Neurodermitis und Schlaflosigkeit (leider länger)

Hallo liebe medizinisch Bewanderte,

leider umwölkt mich momentan grad wieder ein recht lästiger Schub. Ohnehin schon immer mit erheblichen Schlafstörungen gesegnet, malträtiert mich nun zusätzlich dieser entsetzliche Juckreiz.

Wenn ich überhaupt erstmal eingeschlafen bin, werde ich zigmal wach vom Kratzen. Natürlich der Heilung nicht eben förderlich.

Drum gab mir der Hautarzt den Tip, doch ein eigentlich für Heuschnupfler gedachtes Antihistamin (Lorano) oder ein Mückenstichmittel (Fenistil Tropfen oder Tabletten) vor dem Schlafengehen einzuwerfen.

Denn zum einen lindere es den Juckreiz, zum anderen hat das Zeug eine normalerweise höchst unwillkommene, in meinem Falle jedoch erfreuliche Nebenwirkung. Man wird da nämlich schläfrig von.

Nun ein paar Fragen dazu.

Beide Packungen sind jetzt aufgebraucht, der Doc in Urlaub und ich frage mich erstens, ob ich mir einfach neuen Stoff aus der Apotheke holen kann, ohne Gefahr zu laufen, sich zu sehr an diese Einschlafhilfe zu gewöhnen oder gar abhängig zu werden.

Zweitens und drittens würde ich gerne von euch wissen, wie lange die Wirkungsdauer dieser Medikamente vorhält und wie schädlich eine mögliche Überdosierung wäre.

Unlängst nämlich nahm ich die empfohlenen zwei Pillen ein, schlief auch bald wie ein Murmeltier, wurde allerdings nach 2 Stunden wieder hellwach und warf noch zwei Stück hinterher.

Zwar ratzte ich daraufhin ganze 6 Stunden durch, war aber den halben nächsten Tag dermaßen rammdösig, dass noch nicht einmal literweise Kaffe Marke Herztod etwas ausrichten konnte.

Wie schädlich ist also ein Überschreiten der Dosis und der generellen Einnahmedauer?

Zu guter Letzt frage ich mich, da diese Pillen rezeptfrei und geradezu erschütternd preiswert sind, ob das Ganze bei mir nicht irgendwie eher rein psychisch wirkt, Stichwort Placebo.

Denn falls nicht, wäre dies ja eigentlich die Patentlösung für eines der Hauptübel der vermaledeiten Ekzemplage, des Leidensdrucks, hervorgerufen durch massiven Schlafmangel aufgrund des Juckreizes.

Oder ruiniere ich mir im Gegenteil grad vollends die Gesundheit?

Zur Info: Wenn ich wach bin, habe ich den Juckreiz einigermaßen unter Kontrolle. So 2mal jährlich brauche ich eine Tube Advantan auf, wenn in der Zwischenzeit wieder diese schrundige Pest ihr böses Haupt erheben sollte, behelfe ich mich mit Ebenol dunkelblau.

Lieben Dank im voraus und einen schönen Tag wünscht euch

Awful Annie

kalt duschen
Hallo Awful Annie,

ob das Ganze bei mir
nicht irgendwie eher rein psychisch wirkt, Stichwort Placebo.

zur Schädlichkeit dieser Pillen bei Überdosierung kann ich nichts sagen, aber Placebos sind das mit Sicherheit nicht! Antihistaminika der ersten Generation werden heute noch als Schlafmittel verschrieben, und Fenisitl Tabletten machen definitiv müde.

Sie sind eigentlich ein gutes Mittel, um die nächtlichen Attacken zu überstehen. Wenn das nicht reicht kannst Du den Schub mildern, indem Du in den frühen Morgenstunden (so um drei/vier Uhr) kalt (!) duscht. Das ist die Tageszeit, in der die körpereigene Cortisol-Produktion am stärksten ist, und durch die kalte Dusche regst Du diese noch zusätzlich an. Kostet natürlich Überwindung und wäre noch abzuwägen, ob nicht durch die stärkere Durchblutung der Schub erstrecht angeregt wird. Bei mir hat es geholfen, wenigstens morgens noch ein paar Stunden schlafen zu können.

Gute Besserung und viele Grüße,
Iris

Guten Tag,
Antworten im Text.

Drum gab mir der Hautarzt den Tip, doch ein eigentlich für
Heuschnupfler gedachtes Antihistamin (Lorano) oder ein
Mückenstichmittel (Fenistil Tropfen oder Tabletten) vor dem
Schlafengehen einzuwerfen.

Dimetinden ist eigentlich nur schwach sedierend, Loratadin gehört zur 2.Generation und sollte eigentlich fast gar keine sedierende Komponente mehr haben.

Oder ruiniere ich mir im Gegenteil grad vollends die
Gesundheit?

Mehr oder weniger ausgeprägte Tagesmüdigkeit, womöglich eingeschränkte Fahrbereitschaft zählen zu den Nebenwirkungen und Risiken. Ansonsten ist die Einnahme für Schwangere und Stillende nicht zu empfehlen. Aufgrund der eher parasympatholytischen Wirkung entsprechende Nebenwirkungen: Mundtrockenheit etc., Glaukomgefährdung bei Prädisposition.

HG
sunconure

Hallo Iris,

danke für den Tip. Ich arbeite mittlerweile ausschließlich nachts und wenn nicht, meistens sowieso erst um 2 oder 3 Uhr. Gilt das dann noch immer mit der Cortisol-Produktion zwischen 3 und 4 von wegen Biorythmus?

Lieben Gruß und dankeschön

Annie

Hallo sunconure,

vielen Dank für deine Antwort. Ich muß mich gottlob nur eher schwach sedieren, da ich in meinem ganzen Leben noch niemals Schlafmittel nahm trotz lebenslanger Schlaflosigkeit.

Und gerade deswegen mache ich mir Sorgen, dass ich mir, wie bei jeder Droge, irgendwann stärkeren Stoff besorgen muss, weil das Zeug nicht mehr wirkt. Toleranzschwelle und so.

Tages- oder in meinem Fall Nachtmüdigkeit (ausschließlich Nachtschichten) traten bisher nur bei der erwähnten Überdosierung auf.

Gruß

Annie

Hallo Awful Annie,

Gilt das dann noch immer mit der Cortisol-Produktion zwischen
3 und 4 von wegen Biorythmus?

wahrscheinlich ist durch Deinen verschobenen Biorythmus auch die Cortisol-Produktion nicht so wie bei den meisten Menschen, die gesund sind und einen „normalen“ Tagesrythmus haben. Eine kalte Dusche regt die Produktion zu jeder Tageszeit an - ist halt die Frage ob der Pegel dann ausreicht um sich positiv bemerkbar zu machen.

Viele Grüße,
Iris

in den frühen Morgenstunden (so um
drei/vier Uhr) kalt (!) duscht. Das ist die Tageszeit, in der
die körpereigene Cortisol-Produktion am stärksten ist

Hier liegt m.E. eine Verwechslung der Kortisol-Produktion mit der growth hormone-Produktion vor. Spitzenwerte für Kortisol werden zwischen 6-8 Uhr gemessen, während GH-Werte in der 2.Nachthälfte hoch sind. :wink:

HG
sunconure

Hallo sunconure,

Spitzenwerte für Kortisol
werden zwischen 6-8 Uhr gemessen, während GH-Werte in der
2.Nachthälfte hoch sind. :wink:

danke für die Richtigstellung! Wie auch immer, die Morgenstunden sind die goldenen für Neurodermitiker :wink:

Gruß,
Iris

Hallo Iris,

dachte ichs doch. Dankeschön. Blöd allerdings mit den 6-8 Uhr morgens. 3-4 würd mir besser passen. Aber nun gut. Weißt du zufällig auch noch, wie lange ich das Fenistil nehmen kann, ohne nun zum Junkie zu mutieren?

Lieben Gruß

Annie

Fenistil
Mein Sohn (2) bekommt seit Monaten 2-3mal täglich Fenistil Tropfen aufgrund NEurodermitis/Juckreiz. Auch bei ihm hilft es prima, und nach ein paar Tagen nehmen hilft es auch, wenn man es mal 1-2 Tage komplett vergisst. Abhängig ist er definitiv nicht.
Die Wirkung steigt halt, wenn regelmäßig dosiert wird - vielleicht ist das ein Versuch für Dich? Häufiger nehmen, dafür weniger, und ab und zu mal zwei Tage aussetzen?
Wäre eine Abhängigkeit zu befürchten, stünde dies in der Packungsbeilage, und psychisch abhängig kann man auch bei Placebos werden…
Was ich Dir längerfristig raten kann: Ich habe im Alter von 20 Jahren homöopathisch meine ND wegbekommen. Ich bin sonst kein allzustarker Verfechter davon, aber das 3. Mittel, das der Homöopath verschrieb, hat geholfen. Seindem bin ich komplett Cortisonfrei.
Thema Cortison: In welcher Dosierung ist Deine Advantan? Ist es eine freiverkäufliche, ist nicht viel drin. Bei Neurodermitikern hilft diese geringe Menge oft nicht. Salben wie Prednitop sind verschreibungspflichtig, können aber bei richtiger Anwendung ohne Schäden schnell, viel und länger Linderung verschaffen.
LG maja

Hallo majamarla,

ich bin so erleichtert. Sei auf das herzlichste bedankt. Das Advantan hat der Doc mir verschrieben, ist also das starke Zeug. Auch schon wieder alle übrigens *frust*.

Lieben Gruß und alles Gute für den Sohnemann

Annie