Nicht, kein, weil?

Hi an alle,

ich habe vor einer Weile in einem Buch (weiß leider weder Titel noch Autor) ein paar Seiten gelesen, die mir nicht mehr aus dem Kopf wollen.
Es ging darum, daß der Autor meinte, daß die Worte „nicht, kein, weil“ extrem negativ wären und man sie aus seinem Vokabular streichen sollte.
Sätze mit diesen Worten machen einen unguten Eindruck und die gesamte Kommunikation wäre ohne diese Worte wesentlich gefälliger und positiver.
Beispiel:
„Ich kann dir nicht helfen, weil ich keine Zeit habe“
besser:
„Ich würde dir gerne helfen, habe aber momentan Zeitmangel“
Gut, beides heißt nein, aber ich würde auf die zweite Aussage positiver reagieren als auf die erste.
Ich habe, seit ich das gelesen habe, sehr auf meine Art (und auf die Art meiner Freunde und Bekannten) zu sprechen geachtet und festgestellt, daß genau diese Worte unglaublich oft benutzt werden. Mir fällt es im übrigen ziemlich schwer, einen Satz, den ich gerade sagen will, kurzfristig „umzusetzen“. Aber ich finde es toll und zutreffend.
Meine Frage:
Habt ihr darüber schon mal nachgedacht und wie findet ihr den Gedanken, diese Worte zu „streichen“?

lG, cailan

Entsetzlich
Hallo liebe callan,

wenn man nun also ein klares und unmißverständliches „Nein“ aus unserem Wortschatz striche, würden sich bald alle genauso anhören, als ob sie nen Sevice-Hotline-Ratgeber verschluckt hätten.

Dies würde bei mir die selben Magenblutungen verursachen, wie diese permanenten Dauerlächler.

Und ich bin, was dein Beispiel betrifft, genau der entgegengesetzten Ansicht.

Gerade und insbesondere unter Freunden empfindet meine Wenigkeit einen um jeden Preis positiv verlausulierten abschlägigen Bescheid meines Anliegens eher als ein klein wenig heuchlerisch und, ja, einigermaßen respektlos.

Doofes Beispiel. „Allerliebste callan, meinen rechten Arm würde ich geben, um deine 4 Billiardtische, 12 Konzertflügel und 64 Waschmaschinen für dich in den 6. Stock zu schleppen, allein, meine Großmutter ist krank und ich muß ihr Wein und Kuchen bla.“

Du verstehst hoffentlich, was ich meine. Allerdings verstehe ich nach Kenntnisnahme deiner ViKa ein klein wenig dein Ansinnen. Nach 35 Jahren Berlin hat man nen wenich die Faxen dicke von der Bäckersfrau, der man beim Schrippenholen nen schönen guten Morgen wünscht und die dann zurückschnauzt, was denn zur Hölle an diesem Morgen schön wäre.

Aber immer noch besser als diese Bussibussis, findet die lebenslange Berlinerin, die dich trotzden recht herzlich grüßt

Awful Annie

P.S.: Meine Lieblings-Tom-Waits-Stelle ist die in „Coffee And Cigarettes“, wo er sich aus purer Mißachtung um Stunden verspätet bei seinem Treffen mit Iggy Pop und diesem dann erklärt, es hätte nen schweren Verkehrsunfall auf dem Weg gegeben mit zig Schwerverletzten, die er, da gleichzeitig Chirurg, allesamt erstmal zusammenflicken mußte. „Yes, I´m a surgeon and a musician.“-„What? Really? Cool!!“

Is nur auf den ersten Blick off topic, finde ich.

Moin, cailan,

„Ich würde dir gerne helfen, habe aber momentan Zeitmangel“

wer sich soviel Mühe gibt, Absagen zu verschleiern, hat vermutlich ganz andere Gründe, abzusagen - zB keine Lust.

Habt ihr darüber schon mal nachgedacht und wie findet ihr den
Gedanken, diese Worte zu „streichen“?

Widerlich. Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, denjenigen, der mich im Dreck sitzen lässt, auch noch liebzuhaben. Im umgekehrten Fall möchte ich ernstgenommen werden - wenn ich „Nein“ sage, meine ich „Nein“ und nicht „aber sonst hab ich dich ganz doll lieb“. Dafür suche ich mir passendere Momente.

Gruß Ralf

Hi AwfulAnnie, Jenny, drambeldier,

erstmal danke euch dreien.
Habe sehr gelacht und klar, ihr habt so, wie ihr das seht, natürlich recht.
Ich mag auch weder Verschleierungssätze noch Dauerlächler, trotzdem
muß ich von meiner Sicht aus dem Autoren recht geben.
Sein „Antwortbeispiel“ ist vielleicht etwas doof, ich würde auf die "Hilfefrage, z.B. Umzug, anders antworten, "sorry, ist mir grad zu stressig, zu anstrengend o.ä…
Aber es klingt in meinen Ohren trotzdem anders und besser. Es heißt ganz klar nein und es ist ehrlich.
Das „nicht“ finde ich in den meisten Fällen barsch.
Oder Kinder: „Macht nicht so einen Lärm!“ „Bitte seid leise!“ Entschuldigt, aber es klingt anders!

Doofes Beispiel. „Allerliebste callan, meinen rechten Arm
würde ich geben, um deine 4 Billiardtische, 12 Konzertflügel
und 64 Waschmaschinen für dich in den 6. Stock zu schleppen,
allein, meine Großmutter ist krank und ich muß ihr Wein und
Kuchen bla.“

LoooooL!!!

Oh, noch etwas, dieses „weil“ ist ja nun ein Wort, daß man gerne für sich selbst als „Ausrede“ verwendet, „ich kann dies und jenes nicht machen, weil ich bla,bla“. Wenn man das hinterfragt, kann man oft feststellen, dass die „Ausrede“ falsch ist, es ist wie eine Rechtfertigung, um selbst irgendeine Tätigkeit zu vermeiden.
Letztendlich geht es ja nur um eine freundlichere Ausdrucksweise, anderen und seinem eigenen Gedankengut gegenüber.

lG, cailan

ich glaube, das ist eine sache, die gern pauschal verschrieben wird, auch wenn sie nicht immer und überall paßt (wie man sieht).

ich kenne für „nicht“ und „kein“ die begründung, das gehirn würde sie „überhören“, sodaß also eine phrase wie „kein problem“ tatsächlich als „problem“ hängenbleibt. ob es stimmt oder nicht, kann ich nicht beweisen, ich empfinde es aber als wesentlich postiver, zb. auf „danke fürs helfen“ mit „gerne!“ zu antworten, als eben mit „kein problem“.

grunsätzlich ist aber ein klares „nein“ oft und besonders bei der konfliktvermeidung ganz wichtig. das hängt wiederum mit dem „weil“ stark zusammen, weil eine begründung meistens nach ausrede klingt und damit ein klares und deutliches „nein“ abschwächen kann.

beim „weil“ kommt noch was dazu. es gibt u.a. in der sogenannten gewaltfreien kommunikation die regel, ich-botschaften zu senden. die meisten leute, die solche methoden auf ihre fahnen heften, verwenden aber versteckte du-botschaften, die nach dem muster „ich …, weil du …“ (ich bin zutiefst betroffen, weil du das und das gesagt hast) aufgebaut sind, was wiederum ein versteckter angriff ist, der sich als gewaltfreie kommunikation tarnt - ganz böse. hier kommt der angriff erst nach dem „weil“, weglassen der begründung kann also den konflikt entschärfen.

ich kenne außerdem noch die empfehlung, auf „aber“ zu verzichten, und zwar aus ähnlichen gründen. in potentiellen konfliktsituationen mögen diese empfehlungen hilfreich sein (überlegtes und leicht defensives sprechen allgemein tut es auch), in einem normalen text halte ich diese vorschläge aber für überflüssig - man zähle nur meine „aber“ in diesen zeilen.

wer nie hilft,dem wird auchnicht geholfen!!
und ein kluger Frager fragt zuerst"sag mal haste samstag Zeit?"
„ja klar“
„Dann kannste mir ja beim Umzug helfen!!“
zumindest fragt man so wenn der Andere ein Ausredenarsch ist
,aber ständig Hilfe will!!

und wenn man ne Ausrede sucht sagt man des mit der weichen Formulierung und wenn man wirklich keine Zeit hat sagt man sowieso
„ne geht nicht,muss zur Oma,liegt im Krankenhaus“…

Abgesehn davon redet man unter Freunden normal oder wird der Ausredenarsch sein!!

Hi gyuri,

erstmal danke für Deine Antwort.

ich kenne für „nicht“ und „kein“ die begründung, das gehirn
würde sie „überhören“, sodaß also eine phrase wie „kein
problem“ tatsächlich als „problem“ hängenbleibt. ob es stimmt
oder nicht, kann ich nicht beweisen, ich empfinde es aber als
wesentlich postiver, zb. auf „danke fürs helfen“ mit „gerne!“
zu antworten, als eben mit „kein problem“.

Dass ist genau das, was ich meine. Darum habe ich unten auch noch mal geschrieben „für’s eigene Gedankengut“. Und genau diese positive Art der Äußerungen finde ich sehr wichtig!

grunsätzlich ist aber ein klares „nein“ oft und besonders bei
der konfliktvermeidung ganz wichtig. das hängt wiederum mit
dem „weil“ stark zusammen, weil eine begründung meistens nach
ausrede klingt und damit ein klares und deutliches „nein“
abschwächen kann

Natürlich, aber ein „nein“ stand ja nicht zur Debatte.

ich-botschaften zu senden. die meisten leute, die solche
methoden auf ihre fahnen heften, verwenden aber versteckte
du-botschaften, die nach dem muster „ich …, weil du …“
(ich bin zutiefst betroffen, weil du das und das gesagt hast)
aufgebaut sind, was wiederum ein versteckter angriff ist, der
sich als gewaltfreie kommunikation tarnt - ganz böse. hier
kommt der angriff erst nach dem „weil“, weglassen der
begründung kann also den konflikt entschärfen.

Genau, und dieses „weil“ kann ich kaum ertragen, ich empfinde es als massive Schuldzuweisung.

ich kenne außerdem noch die empfehlung, auf „aber“ zu
verzichten, und zwar aus ähnlichen gründen. in potentiellen
konfliktsituationen mögen diese empfehlungen hilfreich sein
(überlegtes und leicht defensives sprechen allgemein tut es
auch), in einem normalen text halte ich diese vorschläge aber
für überflüssig - man zähle nur meine „aber“ in diesen zeilen.

Die ist mir neu, a b e r, ich werde drüber nachdenken.

lG, cailan

völlig OT
Nein, Newton hat sich die Gravitation nicht patentieren lassen, weil er schon genug Äpfel hatte.

Gruß an alle, die für solche Bücher Geld ausgeben.

Kai