Nicht mehr Gesellschaftsfähig?

Hallo.

Angenommen jemand (den man früher als „normal“ bezeichnen konnte) wurde schon vor Jahren als junger Mann Arbeitslos und ist es bis heute.

Aufgrund der verarmung als Langzeitarbeitsloser konnte der Mann es sich nicht mehr leisten Auszugehen bzw was zu unternehmen.

Der Mann hatte nun die letzten 6 Jahre (Zeit der Arbeitslosigkeit) praktisch keinen Kontakt zu anderen Menschen. Keine Freundin, keine Freunde, nichts.
Nur zu Hause sitzen; darauf bedacht möglichst wenig vom kaum vorhandenen Geld auszugeben damit er auch noch in den letzten Tagen des Monats was zu essen hatte.

Heute ist der Mann verändert:

Von dem einst Lebenslustigen Menschen ist nur noch Bitterkeit und Zorn übrig geblieben.

Er mag andere Menschen nicht mehr und kommt auch im Umgang mit ihnen nicht mehr klar.
So wie er die Menschen nicht mag, mögen sie ihn bzw seine Art auch nicht.

Er hat eine Abneigung gegen alle anderen Menschen und besonders gegenüber Frauen entwickelt und will mit niemandem mehr etwas zu tun haben.

Was kann man mit diesem Menschen tun? Ihn in ruhe lassen? Welche Art von Hilfe wäre angebracht?

Hallo!

Was kann man mit diesem Menschen tun? Ihn in ruhe lassen?
Welche Art von Hilfe wäre angebracht?

Zunächst einmal: Hilfe wäre nur dann angebracht, wenn er sie braucht. Das kann nur er selbst beurteilen. Immerhin hat jeder Mensch das Recht ein selbstbestimmtes Leben zu führen (wobei materielle Not sehr viel Selbstbestimmung nimmt!).

Ich würde das hier auch von weiteren Umständen abhängig machen: In welcher Beziehung stehst du denn zu diesem Menschen? Warum willst du ihm helfen?

Dieser Mann musste sich eine dicke Mauer aufbauen, weil die materielle Not dazu geführt hat, dass er sich von vielen sozialen Dingen ausschließen musste. Durch Beziehungen zu Menschen, die in anderen Verhältnissen leben, würde ihm immer wieder vor Augen geführt, dass er an vielen Dingen nicht teilnehmen kann. Wie soll er sich anders davor schützen?

Almosen helfen ihm nicht weiter, weil auch das seinen Stolz verletzen muss.

Ich finde, dass das eine sehr traurige Geschichte ist, aber sicher kein Einzelfall. Wenn man diesem Menschen helfen will, dann muss man sehr behutsam sein, auch viel Widerstand aushalten und ihm sicher mit viel Liebe, Verständnis und Geduld begegnen. Und einen Weg finden, wie er seine Würde behalten kann.

Wenn du nur helfen willst, weil es dir gut tut: Lass es.

In meinem Bekanntenkreis ist jemand, der sich ähnlich zurückgezogen hat, aus anderen Gründen: Man muss das einfach akzeptieren, dass Menschen anders sind. Du solltest also nicht versuchen, ihn von Grund auf zu ändern, sondern seine Lebenseinstellung zu verstehen und zu respektieren.

Wie offen kannst du denn überhaupt mit ihm darüber reden?

LiebeGrüßeFlaschenpost

Hallo Steve,

zuerst einmal ist es natürlich wichtig, ob der Mensch, von dem du sprichst, überhaupt etwas ändern will. Hilfe von außen ist nur dann sinnvoll/Erfolg versprechend, wenn er sich selber mehr Kontakte wünscht, ihm aber der Mut fehlt - z.B. weil er sich selbst nicht mehr „gesellschaftsfähig“ fühlt.

Wenn dieser Mensch ein Freund oder Verwandter ist, und du es nicht nur „aus Mitleid“ tust, könntest du versuchen, ihm zunächst über gelegentliche Anrufe (einfach zum Plaudern), vielleicht mal einen Besuch zum Kaffee, zu zeigen, dass es immer noch jemanden gibt, der ihn liebenswert findet. Das lässt sich dann evtl. steigern - mal eine andere bekannte Person mitbringen, mal etwas außerhalb unternehmen (bitte drauf achten, dass er es sich finanziell leisten kann, und du nicht für ihn bezahlen musst) - alles ganz langsam, Schritt für Schritt. Das ganze hat wirklich nur Sinn, wenn dir etwas an diesem Menschen liegt, sonst wirst du möglicherweise zwischendurch aufgeben, weil es so langsam geht, und das ist dann schlimmer für diesen Menschen, als hättest du gar nicht angefangen.

Wenn es ein Mensch ist, dem du z.B. im Rahmen deiner Arbeit begegnet bist, dann kann ich (aus den o.g. Gründen) nur davon abraten, dass du dich persönlich „reinhängst“. Du kannst dann nur versuchen, herauszufinden, ob er eine Änderung will und ihm (wenn er das will) helfen, einen geeigneten Psychotherapeuten zu finden.

Solltest du aber von dir selber gesprochen haben, dann zeigt ja schon dein Eintrag, dass du dir eine Änderung wünschst. Dann hilft nichts anderes, als selbst aktiv zu werden - wenn dir das alleine zu schwierig erscheint, dann rate ich dazu, bei einem Psychotherapeuten Unterstützung zu suchen.

Herzliche Grüße
Heike

Hallo

Was kann man mit diesem Menschen tun? Ihn in ruhe lassen?
Welche Art von Hilfe wäre angebracht?

Für mich hört es sich in der Beschreibung ( die groben letzten 6 J. der Sozialisation ) schon so an als ob er die
Hilfe braucht, sie aber evtl. nicht mehr will. Das versetzt ihn wohlmöglich
in einen widersprüchlichen Seelenzustand; wobei er nicht seine Würde
verlieren will. Was sich ein jeder Mensch dennoch Wünscht, trotz inneren und äußeren Grenzen, ist eine Art Befreiung von seiner inneren
Unzufriedenheit und Unterstüzung von der Umwelt.

Es stimmt das wir im Leben manches irgendwann akzeptieren müssen,
weil es zu anstrengend ist immer dagegen an zu streben, doch wo da
genau bei jedem Einzelnen
die obere Grenze zu setzen ist, ist oft schwierig heraus zu
destillieren ( zudem werden in vielen Gesellschaften Menschen viel zuschnell aufgegeben). Zeit zur Resignation sollte immer nur die
letzte Alternative sein.

Es ist zu sehen, ob man nicht grundlegend eine Umwandlung des Geistes (Bewusstsein) herbeiführen kann. Die Dinge nicht so hinzunehmen, wie sie sind, sie anstatt dessen zu verstehen, nachzuhaken, sie zu untersuchen, sein Herz, Verstand und alles, was man hat, zu geben,
um nicht einen Menschen auszugrenzen und aufzugeben.

Aber das erfordert eine Art anderes zu leben. Und das hängt von jedem selbst ab und niemandem sonst.
Und, zu verstehen bedeutet, das zu verändern, was ist.

Viele Grüße
Andre

Hallo,

ich war selbst mal eine zeitlang arbeitslos (nur 8 Monate, aber die hatten es in sich, da ich zudem neu in einer Stadt war).
Am schlimmsten empfand ich, dass man nichts zu tun hatte, so total überflüssig war. Da kommt man dann schon morgends nicht mehr aus dem Bett, Abwaschen ist eine Arbeit, die man den ganzen Tag vor sich herschiebt etc.
Es legt einen auch sehr lahm, so dass schon garkeine Inititive mehr aufkommen will.

Ich denke, wenn er mit seinem Geld einigermaßen klarkommt, wäre es vielleicht sinnvoll, ihn zu ehrenamtlicher Tätigkeit (Vorleser in der Schule, falls es bei Euch solche Initiativen gibt, oder Betreuung (nicht Pflege) alter Menschen) zu überreden - das natürlich schön langsam, vielleicht selbst sowas machen und ihn mal mitnehmen. Kommt halt darauf an, was für ein Mensch er ist, wie schwierig es ist, ihn aus seiner Situation herauszuholen. Besser nicht mit dem Argument „das täte Dir gut“, eher nach dem Motto „die Leut brauchen jemanden und keiner hat Zeit - könntest Du nicht, wenigstens ausnahmsweise mal“. Wird auch nicht einfach, aber eine Chance immerhin.

Eine Aufgabe und dadurch Kontakt mit anderen Leuten und Anerkennung wären sicher schon eine Menge wert.

Ich finde es jedenfalls sehr gut, dass Du dich darum bemühst.

Viel Erfolg, Anne

Hi,

meine laienhafte Meinung dazu: Wenn dieser Mann wirklich gar nichts mit anderen Menschen zu tun haben will, kann man ihm (schon gar nicht gegen seinen Willen) „helfen“.

Das Schicksal dieses Mannes mag noch so bedauernswert erscheinen oder sein - was er damit und daraus macht, ist seine Sache. Obrigkeitsmäßig kann m. W. ohnehin erst eingeschritten werden, wenn Fremd- oder Eigengefährdung (z. B. Suizidgefahr oder Gewalt gegen andere) vorliegt.