrhundertelang als Irrlehre ignoriert, bis von ihnen unterdrückt und zum Teil auch vernichtet wurde.

Deine eigentliche Frage:
Universität war bis in die Renaissance hinein eine „kirchliche“ Ausbildung und zuerst nur das Trivium: Theologie - Medizin - Jura.

In ähnlicher Form lehrte und lernte man auch im Orient an vergleichbaren Institutionen, nämlich in Koranschulen, die in der Regel beim Bau einer Moschee gleich mit in den Baukomplex einbezogen wurden.

viele grüße
Geli

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hi geli

das islamische Wissen, das auf Europa Einfluss ausübte, war
eher von islamischen Gelehrten gerettetes antikes Wissen. Das
als solches von den kirchlich geprägten Schreibern des Westens
jahrhundertelang als Irrlehre ignoriert, bis von ihnen
unterdrückt und zum Teil auch vernichtet wurde.

größtenteils. aber was ist z.B. mit Aristoteles? Bin mir nicht sicher wann exakt die Auseinandersetzung mit ihm wieder begann, ganz sicher aber bereits im Hochmittelalter.

Deine eigentliche Frage:
Universität war bis in die Renaissance hinein eine
„kirchliche“ Ausbildung und zuerst nur das Trivium: Theologie

  • Medizin - Jura.

Damit machst du die Universität von Neapel zu einer für’s MA höchst modernen Einrichtung. Denn Friedrich II. hat bei ihrer Gründung großen Wert darauf gelegt, dass die Kirche eben keinen Einfluss gewinnt. Ausgebildet wurden dort tatsächlich vor allem Juristen, aber nicht für die Kirche (Theologie war, wenn auch angeboten, doch eher vernachlässigt). Wie sehr andere Unis dieser Zeit kirchlich geprägt waren, da bin ich mir allerdings auch nicht sicher.

In ähnlicher Form lehrte und lernte man auch im Orient an
vergleichbaren Institutionen, nämlich in Koranschulen, die in
der Regel beim Bau einer Moschee gleich mit in den Baukomplex
einbezogen wurden.

Ah. So ungefähr dachte ich mir das, das wusste ich so aber nicht.

grüße von kati

viele grüße
Geli