Nicht lachen! Dynamischen Mike gesucht

Moin Experten,

für den Mitschnitt einer Theateraufführung möchte ich ein dynamisches Stereo-Mike über die Bühne hängen. Auf der Suche nach solchem Teil wurde ich nirgends fündig, das scheint es nicht mehr zu geben. Oder habe ich was übersehen?
Mab könnte wohl auch zwei Mono-Mikes nehmen, aber da habe ich es nicht geschafft, die beiden Signale auf einen Stereo-Stecker zu legen. Anscheinend dürfen die beiden Massen nicht verbunden werden. Hat jemand eine Idee?

Vielen Dank für Antworten!

Ciao
Reinhard

Salve Reinhard,

ich bin kein unbedingter Experte auf dem Gebiet, aber nach allem was ich über dieses Thema weiß nimmt man dynamische Mikros nur zur Direktabnahme. Für deine Zwecke brauchst du ein Raummikro und das sind imho immer Kondensatoren. Mit Dynamischen wirst du an der Stelle nicht glücklich werden.

Grüße
Kroeger

Ps.: Ich lache nicht. Warum auch?

Hallo Reinhard,

was jetzt kommt klingt zwar merkwüdig, funzt aber genial. Versuche irgendwo einen alten Sennheiser Kopfhörer HD 414 (der mit den gelben Schaumstoffteilen) aufzutreiben. Einfach die Ohrteile verkehrtrum auf den Bügel schieben - fertig. Früher haben wir noch so’n Styroporperrückenkopf dazwischen geklemmt, ergab echt Kunstkopfmikro Raumklang. Ach ja und den Stereoklinkenstecker hat er sowieso.

Viele Grüße
Tom

Hi Kroeger,

doch, das geht. In unserer Theatergruppe hatten wir mal so ein Mikro, das in der beschriebenen Weise genutzt wurde, um für die Video-Aufnahme der Aufführung einen besseren Ton zu bekommen. Es war eine geniale Verbesserung gegenüber der „normalen“ Aufnahme über das Kamera-Mike. Und weil das vertrackte Kabel eben so lang sein muss, damit es bis zur Seitenkulisse reicht, haben wir beim Kondensatormikrofon eben leider einen Brumm (für die Scheinwerfer wird eine Phasenanschnittsteuerung benutzt).

Na, mal sehen, ob ich so einen Kopfhörer auftreiben kann…

NB: Das Lachen bezieht sich auf den Anachronismus.

Jedenfalls danke für Deine Antwort.

Ciao

Reinhard

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,
selbstverstaendlich kann man dynamische Mikrofone ebensogut verwenden wie Kondenser. Man kann aus der Konstruktionsweise auch keinen generellen Qualitaetsunterschied ableiten.

Zur Adapterfrage:

Als erstes gilt es festzustellen, ob die Mikrofone symmetrisch (Normalfall) oder unsymmetrisch (heutzutage eher die Ausnahme) beschaltet sind.

Der Knackpunkt: der Stereoeingang via Klinkenbuchse ist in jedem Fall unsymmetrisch. Waeren die Mikrofone ebenfalls unsymmetrisch, dann waere die Verdrahtung trivial: Von jedem der Mikrofone kommt ein Koaxialkabel, dessen Innenleiter das (+)Signal fuehrt und dessen Abschirmung gleichzeitig den Signal -Pol bildet. Hier muessen nur je einer der Innenleiter mit Spitze, bzw. Ring des Steckers verbunden und beide Massen auf den Schaft gelegt werden

Nun nehmen wir an, dass wir es bei den vorhandenen Mikros mit symmetrisch beschalteten zu tun haben. Dazu zunaechst eine kurze Erlaeuterung.

Was ist der Unterschied zu einer unsymmetrisch ausgefuehrten Leitung?
Das Signal wird auf zwei Leitungen von der Quelle zum Geraeteeingang geschickt, waehrend die dritte als Abschirmung dient. Das Signal auf der zweiten Leitung wird dabei in der Phasenlage um 180 Grad verschoben (bzw. „gedreht“) versandt. Auf den ersten Blick macht das keinen Sinn, denn die Summe beider Signale waere, wuerde man sie am Eingang einfach vereinigen, = NULL, d.h. man wuerde NIX hoeren. Zum Glueck sind Ingenieure (manchmal :wink:) clevere Kerlchen und deshalb wird das verschobene Signal in der Eingangsstufe um die besagten Grade „zurueckverschoben“ oder kurz gesagt: um 180 Grad gedreht. Nun liegen beide Signale in Phase und obendrein addieren sich die Amplituden (das Signal ist „lauter“).

Warum dieser Aufwand?
Man koennte ja schliesslich gleich das Signal gleichphasig abschicken und haette ebenfalls die doppelte Amplitude. Klar also, dass die ganze Angelegenheit noch einen besonderen Clou haben muss. Hier isser:
Stoerungen, die auf das Kabel einwirken (Einstreuungen etc.), fallen auf beiden Leitungen in gleicher Phasenlage an. Wenn nun im Geraeteeingang die Phasenlage der zweiten Leitung gedreht und so das Signal in Phase geschoben wird, werden gleichzeitig die an ihr angefallenen Stoerungen „out of Phase“ gedreht: Voila! Sie annullieren sich. Und genau dieses, die eminent verringerte Stoeranfaelligkeit, ist der Grund fuer die Verwendung von XLR-bestueckten NF-Kabeln.

Um ein solches Mikrofon an einem unsymmetrischen Eingang zu betreiben ist es zunaechst erforderlich, dass der Leiter, auf dem das gegenphasige Signal liegt, auf Masse gelegt wird.

An der Miniklinke muessten also folgende Leitungen ankommen:
+1 ->Spitze
+2 -> Ring

-1, -2, Masse1 Masse2 -> Schaft

Um das zu realisieren, wuerde ich mir eine kleine Adapterbux basteln, mit zwei Anschlussbuchsen, die den normalerweise an den Mikrophonen verwendeten Kabeln entsprechen (also entweder zwei XLR oder zwei (Stereo-)Klinkenbuchsen, die erforderlichen Bruecken an den Loetfahnen der Buchsen vornehmen und von hier aus ein kurzes Kabel zum Stereoklinken-Mikroeingang fuehren.

Siehe auch: http://www.musik-produktiv.de/service/02_extras/rich…

3 „Gefällt mir“

Ich bin überrascht, dass es nichts Stereo-Dynamisches gibt – ich habe jedenfalls auch nichts finden können. Sollte die Geschichte mit dem Kopfhörer nicht funktionieren, würde ich Dir auch zu einem kleinen Mischpult raten. Ich selbst benutze für Stereoaufnahmen dieses hier:

http://www.thomann.de/behringer_ub802_eurorack_prodi…

Preiswert, robust und macht, was es soll.
Vielleicht hilft Dir das weiter.

Gasher

Hi Roger,

für Deine Antwort gibt es (auch) von mir ein Sternchen!

Danke und ciao

Reinhard