Neue Schule..neue Klasse

Hallo zusammen,
mein Sohn hat die Schule gewechselt. Von der Grundschule aufs Gymnasium. 3 Kinder aus seiner ehemaligen Klasse sind mit in seine neue Klasse gekommen. So richtig fühlt er sich nicht wohl in der neuen Klasse, hat (noch) nicht den wirklichen Kontakt zu den anderen Kindern. Die Kinder die er bereits aus einer alten Klasse kennt, sind vom Wesen her anders als er. Er ist still, ruhig, sensibel, hat einen hohen Gerechtigkeitssinn, schüchtern. Als ich heute mit ihm sprach, wie es ihm gefällt kam es zögernd. Die Jungen sind „anders“ als ich. Seine neue Klasse besteht aus 21 Jungen und 5 Mädchen. Er kommt nicht mit der rüden Art mancher Jungen zurecht. Ich nehme ihn ernst, höre mir seine „Probleme, Sorgen und Ängste“ an. Weiß aber nicht ob ich richtig reagiere wenn ich sage, daß er erstmal „Fuß fassen“ muss in seiner neuen Klasse. Das die Kinder in erster Linie die „lauten Kinder“ und „Klassenkasper“ Aufmerksamkeit schenken. Die stillen Kinder, so wie er ist, gehen e r s t m a l unter im Gewühl. Es gibt sich aber mit der Zeit, wenn sich alle besser kennengelernt haben. Dann wird er manche, die im Moment in seinen Augen als Störenfriede dastehen, auch besser verstehen und vielleicht gar nicht mehr „soo“ schlimm finden. Es sind so Sachen wie z. B. wollte er sich die Haare länger wachsen lassen: er wurde gehänselt, daß er wie ein Mädchen aussehen würde ! Daraufhin wollte er zum Friseuer. Die Kids haben in der ersten Woche eine Übernachtung gehabt. Er hat seinen Deoroller dabeigehabt: die Jungs haben gelacht, so ein Deoroller wäre total uncool - Spray ist in. Er hat sich also Deospray gekauft. Ein Mitschüler hat ihn in den Bus reingedrängelt, er hat um ein bisschen Platz gebeten: die Antwort des Jungen war „Halt die Schnauze, sonst knallts“. Auf dem Schulweg hat ein Junge gesagt, daß er der blödste in der Klasse sei: das hat ihn heute das Genick gebrochen. Ich weiß nicht wie ich ihn stärken soll. Ich kann es auch schlecht einschätzen. In seiner „alten“ Klasse (er hat eine Klasse übersprungen, kam in einen neuen Klassenverband und wurde ganz toll aufgenommen) hatte er seinen Platz. Er wurde akzeptiert, war Klassensprecher und die Mitschüler/innen mochten seine ruhige und sachliche Art. Irgendwie bin ich der Meinung, daß er gerade wieder ein Erfahrung durchmachen muss. Er wird enttäuscht sein, daß er nicht mehr „der“ aus der Grundschule ist. Oder seht Ihr das anders ? Ein Neuanfang ist immer schwierig. Aber wie kann ich ihm Rückendeckung geben ? Sehe ich die ganze Sache überspitzt ? Sollte ich es nicht so ernst nehmen ? Ich weiss es nicht…
Über Ratschläge, Tipps wäre ich sehr dankbar
Herzliche Grüße
Blondschopf100

Hi,

in dem Alter können Mitschüler sehr ätzend sein, und das ändert sich vielleicht langsam erst Richtung Oberstufe.

Integrität ist da irgendwo ganz wichtig. Die Ursache für Mobbing, oder Hänseleien können ganz unwichtige Dinge sein, wie z.B. die Schuhmarke.
(Bei mir beispielsweise war das so. Meine Eltern meinten wohl das stärkt den Charakter, wenn ich solchen Trends nicht folge. Mit der Konsequenz, dass ich meine Mittel- und Unterstufenzeit nicht gerade positiv in Erinnerung habe (oh wie habe ich sie gehasst :smile:. Aus solchen Gründen fände ich beispielsweise Schuluniformen gar nicht so schlecht.)

Und zum Thema Gewalt - grade in der Unterstufe findet man oft Schüler, die besser in eine andere Schulart gegangen wären, aber beispielsweise durch das Drängen der Eltern wohl aufs Gymnasium gekommen sind. Also ich glaube es waren gerade diese überforderten Kandidaten, welche auch durch Gewalt geglänzt haben.

Ich glaube Kinder sind gerade in diesem Alter besonders stark im Urteile verteilen, da die Situation für alle recht neu ist, und einfache Kategorien „gebraucht“ werden, um besser zurechtzukommen. Da gibt es dann halt die „Streber“, „Dicken“, „Coolen“, „Aussenseiter“ usw.

Wichtig ist, dass dein Sohn sich nicht zu arg davon beeinflussen lässt. Zwar sollte er solchen Situationen schon mit Selbstbewusstsein begegnen, aber wiederum auch nicht aggressiv reagieren.
Andererseits sollte er sich das natürlich auch nicht gefallen lassen, also resignieren.

Das Problem ist, dass (glaube ich zumindest) die Pädagogen oder Eltern da relativ wenig machen können. Ich glaube da muss sich dein Sohn selbst durchboxen.

Um mal eine blöde Analogie zum Tierreich zu ziehen, wenn man sich den Nachwuchs von Großkatzen anschaut, dann fangen sie ja auch irgendwann mal an, „spielerisch“ Machtkämpfe auszutragen, um sich auf die Zukunft vorzubereiten, gewisse Rangordnungen festzulegen usw.

Allgemein kannst du wahrscheinlich deinen Sohn am Besten unterstützen, in dem du ihn ernst nimmst, und versuchst aufzupassen, dass sein Selbstwertgefühl nicht allzuarg absackt. Und da ja Schule nicht alles ist, vielleicht versuchst ihn ausserschulisch zu beschäftigen. Vielleicht finden sich ja ein paar Klassenkameraden, die die gleichen Interessen haben und er vielleicht bspw. einem Verein beitreten könnte.

Hoffen wir mal, dass sich alles einrenkt :smile:
mfg
Matze

Hallo Matze,
herzlichen Dank für Deine Antwort :smile:
Ich würde es auch gut finden, wenn eine Schuluniform eingeführt werden würde. Zu diesem Thema muss ich sagen, daß er deshalb aber nicht ausgestossen wird. Da ich mich selber gerne modisch kleide sehe ich auch zu, daß er auch relativ „up to date“ gekleidet ist. Er selber legt keinen Wert darauf, ob er Adidassachen oder andere Sachen trägt, aber die Qualität ist besser - also kaufe ich auch die Klamotten. Aber vom Grund her ist es korrekt, das bemerke ich immer wieder, daß Kinder die vielleicht nicht so gekleidet sind schon den Schwarzen Peter haben …LEIDER !

Weisst Du, daß ist genau der Punkt … Ich habe gedacht, daß die „Schicht“ auf dem Gym ein wenig anders wäre … aber wie Du schon schreibst, die Eltern wollen und zwingen ja teilweise ihre Kinder diese Schulform zu wählen, ob die Kiddis damit zurecht kommen oder nicht. Ich muss schmunzeln, weil mein Sohn das auch gleich so sagte: „Die Kinder die den Unterricht stören und grosse Klappe haben, bekommen irgendwie gar nichts geregelt, Mama!“ sagte er. Ja logisch, weil sie nur ihre Unsicherheit und Ängste mit der grossen Klappe überspielen. Schlimm ist nur, daß dann z. b. so ein Kind wie meins untergeht und als blöd dasteht. Nicht als blöd im Sinne von Intelligenz, ich glaube das haben die anderen schon bemerkt … sondern als blöd, weil er langweilig ist, den Unterricht nicht stört, sich noch nicht geprügelt hat, niemanden ärgert … Arme Gesellschaft !!

Selbstbewusstsein hat er sicher schon, glaube ich zumindest. Leider kann ich nicht in ihn reingucken … kämpfen wird er schon, was aber auch ein Stück Lebenserfahrung ist. Es ist halt nicht alles Gold was glänzt und nicht jeder (um es auf dem Punkt zu bringen, fast niemand mehr) nimmt Rücksicht auf den anderen.
Er geht Konflikten aus dem Weg. Lässt die anderen stehen oder schluckt. Ob das gut ist weiss ich auch nicht…

Genau das ist es nämlich: sein Selbstwertgefühl zu stärken ! Vielleicht sehe ich ja auch, als Mutter, alles etwas überspitzt ! Sicher wird es sich im Laufe der Zeit einrenken … ich hoffe nur, daß es „reicht“ bis dahin ihm zuzuhören und ihm immer wieder den Rücken zu stärken.

Im Übrigen, war ich in der 5. Klasse mit das „dickste“ Mädchen mit Brille, von daher weiß ich nur zu gut wie grausam Kinder sein können !

Ganz herzliche Grüße
Blondschopf100

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Hallo Matze

Auch wenn du wahrscheinlich das Gleicht meinst wie ich (was ich meine, kommt gleich), möchte ich doch dieser Formulierung widersprechen:

Die Ursache für
Mobbing, oder Hänseleien können ganz unwichtige Dinge sein,
wie z.B. die Schuhmarke.

Die Ursache für Mobbing ist m.M.n. auf keinen Fall die Schuhmarke, sondern die Tatsache, dass es in einer Gruppe jemanden oder mehrere oder viele gibt, die jemand anderes mobben wollen, und jemanden, der sich nicht wirkungsvoll dagegen wehren kann.

Die Schuhmarke oder was auch immer ist da nur ein willkommener Anlass, nach dem gesucht wird, und wo man immer etwas finden kann, womit man den anderen ärgern kann. Es nützt also nichts, aufgrund solcher Mobbereien irgendwas zu ändern, weil dann etwas anderes gesucht wird.

Diese Mobberei ist ja ein Machtkampf, der aussagen soll: Ich bin toll, und du bist doof.

(Bei mir beispielsweise war das so. Meine Eltern meinten wohl
das stärkt den Charakter, wenn ich solchen Trends nicht folge.
Mit der Konsequenz, dass ich meine Mittel- und Unterstufenzeit
nicht gerade positiv in Erinnerung habe (oh wie habe ich sie
gehasst :smile:.

Allerdings sollten die Kinder schon die Möglichkeit haben, sich so zu kleiden, dass sie nicht auffallen, da es Mobberei bis zu einem gewissen Grade fast überall gibt.

Na ja, das hast du ja im Grund genommen alles weiter unten selbst geschrieben. Ich wollte halt auch mal meinen Senf dazu geben.

Viele Grüße
Thea

Hallo

Seine neue Klasse besteht aus 21 Jungen und 5
Mädchen. Er kommt nicht mit der rüden Art mancher Jungen
zurecht.

Bei meinem Sohn war das bis vor kurzen ziemlich ähnlich, jedenfalls nach dem, was du hier schreibst. Allerdings hatte er das Problem nicht in der 5. Klasse, sondern erst in der 8. Klasse, in der das Verhältnis Mädchen/Jungen auch ähnlich ist. Er ist auch mit Abstand der jüngste in der Klasse.

Sehr hilfreich war es, ihm immer wieder klarzumachen, dass die Mobbereien nicht an ihm liegen, sondern daran, dass es Leute gibt, die sich jemanden suchen, den sie mobben können. Und dass er als jüngster in der Klasse dafür wohl gut geeignet scheint, weil er sich vielleicht weniger gut wehren kann als ältere. Und dass auch Neid eine Rolle spielen könnte, wenn die anderen nämlich wissen, wie jung er noch ist, und wenn es sie ärgert, dass er vielleicht trotzdem besser in der Schule ist, oder ähnliches.

Allerdings hörten die Mobbereien bei meinem Sohn erst auf, als ich und mein Sohn bereit waren, der Sache ein Ende zu setzen, egal, wieviel Staub dabei aufgewirbelt wird. Allerdings war es ja die 8. Klasse und nicht die 5., und es spielte körperliche Gewalt auch eine größere Rolle. Damals war ich entschlossen, wenn diese Mobberei nicht sofort aufhört, notfalls dem Direktor mitzuteilen, dass ich meinen Sohn unter diesen Umständen nicht mehr zur Schule schicken kann, und ich hätte ggf. auch eine Anzeige bei der Polizei gemacht. ´

Das passt hier natürlich nicht, aber es war für meinen Sohn sehr wichtig, dass ich mich (und daraufhin auch die Lehrerin) aktiv für ihn eingesetzt habe, und nicht nur Ratschläge erteilt habe.

Solange da allerdings nur Sprüche kommen, kann man natürlich nicht viel mehr machen.

Ich würde mit dem Sohn zusammen im Einzelfall hinterher überlegen, was man denn bei diesem oder jenem dummen Spruch hätte antworten können, so dass er auf die Dauer ein paar schlagfertige Antworten im Hinterkopf parat hat. Ansonsten würde ich auch ein bisschen schauen, wer denn in den Parallelklassen sitzt, und ob man nicht die Klasse wechseln könnte. Denn seine dicken Freunde werden diese rabiaten Klassenkameraden wohl nie werden, und es ist ja auch ein wenig schade, wenn man in der Schule keine netten Klassenkameraden hat.

Viele Grüße
Th.

Hallo Blondschopf,
ich kann Deine Sorgen gut verstehen.
Mir ging es mit meinem Sohn (13) ähnlich,
als er von der Grundschule wechselte.
Er hatte eine Empfehlung für’s Gymnasium,
wollte dort aber nicht wirklich hin. Auch
der Lehrer empfahl eine integrierte
Gesamtschule, da auch mein Sohn (scheinbar,
wie ich heute finde) nicht mit viel
Selbstbewußtsein gesegnet schien.

Er kam also auf eine Gesamtschule
und traf dort eben auf die „Schichten“,
die Du für Deinen Sohn vermeiden wolltest…
Jemand schrieb hier was von „blöder Analogie aus
dem Tierreich“. Ich finde es überhaupt nicht
blöde - wir Menschen sind einfach so.

Sohnemann und ich waren also ziemlich geschockt.
Er war außerdem der Einzige seiner Klasse, der auf
diese Schule wechselte, aber er wollte auch dorthin,
also war das weniger schlimm.

Langer Rede, kurzer Sinn:

Die ersten Monate war es hart. Rollenfindung, „so
will ich nicht sein“, Außenseiter, nicht Mitmachen
im Kräftegerangel, „die sind alle doof“.

Mir brach damals auch fast das Herz, weil ich sah,
wie er zu kämpfen hatte - und ich doch nichts tun
konnte.
Meine Haltung damals war eine sehr wachsame. Wir (nee,
ICH, denn er redet nicht gern:smile: sprachen jeden Abend
über das Thema Rolle in der Klasse, ich versuchte ihm
mitzugeben, dass es nicht gegen IHN ginge, sondern,
dass ALLE Kinder sich dort neu finden müssten.

Hauptbotschaft (und vielleicht Trost, bzw. Mut zum
Durchhalten) war meine Botschaft: 6 Monate! Wenn es in
6 Monaten nicht gut geworden ist, überlegen wir neu!
Ich tauschte mich damals auch öfter telefonisch mit
der Lehrerin aus, wie aus ihrer Sicht der Stand der
Dinge in der Klasse ist.
Gott sei Dank war ihr das Gerangel auch sehr bewusst und
sie hatte alles gut im Blick, griff ein, wenn notwendig.

Er hielt durch und heute ist er der „gefragteste“
(und einer der besten) Schüler seiner Klasse.
Die anderen respektieren ihn, OBWOHL er sich nicht
auf ihr „Niveau“ begibt. Er wird nachmittags zur
Hausaufgabenhilfe angerufen und ist auch im MSN
sehr gefragt.
Das gab seinem Selbstbewußtsein riesigen Auftrieb.

Ob er nun dort - auch angesichts des bildungspolitischen
Desasters - die allerbeste Bildung vermittelt bekommt…?
Das mag vielleicht nicht der Fall sein. Aber für seine
Menschenbildung ist sein Durchhalten und die Wahl genau
dieser Schule richtig gewesen.

Ich denke, Du machst es genau richtig, wenn Du „wachsam“ und
achtsam bist. Solange Du aber nicht das Gefühl hast, dass es
sich ausschließlich gegen Deinen Sohn richtet, es in richtigem
Mobbing ausartet, oder gar Verletzungen, würde ich versuchen
das Thema zu versachlichen. Es IST normal und es geht NICHT
nur gegen ihn. Er muss seine Rolle finden - und er muss es
(vielleicht zum ersten Mal) allein schaffen.
Tut er das, wird er wieder ein wenig „grösser“ geworden und
er kann stolz auf sich sein.

Alles Gute für Euch,
Christine