Hallo,
Hallo Maik,
ich plane in naher Zukunft meine Wohnung komplett zu
Renovieren. In dieses Zuge möchte ich die Elektroinstallation
komplett erneuern. Hierzu habe ich ein paar Fragen. Ich habe
auch schon in einigen Foren geschaut, die waren sehr hilfreich
aber nicht das was ich suche.
Ein guter Plan, es gibt viel zu viele E-Anlagen, die schon ewig nicht erneuert oder doch zumindest modernisiert wurden.
Diverse Einschränkungen haben meine Vorredner ja schon auf den Tisch gebracht - das ist wirklich kein Job für einen Elektroniker! Aber nun gut, wir können ja mal auf deine Fragen schauen:
Meine Fragen:
- Die Wohnung ist im EG. Bisher ist die Wohnung im Keller
(Hausanschlusskasten) mit abgesichert. Ich möche eine neue
Unterverteilung im EG erstellen. Wie groß muss die Zuleitung
vom Hausanschluss zur Unterverteilung sein? Länge ca. 10 m,
Verlegung Unterputz. Reichen 5x10mm²?
Immerhin hast du schon mal daran gedacht, uns die geplante Verlegeart zu nennen, danke! ;o)
Prinzipiell würde wohl ein 5x10 reichen, das hängt aber noch von einigen anderen Faktoren ab… Unter anderem wären dann auch noch z.B. die TAB2007 mit allen Anhängen und einiges andere zu beachten (je nach Bundesland und EVU gibt es tlw. gewaltige Unterschiede!). Eine vorherige Rücksprache mit dem EVU (mit/über deinen Elektromeister) erspart also viele unnötige Kosten - schon so einige Leute, die dachten, dass sie wüssten, was sie tun, mussten auf Geheiß des EVU ihre Verteilung/Dispo-Schrank an anderer Stelle nochmals aufbauen, weil z.B. nicht genügend Rückenfreiheit zur Verfügung stand, um gefahrlos arbeiten zu können.
Willst du eigentlich eine reine UV bauen oder soll der Zählerplatz im gleichen Gehäuse/Schrank Platz finden? Bei getrennter Anordnung von Zählerplatz/Verteilung und Hausanschluss (bei dir ja im Keller) darf laut unserem EVU z.B. die Leitung vom Hausanschluss bis zum Zähler(platz) auch nur max. 3-5m lang zu sein, da man ja sonst ungezählten Strom abzapfen könnte (das könnte ich zwar auch bei nur einem halben Meter Leitungslänge, aber das ist dann wohl etwas anderes, grins)…
Potentialausgleich (ich weigere mich weiterhin, das mit „Z“ zu schreiben) ist auch ein wichtiges Thema - unsere EVUs in der Gegend sind da ganz empfindlich mit… Wehe, da fehlt noch irgendwo eine Leitung, wenn der Zählermonteur kommt - der dreht auf dem Ansatz um und nimmt den Zähler wieder mit! Okay, du hast ja schon einen Zähler, dann wird es wohl nicht ganz so hart werden, aber wer weiß???
Du siehst: es bleiben noch viele Fragen offen, die man dringend vorher klären sollte, aber die dir hier keiner beantworten können wird, da wir deine Anlage nicht kennen!
Fazit: 5x10 kann reichen, muss aber nicht… Plane ein NYM-J 5x16mm² (sofern bei dir zulässig!) - warum am Limit bauen, bei 10m ist der Mehrpreis für 16mm² statt 10mm² doch fast zu vernachlässigen…
Das EVU gewinnt am Ende sowieso immer mit seinen Ansichten, egal was du nun auch immer dafür oder dagegen sagst! ;o)
- In meiner Unterverteilung plane ich 2 Absicherung pro Raum
(Licht, Steckdosen) ist dieses Sinnvoll? (E.Herd ist natürlich
extra abgesichert)
Und so einiges andere dann auch, hoffe ich!!!
‚Sinnvoll‘ ist immer eine Mischung aus ‚bezahlbar‘ und ‚max. Sicherheit/max. Komfort‘ und liegt damit immer im Auge des Betrachters… Ich persönlich halte auch Reihenklemmen für sinnvoll, auch wenn sie in Privathäusern nicht so richtig vorgeschrieben sind.
Die Steckdosenkreise pro Raum aufteilen, ist schon mal ein guter Anfang (bitte besondere Benutzungen beachten: eine Büroecke im Wohnzimmer mit PC, DSL-Router usw. sollte immer eine eigene Versorgung bekommen), das Licht von einigen Räumen kannst du aber ruhig zusammen auf einen Automaten führen, gerade kleinere Räume (Abstellkammer, nicht ausgebauter Dachboden o.ä.) brauchen IMHO keinen eigenen Lichtkreis…
Noch ein kleiner Denkanstoß: die meisten handelsüblichen (Wechsel-)Schalter können nur 10A ab - bei Verwendung von 16A-Automaten hat man da eine schöne ‚Sollbruchstelle‘, die in Gewerbebauten auch ganz gerne mal bemängelt wird. Man sollte also eventuell auch gleich sehen, ob man für die Lichtkreise nicht 10A-Automaten anstatt der üblichen 16A einsetzt.
- Ich will einen FI Schalter mit einbauen. Vor welchem Kreis
aber? Reicht nur das Bad? Nur alle Steckdosenkreise? Oder
komplett? Was könnt ihr mir raten?
Mit einem FI (=RCD) kommst du heutzutage nicht mehr weit - wie die Vorposter schon schrieben, musst du inzwischen eh nahezu alle Steckdosen (sagen wir ruhig alle, dann wird nichts vergessen!) per RCD absichern. Gleichzeitig muss aber auch gewährleistet sein, dass im Fehlerfall nicht das ganze Haus dunkel wird, also brauchst du sowieso schon mal mindestens zwei davon. Für eine gerechtere Aufteilung kannst du ruhig mal so von ca. vier bis fünf 4-poligen RCDs (die mit max. 30mA Auslöse- oder Differenzstrom, also die für den Personenschutz) ausgehen. Ein zusätzlicher Gesamt-RCD für den Brandschutz mit 300-500mA ist bei uns hier oben nicht zwingend vorgeschrieben, kann aber trotzdem sinnvoll sein… ;o)
Hast du dir die kombinierten FI/LS-Automaten, z.B. den hier http://www.voltimum.at/catalogue.jsp?product_id=0839… , schon mal angeschaut? Die sind zwar umgerechnet etwas teurer als die ‚normalen‘ RCD-/LS-Schalter-Aufteilungen aus einzelnen Geräten, können aber eine echte Alternative sein, da du dann auch wirklich jeden Kreis einzeln gesichert hast! Natürlich steigt mit den Dingern auch der Verdrahtungsaufwand etwas, aber beim eigenen Haus/der eigenen Wohnung dürfte doch die Zeit nicht die größte Rolle spielen, oder?!
Was auch noch gerne übersehen wird, sind schaltbare Außensteckdosen (ja, die müssen auch weiterhin über einen RCD, egal ob schaltbar oder nicht): Hier sollte man doch bitte auch zweipolige 16A-Schalter einsetzen, die ‚normalen‘ einpoligen Schalter können erstens wie gesagt nur 10A ab und zweitens kann ein Schelm auch bei ausgeschalteter Steckdose vom Garten aus deinen RCD ausschalten, bei meinem Haus würde mich so etwas doch sehr stören…
- Wie groß muss der FI sein?
Klare Antwort: 2 oder 4 Teilungseinheiten! Nein, im Ernst: je nach Aufbau und Auslegung der Anlage kannst du 25A-, 40A- oder 63A-RCDs einsetzen - Hängst du beispielsweise 3 Automaten á 16A hinter einen RCD, darfst du dort natürlich keinen 25A-RCD mehr einsetzen (3x16A=48A max. Strom durch den RCD)! Die Vorsicherungen der einzelnen (RCD-)Stränge müssen also weiterhin stimmen.
Bei Verwendung der o.g. FI/LS-Automaten fällt die Beantwortung dieser Frage schon etwas leichter, da du nichts mehr hintereinander ‚klöppeln‘ musst, aber auch hierbei müssen natürlich die (Strang-)Vorsicherungen angepasst sein.
- Wie wird der Fi angeschlossen? Hat jemand ein Schaltbild?
Au!!! Sorry, aber das ist eine Frage, die dich für dein Vorhaben des Selberbauens eigentlich komplett disqualifiziert…
Auch hier kann Wikipedia helfen http://de.wikipedia.org/wiki/Fehlerstromschutzschalter
Aber Achtung: bei Wiki ist auch nicht alles Gold, was glänzt - einige Daten sind auch dort nicht auf dem aktuellen Stand der Vorschriften!!!
Ich werde die Installationen selbst durchführen. Hab eine
Ausbildung als Elektroniker abgeschlossen und daher sind die
Grundkenntnisse vorhanden.
Das sehe ich - wie ja auch einige andere hier - ganz anders!
Die Vorschriften sind in diesen Punkten recht eindeutig und Grundkenntnisse reichen für das Errichten einer Elektroverteilung bei weitem nicht aus! Du magst zwar die Gefahren des elekr. Stroms besser kennen als ein blutiger Laie und wohl auch einige ‚Deppenfehler‘ nicht machen, aber deine Ausbildung befähigt dich in keinster Weise zum alleinigen Selbstbau!!! In Zusammenarbeit mit einem (vom zuständigen EVU konzessionierten) Elektromeister darfst du diesem unter bestimmten Umständen zwar einige Arbeiten (quasi als Eigenleistung) abnehmen, aber der Meister muss deine Arbeit hinterher doch prüfen, messen und kontrollieren - die finanzielle Ersparnis geht an diesem Punkt dann wieder zum Teufel… Als E-Meister würde ich übrigens auch für keine Anlage gegenzeichnen, die nicht ausschließlich von mit und/oder meinen Mitarbeitern (von deren Fachkenntnissen ich mich vorher überzeugt habe) gebaut wurde… ;o)