Nicht eigenständig genug!?

hallo leute,

frage mich in letzter zeit dauernd wieder was mit mir los ist. Irgendwie merke ich dass sehr darauf aus bin nur die coolsten Leute als Freunde zu haben. Sprich super teure Klamotten und perfektes aussehen, mit allen anderen komm ich zwar auch super aus, aber trotzdem habe ich irgendwie ein gehobenes interesse daran mit den ganz „krassen“ Leuten gut Freund zu sein. Leute sind für mich natürlich nur Männer… sprich ich will männliche Freunde haben die von außen unantastbar sind… ich weiß aber nicht warum das so ist. Ich selber gehöre nämlich nicht wirklich dazu, ich denke mir dass ich durch sie in eine höhere Liga aufsteigen will. Außerdemm will ich auch dass ich dann mit diesen obercoolen leuten gesehen werde von anderen, sodass mein Ansehen steigt.
Stehe ich alleine da, gelt ich nämlich eher nur als Mittelmaß. Kann mir einer sagen woran das liegt ? bzw. was ich dagegen machen kann… irgendwie will ich das ja gar nich, aber ich brauchs anscheinend.
Ich will sozusagen vor Frauen mit meinen coolen Freunden angeben. Das kann ja nicht normal sein !? Meist auch nur mit männlichen Freunden die größer sind als ich… ich selbst bin nicht so groß (~ 175 ).
Ich war jetzt auch längere Zeit mit solchen Leuten befreundet ( sehr gut sogar ) doch auf einmal haben sie den Kontakt abgebrochen ohne Grund. Hatten dann etwa ein halbes jahr mehr miteinander zu tun und jetzt bin ich auf sie zu gegangen und sie meinten dass ich zu sehr " geklammert " hätte. Sprich ich habe nur noch an ihnen gehangen und sowas… das stimmt wenn ich mir das im nachhinein bedenke. Doch ich weiß nicht wie ich sowas verhindern kann, ich weiß auch nicht woher es kommt. Ich fühle mich einfach unantastbar mit den ganz „hohen“ Leuten. Das gibt mir eine sehr hohe Sichherheit und ja…
was sagt ihr dazu ?
grüße und danke im vorraus :wink:

Hi Rolfe
Dass du as so klar und ehrlich hier formulierst, ehrt dich erstmal.
Vielen (jüngeren) Leuten geht das sicherlich ähnlich, aber sie halten das geheim. Und vor allem: Du siehst, was da bei dir abläuft, glasklar. Und as ist schon sehr viel.
Gruß,
Branden

Seh ich genauso!

Hi Rolfe,

ich kenne das von mir selber. Wobei ich nicht so krass bin, dass ich NUR mit „obercoolen“ Leuten zu tun haben will, sondern solche und solche brauche, krass gesagt: die einen für nette Zuhause-Rumhock-Abende oder lange Telefonate, die anderen zum feiern.

Was ich mittlerweile festgestellt habe, ist, dass diese augenscheinlich coolen, unantastbaren Leute aber ebenso ihre Unsicherheiten haben wie andere, sie nur erfolgreicher verstecken können. Dein (und mein „Problem“) bei der Sache ist nur, dass wir tendieren, solche Leute zu vergöttern. Und damit tun wir ihnen Unrecht, denn seine Unsicherheiten super verstecken zu können oder immer den perfekt gestylten Macker geben zu müssen, kann auf Dauer problematischer sein - diese „coolen“ Leute sind vielleicht irgendwann so sehr gefangen in ihrer selbstauferlegten Rolle, dass sie darin vereinsamen, weil sie niemanden an sich ranlassen können.
Gleichzeitig tun wir uns selbst Unrecht, wenn wir diese „coolen“ Leute für „was besseres“ halten als uns. Wir können die Leute, die wir vergöttern, gar nicht als echte Freunde behandeln, weil wir zu sehr davon ausgehen, dass sie ja gar keine Probleme haben (oder viel weniger als wir), und so sind wir auch kein Partner auf Augenhöhe.

Ein Weg in die richtige Richtung bei mir war, herauszufinden, welche Eigenschaften wirklich meine sind, welche Rolle ich auf der Welt spiele, und irgendwann stelle ich dann fest, dass man mit jeder Art zu leben „cool“ sein kann, wenn man sie selber cool findet. Sprich, ich muss nicht jeden Abend Party machen oder die teuersten Klamotten tragen, um cool zu sein, sondern eben grade meine Art zu leben als cool empfinden. (Coolness sieht ja eh jeder anders, ich z.b. empfinde superteure Klamotten als gar nicht cool, sondern finde es Oberhammer, wenn man günstigere Klamotten so kombinieren kann, dass man einen auffälligen und hippen Stil hat. ach, und übrigens finde ich Männer unter 1.75 supercool :wink:)

Ich finde es völlig ok, solche und solche Leute als Freunde zu bevorzugen, aber als „echte Freunde“ kannst du sie nur dann gewinnen, wenn du dich selber neben ihnen nicht kleiner machst. Das ist alles nicht wirklich leicht zu bewerkstelligen, aber man kann ja sein Leben lang an sich arbeiten.

Vielleicht wirst du ja öfter drüber nachdenken „warum mag ich mit den weniger coolen Leuten nicht so befreundet sein - bin ich so oberflächlich?“ Wäre eine Option, an dir zu arbeiten, auch den in deinen Augen „mittelmäßigen“ Leuten was abzugewinnen, aber meiner Erfahrung nach funktioniert das nicht so, wenn man nun mal den Ehrgeiz hat, sich an dem „Unerreichbareren“ zu orientieren. Eher andersrum: erst wenn du selber das Gefühl hast, dass du die Leute, die du verehrst, auch „erreichen“ kannst, bist du soweit, dich auch mit Leuten anfreunden zu können, die dir nicht gleich als cool vorkommen, weil du dann nicht mehr so diese Selbstbestätigung brauchst.

Tschö
Judy