Newbie-Frage: sinkender Kurs trotz Gewinn

Hallo Forum,

heute habe ich im TV gehört, die Aktie der Commerzbank sei gefallen, obwohl das Unternehmen den angekündigten Gewinn gebracht habe, weil viele Anleger die Gewinne ins Wochenende mitnhemen wollten.
Meine Fragen: Wie ist es zu erklären, daß in solchen Fällen die Aktien sinken? Der naive Marktwirtschafler sagt doch stets, daß bei gutem Gewinn die Aktien steigen müssten? Es scheint vielmehr, daß das wirtschaftliche Vehalten nicht rational ist, in dem Sinne, daß es mit Hilfe von a priori Prinzipien erklärt werden kann. (Und daraus werde ich ableiten, daß niemand, der Wirtschaft so erklärt, begrnden kann, wieso Marktwirtschaft gut ist - weil sein Modell unzutreffend ist).
Außerdem: wieso sinken Aktien, wenn Leute die „Gewinne mitnehmen“ (was ich so verstehe, daß sie die Aktien verkaufen: o.k. dann steigt die Zahl der Aktien d.h. das Angebot, Preis fällt - aber warum passiert das, wenn die Aktien doch begehrt sein müssten (Unternehmen hat eine gute Bilanz))?

mit besten Grüßen
Markus Beck

Hallo Markus,

die Börse versucht, Gewinnentwicklungen der Zukunft zu antizipieren.
Hierzu werden z.B. von Analysten Prognosen erstellt, wie sich der Gewinn einer Aktiengesellschaft entwickeln wird. Ziel einer sogenannten fundamentalen Analyse ist es, den Gewinntrend einer AG früher zu erkennen als die anderen Marktteilnehmer, und zwar zu einem
Zeitpunkt, bei dem der Aktienkurs die erwarteten steigenden Gewinne noch nicht berücksichtigt hat. Setzt sich die Erkenntnis steigender Gewinne immer mehr durch, werden immer mehr Anleger die entsprechende Aktie kaufen. Der Aktienkurs steig. Dieser Trend hält häufig so lange an, bis die tatsächlichen Gewinne veröffentlicht sind. Sind die Erwartungen des Anlegers erfüllt worden, wird er, da er (hoffentlich) rechtzeitig gekauft hat und die Kurse gestiegen sind, nun verkaufen. In sofern ist Deine Vermutung -steigendes Angebot, fallende Kurse- richtig.

Veröffentliche Gewinne sind stets Gewinne der Vergangenheit. Und für die zahlt an der Börse kein Mensch. Für die Börse sind immer nur die zukünftien Gewinne von Bedeutung.

Aktienkursbewegungen lassen sich zu etwa 50% durch die Gewinnentwicklung erklären und zu 25% durch die Zinsentwicklung.
Der Rest ist Psychologie, Massenhysterie etc. Die Wahrnehmung vieler
Betrachter der Börse ist das, was das Fernsehen zeigt, und das ist häufig der 25% nicht erklärbare Rest. In sofern erscheinen die Kursbewegungen an der Börse tatsächlich Irrational. Die Kapitalmarttheorie bezeichnet diesen Erklärungsansatz als random walk.
Empirisch lässt sich dieser Ansatz aber nicht halten.

Beste Grüsse

Roland

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Auch hallo.

Davon mal abgesehen will auch beachtet sein, dass börsennotierte Unternehmen Kosten haben, die bezahlt werden wollen. Das kann darin ausarten, dass ein Unternehmen hohe Einnahmen aber auch hohe Ausgaben haben kann (Kredite, Dividenden…). Wenn die finanziellen Verpflichtungen eines Unternehmens höher liegen als das tatsächlich verdiente Geld wird es also interessant…Von daher muss ein steigender Gewinn nicht zwangsläufig mit einem steigenden Aktienkurs korrelieren. Ausserdem unterliegt der Preis einer Aktie auch dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Und an der Börse gilt die Weisheit: „Was die Mehrheit macht ist immer falsch“. Das beruht darauf, dass keiner weiss wann den übrigen Mitbietern das Geld ausgeht und infolgedessen die Nachfrage nach Aktien (und damit deren Preis) sinkt. Die psychologische Komponente nicht zu vergessen. Das „Spektrum der Wissenschaft“ hat hierzu einen Bericht „Die Mathematik der Börsencrashs“ veröffentlicht (05/2004).

HTH
mfg M.L.

***Quellenangabe***
http://www.spektrum.de/page/p_archiv_aktuelleausgabe…
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/606408
http://www.statistik.uni-dortmund.de/lehrst/wssoz/pu…

hallo markus,

keine panik!

wenn die anleger geschnallt haben, daß die kopfschmerzbank eine langfristig sinvolle firmenpolitik betreibt, steigt der kurs wieder.
es heißt: kaufe bei gerüchten, verkaufe bei fakten.
die kurzfrsitig orientierten anleger verkaufen jetzt, was den kurs etwas unter druck bringt.
nichts bedeutungsvolles.
manchmal fällt ein kurs, wenn die anleger noch bessere ergebnisse erwarteten. das nennt man flüsterschätzungen.

strubbel
$:open_mouth:)

Moin Markus,

ein Spruch der auch oft passt: „Die Kurse machen die Nachrichten, und nicht die Nachrichten die Kurse.“ :smile:

Gruß, Cosmo

wollen. Das kann darin ausarten, dass ein Unternehmen hohe
Einnahmen aber auch hohe Ausgaben haben kann (Kredite,
Dividenden…).

Du meinst wohl Auszahlungen.

dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Und an der Börse gilt
die Weisheit: „Was die Mehrheit macht ist immer falsch“.

Stimmt auch nicht. Entscheidend ist vielmehr der Zeitpunkt, ab dem man der Mehrheit nicht mehr vertraut bzw. es ihr nicht mehr gleichtut. Wer am Neuen Markt investiert war, hat erst dann einen Fehler gemacht, wenn er den richtigen Zeitpunkt zum absprung verpaßt hat.

Im Gegentum: Man kann nur Geld verdienen, wenn man der Mehrheit folgt. Es ergibt keinen Sinn, auf fallende Kurse zu spekulieren, wenn die Mehrheit ganz offensichtlich der Ansicht ist, die Aktie werde steigen und sie auf Teufel komm raus kauft.

Gruß,
Christian

Hallo alle zusammen:

hier noch zwei kleine Ergänzung zu dem, war Christian hier sehr richtig beschrieben hat:

Man muss wissen, wie die Börsenteilnehmer in Zukunft disponieren werden oder um es frei nach Milton Friedman auszudrücken: „es gilt alle Intelligenz darauf zu verwenden, das zu erahnen was die Mehrheit der Anleger glaubt, was die Mehrheit der Anleger tun wird“.

Anmerkung zu Gewinnbegriff in der Aktienanalyse:
Wenn Analysten von „Gewinn pro Aktie“ sprechen, meinen sie den Saldo aus Aufwendunge und Erträgen, der bereits um das ausserordentliche und aperiodische Ergebnis bereinigt ist.

Beste Grüsse

Roland

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Ergebnisbereinigung

Wenn Analysten von „Gewinn pro Aktie“ sprechen,

…dann wissen sie nicht, wovon sie reden.

meinen sie den
Saldo aus Aufwendunge und Erträgen, der bereits um das
ausserordentliche und aperiodische Ergebnis bereinigt ist.

Diese Bereinigung ist fatal, denn meist sind es genau diese Ergebnis"beiträge", die über den Untergang eines Unternehmens bestimmen. Jahrelang haben alle EBIT oder EBITDA betrachtet, ohne zu merken, daß unterhalb dieses Schnitts in der GuV-Rechnung die entscheidenden Dinge passiert sind.

Gruß,
Christian

Analysten versuchen, einen zukünftigen Gewinn zu prognostizieren. Und es ist für mich erstaunlich, wenn ich so einen Analyseporzess betrachte und die Prämissen berücksichtige, die ein Analyst nun mal machen muss, das der Gewinn pro Aktie dann auf zwei Nachkommastellen ausgewiesen wird. Tatsache ist, das die Mehrzahl der Analysten damit daneben liegen, was Deine Meinung bestätigt. Ich habe mal eine Statistik gesehen, die von einer Trefferquote von 30% spricht. Bei einer Trefferquote von 50% spricht man von Zufall.

Gruss Roland

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Aktienanlage leicht gemacht
Hi,

daneben liegen, was Deine Meinung bestätigt. Ich habe mal eine
Statistik gesehen, die von einer Trefferquote von 30% spricht.

genau aus dem Grunde habe ich mir vor einigen Jahren einen Schimpansen und einen Satz Dartpfeile zugelegt. Derzeit liege ich rund 47,27253% über dem Markt - allerdings vor Futterkosten. Die Methode ist also noch verbesserungswürdig und -fähig.

Gruß,
Christian

Man könnte ja die Analystenmeinungen als Kontraindikator benutzen.
Bei 70% Trefferwahrscheinlichkeit performt man den Markt sicher aus.
:wink:)

Gruss Roland

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