Neue Schlechtschreibung: Nur eine Modewelle!

Hallo!
Als freier Übersetzer für Wirtschaft, Industrie, Justiz und Verlage boykottiere ich hiermit die Neue Schlechtschreibung, denn die „alte“ Rechtschreibung ist und bleibt die einzig richtige, wie ich immer wieder feststellen muß. Ich wehre mich dagegen, Verben auseinanderzuschreiben, weil es dadurch mitunter zu lachhaften Verwechslungen und mehrdeutig-merkwürdigen Konstellationen kommt. Ich habe mich schon gegen die uns aufgezwungene Erhöhung der MwSt auf 16% und gegen die uns aufgezwungene Einführung des EURO gewehrt (wer will, kann jetzt ruhig mit dem Argument kommen, daß die Einführung des EURO ja auf demokratisch erfolgten Entscheidungen beruhe, bitteschön), doch was die Neue Schlechtschreibung betrifft, werde ich meinen Boykott konsequent durchziehen, auch auf die Gefahr hin, Kunden zu verlieren. Weder als privater/beruflicher „Sprachkünstler“ noch mittels gesundem Menschenverstand ist es mir bislang gelungen, die angeblichen „Vorteile“ der Neuen Schlechtschreibung zu erkennen, geschweige denn sie zu verinnerlichen. Vielleicht bin ich zu blöd dafür. Wenn ja, dann bin ich’s gerne und stehe dazu. Ihr könnt Euch ruhig alle den bigbrother-mäßigen Entscheidungen sogenannter Sprachwissenschaftler unterordnen. Ich bin schon immer meinen eigenen Weg gegangen und werde das auch weiterhin tun, liebe Lemminge da draußen. Wer sich angesprochen fühlt, möge mich nun bombardieren. Ich sehe den vernichtenden Antworten gelassen entgegen.
Euer Donovan

Ich fürchte nicht…
Hi Donovan!

Damit Du Dich für die vernichtenden Antworten besser wappnen kannst: Ich bin, was die neue Ottografie betrifft, ganz auf Deiner Seite.

Ich fürchte allerdings, daß sie trotz allem keine Modewelle ist, sondern sich durchsetzen wird.

Ich werde sie aber erst zur Kenntnis nehmen, wenn ich muß (weil meine Kinder in der Schule gezwungen werden, sie zu benutzen).

Eine meiner Lieblingszeitschriften, die Spektrum der Wissenschaft, ist mir übrigens jetzt noch lieber: Es ist die einzige, die ich kenne, die noch die alte Rechtschreibung benutzt!

Mit unterstützendem Gruß,

Kubi

Hi there,
ich hasse die neue Rechtschreibung sicher mindestens genau so sehr wie Du - lebe zusaetzlich seit 10 Jahren im Ausland, und werde damit NIE lernen, wie man jetzt in Deutschland offiziell ‚rechtschreibt‘.
Andererseits ueberleg’ Dir doch mal, wie’s waere, wenn wir jetzt noch wie Goethe Deutsch, oder wie Shakespeare Englisch schreiben und sprechen wuerden! Sprache ist halt lebendig, veraendert sich. Nur wenn da ein paar Leute herkommen, und eben nicht ueber lange Zeit hinweg, sondern ‚ploetzlich‘ diese Veraenderungen auch offiziell machen wollen, dann kriegen wir halt das Problem der ploetzlichen Umstellung (und der Tatsache, dass einem ziemlich viele der Aenderungen wie reiner Bloedsinn vorkommen…)
Gruss, Isabel

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Manches an der neuen Rechtschreibung ist ziemlich seltsam, anderes wie z.B. die Groß- und Kleinschreibung hat man dafür leider ausgelassen. Grundsätzlich sehe ich aber nicht ein, warum die Regeln, die inzwischen 100 Jahre alt sind und schon immer ziemlich willkürlich waren, nicht durch Regeln ersetzt werden sollten, die leichter nachvollziehbar sind. Es gibt nur ein Argument für die alten Regeln: Gewohnheit. Das ist für faule Menschen wie mich ein guter Grund, sich mit dem ganzen neuen Kram einfach erstmal nicht zu beschäftigen. Grundsätzlich bin für neue Regeln in Kombination mit etwas mehr schöpferischer Freiheit.

Meint Volker

Hallo!

„Als freier Schüler der 9. Klasse eines Gymnasiums boykottiere
ich hiermit die „alte“ Schlechtschreibung,
denn die Neue Rechtschreibung ist und
bleibt die einzig richtige, wie ich immer
wieder feststellen muss. Ich wehre mich
dagegen, Verben zusammen zu schreiben,
weil es dadurch mitunter zu lachhaften
Verwechslungen und
mehrdeutig-merkwürdigen Konstellationen
kommt. Ich habe mich schon gegen die uns
aufgezwungene Erhöhung der Ökosteuer
gewehrt (wer will,
kann jetzt ruhig mit dem Argument kommen,
daß die Erhöhung de Öko-Steuer ja auf
demokratisch erfolgten Entscheidungen
beruhe, bitteschön), doch was die „alte“
Schlechtschreibung betrifft, werde ich
meinen Boykott konsequent durchziehen,
auch auf die Gefahr hin, Sechsen zu kriegen. Weder als privater/beruflicher
„Sprachkünstler“ (Aufsätze, Klausuren, Diktate) noch mittels gesundem
Menschenverstand ist es mir bislang
gelungen, die angeblichen „Vorteile“ der
„alten“ Schlechtschreibung zu erkennen,
geschweige denn sie zu verinnerlichen.
Vielleicht bin ich zu blöd dafür. Wenn
ja, dann bin ich’s gerne und stehe dazu.
Ihr könnt Euch ruhig alle den
superindividuellen Entscheidungen
sogenannter Reformgegner
unterordnen. Ich bin schon immer meinen
eigenen Weg gegangen und werde das auch
weiterhin tun, liebe Elephanten da drinne.“

„Klingt wie ein Blödsinn“, sagst du, lieber Donovan. Ist es auch. Und das Copyright gehört nicht mir, sondern dir. Ich hab’ nur „alte“ und „neue“ ausgetauscht.
Aber hätte ja sein können, wenn ich mich durch diese Meckerei so aufregen würde. Mach ich nicht. Schließlich bin ich nicht derjenige, der 2005 seine Arbeit verliert wegen seiner Gewohnheiten. Statt mich aufzuregen, lerne ich die neue Rechtschreibung - erstens, weil das Gesetz mir das vorschreibt und zweitens, um 2005 nicht einfach da zu stehen.
Außerdem: Das lernen trainiert Gehirn und Gedächtnis. Das Wissen an sich ist nicht schädlich :wink:

MfG, Igor.

Hi Volker,

Grundsätzlich sehe
ich aber nicht ein, warum die Regeln, die
inzwischen 100 Jahre alt sind und schon
immer ziemlich willkürlich waren, nicht
durch Regeln ersetzt werden sollten, die
leichter nachvollziehbar sind.

Es macht überhaupt keinen Sinn, nicht nachvollziehbare Regeln durch neue, ebensowenig nachvollziebare zu ersetzen. Das Problem ist: Sprache folgt nur bedingt den Gesetzen der Logik. Warum ein Wort so oder anders geschrieben wird, hat mit der Herkunft der Wörter zu tun, und manchmal überlappen sich mehrere Herleitungsregeln. Die 100jährige Tradition ist auch eine Zeit der Übereinstimmung, über unscharfe Definitionen hinwegzusehen; ich wäre bei jeder Reform, die mir ein scharfes Regelwerk liefern könnte. Nur, diese schafft es nicht.

Ein dummes Beispiel: Aufwendig-> aufwändig. Argumentiert wird mit dem Wort Aufwand, so daß es „logisch“ erscheint, „aufwändig“ zu schreiben. Eigentlich ist es umgekehrt: aus dem Verb aufwenden entsteht der Aufwand, und daher „aufwendig“. Beläßt man es beim ä, so hat man plötzlich eine neue, unlogische Differenz zu vielen ähnlichen Wörtern wie Zuwendung, abwenden, auswendig, usw. Und der Shüler darf sich damit plagen.

Ich habe lange gebraucht, um Deutsch in der alten Form zu lernen, das war zum Teil eine Vergewaltigung des „gesunden Menschenverstands“, und ich glaube nicht, daß ich es nochmal schaffen werde…

Gruß
J.

Hallo Isabel,

Sprache ist halt lebendig, veraendert
sich. Nur wenn da ein paar Leute
herkommen, und eben nicht ueber lange
Zeit hinweg, sondern ‚ploetzlich‘ diese
Veraenderungen auch offiziell machen
wollen, dann kriegen wir halt das Problem
der ploetzlichen Umstellung (und der
Tatsache, dass einem ziemlich viele der
Aenderungen wie reiner Bloedsinn
vorkommen…)

Das mag daran liegen, daß hier nicht ohnehin schon gängige Sprachmuster einfach nur offiziell gemacht wurden (wird ja ohnehin von der Duden-Redaktion laufend gemacht), sondern eine Menge von Änderungen quasi „aus dem nichts“ auf die Leute losgelassen wurden. Und die angeblich dahinterstehende Logik ist auch ein Witz. Erstens sind manche Änderungen eben nicht logisch, zweitens war das Ganze nicht konsequent.

Lebendige Sprache und diktierte neue Rechtschreibung sind eben nicht dasselbe.

Gruß, Kubi

Wessen Worte auch immer…
Hallo!

Schließlich bin ich nicht
derjenige, der 2005 seine Arbeit verliert
wegen seiner Gewohnheiten.

Das ist noch gar nicht mal gesagt. Denke mal an etwas anderes: Die meisten der Leute, die 2005 Einstellungen durchführen, haben die alte Rechtschreibung gelernt und sind inzwischen mehr oder weniger erfolgreich in ihrer Firma geworden. Der größte Teil dieser Leute wird sich nicht auf die neue Rechtschreibung umgestellt haben (warum auch? Die meisten ihrer Kommunikationspartner haben ja auch noch die alte gelernt), und wenn man durch eine Rechtschreibung bei der Bewerbung Nachteile haben sollte, dann ist es eher durch die neue als durch die alte. Bis sich das ändert, vergehen bestimmt noch so 30 Jahre (wenn nämlich die jetzigen Schüler Personalchefs etc. geworden sind).

Statt mich

aufzuregen, lerne ich die neue
Rechtschreibung - erstens, weil das
Gesetz mir das vorschreibt und zweitens,
um 2005 nicht einfach da zu stehen.

Das erste Argument ist natürlich richtig. Zum zweiten: siehe oben. 2005 wird immer noch die Mehrheit der Leute nach der alten schreinben!

Außerdem: Das lernen trainiert Gehirn und
Gedächtnis. Das Wissen an sich ist nicht
schädlich :wink:

Stimme voll zu. Aber nicht nur nutzen Lernfaule „meine“ und „Donovans“ Argumente, um nicht umlernen zu müssen, sondern genügend davon nutzen „Deine“ Argumente, um die alte nicht ordentlich lernen zu müssen - schließlich ist die neue ja scheinbar leichter.

Gruß, Kubi

Falsch.

Statt mich

aufzuregen, lerne ich die neue
Rechtschreibung - erstens, weil das
Gesetz mir das vorschreibt und zweitens,
um 2005 nicht einfach da zu stehen.

Das erste Argument ist natürlich richtig.

Aha, „das Gesetz“. Großer Irrtum - es gab und gibt kein derartiges Gesetz. Ich kann zwar nachvollziehen, daß man in Anbetracht der in Deutschland herrschenden Überreglementierung die Existenz einer derartigen Vorschrift für möglich hält, aber so weit sind wir zum Glück noch nicht! Es wäre auch absurd, der Bevölkerung per Gesetz zu verordnen, wie sie zu schreiben hat. Die neue Rechtschreibung ist (ab 2005) nur in den Bereichen verbindlich, in denen auch schon bisher der Duden galt: Ämter, Behörden, Schulen. Wie man privat schreibt, geht niemanden etwas an. Hier gilt die alte, die neue oder auch die ganz persönliche Rechtschreibung. Und wer beruflich mit Texten zu tun hat, der muß sich ohnehin nach dem Auftraggeber richten oder so schreiben, wie der Chef es für richtig hält.

Hast ja recht…

Aha, „das Gesetz“. Großer Irrtum - es gab
und gibt kein derartiges Gesetz…

Stimmt natürlich. Hab’ ich auch nicht dran gedacht. Aber davon ab: bei Igor klang’s so, als meinte er in der Schule. Und dann stimmt’s wieder.

Gruß, Kubi

Hallo!

So ungern man es auch tun mag, muß man irgendwann auf die neue Rechtschreibung umsteigen - oder als erzkonservativ verschrien werden. Ich habe beschlossen, so lange wie möglich die alte beizubehalten (ich schreibe glücklicherweise dieses JAhr Abi, und nicht im Jahre 2005!),und dann, wenn’s nicht mehr anders geht, im Allgemeinen auf die neue unzustellen…wobei ich einige Sachen einfach zu absurd finde: Delphin bleibt Delphin, daß bleibt daß und „Du“ wird nun mal in einem Brief groß geschrieben!

Viele Grüße („grüsse“ werden’s nie werden!)
Rolf