Hallo liebe Leute,
vor einigen Tagen habe ich im Radio das erste Interview von Samuel Koch nach seinem tragischen Unfall bei „Wetten dass…“ gehört, was mich zutiefst betroffen hat. In diesem Interview entschuldigte sich Samuel koch, nicht nur bei Thomas Gottschalk, sondern auch bei dem Publikum dafür, dass seinetwegen die sendung abgebrochen wurde.
Ich möchte nun wissen, ob der nette Junge in Zukunft unter einer Querschnittslähmung leiden wird oder ob noch Hoffnung besteht, dass der junge Mann bald wieder laufen kann.Gibt es da schon Neuigkeiten? Auf jeden Fall wünschen wir ihm doch alles Liebe! Wolle
Hallo Wolfgang,
ich sitze selbst seit 1998 im Rollstuhl nur das meine Lähmung etwa 10 cm tiefer ist als beim Herrn Koch. Die Ärtzte sagten mir damals das 2 Jahre nach dem Unfall eine Möglichkeit bestünde das sich das Rückenmark regeneriert. Geschehen ist in der Zeit kaum etwas. Einen Finger bzw. den linken Daumen konnte ich besser bewegen als nach dem Unfall.
Ich kenne dieses Interview nicht aber so ein gelaber „In diesem Interview entschuldigte sich Samuel koch, nicht nur bei Thomas Gottschalk, sondern auch bei dem Publikum dafür, dass seinetwegen die sendung abgebrochen wurde“ macht mich echt sauer. Er bekommt ja nun schon von aller Welt den Kopf getäschelt nach dem Motto „Du armer Samuel bist ja der einzigste Rollifahrer auf der Welt dem es beschissen geht“ aber dann mit solchen Aussagen das Mitleid noch weiter aufsich zu ziehn kann ich nicht verstehen. Aber nochmal zu deiner Frage. Ein Christopher Reeve hat 9 Jahre lang an seiner Rehabilitation gearbeitet und hatte dafür sicher die besten Ärzte und Bedingungen die ein Rollifahrer haben kann. Dennoch hat er es bis zu seinem Tod 2004 nicht geschafft auch nur an Krücken zu gehn. Das allein zeigt das nur ein riesiges Wunder Herrn Koch, mich und tausende andere wieder auf die Beine bringen könnte…
MfG
Andre
Hallo Wolle,
da man nicht wirklich die Befunde von Samuel mitgeteilt bekommt, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich persönlich habe den Unfall nicht gesehen, war aber verwundert, dass er beim Interview noch eine Halskrause trug.
Ich selber bin ein sogenannter Paraplegiker. (Paraplegie ist definiert als eine totale Lähmung der unteren Extremitäten oder der oberen Extremitäten. Sie ist das Resultat einer Schädigung des Rückenmarks unterhalb von C4 (Cervikal- Halswirbel Nr. 4), auf Höhe der Brust – oder Lendenwirbelsäule mit Lähmungen der Beinmuskulatur und Verlust des Empfindungsvermögens / Quelle Wikipedia). Das bedeutet, ich kann meinen Kopf und meine Arme bewegen. Meine Querschnittslähmung geht ab Brustbein abwärts los. Ich hatte mir auch den 1 und 2 Wirbel der Halswirbelsäule (HWS) gebrochen, die durch dauerhafte Platinplatten versteift wurden. Ich musste daher die ersten 6 Wochen eine Halskrause tragen.
Im Moment würde man Samuel als Tetraplegiker (Tetraplegie (von griechisch tetra, „vier“, und plege, „Schlag“) ist eine Form der Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmaßen, also sowohl Beine als auch Arme betroffen sind. Seltener werden auch die Begriffe „Quadriplegie“ oder „Tetraparalyse“ verwendet / Quelle Wikipedia.)
Ich habe bewusst die Erklärungen der Fachbegriffe aus Wikipedia genommen, da sie dort am besten erklärt werden. Man spricht bei beiden Formen der Querschnittslähmung von einer inkompletten oder kompletten Querschnittslähmung. Bei der inkompletten, besteht immer noch die Hoffnung, dass man zum Beispiel weitere Wahrnehmung in den Gliedmaßen bekommt, der Knaller ist dabei natürlich, wenn sich auch weitere Beweglichkeit einstellt. Aber dafür kann keiner eine sichere Prognose geben. Bei der kompletten Querschnittslähmung ist es in der Regel so, dass man von Anfang davon ausgeht das keine Wahrnehmung oder Beweglichkeit zurück kommt. So ist es auch bei mir.
Die Ärzte haben mir, ich möchte es mal so ausdrücken, die knallharte Diagnose der kompletten Paraplegie mitgeteilt, als ich aus dem 2-tätigen künstlichen Koma geholt wurde. Ich denke, dass man ähnlich bei Samuel verfahren ist. Jedoch möchte anmerken, dass er, genauso wie auch ich selbst, wusste dass er einen Risikosport betreibt. Ich hatte einen Reitunfall. Sicher war mir bewusst, dass es ein Risikosport ist, aber man geht ja immer davon aus, das so etwas den anderen passiert und nicht einem selbst.
Ich habe mich aufgrund dessen noch speziell versichert. Denn das was man noch so einem Unfall alles braucht, frisst eine Menge Euros. Ich habe meinen Unfall, ähnlich wie hier, in einem anderen Forum geschildert und bekam sehr heftige PNS (persönliche Nachrichten über das Forum), worin ich beschimpft wurde, wegen mir würden die Krankenkassenbeiträge steigen und ich vollkommen unverantwortlich sei. Und es doch gewesen wäre, wenn ich mir das Genick gebrochen hätte. Mittlerweile stehe ich über solchen Äußerungen. Die Entschuldigung von Samuel kann ich verstehen, halte ich aber nicht für Notwendig. Denn die Wette wurde akzeptiert, er hat trainiert und keiner kann Hellsehen. Das Sendung abgebrochen wurde, war vollkommen in Ordnung, denn man deutlich gesehen, wie groß der Schreck und das Entsetzen war.
Ich wünsche Samuel alles Gute, er soll sich nie aufgeben, es ist ein harter Weg wieder ins „normale“ Leben zurück zu kehren. Ich kann meine Lebenssituation mittlerweile gut verkraften, habe auch immer mal wieder ein Tief, aber ich habe durch meinen Mann, meine Familie, meine Freunde und Bekannte einen positiven Rückhalt. Ach so, da ich nicht mehr reiten kann, fahre ich jetzt Kutsche. Also Samuel, es gibt immer Alternativen und du weiterhin Fortschritte machst und manchmal auch zwei Schritte wieder zurück gehen musst, gebe niemals auf. Es gibt auch Rollstuhlfahrer die als Stuntmans arbeiten: http://www.youtube.com/watch?v=UnUh7mqK-3E.
Viele Grüße 4Lena
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Die Auskünfte und Ratschläge, die hier erteilt werden, ersetzen nicht die Beratung durch einen Arzt und sind vollkommen unverbindlich. Ratschläge von Fachkundigen (Ärzten und/oder Heilpraktikern, Apothekern usw.) sind von diesem Vorbehalt nicht ausgenommen, da durch die Schriftform eine echte Diagnosestellung, somit auch ein Therapievorschlag, ausgeschlossen ist.
Gleichzeitig warnen wir ausdrücklich vor Selbstmedikation ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, Heilpraktiker oder mit dem Apotheker.
Hallo Wolle,
ich habe den Unfall weder gesehen, noch hat er mich sonderlich interessiert, habe das Geschehen mehr so am Rand verfolgt. Die Medien waren ja voll davon. Deshalb habe ich versucht, über Internet etwas Relevantes zu seinem Krankheitsbild zu finden. Nun bin ich wenigstens auf einem halbwegs neuesten Stand. Leider hält man sich mit der medizinischen Diagnose über Samuels Verletzung sehr bedeckt. Man wird Gründe dafür haben oder ich habe schlecht recherchiert. Aber weil bei meinem Unfall ähnliche Symptome vorhanden waren, können wir ein wenig spekulieren. Auch ich erlitt eine Querschnittslähmung durch Kopfaufprall, Läsion um C4. Das ist die Stelle, wo im Halswirbel die Nervenbahnen geschädigt wurden. Hatte auch Lähmungen in allen 4 Gliedmaßen. Konnte in der ersten Zeit nur den Kopf bewegen. Weitere Einzelheiten meines Krankheitsverlaufs erspare ich mir. Als ich nach 9 Monaten Reha nach Hause kam, konnte ich frei im Rollstuhl sitzen, ihn mit beiden Armen einig Meter weit fahren, konnte mit Hilfe einer Person stehen und einige Meter gehen. Natürlich nicht so flüssig wie gesunde Menschen, es geschieht mehr so ruckartig.
Bei Samuel wird das mit Sicherheit nicht so ablaufen, höchstens ähnlich, wenn überhaupt. Es könnte bei ihm noch einiges mehr zurück kommen als bei mir, es könnte aber auch weniger sein. Letztlich verläuft jeder Fall ganz individuell.
Nun möchtest Du sicher wissen, ob es denn möglich wäre, dass Samuel irgendwann mal wieder „richtig“ gehen könnte? Gegenüber mir hat er einen Vorteil – er ist noch jung. Was bei der Stammzellenforschung für den Querschnitt heraus kommt, weiß heute auch noch keiner. Viele Gelähmte hoffen darauf…
So, das wär’s denn für heute. Wenn Du noch 'ne Frage hast, dann melde Dich ruhig.
Lieben Gruß,
Alex
Hallo,
nun ist er ja teilweise wieder zu Hause. Einen Arm kann er teilweise bewegen. Ob mehr „zurück kommt“ wird sich zeigen. Querschnittsgelähmt wird er zumindest teilweise -inkomplette Querschnittslähmung- bleiben.
Ich hab in meiner eigenen Reha Leute kennengelernt, die ihre Arme und Beine anfangs absolut nicht bewegen konnten, nachher liefen die wieder -mit Rollator usw-.
Bei Samuel ist allerdings ne Menge Zeit vergangen. Wenn nicht bald was zurückkommt, sieht es meiner Meinung nach böse aus.
Bye,
Stefan