Hallo Tychi!
Ich halte es fuer einen schrecklichen Fehler, dass die
grammatischen
Geschlechter Gechlechter heissen, weil somit jeder gleich an
die
biologischen Geschlechter denkt.
Naja, man kann auch von „genus“ reden. 
1.-3. Form ginge doch auch
und
keiner wuerde sich auf den Schlips getreten fuehlen oder sich
fragen,
warum es „das Maedchen“ heisse, obwohl ein Maedchen doch
weiblich
ist.
Der Begriff des grammatischen Geschlechtes fuehrte dazu, dass
Frauen
sich diskriminiert fuehlten
Äh, nicht ganz. Es war wohl kaum der Begriff des grammatischen Geschlechts der dazu führte, sondern die gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die sich hier dann halt auch in der Sprache äußer(t)en.
und deshalb sagt der Bundeskanzler
„Liebe
Mitbuergerinnen und Mitbuerger“ oder „Liebe
Sozialdemokratinnen und
Sozialdemokraten“. Weiter geht es mit „Sehr geehrter Kunde,
sehr
geehrte Kundin“
*lach* Wobei das gar nicht so häufig der Fall ist, wie man vielleicht gerne annimmt. Mich amüsieren immer wieder die dezenten Hinweise in Kaufhäusern auf sog. „Hausfrauenkredite“, wo häufig „der Kunde“ angesprochen wird.
oder mit der Hybridschreibweise StudentINen.
Wenn schon, dann „StudentInnen“ mit zwei „n“.
Ich
finde dies alles ganz widerlich und koennte mir vorstellen, in
ein
englischsprachiges Land zu ziehen, nur um diesem Schwachsinn
zu
entkommen.
Keine Hemmungen! Ich war zwei Jahre in GB, war eine interessante Erfahrung.
Aber auch im englischsprachigen Raum ist es gar nicht so neutral, wie wir vielleicht denken. Dazu kurz http://www.universalteacher.org.uk/lang/gender.htm#n…:
"Occupational lexis
Look at nouns that denote workers in a given occupation. In some cases (teacher, social-worker) they may seem gender-neutral. Others may have gender-neutral denotation (doctor, lawyer, nurse) but not gender-neutral connotation for all speakers and listeners. Speakers will show this in forms such as “woman doctor” or “male nurse”. Listeners may not show it but you can test their expectations by statements or short narratives that allow for contradiction of assumptions (such as a story about a doctor or nurse depicted as the spouse of a man or woman, as appropriate).
You can try it out with this example story. See how many people find it puzzling.
A man was driving with his son, when the car was struck by another vehicle. The man was killed instantly, but his son, injured, was rushed to hospital. The surgeon came into the operating theatre, gasped and said: “But this is my son”.
Some listeners may not notice anything odd. If they are truthful some may admit to taking a little while to understand the story, and some may continue to find it puzzling until it is explained. You could vary the noun from “surgeon” to “doctor”, “consultant” or “anaesthetist” and so on, to see if this changes the responses. You could also rework the story thus:
A woman was driving with her son, when the car was struck by another vehicle. The woman was killed instantly, but her son, injured, was rushed to hospital. The theatre nurse looked at the surgeon, gasped and said: “But this is my son”
Consider forms that differentiate by gender, in adding diminutive (belittling) affixes: actress, stewardess, waitress, majorette, usherette, and so on.
My son reports that at his school, 6th form students (many of them young men) are now employed as lunchtime supervisors for younger students. And what do they call themselves? “Dinner-ladies”."
Man koennte sich doch einigen, dass die grammatisch maskuline
Form
auch gleichzeitig die neutrale Form ist, so wie es frueher
einmal
war, d.h. dass „liebe Studenten“ keine Aussage beeinhaltet, ob
man
die Maenner oder die Frauen anspricht, sondern
geschlechterneutral
ist.
Wurde schon angesprochen: Hier hat sich gehäuft etabliert, von „Studierenden“ zu reden.
Auch kenne ich es von wissenschaftlichen Arbeiten inzwischen, dass durchaus im Vorwort erläutert wird, dass eine (meist die maskuline) grammatische Form benutzt wird, dies aber nicht bedeutet, dass nur die männliche Hälfte der Welt gemeint ist, sondern es der Lesbarkeit halber geschieht.
Für mich ist der Sache mit so etwas Genüge getan, denn es zeigt, dass der Autor (oder auch die Autorin *grins*) sich der Problematik bewußt ist.
Also auch „sehr geehrtes Kundes“, „sehr geehrte Kundesen“ (die
Adjektive werden wie bei neutralen Substantiven gebeugt).
Oder „Liebe Sozialdemokratesen“
Auch die Chinesen haetten kein Problem: das Chineses und die
Chinesesen.
Ich kann mir vorstellen, dass dieser Vorschlag, auch in einer
verbesserten Form, nicht angenommen werden wird. Noch nicht
einmal
sitt fuer nicht mehr durstig hat sich durchgesetzt. (off
topic: Warum
sind Sprachneuerungen eigentlich so schwer durchsetzbar?)
Aber waere diese Vorgehensweise wenigstens theoretisch gut?
Glaube ich kaum, denn Sprache ist ein lebend Ding und entwickelt sich mit denen, die sie sprechen. Und nur auf diese Weise ändert sie sich „nachhaltig“. Wohin das sprachlich führen wird, wird nur die Zukunft zeigen.
Grüße,
Christiane