Liebe/-r Experte/-in,
meine Mutter hat ein Glioblastom links-frontal. Sie hatte keine Anfälle; bekam aber schon vor der OP prophylaktisch Keppra. Sie ist inzwischen operiert; es laufen Strahlen- und Chemotherapie.
Kann sie das Keppra jetzt ausschleichen (sie hat es seit etwa 3 Wochen)oder ist derzeit weiterhin eine Anfallsprophylaxe nötig?
Gruß
Annette R.
Hallo Fr. Rauch,
eine so konkrete Frage sollte selbstverständlich mit den behandelnden Ärzten besprochen werden!
Zur Orientierung: in einem aktuellen Konsensus-Statement schreiben die Autoren „Auf eine generelle Anfallsprophylaxe mit Antiepileptika sollte verzichtet werden.“, was ich intuitiv auch so unterstützen würde.
ABER: es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die die Krampfschwelle senken, also Anfälle wahrscheinlicher machen können. Und es gibt auch noch andere mögliche Gründe, bei einem Patienten von einer erhöhten Anfallsbereitschaft auszugehen. Es kann also durchaus sinnvoll sein, eine Anfallsprophylaxe weiter fortzuführen.
Bitte suchen Sie das Gespräch mit den behandelnden Ärzten!
Gruß,
Alphabet
Es bestehen unterschiedliche Auffassungen über die Notwendigkeit der Anfallsprophylaxe bei Hirntumoren. Sie müssen und sollten den behandelnden Ärzten vertrauen. Sie können doch nicht zu ihnen gehen und sagen: „Ich hab im Internet gelesen, dass meine Mutter kein Keppra braucht.“
Liebe/-r Experte/-in,
meine Mutter hat ein Glioblastom links-frontal. Sie hatte
keine Anfälle; bekam aber schon vor der OP prophylaktisch
Keppra. Sie ist inzwischen operiert; es laufen Strahlen- und
Chemotherapie.
Hallo
vielen Dank für Ihre hilfreiche Antwort. Das mit den krampfschwellensenkenden Medikamenten habe ich nicht bedacht; vielleicht wirkt die Chemo so. Ich werde fragen. Das Problem ist, dass meine Mutter derzeit von Strahlentherapeuten behandelt wird und erst danach wiede von der Neuro Poliklinik; die Strahlentherapeuten setzen von sich aus natürlich kein neurologisches Medikament ab und sagen auch selbst, dass sie das nicht wissen. Aber Sie haben völlig recht; ich werde versuchen, dass die Neurologen gefragt werden.
Herzliche Grüße
A. Rauch
Hallo,
prinzipiell werden Antiepileptika wie Keppra nur nach tatsächlichen Anfällen gegeben und nicht prophylaktisch. Das Risiko für Anfälle ist perioperativ am höchsten. Deshalb wird es von den Neurochirurgen auch gern prophylaktisch eingesetzt.
Der Abbau vom Keppra muss in jedem Fall langsam erfolgen, da das Anfallsrisiko beim schlagartigen Absetzen zunimmt.
Die eigentliche Gefahr geht eher von einem Rezidiv aus, was sich u.U. auch in einem epileptischen Anfall zeigen kann. Eine medikamentöse Behandlung würde man aber von einer klinischen Manifestation epileptischer Anfälle abhängig machen. Keine Behandlung nur wegen eines potentiellen Risikos oder aufgrund eines EEG-Befundes. Bedenken sollte man aber, dass die Anfallssemiologie je nach Anfallsursprung sehr unterschiedlich sein kann. Hier ist gelegentlich eine Behandlung ex juvantibus sinnvoll, um die epileptische Genese klinischer Phänomene zu belegen.
Mit besten Grüßen
greenlander
Hallo
ich danke sehr herzlich für diese hilfreiche und kompetente Antwort. Das kann ich alles gut nachvollziehen. Da meine Mutter derzeit strahlentherapeutisch behandelt und betreut wird, gibt es ein gewisses „Vakuum“ in den neurologischen Entscheidungen. Ich werde mich jetzt aber darum kümmern, dass der Neurologe zur Frage der Keppra-Fortführung gefragt wird.
Ihnen alles Gute und danke für Ihre Mühe!
Annette Rauch