Neue Sprachentwicklungen

herrschen, herrinschen, frauschen, damschen
Also gut! Zu dem aber:

Es muss natürlich bedamscht heißen.

und den Einwänden, Fragen und Anmerkungen von Gandalf und Anwar will ich ausführlicher Stellung nehmen.

Ich gehe dabei wieder etwas zurück in der Sprache.

Das erste - vielleicht nicht älteste - Paar war:

Mann Weib.

Mit dem Aufkommen der Edelinge kamen

Herr Frau dazu. [Frau >= frouwe Gretchen: „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleit …“ =

Dann wollten manche Weiber keine Weiber mehr sein und verlangten Frauen zu werden, um was Besseres zu sein.

Sie wurden was Besseres, aber mit ihrem Aufstieg erlitt das Wort „Frau“ eine Minderung.

Es gab jetzt also
Mann Frau [Und Frau war jedes Weib, das es sein wollte.]

Das war den früheren Frauen natürlich nicht recht, also wurden sie „Madonnen oder Madamen oder eben Damen“.

Es gab jetzt also
Mann Frau
Herr Dame

Manche Herren wurden dann Monsignores oder Monseingeurs. Diese wanderten aber bald in die katholische Kirche aus.

Da im 19. Jhdt. die Frauen mehr und mehr auf den Haushalt reduziert wurden, enstand die „Hausfrau“ in seinem reduzierten Verständnis.

= Bei Schiller übrigens noch durchaus als die Herrin des Haushalts und aller damit verbundenen Pflichten und Rechten.

=> _ Das Lied von der Glocke


Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn Ende
Die fleißigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.
Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
Und ruhet nimmer._

Zur Hausfrau gesellte sich erst Ende des 20. Jhdts der Hausmann in seiner reduzierten Bedeutung.

Und die Bürokratie hat inzwischen das

An Herrn/Frau/Fräulein reduziert auf An Herrn/Frau und bei der Anrede im Brief sind die Frauen längst Damen!

Sehr geehrte Damen und Herren

Und nun probieren wir aus, was assoziieren wir mit

Hausmann, Mann des Hauses,
Hausfrau, Frau des Hauses,
Hausherr, Herr des Hauses,
Hausherrin, Herrin des Hauses,
Hausdame, Dame des Hauses
?

Und man mag an die wenigen Fräulein denken, die uns noch geblieben sind: Hausfräulen, Zimmerfräulen, das Fräulein im Café.

Und dann in der Kombination mit >B>Regierung

Regierungsmann, Mann der Regierung,
Regierungsfrau, Frau der Regierung,
Regierungsherr, Herr der Regierung,
Regierungsherrin, Herrin der Regierung,
Regierungsdame, Dame der Regierung
.

Und wenn ich nun, nachdem dies alles betrachtet wurde, ein Pendant zum Verb „maskulinen“ Verb herrschen eine „feminine Form“ suchte, so …

Aber da überlegt erst mal selber.

Ich bin gespannt, wie viele bis hierher kommrn.

Gruß Fritz

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[MOD]
Passagen aus dem abgeschlossenen Teilthread nebst erneuter Kommentierung sowie Inhalte aus privater E-Mail-Korrespondenz gelöscht.
Birgit

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Hi, Anwar & Gandalf’ => herrschen, herrinschen,
frauschen, damschen!

Bitte unter nachlesen.

Gruß Fritz

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Gelangweilt?
Hallo Fritz,

„Die Töchter Egalias“ habe ich in den 90ern, als ich nach
Konstanz, dem ehemaligen Wirkungsort der Frau Pusch kam,
angelesen, aber nicht beendet, weil mann, wenn mann die
Machart erkannt hat, einfach etwas gelangweilt wird.

die Machart läßt sich an den ersten drei Sätzen erkennen, aber ist das denn das Ziel eines Romanes oder der Grund, einen Roman zu lesen?

Egal(ia), mir kannst Du den Spaß daran nicht vermiesen.
Ich gebe zu, daß es für männliche Leserinnen nicht ganz einfach ist, so deutlich mit Strukturen konfrontiert zu werden, die (im Buch) matriarchalisch sind. Es gibt aber auch kluge Männer, die dieses Spiegelbild der realen Welt „alle paar Jahre“ lesen:
http://www.tu-berlin.de/presse/tui/99nov/buchtip.htm

und im Literaturmarathon 2005 vom WDR waren die „Töchter Egalias“ das ausgewählte Beispiel für das Jahr 1980:
http://www.wdr.de/themen/kultur/literatur/100_bueche…

Wenn es Dich gelangweilt hat, kann es nicht am Buch gelegen haben.

Erst kürzlich, angestoßen durch einige Diskussionen hier, las
ich noch einmal Frau Puschs Besprechung. Dabei musste ich
wieder über ihre sehr spaßige Einleitung grinsen. Die
norwegische Autorin heißt ja „Gerd Brantenberg“. Weil frau
aber in Deutschland nicht voraussetzen konnte, dass mensch
weiß, dass Gerd im Norwegischen ein Frauenname ist, so trug
das Buch als Autorinnenname „G. Brantenberg“.

Das sollte verhindern, dass potentielle Käuferinnen dächten:
„Schon wieder ein Mann, der …“ und das Buch nicht kauften.

Ich kannte das Buch schon, da wußte ich von Luise Pusch noch nichts, ergo kenne ich auch ihre Rezension nicht.
Der abgekürzte Vorname ist mir auch ganz unbekannt, im Netz sehe
ich überall nur denselben Einband mit ausgeschriebenem Vornamen.

Elke Heidenreich, befragt von einem männlichen Gast, warum Männer Frauenbücher lesen sollten, antwortete: „Wieso nicht? Frauen lesen doch auch andauernd Männerbücher: Hemingway, Faulkner …!“
(aus dem Gedächtnis zitiert, muß in einer der Lesen!-Sendungen gewesen sein)

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Gruß Gudrun