Mauerfall und Einheit liegen schon eine gute Weile zurück, aber immernoch wird überall gerne von den „Neuen“ Bundesländern gesprochen, alle Statistiken werden in Ost und West aufgeteilt etc. etc.
Wird durch diese Aufteilung nicht immernoch (bewusst oder unbewusst) eine Abgrenzung der ehemaligen kapitalistischen/kommunistischen Feindbilder aufrechterhalten? Wird dadurch nicht ein Bereichsegoismus und Vorurteilsdenken (Jammerossi/Besserwessi) gefördert?
Macht diese Aufteilung in Alt und Neu, Ost und West wirklich noch Sinn oder wäre es nicht langsam Zeit, von der BRD als Einheit zu sprechen?
Ich fange mal so an:
Sagt der Ostdeutsche zum Westdeutschen: „Wir sind ein Volk.“, worauf der Westdeutsche erwidert: „Wir auch!“
Ich hatte vor einem Jahr ein Angebot von der Uni Magdeburg, um dort eine Gruppe fuer Kernspin-Tomographie aufzubauen. Ich war da und habe mir alles angeschaut. Es war fuer mich eine komplett andere Welt. Am Bahnhof wuerde jeder Friseur Pleite machen, alles voller Skinheads. Und bei der Strassenbahn hatte ich Angst mich festzuhalten, weil alles so alt und wackelig war. Ich habe die Stelle letztendlich abgelehnt, weil ich das meiner Familie nicht antun wollte. Das war eine andere Welt.
Was ich damit sagen will ist, dass West- und Ostdeutschland auf dem Papier zwar vereint sind, die Wirklichkeit aber anders aussieht. Zu unterschiedlich sind beide Seiten. Damit meine ich nicht nur die Staedte. Mir war auch aufgefallen, dass Magdeburg einer Geisterstadt glich, kaum junge Leute, fast nur (sehr) alte Menschen. Fast so, als waere alles unter 30 in den Westen abgedriftet …
Hi Peter.
Kann mir das nur so erklären, daß die Statistiker eben die Tatsache berücksichtigen, das die Lebensverhältnisse (Renten, öffentlicher Dienst, Sozialhilfe…) in Ost und West noch nicht ganz angeglichen sind.
Andererseits gibt es ja auch Zahlen für die gesamte Republik und für die einzelnen Bundesländer. Die Medien haben auch ihren Anteil daran inwieweit Gesamtzahlen genannt werden und die Ost/West Komponente noch betont wird (es zwingt sie ja keiner dazu). Das das politisch gewollt ist, glaube ich nicht.
Hallo Stephan, ich hoffe sehr, daß Du auch noch positive Erfahrungen im Gebiet der ehemaligen DDR sammeln konntest/wirst, um ein etwas anderes Bild zu erhalten. Die Zustände in Magdeburg sollte man auf jeden Fall nicht auf ganz Ostdeutschland verallgemeinern, auch wenn die Tendenz in den neuen Ländern in diese Richtung geht (leider). Deborah
Kann mir das nur so erklären, daß die
Statistiker eben die Tatsache
berücksichtigen, das die
Lebensverhältnisse (Renten, öffentlicher
Dienst, Sozialhilfe…) in Ost und West
noch nicht ganz angeglichen sind.
Ich glaube, daß dies der Hauptgrund ist, weshalb auch die Medien (s.u.) kaum etwas ändern können. (Oder findet eine Bespiegelung statt?) Vermutlich wird sich dies erst ändern, wenn díe finanzielle Angleichung abgeschlossen ist. (Womit die möglichen Unterschiede nicht aufhören.)
Die Medien haben
auch ihren Anteil daran inwieweit
Gesamtzahlen genannt werden und die
Ost/West Komponente noch betont wird
Ja leider! Die Medien wären geeignet, dies als erste zu ändern!
Schön, daß Du von Neufünfland sprichst. Als gebürtige DDRlerin finde ich diese Bezeichnung immer noch sehr nett. Auch mich stört diese Betonung der Unterschiedlichkeit . Wie sähen z.B. Statistiken aus bei einem Vergleich zwischen Nord- und Süddeutschland? Ich glaube, auch da gäbe es Unterschiede in bestimmten Bereichen, eben wie es sie auch in einigen Bereichen zwischen Ost- und Westdeutschland gibt.
Wie wäre es, dies Thema zum Experten-Chat vorzuschlagen?
Viele Grüße,
Deborah
bist Du Dir sicher, daß Du vor 1 Jahr und nicht vor 10 Jahren in MD warst?
Also, ich war vor ca. 2 Jahren (19.02.1998) das letztemal in MD, bin auch Straßenbahn gefahren (ohne Verletzungen) und habe mich in dieser Straßenbahn wohler gefühlt, als in der in Düsseldorf…
Was ich Dir sagen will, nähert sich dem von Deborah an:
Mit der Verallgemeinerung von eigenem Empfinden und beigebrachten Klischees (Seien wir ehrlich, wir sind doch alle voreingenommen gewesen) kommen wir kein Stück weiter.
Wenn ich meinen Eindruck, den ich bei meinem ersten Aufenthalt im Westen (1990) hatte, verallgemeinert hätte, würde ich heute nicht in Rheinland-Pfalz leben.