…mit Indien und China warten noch gewaltigere Märkte auf :Erschließung…
Kann jemand konkrete anzeichen auflisten? Sind wir nicht schon
auf diesen Märkten tätig? Wie könnte die Zukunft denn noch
aussehen?
Ja, natürlich sind wir da schon tätig, allerdings stehen wir da gerade erstmal am Anfang. Es befindet sich noch alles in den Kinderschuhen - was die ausländische Aktivität in China angeht. Das liegt aber auch in erster Linie daran, dass die Chinesen selbst sehr darauf bedacht sind, alles zu überwachen und keinen unkontrollierten Zustrom ausländischer Unternehmen und Investoren zu ermöglichen.
Immer wieder habe ich von China gehört, wie es wächst und wie
alle (vor allem die Textilindustrie) ihre Produktion dorthin
verlegen. Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass
das ganze für uns weitere Vorteile hat oder haben wird.
Richtig ! Das wird für uns wenn überhaupt nur temporäre Vorteile haben. Langfristig wird es uns (und auch den anderen Industriestaaten der Welt) großen Schaden zuführen.
Ökonomen die sich intensiv mit China beschäftigen halten es für durchaus realistisch, dass sich die „China-Erfolgs-Story“ über die kommenden 100 (!) Jahre hinzieht.
Das Problem dabei -aus unserer Sicht- ist, dass die Chinesen das größte Potenzial haben und von den Fehlern und Erfolgen der heute bereits weit entwickelten Industrienationen lernen können. Sie können sich also überall das beste abschauen und dann übernehmen.
Dramatischer ist jedoch, dass China aus ökonomischer Sicht ein „Zukunftsmonopol“ sowohl in Sachen „größter Absatzmarkt“ als auch „größer Faktormarkt“ (also Arbeitskräfte etc.) haben wird. Damit werden die Chinesen in Zukunft die Spielregeln auftsellen und es könnte durchaus darauf hinauslaufen, dass sie die „Spielregeln der westlichen Industriestaaten“ nicht mehr wollen und ihre eigenen auftsellen - nach denen wir uns dann richten müssen. Das Problem: Diese Spielregeln werden unseren absolut fremd sein und somit wird uns eine Anpassung daran gar nicht oder nur sehr schwer möglich sein.
Schon heute ist es so, dass wenn ein ausländisches Unternehmen nach China geht, es nicht frei ist, sondern eine Kooperation eingehen muss. VW ist so ein Beispiel. Um in China produzieren und verkaufen zu dürfen, musste VW sich mit einem staatlichen Unternehmen zusammentun. Der „Hammer“ dabei ist, dass General Motors ebenfalls in diesem Unternehmen aktiv ist bzw. sein muss. Der Vorteil für die Chinesen: Sie können gleich bei zwei westlichen Autobauern „abgucken“. Irgendwann braucht man die Ausländer dann nicht mehr und wird sie aufgrund der günstigen Produktions-verhältnisse vom chinesischen Markt verdrängen. Das Volk wird dazu aufgerufen nur noch die chniesischen Produkte zu kaufen. Gleichzeitig wird man auch westliche Märkte erschließen wollen. Da hier aber Demokratie herrscht und keine Partei das Volk kontrolliert, werden die Konsumenten die „billigeren Chinesen“ vorziehen.
Vor diesem Hintergrund ist es aus heutiger Sicht fatal, wenn Unternehmen nach China strömen. Kurzfristig werden sie natürlich mitunter hohe Gewinne erzielen. Das Kurzfristdenken kommt dabei insbesondere dem Management und aktuellen Anteilseignern zu Gute. Diese Gewinne muss man aber damit teuer bezahlen, dass man sein Wissen offenbart. Somit werden die Unternehmen aus dem Westen sich langfrisitig gesehen ihr eigenes Grab schaufeln, da die Chinesen schon jetzt wie ein Schwamm alles aufsaugen, was sie ermöglicht.
Hinzu kommt, dass die aus westlicher Sicht auftretenden Verletzungen der Menschenrechte in China -von den Chinesen- selbst gar nicht als solche wahrgenommen werden. Man kennt es nicht anders und alle sind bereit für eine Verbesserung -die dann ja auch kommt- alles in Kauf zu nehmen.
Wir müssen daher in Zukunft noch stärker in know-how, also in Bildung, Forschung und Entwicklung investieren, um uns wenigstens diesen Vorsprung gegenüber den Chinesen zu sichern. Allerdings verlassen schon jetzt ca. 70.000 Hochschulabsolventen pro Jahr Universitäten in China. Zwar ist die Lehre dort ebenfalls noch auf einem niedrigen Kenntnisstand, aber auch dort wird man aufholen. Schon jetzt locken die Chinesen mit viel Geld die Top-Wissenschaftler aus dem Westen.
Alles in allem ist China ein echtes Pulverfass und man könnte schon sagen, dass man da ins offene Messer läuft bzw. auf jeden Fall laufen könnte. Zwar ist China der WTO beigetreten und müsste daher z.B. Patentrecht anerkennen. Defacto ist das aber nicht der Fall. Allerdings ziehen jetzt schon wieder einige Unternehmen aus China ab, eben wegen dieser Patentrechtsverletzungen. Würde sich diese Entwicklung weiter fortsetzen und auch bei den großen Unternehmen einkehren, bestünde evtl. die Möglichkeit, die Entwicklung in China extern zu steuern. Aber das ist wenig realistisch.
Man geht übrigens in der Fachwelt davon aus, dass wenn der 100 jährige Entwicklungszeitraum der Chinesen tatsächlich eintreten sollte, dass China dann nach 100 Jahren die USA als „Weltmacht“ abgelöst haben wird.
Tja, mal sehen wie das noch wird 